
Risiko. Feuer, Wasser, Sturm und Naturgefahren bedrohen Häuser. Hausbesitzer sollten Elementarschäden unbedingt in ihre Wohngebäudeversicherung einschließen. © Stiftung Warentest / René Reichelt
Große Unterschiede bei Preis und Leistung zeigen 196 Wohngebäudeversicherungen im Vergleich mit Elementarschadenschutz. Ältere Verträge haben oft gefährliche Lücken.
Testergebnisse für 196 Wohngebäudeversicherungen mit Elementarschutz
Wer ein Haus hat, braucht unbedingt eine Wohngebäudeversicherung. Für die meisten Menschen ist es unmöglich, einen hohen Schaden – oder gar einen Totalschaden, etwa nach Brand – selbst auszugleichen. Eine Gebäudeversicherung deckt Feuer, Leitungswasserschäden, Sturm und Hagel ab. Naturgefahren wie Überschwemmung durch Starkregen oder Erdbeben und Schneedruck fallen unter den sogenannten Elementarschutz. Er sollte immer mit abgesichert werden. Unsere Ergebnisse zeigen, wie umfangreich die Leistungen einzelner Versicherungsangebote sind – und was fehlt.
Trotz Wohngebäudeversicherung könnten Sie im Ernstfall auf einem großen Teil Ihres Schadens sitzen bleiben. Das kann passieren, wenn Sie den Schaden selbst mitverursacht haben und dabei grob fahrlässig waren: Brennende Kerzen unbeaufsichtigt lassen, heißes Öl auf dem Küchenherd vergessen – wenn dann Ihr Haus brennt, kürzen viele Versicherer ihre Entschädigung zum Teil empfindlich. Solche Tarife bewerten wir als mangelhaft. Von 196 Wohngebäudeversicherungen im Test der Stiftung Warentest sind 67 Tarife mangelhaft, aber immerhin 104 sehr gut. In älteren Verträgen fehlt oft auch der Elementarschutz.
Warum sich unser Wohngebäudeversicherungs-Vergleich für Sie lohnt
Testergebnisse
Die Tabelle zeigt Bewertungen der Stiftung Warentest für 196 Wohngebäudeverischerungen – das Notenspektrum reicht von Sehr gut bis Mangelhaft. Schlechte Tarife haben empfindliche Lücken, beispielsweise bei Schäden durch grobe Fahrlässigkeit, Mehrkosten durch strengere Bauauflagen, Abbruch- und Aufräumkosten oder Hotelkosten, wenn das Haus nach einem Schaden länger nicht bewohnbar ist.
Elementarschadenschutz als Mindeststandard
Nicht alle Naturgefahren sind automatisch versichert. Starkregen, Überschwemmung, Lawinen, Erdrutsche müssen extra eingeschlossen werden. Dieser Schutz ist wichtig. Wir haben nur Tarife im Test aufgenommen, die die Elementarschadenversicherung anbieten. Im Preis pro Tarif ist er enthalten.
Tipps für Neukunden und Tarifwechsler
Wir sagen Ihnen, wie Sie Ihren persönlichen Testsieger finden, worauf Sie beim Abschluss eines Versicherungsvertrags unbedingt achten müssen – und warum vor allem Hauseigentümer, die schon lange eine Versicherung haben, ihre Police prüfen sollten. Unsere Checkliste der Leistungen hilft Ihnen, den Überblick zu behalten.
Modellrechnung
Der Preisvergleich zeigt: Die Preisunterschiede sind riesig, auch bei den besten Wohngebäudeversicherungen. In unserem Modellfall in Dresden beispielsweise gibt es einen preisgünstigen sehr guten Vertrag schon für 233 Euro Jahrespreis. Teure Tarife kosten drei- oder gar viermal soviel.
Testergebnisse für 196 Wohngebäudeversicherungen mit Elementarschutz
Wohngebäudeversicherung im Vergleich – neue Risiken einschließen
Bei Starkregen, Überschwemmung, Lawinen, Erdbeben und anderen Naturgefahren greift die Gebäudeversicherung nicht automatisch. Der Zusatz „Elementarschutz“ muss extra abgeschlossen werden. Das empfehlen wir dringend, denn vor allem Starkregen-Fälle nehmen im Zuge des Klimawandels deutlich zu und solch ein Wasserschaden ist im mitversicherten Risiko Leitungswasser nicht enthalten. Daher zeigen unsere Testergebnisse nur Tarife, bei denen dieser Baustein mitversichert werden kann. Bisher fehlt dieser Schutz bei jedem zweiten Gebäude, vor allem in Altverträgen.
Elementarschutz für unter 100 Euro
Viele Tarife im Test bieten Elementarschutz schon für deutlich unter 100 Euro im Jahr. Teurer wird es in Risikogebieten. Die Versicherer teilen das Bundesgebiet in Zonen auf: Zürs 1 bis 4. Zürs steht für Zonierungssystem für Überschwemmung, Rückstau und Starkregen. Etwa 1,5 Prozent aller Adressen liegen in den Hochrisikozonen Zürs 3 und 4.
Tipp: Auch bei der Hausratversicherung sollten Sie auf Elementarschutz achten.
Wohnflächentarif oder Wert 1914
Wie viel eine Wohngebäudeversicherung kostet, hängt von der Größe eines Hauses, seinem Alter, seiner Lage und Ausstattung ab. So lassen sich die Kosten pro Quadratmeter nicht direkt berechnen. Es gibt aber Anbieter, die nur nach der Ausstattung und der Wohnfläche eines Gebäudes fragen, um den Beitrag zu bestimmen – sogenannte Wohnflächentarife. Andere Versicherer nehmen den theoretischen Wert des Hauses im Jahr 1914 als Basis und entwickeln mit den Preisindizes des Statistischen Bundesamts den heutigen Neubauwert. Versicherer zahlen bei einer vollständigen Zerstörung das, was der Wiederaufbau nach einem Schaden kostet. Deshalb ist es wichtig, dass alle wertbestimmenden Bestandteile eines Hauses benannt wurden und auch während der Vertragszeit ergänzt werden, wenn zum Beispiel Anbauten erfolgen.
Weitere Detailfragen zur Wohngebäudeversicherung und auch zum Vertragswechsel beantworten wir in unseren FAQ Wohngebäudeversicherung.
Testverfahren vorab einsehen
Auch ohne eingeloggt zu sein, können Sie unter „So haben wir getestet“ nachlesen, wie wir in unserer Untersuchung vorgegangen sind, welche Produktkategorien wir getestet haben. Sie können auch einsehen, welche Tarife im Test enthalten sind und wonach Sie filtern können.
Günstigste Wohngebäudeversicherung finden
Die Preise für Wohngebäudeversicherungen variieren stark je nach Tarif, Anbieter und Risikozone. Aktuell steigen die Preise erheblich. Wir nennen Preisbeispiele für verschieden alte Musterhäuser in eher teuren und eher günstigen Regionen für Altbau und Neubau. So können Sie eine günstige Wohngebäudeversicherung finden. Einen Beispielpreis für ein Mehrfamilienhaus nennen wir nicht, die Leistungsbewertungen können für solche Gebäude nutzbar sein, wenn sie identisch mit denen der getesteten Tarife sind. Interessenten müssten das mit dem jeweiligen Anbieter klären. Als Altbau gelten Häuser manchmal übrigens schon zehn Jahre nach ihrer Fertigstellung. So verteilen sich die Urteile:

© Stiftung Warentest / René Reichelt
Wichtige Leistungen in der Gebäudeversicherung
Diese Leistungen sollte jede Police neben dem vollen Schutz bei grober Fahrlässigkeit enthalten:
- Mehrkosten, die beim Wiederaufbau entstehen, weil behördliche Auflagen heute strenger sind als zum ursprünglichen Bauzeitpunkt.
- Dekontamination des Erdreichs, wenn zum Beispiel Heizöl ausgetreten ist, oder die Feuerwehr einen Brand mit Schaum gelöscht hat,
- Überspannung, wenn der Blitz nicht direkt ins Haus einschlägt, sondern in eine Überlandleitung, und dadurch die Haustechnik lahmgelegt wurde,
- Bewegungs- und Schutzkosten, wenn zum Beispiel nach einem schweren Schaden das gesamte Mobiliar monatelang ausgelagert werden muss,
- Abbruch- und Aufräumkosten.
In vielen, vor allem auch älteren Verträgen fehlen einige dieser wesentlichen Deckungen.
Tipp: Immobilienbesitzer, die vermieten, sollten auch auf eine gute Haus- und Grundbesitzerhaftpflichtversicherung achten.
Testergebnisse für 196 Wohngebäudeversicherungen mit Elementarschutz
Die vier versicherten Gefahren im Überblick
Vier Bausteine machen die Gebäudeversicherung aus: Leitungswasser, Brand/Blitz, Sturm/Hagel, Elementarschäden – wir nennen auch Beispiele für nicht versicherte Schäden.
Feuerversicherung

Feuerschäden. Sie führen oft zu sehr hohen Schäden. © Stiftung Warentest / René Reichelt
Brand
Versichert ist Schaden durch Feuer, das sich aus eigener Kraft ausbreiten kann.
Beispiel: Zimmerbrand infolge eines Kurzschlusses.
Blitzschlag
Direkter Einschlag in das Gebäude. Versichert sind auch Folgeschäden.
Beispiel: Antenne wird durch Blitzeinschlag zerstört. Ein vom Blitz getroffener Baum beschädigt das Dach.
Überspannung durch Blitz
Versichert sind Schäden an elektrischen Einrichtungen.
Explosion
Plötzliches Freiwerden von Energie verursacht durch Gase.
Beispiel: Gasexplosion in der Nachbarschaft.
Nicht versichert (Beispiele)
Sengschäden: Zigarettenglut brennt ein Loch ins Parkett.
Leitungswasser

Leitungswasserschäden. Sie kommen am häufigsten vor. © Stiftung Warentest / René Reichelt
Rohrbruch
Versichert sind Heizungs- und Wasserrohre, ebenso Wasserzuleitungsrohre auf dem Grundstück, die das Haus versorgen.
Beispiel: Bruch der Zuleitung im Garten.
Frost
Versichert sind Heizungsanlagen und sanitäre Einrichtungen.
Beispiel: Frostschaden infolge eines plötzlichen, nicht vorhersehbaren Temperatursturzes.
Nässeschäden
Wasser, das aus dem Rohrsystem sowie aus Aquarien oder Wasserbetten ausgetreten ist.
Nicht versichert (Beispiele)
Rohre: Wasser, das nicht aus Leitungen dringt, zum Beispiel die Blumenvase auf dem Klavier oder ein umgekippter Putzeimer.
Frost: Schäden durch Einfrieren, wenn trotz Frost nicht geheizt oder das Wasser nicht abgelassen wurde.
Sturmversicherung

Schäden durch Sturm. Sie sind ab Windstärke 8 versichert. © Stiftung Warentest / René Reichelt
Sturm
Wind ab Stärke 8. Versichert sind auch Folgeschäden.
Beispiel: Sturm deckt das Dach ab. Ein auf das Haus geworfener Baum drückt eine Mauer ein.
Hagel
Eiskörner. Versichert sind auch Folgeschäden.
Beispiel: Hagelschaden an der Verglasung.
Nicht versichert (Beispiele)
Sturm: Schnee, Hagel dringen durch ein offenes Fenster ein.
Elementarschaden (sollte unbedingt enthalten sein)

Naturgefahren. Durch den Klimawandel nehmen vor allem Schäden durch Starkregen und Überschwemmung zu. © Stiftung Warentest / René Reichelt
Überschwemmung
Überschwemmung des Grundstücks durch Regen oder das Ausufern von Gewässern oder den Austritt von Grundwasser durch diese Ursachen.
Rückstau
Eindringen von Wasser aus den Ableitungsrohren des Gebäudes in das Haus, verursacht durch Regen oder das Ausufern von Gewässern.
Erdbeben
Naturbedingte Erschütterung des Erdbodens durch Vorgänge im Erdinnern.
Erdsenkung
Naturbedingte Absenkung des Erdbodens über natürlichen Hohlräumen.
Erdrutsch
Naturbedingtes Abrutschen von Erd- oder Gesteinsmassen.
Schneedruck
Wirkung des Gewichts von Schnee und Eismassen.
Lawinen
An Berghängen niedergehende Schnee- und Eismassen.
Nicht versichert (Beispiele)
Erdsenkung: Schäden durch künstliche Hohlräume, zum Beispiel durch Bergbau.
Lawinen: Schnee- und Eismassen, die nicht vom Berg niedergehen, sondern zum Beispiel von Bäumen aufs Haus fallen.
Testergebnisse für 196 Wohngebäudeversicherungen mit Elementarschutz
-
- Heftige Unwetter, Stürme und Starkregen treffen immer häufiger viele Regionen in Deutschland. Wir erklären, welche Versicherungen einspringen, wenn ein Schaden entsteht.
-
- Über 3 000 Leitungswasserschäden gibt es pro Tag, jede Minute zwei. Welche Versicherung zahlt? Wir schildern typische Fälle, sagen, welche wann zuständig ist.
-
- Ethanol-Kamine sind beliebt, aber brandgefährlich. Die Raumluft belasten sie außerdem. Wer auf die Deko nicht verzichten will, sollte unsere Tipps beachten.
Diskutieren Sie mit
Nur registrierte Nutzer können Kommentare verfassen. Bitte melden Sie sich an. Individuelle Fragen richten Sie bitte an den Leserservice.
Nutzerkommentare können sich auf einen früheren Stand oder einen älteren Test beziehen.
Ich kann den Hinweis von Willi.2000 nur bestätigen. Sucht man im Internet kommt man auf z.B. auf diese Seite:
https://www.helberg.info/blog/2012/04/wohnflaeche_bei_versicherungen_ein_quadratmeter_ist_nicht_immer_einer/
Hierbei hat das gleichen Gebäude eine Wfl von 104 bis 155 qm. Da wird ein konstanter Faktor zu einem variablen. Es wäre schön, wenn die StiWa die möglichen Modelle klassifizieren und je Versicherer ausweisen würde. Dann kann man sehen, ob ein günstiger Beitrag für einen persönlich wirklich günstig bleibt.
@StiWa - Ihre Meinung?
Wie ich nun festgestellt habe und was im Test unerwähnt geblieben ist, dass Versicherer die Berechnung der Wohnfläche anscheinend unterschiedlich handhaben. Bislang ging ich davon aus, dass man für alle Gebäudeversicherungen, die angeben den Versicherungswert anhand der Wohnfläche zu bestimmen, die in den Bauunterlagen angegeben Wohnflächenangaben nutzen kann. Bei der Barmenia aber gilt beispielsweise die GRUNDFLÄCHE der Räume als Wohnfläche, während andere Versicherer nach der Wohnflächenverordnung berechnen. Somit ist es nicht möglich, anhand der gleichen Wohnflächenangabe die Prämie der unterschiedlichen Versicherungen zu berechnen.
Liebe StiWa: Gehe ich richtig in meiner Annahme, dass Sie zwar das Urteil von 2021 des BGH bzgl. der Silikonfugen erwähnen und für wichtig halten, aber nciht auflisten, welche Versicherung dieses Risiko abdeckt?
Zitat "Hinweis. Schäden aufgrund undichter Silikonfugen sind mitversichert, wenn das explizit in den Versicherungsbedingungen steht. Andernfalls muss damit gerechnet werden, dass die Versicherung nicht zahlt."
Somit wäre der Test bzgl. dieses Aspkets nutzlos, richtig?
Nach Abschluss meiner Versicherung bei der HUK24 tauchte im Antragsformular folgender Hinweis auf. "Ständig bewohntes Einfamilienhaus: Als ständig bewohnt gilt ein Gebäude, in dem sich an mindestens fünf Tagen in der Woche während der Nacht eine dazu berechtigte volljährige Person aufhält (entspricht vier Übernachtungen). Ist das nicht der Fall, ist das Gebäude nicht ständig bewohnt."
Müssen meine Frau und ich jetzt getrennt in den Urlaub fahren oder uns einen volljährigen Übernachtungsgast suchen?
@max.gut: Unsere Modellhäuser, die wir für unseren Test herangezogen haben stehen in Dresden-Langebrück und in Düsseldorf. Für diese Regionen bietet die Provinzial Versicherung keine Tarife an. Aus diesem Grund konnten wir die Tarife der Provinzial Versicherung nicht testen.