Bio oder konventionell Test

Nach 50 Lebens­mittel­unter­suchungen zieht die Stiftung Warentest Bilanz. Sind Bioprodukte tatsäch­lich besser, schmack­hafter und gesünder als herkömm­lich hergestellte? Die Tester werteten die Ergeb­nisse für 1 020 konventionell hergestellte und 217 Biolebens­mittel aus – im Hinblick auf Gesamt­qualität, Schad­stoffe, Pestizide, Geschmack, Gesundheit, Tier- und Umwelt­schutz, Preise. Unser Special zeigt, wo der Griff zu Bioware lohnt und wo konventionelle Lebens­mittel die Nase vorn haben.

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TestBio oder konventionell25.11.2015
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Vom Agavendick­saft bis zur Tiefkühlpizza

Anfang der 70er Jahre öffneten die ersten Bioläden. Es gab Körner, Müsli und Trockenfrüchte, die Kunden füllten sie selbst ab. Die Besitzer waren mehr Einzel­kämpfer als Unternehmer. Sie glaubten an eine andere Form des Wirt­schaftens und setzten auf naturbelassene Ware. Heute wählen viele Biokäufer aus prall gefüllten Regalen im Biosu­permarkt, etwa bei Alnatura oder Denn’s Biomarkt. Die neuesten Filialen dieser Ketten bieten mehr als 6 000 Bioprodukte an: Agavendick­saft und vegetarische Brot­aufstriche, aber auch Tiefkühlpizza und Zimt­sterne.

Bio oder konventionell Test

Viele kaufen Bio beim Discounter

Vom urigen Müsli­laden zur modernen Einkaufsoase – die Biobranche hat einen enormen Sprung gemacht und ihren Umsatz stetig gesteigert. Ihre Produkte sind mitten in der Gesell­schaft ange­kommen. So machen heute nicht Natur­kost­fach­geschäfte den größten Umsatz mit Bio, sondern der klassische Lebens­mittel­einzel­handel inklusive der Drogerien. Allein Discounter wie Aldi und Lidl verkaufen jedes fünfte Bioprodukt. Der Anteil von Bio am gesamten Lebens­mittel­markt liegt aber seit Jahren bei etwa 4 Prozent. Grund: Der konventionelle Markt wächst ebenfalls.

Ist Ökoland­bau mit Wachs­tum vereinbar?

Nicht jeder ist von der neuen Biowelt begeistert. Die Entwick­lung zum Massenmarkt kratzt an den Festen der Branche. Ist das Angebot noch mit Prinzipien des Ökoland­baus vereinbar? Gehören aus der Ferne importierte Früchte und fertige Tiefkühlge­richte über­haupt in Bioläden? Aus Sicht der Dennree GmbH, die rund 190 Denn’s Biomärkte in Deutsch­land beliefert, schon. Für sie ist Wachs­tum und Ökoland­bau kein Wider­spruch. „Wenn die Nach­frage nach Biolebens­mitteln steigt, steigt auch die Motivation der Land­wirte, auf Pestizide und andere Chemikalien zu verzichten“, sagt Unter­nehmens­sprecherin Antje Müller. Dadurch könne die ökologisch bewirt­schaftete Fläche wachsen.

Oft wird Bioware importiert

So einfach ist das nicht. In Deutsch­land werden rund 7 Prozent der Fläche von Ökobauern betrieben. Die Umstellung von konventionell auf Öko dauert Jahre. Um die Nach­frage zu sättigen, wird Bioware importiert. Milch­produkte und Schweine­fleisch kommen oft aus Österreich oder Dänemark, Äpfel und Tiefkühl-Erdbeeren auch mal aus Argentinien oder China. Je länger der Weg, umso negativer die Ökobilanz. Auch garan­tieren Biosiegel nicht, dass Erntehelfer in der Ferne gut entlohnt werden.

Suche nach neuen Lieferanten

Biohersteller Rapunzel hält weiteres Wachs­tum für möglich, sieht sich aber mit in der Pflicht. Die Firma profitiert vom Boom der veganen Produkte. Um die Qualität ihrer Ware zu sichern, investierte sie in neue Rohstoff­lieferanten und Produktions­technik. „Man muss selbst etwas tun, um Bio auch morgen anbieten zu können“, sagt Heike Kirsten, bei Rapunzel verantwort­lich fürs Marketing. „Wir stellen zum Beispiel in der Türkei Bauern auf Bio-Anbau um und unterstützen sie mit Prämien. Und wir entwickeln Bio-Saat­gut mit.“

Basis-Bio und Premium-Bio

Welche Kriterien soll ein Biolebens­mittel erfüllen? Da es verschiedene Stan­dards gibt, kann das jeder Käufer mitentscheiden. Reicht ihm der Mindest­stan­dard der EU oder legt er Wert auf die strengeren Vorgaben der Anbau­verbände ( Diese Biosiegel gibt es)? Die Stan­dards unterscheiden sich unter anderem danach, wie viele Zusatz­stoffe oder wie viele Tiere pro Stall sie erlauben oder wie viel Futter ein Biobauer selbst erzeugen muss. Wer Regionales bevor­zugt, kann etwa zu Bioland-Ware greifen, wem die anthroposophische Philosophie naheliegt, zu Demeter-Produkten.

Mindest­stan­dard wird neu verhandelt

Die EU-Kommis­sion über­arbeitet derzeit die Kriterien für das EU-Biosiegel. Basis ist die EU-Ökover­ordnung. Einer der Streit­punkte in Brüssel: Soll für Bioware ein eigener Pestizid­grenz­wert einge­führt werden? Nach den Plänen wäre ein Produkt nicht mehr Bio, wenn es pro Kilogramm mehr als 0,01 Milligramm eines für Bio nicht zugelassenen Stoffs enthält – bisher war das ein Orientierungs­wert und freiwil­lig. Die Branche wehrt sich heftig: „Biobauern sollen für den Pestizid­einsatz ihrer konventionellen Nach­barn haften. Das ist inakzeptabel“, sagt Joyce Moewius vom Bund Ökologische Lebens­mittel­wirt­schaft. Die Entscheidung darüber wird wohl auf 2020 vertagt.

Wie kann sich die Branche treu bleiben?

Bleibt die Frage: Wie kann sich die Branche treu bleiben? Ein Ansatz wäre, behut­samer zu wachsen und nach­haltiger zu handeln – etwa durch weniger Importe, weniger über­flüssige Verpackung und faire Löhne in der gesamten Lieferkette.

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