Mehr als die Hälfte der gesetzlich Renten­versicherten geht vorzeitig in den Ruhe­stand. Für viele beginnt die Rente mit 63 Jahren. Oft bedeutet das aber auch eine deutlich nied­rigere Rente. Manche Berufs­tätige können aber durch lange Versicherungs­zeiten ohne Abschläge früher in Rente gehen. Besondere Ausnahme­regelungen gibt es auch für Schwerbehinderte. Hier fassen wir die wichtigsten Informationen zum Thema Rente mit 63 zusammen.

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SpecialFrührente18.06.2019
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Rente mit 63 – das bietet unser Special

Basiswissen. Die wichtigsten Informationen zum Thema Rente mit 63 fassen wir im kostenfreien Bereich für Sie zusammen.

Ihr Renten­eintritt. Berechnen Sie Ihre individuellen Daten zu Ihrem Renten­beginn mit unserem Renten­eintritts­rechner.

Musterfälle, Tipps und Rechenbei­spiele. Noch ausführ­lichere Informationen erhalten Sie, wenn Sie unsere beiden kosten­pflichtigen PDF frei­schalten: Finanztest-Leser schildern ihre Erfahrungen mit ihrer Vorruhestands­planung und wir geben Tipps, damit beim früheren Renten­eintritt alles glatt läuft. Anhand von Rechenbei­spielen erläutern wir, wie sich ein vorgezogener Ruhe­stand auf die Rente auswirkt und bis zu welchem Alter Frührentner insgesamt sogar mehr Rente bekommen als mit der Regel­alters­rente. Außerdem zeigen wir anhand einer über­sicht­lichen Infografik, welche Steuern und Sozial­abgaben in der Rente auf Sie zukommen – ein Thema was viele Menschen bei ihrer Ruhe­stands­planung oft nicht mitbedenken.

Heft-Artikel. Wenn Sie das Thema frei­schalten, erhalten Sie Zugriff auf die PDF zu den Artikeln aus Finanztest 2/2018 und Finanztest 7/2019.

Im Über­blick – der Weg in die frühe Rente

Viele können früher in Rente

Der Renten­eintritt ist für Menschen eine magische Grenze. Wer 1953 geboren wurde, kann 2019 in Rente gehen, sobald er 65 Jahre und 7 Monate alt ist. Doch ist diese Grenze nicht so starr, wie sie scheint. Hat der Arbeitnehmer mindestens 35 Beitrags­jahre zusammen, kann er sich schon mit 63 in die Rente verabschieden. Er muss dann allerdings mit einer geringeren gesetzlichen Rente leben. Besser haben es die Arbeitnehmer, die auf 45 Versicherungs­jahre kommen. Sie dürfen ohne Abschläge früher in Rente. Allerdings nicht mit 63, sondern später: 1956 Geborene erst mit 63 und 8 Monaten. Für noch später Geborene erhöht sich diese Grenze stufen­weise weiter. (Grund­legende Infos im Basiswissen Gesetzliche Rente).

Tipp: Wenn Sie wissen wollen, ob Sie früher in Rente gehen können, hilft Ihnen die Deutsche Renten­versicherung. Beratungs­termine können Sie online vereinbaren.

Die wichtigsten Tipps zur Frührente

Anspruch. Nicht jeder muss bis zu seinem regulären Renten­alter arbeiten. Mit genug Beitrags­jahren können viele schon ab 63 in Frührente gehen.

Abschläge. Wer mindestens 45 Beitrags­jahre in der Renten­versicherung zusammen hat, kann ohne Abschläge – also ohne Renten­minderung – früher in Rente gehen. Wer nur mindestens 35 Jahre zusammen hat, muss mit Einbußen rechnen.

Antrag. Die Frührente müssen Sie bei der Deutschen Renten­versicherung beantragen. Vereinbaren Sie dazu einen Termin in Ihrer Nähe.

Schwerbehin­derung. Besondere Regeln beim Renten­eintritt gelten für Menschen mit Schwerbehin­derung. Sie müssen nicht so lange arbeiten wie Menschen ohne Beein­trächtigungen.

Flexirente. Um den Über­gang von Arbeit in Rente flexibler zu gestalten, gibt es mit der Flexirente neue Regeln. So ist es zum Beispiel einfacher geworden, neben einer Frührente zu arbeiten.

Renten­eintritts­rechner: Renten­beginn berechnen

Mit unserem Renten­eintritts­rechner können Sie Ihre individuellen Renten­eintritts­termine bestimmen. Geben Sie Ihren Geburts­tag in das entsprechende Feld ein und wählen Sie aus, ob bei Ihnen eine Schwerbehin­derung vorliegt. Der Rechner zeigt Ihnen dann Ihre Eintritts­daten für die unterschiedlichen Renten­arten an. Die Voraus­setzungen für die unterschiedlichen Renten finden Sie weiter unten.

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Früher in Rente nach 45 Jahren

Die „Alters­rente für besonders lang­jährig Versicherte“ mit 63 gibt es erst seit 2014. Sie erlaubt es Menschen mit besonders langer Erwerbs­biografie, ohne Abschläge früher in Rente zu ­gehen. Nur Versicherte, die vor 1953 geboren sind, konnten allerdings tatsäch­lich mit 63 Jahren in Rente. Für alle anderen steigt das Renten­eintritts­alter schritt­weise auf 65 Jahre an. Wichtig: Zwar fallen bei besonders lang­jährig Versicherten keine Abschläge auf die Rente an. Sie bekommen durch ihre geringere Anzahl von Renten­punkten jedoch trotzdem weniger Rente, als wenn sie bis zu ihrem regulären Renten­alter weiterge­arbeitet hätten. In der Regel lohnt es sich aber nicht, für die etwas höhere Rente weiterzuarbeiten.

Beispiel: Werner Müller ist 1956 geboren, hat 45 Beitrags­jahre in der Renten­versicherung zusammen und bisher 40 Entgelt­punkte in West­deutsch­land gesammelt. Er kann ohne Abschläge mit 63 Jahren und 8 Monaten in Rente gehen. Seine Rente beträgt dann 1 322 Euro. Entschließt er sich statt­dessen, erst in seinem Regelrenten­alter von 65 Jahren und 9 Monaten in Rente zu gehen und arbeitet er mit einem Durch­schnitts­gehalt weiter, käme er dann auf 42,6 Entgelt­punkte. Seine Regel­alters­rente würde dann 1 408 Euro betragen.

Voraus­setzungen für die Rente mit 63 ohne Abschläge

Versicherte brauchen eine Mindest­versicherungs­zeit von 45 Jahren. Als Zeiten zählen: Pflicht­beiträge aus sozial­versicherungs­pflichtiger Beschäftigung und selbst­ständiger Tätig­keit, ALG I, Betriebliche Ausbildung, Kinder­erziehungs­zeit, Pflege von Angehörigen, Krankengeld, Berufliche Weiterbildung, Kurz­arbeitergeld, Insolvenzgeld, Wehr-und Zivil­dienst und freiwil­lige Rentenbeiträge, wenn Pflicht­beiträge für mindestens 18 Jahre vorhanden sind. Nicht berück­sichtigt werden Zeiten mit ALG II, Zeiten aus einem Versorgungs­ausgleich sowie aus einem Renten­splitting unter Ehegatten oder einge­tragenen Lebens­part­nern.

Wann besonders lang­jährig Versicherte früher in Rente gehen dürfen

Die Alters­grenze für besonders lang­jährig Versicherte steigt von 63 Jahren in Zwei-Monats-Schritten. Ab 1964 Geborene können erst mit 65 Jahren ohne Abschlag in Rente gehen.

Geburts­jahr

Alters­grenze

Erreichen der Alters­grenze (Monat/Jahr)

1954

63 + 4 Monate

05/2017 – 05/2018

1955

63 + 6 Monate

07/2018 – 07/2019

1956

63 + 8 Monate

09/2019 – 09/2020

1957

63 + 10 Monate

11/2020 – 11/2021

1958

64

01/2022 – 01/2023

1959

64 + 2 Monate

03/2023 – 03/2024

1960

64 + 4 Monate

05/2024 – 05/2025

1961

64 + 6 Monate

07/2025 – 07/2026

1962

64 + 8 Monate

09/2026 – 09/2027

1963

64 + 10 Monate

11/2027 – 11/2028

1964

65

01/2029 – 01/2030

Ab 1965

65

Ab 2030 (nach Voll­endung des 65. Lebens­jahrs)

Alles rund um die Rente auf test.de

Geld­werte Hinweise von Finanztest Mit der Flexirente zum Rentenplus
Grund­legende Informationen Das sollten Sie über die gesetzliche Rente wissen
Professionelle Hilfe Rentenberatung im Praxistest
Vorbereitung auf den Renten­eintritt Finanzplan 50 plus
Betriebs­rente Basiswissen Betriebliche Altersvorsorge
Rente und Scheidung Basiswissen Versorgungsausgleich
Wenn das Geld nicht reicht Grundsicherung im Alter

Frührente für Schwerbehinderte

Ebenfalls ohne Abschläge früher in Rente können Schwerbehinderte gehen. Das Renten­eintritts­alter steigt bis 65 Jahre für Menschen, die ab 1964 geboren wurden. Ein ­früherer Renten­eintritt mit Abschlägen ist möglich. Das kostet 0,3 Prozent Rente für ­jeden Monat, den die Rente früher beginnt.

Voraus­setzungen für die frühe Rente für Schwerbehinderte

Als Schwerbehinderte gelten Renten­versicherte, deren Grad der Behin­derung mindestens 50 beträgt. Außerdem müssen sie die Mindest­versicherungs­zeit von 35 Jahren erfüllen. Zusätzlich zu den Zeiten als pflicht­versicherter Arbeitnehmer oder Selbst­ständiger und Jahren mit freiwil­ligen Beiträgen zählen auch Kinder­erziehungs- und Pflege­zeiten. Darüber hinaus zählen zu den Beitrags­jahren auch Zeiten aus einem Versorgungsausgleich und sogenannte Anrechnungs­zeiten, in denen aus persönlichen Gründen nicht in die Rentenkasse einge­zahlt werden konnte. Dazu gehören zum Beispiel Krankheit, Schwangerschaft, Arbeits­losig­keit und Studium.

Früher in Rente gehen bei Schwerbehin­derung

Auch für Schwerbehinderte steigt das Alter, in dem sie abschlags­frei in Rente gehen dürfen.

Geburts­jahr

Alters­grenze

Erreichen der Alters­grenze (Monat/Jahr)

1955

63 + 9 Monate

10/2018 – 10/2019

1956

63 + 10 Monate

11/2019 – 11/2020

1957

63 + 11 Monate

12/2020 – 12/2021

1958

64

01/2022 – 01/2023

1959

64 + 2 Monate

03/2023 – 03/2024

1960

64 + 4 Monate

05/2024 – 05/2025

1961

64 + 6 Monate

07/2025 – 07/2026

1962

64 + 8 Monate

09/2026 – 09/2027

1963

64 + 10 Monate

11/2027 – 11/2028

1964

65

01/2029 – 01/2030

Ab 1965

65

Ab 2030 (nach Voll­endung des 65. Lebens­jahrs)

Früher in Rente nach 35 Jahren

Geringere Hürden hat die „Alters­rente für lang­jährig Versicherte“, deren Renten­eintritts­alter mit 63 Jahren konstant bleibt. Hier sind 35 Jahre in der Renten­versicherung notwendig. Der Ausstieg als „lang­jährig Versicherter“ ist aber im Gegen­satz zum Ausstieg als „besonders lang­jährig Versicherter“ recht teuer. Denn zu den geringeren Entgelt­punkten kommen hier noch Abschläge auf die erarbeitete Rente hinzu. Für jeden Monat, den der Versicherte früher als regulär in Rente geht, fällt die Rente um 0,3 Prozent geringer aus. Bei 24 Monaten kommt einiges zusammen und die vorzeitige Rente wird um 7,2 Prozent gekürzt.

Durch das steigende Regelrenten­alter steigt auch für jeden Jahr­gang der Abschlag, den der Versicherte in Kauf nehmen muss, wenn er mit 63 in Rente gehen will. Ab dem Jahr­gang 1964 kostet der Renten­eintritt mit 63 Jahren Abschläge in Höhe von 14,4 Prozent. Wichtig: Die Höhe der Rente bleibt auf diesem Niveau und steigt nicht auf den Wert ohne Abschläge an, wenn der Rentner das Regelrenten­alter erreicht hat.

Beispiel: Elena Haupt­mann ist 1958 geboren. Ihr reguläres Renten­alter hätte sie mit 66 Jahren erreicht. Wenn sie bis dahin durch­arbeitet, bekäme sie eine Rente von 1 421 Euro. Bis zu ihrem 63. ­Geburts­tag käme sie nach heutigem Stand auf eine monatliche Bruttorente von 1 322 Euro, wenn sie in den alten Bundes­ländern bis dahin 40 Jahre lang durch­schnitt­lich verdient hat. Bei Renten­beginn mit 63 Jahren beträgt der Abschlag 10,8 Prozent (36 Monate x 0,3). Der Abschlag ergibt dann knapp 143 Euro, sodass 1 179 Euro übrig bleiben. Diese Abschläge würden bis zum Ende ihres Lebens bestehen bleiben.

Voraus­setzungen für die Rente mit 63 mit Abschlägen

Es müssen 35 Versicherungs­jahre erreicht werden. Zusätzlich zu den Zeiten als pflicht­versicherter Arbeitnehmer oder Selbst­ständiger und Jahren mit freiwil­ligen Beiträgen zählen auch Kinder­erziehungs- und Pflege­zeiten. Darüber hinaus zählen zu den Beitrags­jahren auch Zeiten aus einem Versorgungsausgleich und sogenannte Anrechnungs­zeiten, in denen aus persönlichen Gründen nicht in die Rentenkasse einge­zahlt werden konnte. Dazu gehören zum Beispiel Krankheit, Schwangerschaft, Arbeits­losig­keit und Studium.

Was der frühere Renten­eintritt kostet

Bei der Rente für lang­jährig Versicherte mit 35 Versicherungs­jahren wird der Renten­eintritt mit 63 Jahren immer teurer. Ab 1964 geborene müssen Abschläge von 14,4 Prozent auf ihre Rente hinnehmen.

Geburts­jahr

Regulärer Renten­beginn

Abschlag (Prozent) bei Rente mit 63 Jahren

1951

65 + 5 Monate

8,7

1952

65 + 6 Monate

9,0

1953

65 + 7 Monate

9,3

1954

65 + 8 Monate

9,6

1955

65 + 9 Monate

9,9

1956

65 + 10 Monate

10,2

1957

65 + 11 Monate

10,5

1958

66

10,8

1959

66 + 2 Monate

11,4

1960

66 + 4 Monate

12,0

1961

66 + 6 Monate

12,6

1962

66 + 8 Monate

13,2

1963

66 + 10 Monate

13,8

Ab 1964

67

14,4

Flexi-Rente kann Nachteile abfedern

Wenn die Rente bei einem früheren Renten­eintritt nicht reicht, helfen die neuen Möglich­keiten der Flexirente, die Renten­minderungen abzu­federn. Die neuen Rege­lungen erleichtern es, die eigene gesetzliche Rente aufzupeppen und den Renten­eintritt flexibler zu gestalten. Sparer, die eine größere Geldsumme erben oder eine Lebens­versicherung ausgezahlt bekommen, können mit diesem Geld Abschläge in der gesetzlichen Rentenversicherung ausgleichen. Damit erhöhen sie ihre Rente. Außerdem können Frührentner Geld zu einer Frührente hinzuver­dienen. Dabei müssen Sie jedoch bestimmte Hinzuver­dienst­grenzen beachten.

Tipp: Berechnungen, welche Möglich­keiten der Flexirente sich für Sie lohnen, finden Sie in unserem Special Mit der Flexirente zum Rentenplus.

Rente mit 60 nicht mehr möglich

Früher konnten viele Versicherte sogar noch früher in Rente gehen. Bei besonderen Renten für Frauen und Arbeits­lose lag das frühest­mögliche Renten­eintritts­alter bei 60 Jahren. Diese Renten­arten sind jedoch ausgelaufen und können nicht mehr in Anspruch genommen werden.

Leser­aufruf

Uns interes­sieren die Erfahrungen unserer Leser: Sind Sie früher in Rente gegangen? Hat sich dieser Schritt für Sie gelohnt? Welche Rentenform kam für Sie infrage? Haben Sie sich vor dem Renten­eintritt beraten lassen? Haben Sie anfallende Abschläge ausgeglichen? Schreiben Sie uns eine E-Mail an: rente@stiftung-warentest.de

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