Ob es sich lohnt, eigenes Geld per Entgelt­umwandlung in eine betriebliche Alters­vorsorge zu stecken, hängt entscheidend vom Arbeit­geber ab. Gibt der einen ordentlichen Teil dazu und organisiert er gute Verträge, dann macht der Sparer ein gutes Geschäft. Seit 2019 ist ein kleiner Zuschuss vom Unternehmen sogar Pflicht. Hier lesen Sie alles, was Sie über Ihre betriebliche Alters­versorgung wissen müssen. Und: Sie finden einen Rechner, mit dem Sie die neuen Abzüge von Ihren Betriebs­renten berechnen können.

Das Special „Betriebliche Alters­vorsorge“

Betriebs­rente – das bietet Ihnen unser Special

Basiswissen. Die wichtigsten Informationen zum Thema Betriebliche Alters­vorsorge fassen wir im kostenfreien Bereich für Sie zusammen.

Musterfälle, Tipps und Rechenbei­spiele. Noch ausführ­lichere Informationen erhalten Sie, wenn Sie die PDFs der Finanztest-Berichte frei­schalten: Finanztest beant­wortet alle Fragen zum verpflichtenden Arbeit­geber­zuschuss (Finanztest 03/2020). Sechs Finanztest-Leser schildern ihre Erfahrungen mit der betrieblichen Alters­vorsorge und unsere Renten-Experten geben Tipps, wie bei Ihnen in Sachen Betriebs­rente alles glatt läuft (Finanztest 8/2018). Und der Report „Riester im Betrieb holt auf“ (Finanztest 4/2018) zeigt Ihnen, wie Sie Riester und betriebliche Alters­vorsorge klug kombinieren.

Test Betriebs­rente. 2017 haben die Experten der Stiftung Warentest die güns­tigsten Angebote für Einzel- und Gruppen­verträge ermittelt. Die Ergeb­nisse dieses großen Vergleichs finden Sie im Vergleich Betriebsrente. Dort erfahren Sie auch, welche Zusatz­leistungen die getesteten Versicherungen noch bieten, etwa Teil­kapital­abfindungen zu Renten­beginn, Leistungen im Pflegefall und die Absicherung von Hinterbliebenen.

nach oben

Arbeit­geber gibt betriebliche Alters­vorsorge vor

Ohne den Chef geht nichts in der betrieblichen Alters­vorsorge. Der Arbeitnehmer hat zwar ein Recht darauf, über den Betrieb für das Alter vorzusorgen. Aber in welcher Form und über welchen Vertrag das geschieht, entscheidet der Arbeit­geber. Er kann einen von fünf Durch­führungs­wegen für eine Betriebs­rente wählen, wobei die Formen „Direkt­versicherung“ und „Pensions­kasse“ am häufigsten gewählt werden. Optimal für die Mitarbeiter ist es natürlich, wenn der Chef die Beiträge selbst über­nimmt oder dem Arbeitnehmer ordentlich Geld zur Betriebs­rente zuschießt. Das machten bisher schon viele Betriebe freiwil­lig. Seit 2019 ist es für neue Verträge sogar Pflicht.

Arbeit­geber­zuschuss seit 2019

Seit 2019 bekommen Arbeitnehme­rinnen und Arbeitnehmer, die einen neuen Vertrag zur betrieblichen Alters­vorsorge abschließen, einen Zuschuss von 15 Prozent. Vorausset­zung: Ihr Arbeit­geber spart Sozial­abgaben.

Den vollen Zuschuss erhält, wer unter der Beitrags­bemessungs­grenze für die Kranken­versicherung verdient (56 250 Euro brutto jähr­lich). Er und sein Arbeit­geber sparen dann am meisten Beiträge für die Kranken- und Pflege­versicherung. Zudem muss der Arbeitneh­mer pflicht­versichert in der gesetzlichen ­Renten­versicherung sein. Gefördert werden Verträge bei Direkt­versicherungen, Pensions­kassen und Pensions­fonds. Ab 2022 muss der Zuschuss auch für bestehende Verträge gezahlt werden.

Der Zuschuss muss auch dann gezahlt werden, wenn der Arbeitnehmer seinen Sparbeitrag erhöht – so lange der Arbeit­geber weiterhin Sozial­abgaben spart.

Weniger als 15 Prozent Zuschuss

Wenn der Arbeit­geber nicht die kompletten Sozial­abgaben einspart, weil Arbeitnehmer zwischen den Beitrags­bemessungs­grenzen von Kranken­versicherung und der Renten­versicherung (West: 82 800 Euro, Ost: 77 400 Euro) verdienen, darf der Arbeit­geber den Zuschuss auf die tatsäch­lich einge­sparten Beiträge beschränken und weniger als 15 Prozent dazu­geben. In vielen Fällen wird er aber vermutlich aufgrund des Berechnungs­aufwands pauschal 15 Prozent zahlen.

Ausnahme bei bestehenden Tarif­verträgen

Der Zuschuss gilt „für indivi­dual- und kollektivrecht­liche Entgelt­umwandlungs­ver­ein­ba­­rungen, die vor dem 1. Januar 2019 geschlossen worden sind, erst ab dem 1. Januar 2022“. Bei bestehenden Tarif­verträgen oder Betriebs­ver­einbarungen muss der Arbeit­geber­zuschuss also vor­erst nicht gezahlt werden.

Das Arbeits­ministerium weist darauf hin, dass „solche kollektivrecht­lichen Entgelt­umwandlungs­regelungen häufig einge­bettet sind in umfassendere Alters­vorsorgevereinbarungen“ und auch andere Beteiligun­gen des Arbeit­gebers vorsehen. Deswegen wolle man den Beteiligten Zeit geben, ihre Betriebs­ver­einbarungen oder Tarif­verträge vor dem Hintergrund des neuen Arbeit­geber­zuschusses anzu­passen.

In Tarif­verträgen kann auch in Zukunft von der Zuschuss­regel abge­wichen werden, wenn sich die Tarif­parteien darauf einigen.

Tipp: Einen ausführ­lichen Frage-und-Antwort-Artikel zum Arbeitgeberzuschuss finden Sie nach dem Frei­schalten der Finanztest-Berichte als PDF.

nach oben

Das Wichtigste in Kürze

Betriebs­rente – das sollten Sie wissen

Anspruch. Jeder Arbeitnehmer hat in Deutsch­land den Anspruch, über den Betrieb für das Alter vorzusorgen.

Formen der betriebliche Alters­vorsorge. Es gibt fünf verschiedene Arten der betrieblichen Alters­vorsorge. Der Arbeit­geber kann frei entscheiden welchen er wählt.

Entgelt­umwandlung. Bei der Entgelt­umwandlung spart der Arbeitnehmer aus dem Brutto­gehalt für die betriebliche Alters­vorsorge. Er spart damit Steuern und Sozial­abgaben. Das lohnt sich aber nur dann, wenn der Chef ordentlich Geld beisteuert.

In der Renten­phase. Die Renten aus der betrieblichen Alters­vorsorge sind komplett zu versteuern. Außerdem wird für die Rente, die über dem Frei­betrag liegt, der volle Satz bei den Sozial­abgaben fällig.

Sicherungen. Um Betriebs­renten auch bei der Pleite des Unter­nehmens zu schützen, gibt es verschiedene Sicherungs­einrichtungen, die eine Rente im Insolvenzfall weiterzahlen.

Leser­aufruf. Für unsere Bericht­erstattung sind wir auf Ihre Unterstüt­zung angewiesen. Wenn Sie noch arbeiten und sich eine Betriebs­rente aufbauen: Können Sie einschätzen, wie hoch Ihre Rente ungefähr sein wird? Sind die Angaben in der Stand­mitteilung nach­voll­zieh­bar? Wissen Sie, wie viel später voraus­sicht­lich für Steuern und Abgaben von der Rente abge­zogen wird? Sind Sie ­bereits im Ruhe­stand und erhalten eine Betriebs­rente: Wird sie regel­mäßig erhöht? Können Sie die Steigerungen und die Abzüge für Steuern und Kranken­versicherungs­beiträge nach­voll­ziehen? Schreiben Sie uns bitte eine E-Mail betriebsrente@stiftung-warentest.de. Selbst­verständlich behandeln wir Ihre Daten vertraulich.

nach oben

Formen der betrieblichen Alters­vorsorge

Bei der betrieblichen Alters­vorsorge gibt es verschiedene Durch­führungs­wege. Hier stellen wir sie vor.

Direkt­versicherung – häufig in kleinen Betrieben

Eine Direkt­versicherung ist eine Lebens­versicherung, die ein Arbeit­geber für einen Mitarbeiter abschließt. Dieser kann von seiner Firma verlangen, dass sie ihm mindestens diese Form der betrieblichen Alters­vorsorge anbietet. Deswegen wird die Direkt­versicherung häufig in kleinen und mitt­leren Unternehmen angeboten. Üblich ist die klassische Form der Direkt­versicherung mit Garan­tiezins. Bei Neuabschlüssen ab 2015 beträgt dieser 0,9 Prozent. Verzinst wird jedoch nicht die gesamte Einzahlung, sondern nur der Teil, der nach Abzug der Kosten übrig bleibt. Neuerdings werden Direkt­versicherungen auch häufig mit abge­schwächten Garan­tien angeboten, so dass nur noch der Beitrags­erhalt garan­tiert wird. Direkt­versicherungen sind als Gruppen­vertrag für mehrere Mitarbeiter oft kostengüns­tiger als Einzel­verträge.

Tipp: Unser Test von 45 Direktversicherungs-Angeboten zeigt: Zwischen dem besten und dem schlechtesten Angebot im Test liegen deutliche Unterschiede. Arbeitnehmer sollten das Angebot ihres Arbeit­gebers daher gründlich prüfen. Wenn der Arbeit­geber etwas zum Beitrag hinzugibt, ist das gut für die Rente. Stockt er den Beitrag um 15 Prozent auf, bekäme unser Test-Modell­kunde im Alter 16 Euro Betriebs­rente mehr als ohne den Zuschuss.

Pensions­kasse – Vorsorgeform mit Unterschieden

Häufig sind Pensions­kassen mit einem einzelnen Unternehmen verbunden und stehen nur den Mitarbeitern dieser Firmen für die betriebliche Alters­versorgung offen. Es gibt aber auch Pensions­kassen, die einem größeren Markt offen stehen. Doch gibt es zwischen diesen Pensions­kassen große Unterschiede. Zunächst sind da die traditionellen Pensions­kassen: Sie existieren häufig seit Jahr­zehnten und sind oft als Verein organisiert, dessen Mitglieder die Arbeit­geber sind. Zwar ähneln die Leistungen dieser Pensions­kassen denen der privaten Lebens­versicherer. Doch sie haben eine entscheidende Ausnahme­stellung: Die Pensions­kassen dürfen mit einem höheren Rechnungs­zins kalkulieren als die für Renten- und Lebens­versicherungen vorgeschriebenen 0,9 Prozent. Das heißt für die Versicherten, dass sie aktuell mit einer höheren Renten­anwart­schaft rechnen können. Seit jeder das Recht hat, im Betrieb für das Alter zu sparen, drängen auch die privaten Lebens­versicherer in den Markt der Pensions­kassen. Viele bekannte Versicherer wie Debeka oder Ergo gründeten Pensions­kassen als Tochter­unternehmen. Die Angebote und Vertriebs­strukturen ähneln denen der Muttergesell­schaften. Die Versicherer bieten Beratung an und gehen mit ihren Vertriebs­leuten in die Unternehmen. Oft sind die Angebote dieser Pensions­kassen dadurch teurer.

Einige Pensions­kassen haben Finanzierungs­probleme: Die Bundes­anstalt für Finanz­dienst­leistungs­aufsicht (Bafin) macht sich Sorgen um ein Drittel aller Pensions­kassen, weil sie offen­bar nicht ausreichend finanziert sind. Dies geht aus der Antwort der Bundes­regierung auf eine parlamentarische Anfrage hervor. Ein Bafin-Sprecher teilte auf Finanztest-Anfrage mit, dass die Bafin derzeit „die Kassen dazu drängt, bei ihren Trägern oder Aktionären recht­zeitig Unterstüt­zung einzufordern“, Ziel sei es, „Leistungs­kürzungen möglichst zu vermeiden“. Falls es bei ­einer Kasse doch dazu kommt, muss der Arbeit­geber einspringen. „Allerdings nur, wenn der Arbeit­geber noch existiert“, so die Bafin.

Tipp: Alle Infos zu den Problemen bei den Pensions­kassen im Special Pensionskassen mit finanziellen Schieflagen.

Pensions­fonds – oft in großen Betrieben

Große Unternehmen wie RWE, Siemens oder Bosch haben oft eigene Pensions­fonds zur betrieblichen Alters­versorgung. Im Vergleich zu den anderen Formen kann hier ein größerer Teil der Geld­anlage in Aktien gesteckt werden. Im Gegen­zug müssen Sparer jedoch Abstriche bei der Garantie hinnehmen. Da der Arbeit­geber dem Pensions­sicherungs­ver­ein angehören muss, ist im Pleitefall jedoch das gesamte Spar­vermögen abge­sichert. Welche Rente ein Pensions­fonds zahlt, hängt von den Erträgen ab. Entscheidend sind außerdem die Kosten, die der Fonds für Vertrags­abschluss, Verwaltung und Zusatz­leistungen wie Hinterbliebenen­schutz kassiert.

Unterstüt­zungs­kasse – gut für Gutverdiener

Die Unterstüt­zungs­kasse ist eine arbeit­gebereigene Einrichtung für die betriebliche Alters­vorsorge. Große Unternehmen und Konzerne haben häufig eigene Unterstüt­zungs­kassen. Einzahlungen sind steuerlich begüns­tigt. Deshalb gilt diese Variante als besonders geeignet für Beschäftigte in den mitt­leren und oberen Hierarchie­stufen eines Unter­nehmens. Wie hoch die Betriebs­rente ausfällt, hängt stark von der Zusage des Arbeit­gebers ab. Dieser garan­tiert nur eine Mindest­auszahlung. Sie kann sich jedoch um Über­schüsse erhöhen. Wie hoch diese ausfallen hängt von den Erträgen der Unterstüt­zungs­kasse ab.

Direkt­zusage – Rente aus laufenden Erträgen

Der Arbeit­geber verpflichtet sich, den Mitarbeitern eine Rente aus dem Betriebs­vermögen zu bezahlen. Diese Form wird häufig von großen Unternehmen genutzt. Die Direkt­zusage kommt ohne externen Versorgungs­träger aus. Damit der Arbeit­geber sein Versprechen gegen­über den Mitarbeitern halten kann, muss er Rück­stel­lungen bilden – diese kann er jedoch auch in die eigenen Firma investieren. Dank dieses Vorgehens zahlt das Unternehmen weniger Steuern und hat erst einmal mehr Geld zur Verfügung. Die zugesagten Leistungen muss es irgend­wann in einer Art Umlage­verfahren aus laufenden Erträgen zahlen. Da die Betriebs­rente jedoch bei Zahlungs­schwierig­keiten gefährdet wäre, zahlt das Unternehmen Beiträge an den Pensions-Sicherungs-Verein. Dieser würde im Fall einer Insolvenz einspringen.

Neu: Sozial­part­nermodell

Seit 2018 dürfen sich Arbeit­geber und Gewerk­schaften auch auf einen neuen Weg der betrieblichen Alters­vorsorge einigen. Das „Sozial­part­nermodell“ erlaubt Renten­zusagen, die keine bestimmte Rentenhöhe mehr garan­tieren. Statt­dessen gibt es eine „Zielrente“, also eine Zielgröße, wie hoch die Rente etwa ausfallen soll. Das soll in Zeiten nied­riger Zinsen eine ertragreichere Geld­anlage, zum Beispiel mit Aktien, ermöglichen. Sozial­part­nermodelle sollen über Tarif­verträge einge­führt werden. Bisher ist dieses Modell kaum verbreitet.

Alles rund um die Rente auf test.de

Geld­werte Hinweise von Finanztest Mit der Flexirente zum Rentenplus
Grund­legende Informationen Das sollten Sie über die gesetzliche Rente wissen
Finanz­plan Rente So bereiten Sie sich optimal auf den Ruhestand vor

Professionelle Hilfe Gesetzliche Rentenversicherung im Test
Rente und Scheidung Basiswissen Versorgungsausgleich
Wenn das Geld nicht reicht Grundsicherung im Alter

nach oben

Unver­steuert sparen mit der Entgelt­umwandlung

Seit 2002 hat jeder Arbeitnehmer in Deutsch­land das Recht, in Form der so­genannten Entgelt­umwandlung über den Betrieb für das Alter zu sparen. Der Arbeitgeber muss dem Arbeitnehmer das ermöglichen. Bei der Entgelt­umwandlung zahlt der Arbeitnehmer aus seinem unver­steuerten Brutto­einkommen ein. Über diesen Weg erlässt der Staat ihm einen Teil seiner Last an Steuern und Sozialver­sicherungs­beiträgen, wenn das Gehalt des Arbeitnehmers unter­halb der Beitrags­bemessungs­grenzen für die Gesetzliche Renten­versicherung (West: 82 800 Euro, Ost: 77 400 Euro im Jahr 2020) und für die gesetzliche Kranken- und Pflege­versicherung (56 250 Euro im Jahr 2020) liegt.

In Pensions­kassen, Pensions­fonds und Direkt­versicherungen dürfen bis zu vier Prozent der jähr­lichen Beitrags­bemessungs­grenze der gesetzlichen Renten­versicherung (West) auf diesem Weg gespart werden. Aktuell (Stand 2020) sind das 3 312 Euro oder 276 Euro im Monat. Für weitere vier Prozent entfallen nur die Steuern. Auch der Arbeit­geber spart durch die Entgelt­umwandlung Lohn­neben­kosten. Fair wäre es, wenn er diese rund 20 Prozent zum Ansparen dazugibt. Tut er das nicht, lohnt sich die Entgelt­umwandlung beim jetzigen Zins­niveau kaum.

Beispiel: Eine Arbeitnehmerin, die 3 000 Euro brutto im Monat verdient, spart 100 Euro per Entgelt­umwandlung für ihre betriebliche Alters­vorsorge. Dadurch reduziert sich ihr Brutto­gehalt auf 2 900 Euro. Sie spart dadurch Steuern und Sozial­abgaben in Höhe von rund 45 Euro. Ihr Arbeit­geber gibt 15 Euro zum Vertrag dazu. Obwohl 115 Euro in die betriebliche Alters­vorsorge fließen, reduziert sich ihr Netto­gehalt also nur um rund 55 Euro.

nach oben

Steuern und Sozial­abgaben der betrieblichen Alters­vorsorge (mit Rechner)

Der Steuer­erlass in der Anspar­phase ist nur die eine Seite der Medaille. In der Renten­phase holt sich der Staat zumindest einen Teil der Förderung wieder zurück. Die Betriebs­rente muss in der Renten­phase komplett versteuert werden. Ein Vorteil: In der Regel ist der persönliche Steu­ersatz im Renten­alter geringer als während der Anspar­phase.

Fällig werden außerdem Beiträge zur Kranken­versicherung und Pflege­versicherung. Die Belastung der Betriebs­renten mit Sozial­abgaben wurde etwas gemindert: Zwar werden weiterhin die vollen Sozial­abgaben fällig – anders als bei der gesetzlichen Renten­versicherung, wo nur die Hälfte der Beiträge vom Rentner gezahlt wird. Durch eine Gesetzes­änderung seit dem 1. Januar 2020 gilt dies allerdings erst ober­halb eines Frei­betrags von 159,25 Euro (2020). Betriebs­renten bis 318 Euro zahlen so maximal den halben Krankenkassenbeitrag. Hinzu kommt die Pflege­versicherung auf den vollen Renten­betrag.

Außerdem wichtig zu bedenken: Zwar sparen Arbeitnehmer in der Anspar­phase Sozial­abgaben. Dadurch schmälern sie aber auch ihre Ansprüche. Wer weniger in die gesetzliche Renten­versicherung einzahlt, erhält später auch weniger gesetzliche Rente.

Beispiel: Eine Frau spart 37 Jahre lang 100 Euro aus ihrem Brutto­gehalt plus 15 Euro vom Arbeit­geber in eine betriebliche Alters­vorsorge und geht mit 67 in Rente . Auf die Rente zahlt sie Steuern und Sozial­abgaben. Als Folge der geringeren Einzahlungen in die gesetzliche Renten­versicherung durch die Entgelt­umwandlung bekommt sie 37 Euro gesetzliche Rente weniger.

Abgaben auch bei Kapital­auszahlung

Bei der betrieblichen Alters­vorsorge greift die Krankenkasse auch dann zu, wenn die Leistung nicht als Rente, sondern auf einen Schlag ausgezahlt wird. Die Kapitalzahlung wird rechnerisch gesplittet in 120 Monats­raten und für die Berechnung der Kranken­versicherungs­beiträge der Frei­betrag von 159,25 Euro abge­zogen. Zehn Jahre erhebt die ­Krankenkasse auf den Monats­betrag Kranken- und Pflege­versicherungs­beitrag.

Der Frei­betrag gilt nicht für freiwil­lig gesetzlich Kranken­versicherte. Sie zahlen ab dem ersten Renten-Euro Beiträge. Privat kranken­versicherte Rentner zahlen keine gesonderten Beiträge auf ihre Betriebs­rente.

Tipp: Mehr Informationen zu den neuen Krankenkassenbeiträgen finden Sie in der Meldung Entlastung bei Krankenkassenbeiträgen für Betriebsrenten.

Rechner: Die individuellen Sozial­abgaben auf die Betriebs­rente berechnen

Mit unserem Rechner können pflicht­versicherte Rentner ihre individuellen Sozial­abgaben auf ihre Betriebs­rente berechnen. Bei mehreren Betriebs­renten geben Sie bitte den Wert Ihrer zusammenge­rechneten Betriebs­renten in den Rechner ein. Rentner mit einer Kapital­auszahlung müssen den berechneten Betrag zehn Jahre lang nach Auszahlung zahlen. Der Betrag kann sich durch angepasste Frei­beträge und Krankenkassenbeiträge ändern.

{{data.error}}

Tipp: Hilfe zum Thema Steuererklärung finden Sie in unserem Finanztest Spezial Steuern 2020.

Doppelte Sozial­abgaben bei alten Direkt­versicherungen

Besonders ärgerlich sind die hohen Sozial­abgaben, wenn der Beschäftigte eine Betriebs­rente aus seinem Netto­gehalt aufgebaut hat. Dies war vor allem bei Direkt­versicherungen vor Einführung des Rechts auf Entgelt­umwandlung im Jahr 2002 der Fall. Erst seitdem kann ein Arbeitnehmer aus seinem Brutto­lohn für eine betriebliche Alters­versorgung sparen.

Ausnahmen für private Verträge

Ausnahmen bei den Sozial­abgaben gibt es für Rentner, die Verträge bei einer Direkt­versicherung privat weitergeführt haben. Wenn sie zum Beispiel ihren Arbeit­geber gewechselt haben und den ihren Betriebs­renten­vertrag im Anschluss privat weiter bespart haben, müssen sie auf den Teil der Rente, der aus eigenen Zahlungen stammt, keine Sozial­abgaben zahlen. Wichtig: Das gilt nur, wenn in dem Vertrag nach dem Wechsel der Arbeitnehmer als Versicherungs­nehmer einge­tragen wurde.

Seit Juni 2018 gilt diese Ausnahme auch für privat weitergeführte Pensions­kassen­verträge. Das Bundes­verfassungs­gericht hat damit eine Ungleichbe­hand­lung zwischen Direkt­versicherungs- und Pensions­kassen­verträge gekippt (Az. 1 BvR 100/15 und 1 BvR 249/15)

Tipp: Haben Sie einen Pensions­kassen­vertrag privat weitergeführt, können Sie sich So­zial­abgaben rück­wirkend für vier Jahre erstatten lassen. Um die Erstattung zu bekommen, müs­sen Sie bei ihrer Krankenkasse einen „Über­prüfungs­antrag“ nach Paragraf 44 Sozialgesetz­buch X stellen. Erklären Sie, dass Sie den Pensions­kassen­vertrag als Versicherungs­nehmer privat ­geführt hatten, und beantragen Sie, die Über­zahlung der Kranken- und Pflege­versicherungs­beiträge zu erstatten. ­Weisen Sie auf den Beschluss des ­Bundes­verfassungs­gerichts hin.

nach oben

Sicherheit betrieblicher Alters­vorsorge

Die betriebliche Alters­vorsorge in Deutsch­land ist in der Regel gut abge­sichert. Je nach Durch­führungsweg gibt es unterschiedliche Sicherungs­einrichtungen, die Betriebs­renten auszahlen, falls das Unternehmen oder der Anbieter der betrieblichen Alters­vorsorge pleite geht. Wenn Anbieter der Betriebs­renten ihre Leistungen nicht erbringen können, muss zunächst der Arbeit­geber einspringen, damit der Arbeitnehmer seine versprochene Rente bekommt. Nur in den Fällen, wenn sowohl der Arbeit­geber insolvent ist, als auch die Pensions­kasse Leistungen kürzt, kann es zu geringeren Zahlungen kommen.

Tipp: Dieser Fall kommt leider in letzter Zeit vereinzelt vor. Alle Infomationen dazu finden Sie in unserem Special Pensionskassen in finanziellen Schieflagen.

Betriebliche Alters­vorsorge und Grund­sicherung

Ebenso wie Riester-Renten werden Betriebsrenten seit Anfang 2018 nicht mehr komplett auf die Grund­sicherung im Alter ange­rechnet. Diese Sozial­leistung bekommen Menschen, deren Einkünfte im Alter nicht zum Leben reichen. Sie dürfen dann 100 Euro monatlich aus einer zusätzlichen Alters­vorsorge behalten, von darüber hinaus­gehendem Einkommen 30 Prozent, höchs­tens jedoch bis zu 216 Euro (2020). Dieser Höchst­betrag steigt jähr­lich.

Dieser Artikel ist zuletzt am 18.02.2020 aktualisiert worden. Davor gepostete Nutzer­kommentare beziehen sich auf einen früheren Stand.

nach oben

Jetzt freischalten

SpecialBetriebliche Alters­vorsorge18.02.2020
1,00 €
Sie erhalten den kompletten Artikel.

Wie möchten Sie bezahlen?

  • Unser Tipp
    test.de-Flatrate

    Freier Zugriff auf alle Testergebnisse und Online-Artikel für 7,90 € pro Monat oder 54,90 € im Jahr. Abonnenten von test oder Finanztest zahlen die Hälfte.

    Flatrate neu erwerben

  • Diesen Artikel per Kreditkarte kaufen
  • Diesen Artikel per PayPal kaufen
  • Diesen Artikel per Handy kaufen
  • Gutschein einlösen
Preise inkl. MwSt.
  • kauft alle Testprodukte anonym im Handel ein,
  • nimmt Dienstleistungen verdeckt in Anspruch,
  • lässt mit wissenschaftlichen Methoden in unabhängigen Instituten testen,
  • ist vollständig anzeigenfrei,
  • erhält nur rund 6 Prozent ihrer Erträge als öffentlichen Zuschuss.

Dieser Artikel ist hilfreich. 163 Nutzer finden das hilfreich.