Frührente So klappt die Rente mit 63

02.07.2021
Frührente - So klappt die Rente mit 63
Entspannt in Rente mit 63. Für viele Arbeitnehmer ist das möglich. © Michael Meister / Die Kleinert.de

Viele Menschen können früher in Rente gehen. Wer lange gearbeitet hat, muss dabei kaum Einbußen hinnehmen. Wir bringen alle wichtigen Informationen zum Thema Rente mit 63.

Inhalt

Rente mit 63: das Wichtigste in Kürze

Die wichtigsten Tipps zur Frührente

Anspruch.
Nicht jeder muss bis zu seinem regulären Renten­alter arbeiten. Mit genug Beitrags­jahren können viele schon ab 63 in Frührente gehen.
Abschläge.
Mit mindestens 45 Beitrags­jahren können Sie abschlags­frei – also ohne Renten­minderung – früher in Rente gehen. Wer nur mindestens 35 Jahre aufweist, muss mit Einbußen rechnen.
Alter.
Das Renten­eintritts­alter für die abschlags­freie Rente mit 45 Versicherungs­jahren steigt für jeden Jahr­gang an: Für den Jahr­gang 1957 liegt es bei 63 Jahren und zehn Monaten. Für die Rente mit Abschlägen nach 35 Versicherungs­jahren bleibt das Alter 63 Jahre.
Antrag.
Die vorgezogene Rente müssen Sie bei der Deutschen Renten­versicherung beantragen. Vereinbaren Sie dazu einen Termin in Ihrer Nähe oder in Corona-Zeiten zur Telefon- oder Online-Beratung. Die Renten­versicherung berät auch zum Renten­eintritt und prüft ihren Anspruch.
Renten­eintritt.
Berechnen Sie Ihre individuellen Daten zu Ihrem Renten­beginn mit unserem Renteneintrittsrechner.
Schwerbehin­derung.
Besondere Regeln beim Renten­eintritt gelten für Menschen mit Schwerbehin­derung. Sie müssen nicht so lange arbeiten wie Menschen ohne Beein­trächtigungen. Hier geht es zu unserem Special Rente für schwerbehinderte Menschen.
Alters­teil­zeit.
Eine attraktive Ergän­zung zum frühen Renten­eintritt ist die Alters­teil­zeit, die in vielen Betrieben angeboten wird. Alles dazu finden Sie in unserem Special Altersteilzeit.
Musterfälle, Tipps und Rechenbei­spiele.
Noch ausführ­lichere Informationen erhalten Sie, wenn Sie unsere Finanztest-Berichte zum Thema Frührente als PDF frei­schalten: So zeigen wir etwa anhand von Rechenbei­spielen, wie sich ein vorgezogener Ruhe­stand auf die Rente auswirkt und bis zu welchem Alter Frührentner sogar mehr Rente bekommen als mit der Regel­alters­rente.

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Special Frührente

02.07.2021

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Renten­eintritts­rechner: Renten­beginn berechnen

Mit unserem Renten­eintritts­rechner können Sie Ihre individuellen Renten­eintritts­termine bestimmen. Geben Sie Ihren Geburts­tag in das entsprechende Feld ein und wählen Sie aus, ob bei Ihnen eine Schwerbehin­derung vorliegt. Der Rechner zeigt Ihnen dann Ihre Eintritts­daten für die unterschiedlichen Renten­arten an. Die Voraus­setzungen für die unterschiedlichen Renten finden Sie weiter unten.

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Wege in die frühe Rente

Viele können früher in Rente

Der Renten­eintritt ist für Menschen eine magische Grenze. Wer 1957 geboren wurde, kann regulär 2023 in Rente gehen, sobald er 65 Jahre und 11 Monate alt ist. Doch ist diese Grenze nicht so starr, wie sie scheint. Hat der Arbeitnehmer mindestens 35 Beitrags­jahre zusammen, kann er sich schon mit 63 in die Rente verabschieden. Er muss dann allerdings mit einer geringeren gesetzlichen Rente leben. Besser haben es die Arbeitnehmer, die auf 45 Versicherungs­jahre kommen. Sie dürfen ohne Abschläge früher in Rente. Allerdings nicht mit 63, sondern später: 1957 Geborene erst mit 63 und 10 Monaten. Für noch später Geborene erhöht sich diese Grenze stufen­weise weiter.

Corona-Folgen und frühere Rente

Wie wirken sich Kurz­arbeit, Arbeits­losig­keit und Teil­zeit auf den früheren Renten­eintritt aus?

Kurz­arbeit.
Kurz­arbeit wirkt sich nur in geringem Maße auf die Rentenhöhe aus. Die Beiträge zur Renten­versicherung werden auf Basis von 80 Prozent des Verdienstes, der wegen Kurz­arbeit ausgefallen ist, aufgestockt. Das gilt selbst bei Kurz­arbeit Null ohne geleistete Arbeits­stunden. Es gibt auch Arbeit­geber, die freiwil­lig mehr zahlen. Für das Erreichen der notwendigen Versicherungs­jahre für alle vorgezogenen Renten zählen Jahre in Kurz­arbeit mit.
Arbeits­losig­keit.
Beim Bezug von Arbeits­losengeld I ist der Effekt auf die Rentenhöhe gering. Für die Rente zählt diese Zeit zu 80 Prozent vom Gehalt, mit dem das Arbeits­losengeld berechnet wurde. Versicherte, die Arbeits­losengeld bekommen, sind außerdem nicht gezwungen, in dieser Phase eine Rente mit Abschlägen zu beantragen. Für eine Rente für langjährig Versicherte mit Abschlägen zählen auch Zeiten mit Arbeits­losengeld I. Anders ist das bei der abschlags­freien Rente für besonders langjährig Versicherte. Bei dieser Rentenform wird Arbeits­losig­keit zwei Jahre vor Renten­eintritt nicht berück­sichtigt. Ausnahme: Insolvenz oder Geschäfts­schließung des Arbeit­gebers sind der Grund.
Teil­zeit.
Die Arbeits­zeit zu reduzieren, hat spür­bare Auswirkungen auf die Rente, vor allem bei dauer­hafter Teil­zeit­arbeit. Wer nur halb so viel arbeitet, wie es bei einem Voll­zeitjob der Fall wäre, erwirt­schaftet in der Zeit auch nur 50 Prozent der Beiträge für die Rentenkasse. Das macht sich über Jahre empfindlich bemerk­bar. Für das Erreichen der notwendigen Versicherungs­jahre für alle vorgezogenen Renten zählen Jahre in Teil­zeit aber mit.
Alters­teil­zeit.
Auf die Rentenhöhe wirkt sich Altersteilzeit kaum negativ aus. Denn der Arbeit­geber stockt die Beiträge auf. Es fließen 90 Prozent der vorherigen Beiträge in die Rentenkasse. Für das Erreichen der notwendigen Versicherungs­jahre für alle vorgezogenen Renten zählen auch die arbeits­freien Jahre der Alters­teil­zeit mit.

Ohne Abschläge früher in Rente – nach 45 Jahren

Frührente - So klappt die Rente mit 63
© Stiftung Warentest / René Reichelt

Die „Alters­rente für besonders lang­jährig Versicherte“ mit 63 gibt es seit 2014. Sie erlaubt es Menschen mit besonders langer Erwerbs­biografie, ohne Abschläge früher in Rente zu gehen. Nur Versicherte, die vor 1953 geboren sind, konnten allerdings tatsäch­lich mit 63 Jahren in Rente. Für alle anderen steigt das Renten­eintritts­alter schritt­weise auf 65 Jahre an. Wichtig: Zwar fallen bei besonders lang­jährig Versicherten keine Abschläge auf die Rente an. Sie bekommen durch ihre geringere Anzahl von Renten­punkten jedoch trotzdem weniger Rente, als wenn sie bis zu ihrem regulären Renten­alter weiterge­arbeitet hätten. In der Regel lohnt es sich aber nicht, für die etwas höhere Rente weiterzuarbeiten.

Beispiel: Werner Müller ist 1957 geboren, hat 45 Beitrags­jahre in der Renten­versicherung zusammen und bisher 40 Entgelt­punkte in West­deutsch­land gesammelt. Er kann ohne Abschläge mit 63 Jahren und 10 Monaten in Rente gehen. Seine Rente beträgt dann 1 368 Euro. Entschließt er sich statt­dessen, erst in seinem Regelrenten­alter von 65 Jahren und 11 Monaten in Rente zu gehen und arbeitet er mit einem Durch­schnitts­gehalt weiter, käme er dann auf 42,9 Entgelt­punkte. Seine Regel­alters­rente würde dann 1 467 Euro betragen.

Voraus­setzungen für die Rente ab 63 ohne Abschläge

Versicherte brauchen eine Mindest­versicherungs­zeit von 45 Jahren. Als Zeiten zählen: Pflicht­beiträge aus sozial­versicherungs­pflichtiger Beschäftigung und selbst­ständiger Tätig­keit, ALG 1, Betriebliche Ausbildung, Kinder­erziehungs­zeit, Pflege von Angehörigen, Krankengeld, Berufliche Weiterbildung, Kurz­arbeitergeld, Insolvenzgeld, Wehr-und Zivil­dienst und freiwil­lige Rentenbeiträge, wenn Pflicht­beiträge für mindestens 18 Jahre vorhanden sind. Nicht berück­sichtigt werden Zeiten mit ALG 2, Zeiten aus einem Versorgungs­ausgleich sowie aus einem Renten­splitting unter Ehegatten oder einge­tragenen Lebens­part­nern.

Tabelle: Renten­beginn für besonders lang­jährig Versicherte

Die Alters­grenze für besonders lang­jährig Versicherte steigt von 63 Jahren in Zwei-Monats-Schritten. Ab 1964 Geborene können erst mit 65 Jahren ohne Abschlag in Rente gehen.

Geburts­jahr

Alters­grenze

Erreichen der Alters­grenze (Monat/Jahr)

1957

63 + 10 Monate

11/2020 – 11/2021

1958

64

01/2022 – 01/2023

1959

64 + 2 Monate

03/2023 – 03/2024

1960

64 + 4 Monate

05/2024 – 05/2025

1961

64 + 6 Monate

07/2025 – 07/2026

1962

64 + 8 Monate

09/2026 – 09/2027

1963

64 + 10 Monate

11/2027 – 11/2028

1964

65

01/2029 – 01/2030

Ab 1965

65

Ab 2030 (nach Voll­endung des 65. Lebens­jahrs)

Alles rund um die Rente auf test.de

Grund­legende Infos
Das sollten Sie über die gesetzliche Rente wissen
Früher in Rente Rente für Menschen mit Schwerbehinderung
Professionelle Hilfe Rentenberatung im Praxistest
Vorbereitung auf den Renten­eintritt Finanzplan für die Rente
Grund­rente.Wer von der neuen Rentenform profitiert
Betriebs­renteBasiswissen Betriebliche Altersvorsorge
Rente und Scheidung Basiswissen Versorgungsausgleich
Wenn das Geld nicht reicht Grundsicherung im Alter

Mit Abschlägen früher in Rente – nach 35 Jahren

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© Stiftung Warentest / René Reichelt

Geringere Hürden hat die „Alters­rente für lang­jährig Versicherte“, deren Renten­eintritts­alter mit 63 Jahren konstant bleibt. Hier sind 35 Jahre in der Renten­versicherung notwendig. Der Ausstieg als „lang­jährig Versicherter“ ist aber im Gegen­satz zum Ausstieg als „besonders lang­jährig Versicherter“ recht teuer. Denn zu den geringeren Entgelt­punkten kommen hier noch Abschläge auf die erarbeitete Rente hinzu. Für jeden Monat, den der Versicherte früher als regulär in Rente geht, fällt die Rente um 0,3 Prozent geringer aus. Bei 24 Monaten kommt einiges zusammen und die vorzeitige Rente wird um 7,2 Prozent gekürzt.

Durch das steigende Regelrenten­alter steigt auch für jeden Jahr­gang der Abschlag, den Versicherte in Kauf nehmen müssen, wenn sie mit 63 in Rente gehen möchten. Ab dem Jahr­gang 1964 kostet der Renten­eintritt mit 63 Jahren Abschläge in Höhe von 14,4 Prozent. Wichtig: Die Höhe der Rente bleibt auf diesem Niveau und steigt nicht auf den Wert ohne Abschläge an, wenn der Rentner das Regelrenten­alter erreicht hat.

Beispiel: Elena Haupt­mann ist 1959 geboren. Ihr reguläres Renten­alter hätte sie mit 66 Jahren und 2 Monaten erreicht. Wenn sie bis dahin durch­arbeitet, bekäme sie eine Rente von 1 476 Euro. Bis zu ihrem 63. Geburts­tag käme sie nach heutigem Stand auf eine monatliche Bruttorente von 1 368 Euro, wenn sie in den alten Bundes­ländern bis dahin 40 Jahre lang durch­schnitt­lich verdient hat. Bei Renten­beginn mit 63 Jahren beträgt der Abschlag 11,4 Prozent (38 Monate x 0,3). Der Abschlag ergibt dann knapp 156 Euro, sodass 1 212 Euro übrig bleiben. Diese Abschläge würden bis zum Ende ihres Lebens bestehen bleiben. Durch mögliche prozentuale Renten­steigerungen wächst die absolute Differenz sogar noch.

Voraus­setzungen für die Rente mit 63 mit Abschlägen

Versicherte müssen 35 Beitrags­jahre erreichen. Zusätzlich zu den Zeiten als pflicht­versicherter Arbeitnehmer oder Selbst­ständiger und Jahren mit freiwil­ligen Beiträgen zählen auch Kinder­erziehungs- und Pflege­zeiten. Darüber hinaus zählen zu den Beitrags­jahren auch Zeiten aus einem Versorgungsausgleich und sogenannte Anrechnungs­zeiten, in denen aus persönlichen Gründen nicht in die Rentenkasse einge­zahlt werden konnte. Dazu gehören zum Beispiel Krankheit, Schwangerschaft, Arbeits­losig­keit und Studium.

Tabelle: Abschläge durch einen früheren Renten­beginn

Bei der Rente für lang­jährig Versicherte mit 35 Versicherungs­jahren wird der Renten­eintritt mit 63 Jahren immer teurer. Ab 1964 geborene Versicherte müssen Abschläge von 14,4 Prozent auf ihre Rente hinnehmen.

Geburts­jahr

Regulärer Renten­beginn

Abschlag (Prozent) bei Rente mit 63 Jahren

1958

66

10,8

1959

66 + 2 Monate

11,4

1960

66 + 4 Monate

12,0

1961

66 + 6 Monate

12,6

1962

66 + 8 Monate

13,2

1963

66 + 10 Monate

13,8

Ab 1964

67

14,4

Abschläge ausgleichen kann sich lohnen

Versicherte müssen nicht mit der gekürzten Rente leben. Es gibt die Möglich­keit, die Abschläge vor Renten­eintritt durch freiwil­lige Einzahlungen in die Renten­versicherung auszugleichen. Die Konditionen sind hier besser, als wenn man das Geld in eine private Renten­versicherung zahlen würde. Das liegt daran, dass sich die Einzahlungen Steuern sparen lassen. Alles dazu in unserem Special Die Rente erhöhen und Steuern sparen.

Buch­tipp: Meine Rente

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Richtig planen, mehr heraus­holen. Das gesammelte Finanztest-Expertenwissen über Renten­versicherung, Vorsorge, Riester-Rente, Flexirente und Mütterrente finden Sie in unserem im März 2021 erschienenen Buch Meine Rente. Der Ratgeber der Stiftung Warentest geht anhand vieler anschaulicher Praxis­beispiele auf die wichtigsten Fragen rund um den Renten­eintritt ein. Mit unseren Tipps können Sie mehr heraus­holen!

Frührente für Schwerbehinderte

Ebenfalls ohne Abschläge früher in Rente können Schwerbehinderte gehen. Das Renten­eintritts­alter steigt bis 65 Jahre für Menschen, die ab 1964 geboren wurden. Ein ­früherer Renten­eintritt mit Abschlägen ist möglich. Das kostet 0,3 Prozent Rente für ­jeden Monat, den die Rente früher beginnt. Genaue Infos in unserem Special Rente für Menschen mit Schwerbehinderung.

Voraus­setzungen für die frühe Rente für Schwerbehinderte

Als Schwerbehinderte gelten Renten­versicherte, deren Grad der Behin­derung mindestens 50 beträgt. Außerdem müssen sie die Mindest­versicherungs­zeit von 35 Jahren erfüllen. Zusätzlich zu den Zeiten als pflicht­versicherter Arbeitnehmer oder Selbst­ständiger und Jahren mit freiwil­ligen Beiträgen zählen auch Kinder­erziehungs- und Pflege­zeiten. Darüber hinaus zählen zu den Beitrags­jahren auch Zeiten aus einem Versorgungsausgleich und sogenannte Anrechnungs­zeiten, in denen aus persönlichen Gründen nicht in die Rentenkasse einge­zahlt werden konnte. Dazu gehören zum Beispiel Krankheit, Schwangerschaft, Arbeits­losig­keit und Studium.

Tabelle: Renten­eintritts­alter mit Schwerbehin­derung

Auch für Schwerbehinderte steigt das Alter, in dem sie abschlags­frei in Rente gehen dürfen.

Geburts­jahr

Alters­grenze

Erreichen der Alters­grenze (Monat/Jahr)

1957

63 + 11 Monate

12/2020 – 12/2021

1958

64

01/2022 – 01/2023

1959

64 + 2 Monate

03/2023 – 03/2024

1960

64 + 4 Monate

05/2024 – 05/2025

1961

64 + 6 Monate

07/2025 – 07/2026

1962

64 + 8 Monate

09/2026 – 09/2027

1963

64 + 10 Monate

11/2027 – 11/2028

1964

65

01/2029 – 01/2030

Ab 1965

65

Ab 2030 (nach Voll­endung des 65. Lebens­jahrs)

Rente mit 60 nicht mehr möglich

Früher konnten viele Versicherte sogar noch früher in Rente gehen. Bei besonderen Renten für Frauen und Arbeits­lose lag das frühest­mögliche Renten­eintritts­alter bei 60 Jahren. Diese Renten­arten sind jedoch ausgelaufen und können nicht mehr in Anspruch genommen werden.

Hinzuver­dienst bei vorgezogener Rente (mit Rechner)

In der Phase zwischen vorzeitigem Renten­eintritt und Erreichen des regulären Renten­alters dürfen Neu-Ruhe­ständler mit einem Job nicht unbe­grenzt hinzuver­dienen: Ober­halb eines Frei­betrags von 6 300 Euro werden 40 Prozent des Gehalts ange­rechnet und mindern die Rente. Erst mit Erreichen des Renten­alters ist es egal, wie hoch der Zuver­dienst ausfällt.

Höherer Hinzuver­dienst wegen Corona

Durch das „Sozial­schutz­paket“ zur Corona-Pandemie können vorzeitige Rentner 2021 jedoch deutlich mehr hinzuver­dienen, ohne dass ihre Rente gekürzt wird. Der Frei­betrag wurde auf 46 060 Euro ange­hoben. Das ermöglicht zum Beispiel Frührentnern aus dem Gesund­heits­bereich, wieder zu arbeiten – ohne Nachteile bei der Rente. Die Regelung ist nicht an einen bestimmten Beruf gebunden. Für Erwerbsminderungsrentner gilt sie allerdings nicht.

Wie die Anrechnung funk­tioniert

Beispiel: Eine Frau erhält eine Rente in Höhe von 17 576 Euro im Jahr. Ihr Zuver­dienst beträgt 25 000 Euro. In normalen Jahren erfolgt die Anrechnung des Frei­betrags von 6 300 Euro wie folgt:

  • Gehalt abzüglich Frei­betrag: 25 000 Euro - 6 300 Euro = 18 700 Euro
  • 40 Prozent von 18 700 Euro = 7 480 Euro
  • Rente nach Anrechnung: 17 576 Euro - 7 480 Euro = 10 096 Euro

2021 sieht die Rechnung anders aus: Da ihr Gehalt von 25 000 Euro unter dem Corona-Frei­betrag von 46 060 Euro liegt, erhält sie ihre Rente weiter ungekürzt in Höhe von 17 576 Euro ausgezahlt – und macht damit ein Plus von fast 7 500 Euro.

Hinzuver­dienst-Rechner

Mit unserem Rechentool können Sie selbst errechnen, wie sich ein Hinzuver­dienst auf Ihre vorgezogene Rente auswirkt:

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Hinzuver­dienst ist gedeckelt

Frührentner dürfen nicht in beliebiger Höhe dazu­verdienen. Es gilt ein Hinzuver­dienst­deckel. Darüber liegendes Einkommen wird komplett mit der Rente verrechnet. Ziel ist, dass niemand durch die Kombination aus vorzeitiger Rente und Arbeit mehr Einkommen bezieht als mit seinem höchsten Einkommen aus den vergangenen 15 Jahren. Der Deckel wird also individuell berechnet. Auch für den Hinzuver­dienst­deckel hat die Corona-Sonder­regelung eine Ausnahme vorgesehen: Für 2021 entfällt er komplett.

Steuern und Sozial­abgaben beachten

Die am weitesten verbreitete Form der Arbeit von Rentnern ist der Minijob oder 450-Euro-Job. Die bis zu 5 400 Euro Zuver­dienst im Jahr bleiben nicht nur unter dem in anderen Jahren geltenden Frei­betrag von 6 300 Euro. Im Unterschied zu Renten und regulären Gehältern müssen Frührentner auf einen Minijob auch keine Sozial­abgaben zahlen und üblicher­weise auch keine Steuern – weil der Arbeit­geber den Minijob pauschal versteuert.

Bei einem „richtigen“ Job jedoch werden „richtige“ Steuern und Sozial­abgaben fällig. Häufig bleibt dann netto nicht viel mehr übrig, als hätte der Frührentner einen Minijob mit deutlich weniger Arbeits­stunden gemacht. Wollen Frührentner hinzuver­dienen, empfiehlt es sich für sie, mit einem Steuerberater durch­gehen, ob es sich lohnt.

Beispiel: So wirken sich Anrechnung, Steuern und Sozial­abgaben aus

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© Stiftung Warentest

Abrechnung des Hinzuver­diensts mit Renten­versicherung

Den Hinzuver­dienst bei der Renten­versicherung abzu­rechnen, ist kompliziert. Der Rentner muss bei Bezug einer gekürzten Rente mit Hinzuver­dienst eine eigene Einkommens­prognose für das kommende Jahr abgeben. Erst am 1. Juli des Folge­jahres wird das tatsäch­liche Einkommen fest­gestellt und die Rente dann nach­träglich verbindlich berechnet und gegebenenfalls korrigiert. Das sorgt manchmal für Irritationen, vor allem wenn ein Teil der erhaltenen Rente zurück­gezahlt werden muss.

Sonder­regel richtig nutzen

Menschen, die in nächster Zeit sowieso in Rente gegangen wären, können sich über­legen, die Rente vorzuziehen und trotzdem weiterzuarbeiten. Sie können dann 2021 für einige Monate parallel zu ihrer Rente das volle Gehalt beziehen, wenn sie unter der Frei­grenze von 46 060 Euro bleiben. Sie sollten mit ihrem Arbeit­geber abklären, ob etwa Tarif­verträge die Möglich­keit ausschließen.

Wer mindestens 35 Versicherungs­jahre zusammen hat, kann eine vorzeitige Rente als „langjährig Versicherter“ beziehen. Dabei wird die Rente für jeden Monat vor dem eigentlichen Renten­alter um 0,3 Prozent­punkte gekürzt. Beantragt ein Arbeitnehmer seine Rente sechs Monate früher und würde dann eigentlich eine Rente von 1 200 Euro bekommen, wird die Rente auf 1 178 Euro gekürzt. Diese Kürzung bleibt auch bestehen, wenn das reguläre Renten­alter erreicht wird. Dafür bekommt er aber parallel zum Gehalt sechs Monate früher Rente, in seinem Fall insgesamt rund 7 000 Euro.

Alle Abgaben außen vor gelassen, müsste er über 25 Jahre Rente beziehen, damit er mit dieser Entscheidung insgesamt weniger Rente bekäme. Ein guter Deal.

Dieses Special wird regel­mäßig aktualisiert. Jüngstes Update: 2. Juli 2021.

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