Frührente Special

Mehr als die Hälfte der gesetzlich Renten­versicherten geht vorzeitig in den Ruhe­stand. Für viele beginnt die Rente mit 63 Jahren. Für viele bedeutet das aber auch eine deutlich nied­rigere Rente. Manche Berufs­tätige können aber durch lange Versicherungs­zeiten ohne Abschläge früher in Rente gehen. Besondere Ausnahme­regelungen gibt es auch für Schwerbehinderte. Hier lesen Sie alles was Sie wissen müssen rund um die Rente mit 63.

Die wichtigsten Tipps zur Frührente

Anspruch. Nicht jeder muss bis zu seinem regulären Renten­alter arbeiten. Mit genug Beitrags­jahren können viele schon ab 63 in Frührente gehen.

Abschläge. Wer mindestens 45 Beitrags­jahre in der Renten­versicherung zusammen hat, kann ohne Abschläge – also ohne Renten­minderung – früher in Rente gehen. Wer nur mindestens 35 Jahre zusammen hat, muss mit Einbußen rechnen.

Antrag. Die Frührente müssen Sie bei der Deutschen Renten­versicherung beantragen. Vereinbaren Sie dazu einen Termin in Ihrer Nähe.

Schwerbehinderte. Besondere Regeln beim Renten­eintritt gelten für Schwerbehinderte. Sie müssen nicht so lange arbeiten wie Menschen ohne Beein­trächtigungen.

Flexirente. Um den Über­gang von Arbeit in Rente flexibler zu gestalten gibt es mit der Flexirente neue Regeln. So ist es zum Beispiel einfacher geworden, neben einer Frührente zu arbeiten.

Viele können früher in Rente

Der Renten­eintritt Menschen eine magische Grenze. Wer 1952 geboren wurde, kann 2017 in Rente gehen, sobald er 65 Jahre und 6 Monate alt ist. Doch ist diese Grenze nicht so starr, wie sie scheint. Hat der Arbeitnehmer mindestens 35 Beitrags­jahre zusammen, kann er sich schon mit 63 in die Rente verabschieden. Er muss dann allerdings mit einer geringeren gesetzlichen Rente leben. Besser haben es die Arbeitnehmer die auf 45 Versicherungs­jahre kommen. Sie dürfen ohne Abschläge früher in Rente (Grund­legen Infos im Basiswissen Gesetzliche Rente).

Tipp: Wenn Sie wissen wollen, ob Sie früher in Rente gehen können, hilft Ihnen die Deutsche Renten­versicherung. Beratungs­termine können Sie online vereinbaren.

Rente mit 63 ohne Abschläge

Die „Alters­rente für besonders lang­jährig Versicherte“ gibt es erst seit 2012. Sie erlaubt es Menschen mit besonders langer Erwerbs­biografie, ohne Abschläge früher in Rente zu ­gehen. Nur Versicherte, die vor 1953 geboren sind, konnten allerdings tatsäch­lich mit 63 Jahren in Rente. Für alle anderen steigt das Renten­eintritts­alter schritt­weise auf 65 Jahre an. Wichtig: Zwar fallen bei besonders lang­jährig Versicherten keine Abschläge auf die Rente an. Sie bekommen durch ihre geringere Anzahl von Renten­punkten jedoch trotzdem weniger Rente, als wenn sie bis zu ihrem regulären Renten­alter weiterge­arbeitet hätten. In der Regel lohnt es sich aber nicht, für die etwas höhere Rente weiterzuarbeiten.

Beispiel: Werner Müller ist 1954 geboren, hat 45 Beitrags­jahre in der Renten­versicherung zusammen und bisher 40 Entgelt­punkte in West­deutsch­land gesammelt. Er kann nun ohne Abschläge mit 63 Jahren und 4 Monaten in Rente gehen. Seine Rente beträgt dann 1 241 Euro. Entschließt er sich statt­dessen, erst in seinem Regelrenten­alter von 65 Jahren und 8 Monaten in Rente zu gehen und arbeitet er mit einem Durch­schnitts­gehalt weiter, käme er dann auf 42,3 Entgelt­punkte. Seine Regel­alters­rente würde dann 1 313 Euro betragen.

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Grund­legende Informationen Das sollten Sie über die gesetzliche Rente wissen
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Voraus­setzungen für die Rente mit 63 ohne Abschläge

Versicherte brauchen eine Mindest­versicherungs­zeit von 45 Jahren. Als Zeiten zählen: Pflicht­beiträge aus sozial­versicherungs­pflichter Beschäftigung und selbst­ständiger Tätig­keit, ALG I, Betriebliche Ausbildung, Kinder­erziehungs­zeit, Pflege von Angehörigen, Krankengeld, Berufliche Weiterbildung, Kurz­arbeitergeld, Insolvenzgeld, Wehr-und Zivil­dienst und freiwil­lige Rentenbeiträge, wenn Pflicht­beiträge für mindestens 18 Jahre vorhanden sind. Nicht berück­sichtigt werden Zeiten mit ALG II, Zeiten aus einem Versorgungs­ausgleich sowie aus einem Renten­splitting unter Ehegatten oder einge­tragenen Lebens­part­nern.

Wer wann früher in Rente gehen darf

Die Alters­grenze für besonders lang­jährig Versicherte steigt vom 63 Jahren in Zwei-Monats-Schritten. Ab 1964 geborene können erst mit 65 Jahren ohne Abschlag in Rente gehen.

Geburts­jahr

Alters­grenze

Erreichen der Alters­grenze (Monat/Jahr)

1954

63 + 4 Monate

5/2017 – 4/2018

1955

63 + 6 Monate

7/2018 – 6/2019

1956

63 + 8 Monate

9/2019 – 8/2020

1957

63 + 10 Monate

11/2020 – 10/2021

1958

64

1/2022 – 12/2022

1959

64 + 2 Monate

3/2023 – 2/2024

1960

64 + 4 Monate

5/2024 – 4/2025

1961

64 + 6 Monate

7/2025 – 6/2026

1962

64 + 8 Monate

9/2026 – 8/2027

1963

64 + 10 Monate

11/2027 – 10/2028

1964

65

1/2029 – 12/2029

Ab 1965

65

Ab 2030 (nach Voll­endung des 65. Lebens­jahrs)

      Frührente für Schwerbehinderte

      Ebenfalls ohne Abschläge früher in Rente können Schwerbehinderte gehen. Das Renten­eintritts­alter steigt bis 65 Jahre für Menschen, die ab 1964 geboren wurden. Ein ­früherer Renten­eintritt mit Abschlägen ist möglich. Das kostet 0,3 Prozent Rente für ­jeden Monat, den die Rente früher beginnt.

      Voraus­setzungen für die frühe Rente für Schwerbehinderte

      Als Schwerbehinderte gelten Renten­versicherte, deren Grad der Behin­derung mindestens 50 beträgt. Außerdem müssen sie die Mindest­versicherungs­zeit von 35 Jahren erfüllen. Zusätzlich zu den Zeiten als pflicht­versicherter Arbeitnehmer oder Selbst­ständiger und Jahren mit freiwil­ligen Beiträgen zählen auch Kinder­erziehungs- und Pflege­zeiten. Darüber hinaus zählen zu den Beitrags­jahren auch Zeiten aus einem Versorgungsausgleich und sogenannte Anrechnungs­zeiten, in denen aus persönlichen Gründen nicht in die Rentenkasse einge­zahlt werden konnte. Dazu gehören zum Beispiel Krankheit, Schwangerschaft, Arbeits­losig­keit und Studium.

      Wer wann früher in Rente gehen darf

      Auch für Schwerbehinderte steigt das Alter, in dem sie abschlags­frei in Rente gehen dürfen.

      Geburts­jahr

      Alters­grenze

      Erreichen der Alters­grenze (Monat/Jahr)

      1953

      63 + 7 Monate

      8/2016 – 7/2017

      1954

      63 + 8 Monate

      9/2017 – 8/2018

      1955

      63 + 9 Monate

      10/2018 – 9/2019

      1956

      63 + 10 Monate

      11/2019 – 10/2020

      1957

      63 + 11 Monate

      12/2020 – 11/2021

      1958

      64

      1/2022 – 12/2022

      1959

      64 + 2 Monate

      3/2023 – 2/2024

      1960

      64 + 4 Monate

      5/2024 – 4/2025

      1961

      64 + 6 Monate

      7/2025 – 6/2026

      1962

      64 + 8 Monate

      9/2026 – 8/2027

      1963

      64 + 10 Monate

      11/2027 – 10/2028

      1964

      65

      1/2029 – 12/2029

      Ab 1965

      65

      Ab 2030 (nach Voll­endung des 65. Lebens­jahrs)

          Rente mit 63 mit Abschlägen

          Geringere Hürden hat die „Alters­rente für lang­jährig Versicherte“ deren Renten­eintritts­alter mit 63 Jahren konstant bleibt. Hier sind 35 Jahre in der Renten­versicherung notwendig. Der Ausstieg als „lang­jährig Versicherter“ ist aber im Gegen­satz zum Ausstieg als „besonders lang­jährig Versicherter“ recht teuer. Denn zu den geringeren Entgelt­punkten kommen hier noch Abschläge auf die erarbeitete Rente hinzu. Für jeden Monat, den der Versicherte früher als regulär in Rente geht, fällt die Rente um 0,3 Prozent geringer aus. Bei 24 Monaten kommt einiges zusammen und die vorzeitige Rente wird um 7,2 Prozent gekürzt.

          Durch das steigende Regelrenten­alter steigt auch für jeden Jahr­gang der Abschlag, den der Versicherte in Kauf nehmen muss, wenn er mit 63 in Rente gehen will. Ab dem Jahr­gang 1964 kostet der Renten­eintritt mit 63 Jahren Abschläge in Höhe von 14,4 Prozent. Wichtig: Die Höhe der Rente bleibt auf diesem Niveau und steigt nicht auf den Wert ohne Abschläge an, wenn der Rentner das Regelrenten­alter erreicht hat.

          Beispiel: Elena Haupt­mann ist 1958 geboren. Ihr reguläres Renten­alter hätte sie mit 66 Jahren erreicht. Wenn sie bis dahin durch­arbeitet, bekäme sie eine Rente von 1 334 Euro. Bis zu ihrem 63. ­Geburts­tag käme sie nach heutigem Stand auf eine monatliche Bruttorente von 1 241 Euro, wenn sie in den alten Bundes­ländern bis dahin 40 Jahre lang durch­schnitt­lich verdient hat. Bei Renten­beginn mit 63 Jahren beträgt der Abschlag 10,8 Prozent (36 Monate x 0,3). Der Abschlag ergibt dann knapp 134 Euro, sodass 1 107 Euro übrig bleiben. Diese Abschläge würden bis zum Ende ihres Lebens bestehen bleiben.

          Voraus­setzungen für die Rente mit 63 mit Abschlägen

          Es müssen 35 Versicherungs­jahre erreicht werden. Zusätzlich zu den Zeiten als pflicht­versicherter Arbeitnehmer oder Selbst­ständiger und Jahren mit freiwil­ligen Beiträgen zählen auch Kinder­erziehungs- und Pflege­zeiten. Darüber hinaus zählen zu den Beitrags­jahren auch Zeiten aus einem Versorgungsausgleich und sogenannte Anrechnungs­zeiten, in denen aus persönlichen Gründen nicht in die Rentenkasse einge­zahlt werden konnte. Dazu gehören zum Beispiel Krankheit, Schwangerschaft, Arbeits­losig­keit und Studium.

          Was der frühere Renten­eintritt kostet

          Bei der Rente für lang­jährig Versicherte mit 35 Versicherungs­jahren wird der Renten­eintritt mit 63 Jahren immer teurer. Ab 1964 geborene müssen Abschläge von 14,4 Prozent auf ihre Rente hinnehmen.

          Geburts­jahr

          Regulärer Renten­beginn

          Abschlag (Prozent) bei Rente mit 63 Jahren

          1951

          65 + 5 Monate

          8,7

          1952

          65 + 6 Monate

          9,0

          1953

          65 + 7 Monate

          9,3

          1954

          65 + 8 Monate

          9,6

          1955

          65 + 9 Monate

          9,9

          1956

          65 + 10 Monate

          10,2

          1957

          65 + 11 Monate

          10,5

          1958

          66

          10,8

          1959

          66 + 2 Monate

          11,4

          1960

          66 + 4 Monate

          12,0

          1961

          66 + 6 Monate

          12,6

          1962

          66 + 8 Monate

          13,2

          1963

          66 + 10 Monate

          13,8

          Ab 1964

          67

          14,4

              Flexi Rente kann Nachteile abfedern

              Wenn die Rente bei einem früheren Renten­eintritt nicht reicht, helfen die neuen Möglich­keiten der Flexirente die Renten­minderungen abzu­federn. Die neuen Rege­lungen erleichtern es, die eigene gesetzliche Rente aufzupeppen und den Renten­eintritt flexibler zu gestalten. Sparer, die eine größere Geldsumme erben oder eine Lebens­versicherung ausgezahlt bekommen, können mit diesem Geld Abschläge in der gesetzlichen Rentenversicherung ausgleichen. Damit erhöhen sie ihre Rente. Außerdem können Frührentner Geld zu einer Frührente hinzuver­dienen. Dabei müssen Sie jedoch bestimmte Hinzuver­dienst­grenzen beachten.

              Tipp: Berechnungen, welche Möglich­keiten der Flexirente sich für Sie lohnen, finden Sie in unserem Special Mit der Flexirente zum Rentenplus.

              Rente mit 60 nicht mehr möglich

              Früher konnten viele Versicherte sogar noch früher in Rente gehen. Bei besonderen Renten für Frauen und Arbeits­lose lag das frühest­mögliche Renten­eintritts­alter bei 60 Jahren. Diese Renten­arten sind jedoch ausgelaufen und können nicht mehr in Anspruch genommen werden.

              Dieser Artikel ist hilfreich. 28 Nutzer finden das hilfreich.