15 Prozent der Treib­hausgas-Emissionen pro Bundes­bürger und Jahr verursacht die Ernährung.

Unser Essen trägt zum Klimawandel bei. Das ist wissenschaftlich belegt. Genießen geht aber auch klimafreundlich. Die Ernährungs­experten der Stiftung Warentest zeigen, wie.

Klima retten durch Ernährung – wie geht das?

Die Erde heizt sich auf – und unsere Ernährung ist mit schuld daran. Welt­weit entstehen bei der Produktion von Lebens­mitteln Unmengen klima­schädlicher Treib­hausgase. Sie allein gefährden das Ziel, die Erwärmung der Erde auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen, berechneten Forscher der Uni Oxford im vergangenen Jahr. Ihr Fazit: Nicht nur die Land­wirt­schaft muss sich verändern, auch unsere Ernährungs­gewohn­heiten.

Keine Angst: Den Klimateller günstig zu füllen, heißt nicht, auf bestimmte Lebens­mittel grund­sätzlich zu verzichten. Es gilt aber, das Einkaufs­verhalten zu hinterfragen und bewusster zu wählen: Erdbeeren im Februar, Avocados aus Peru, täglich Fleisch zum Mittag – wo lohnt ein Umdenken am meisten? Forscher haben die Emissionen vieler Lebens­mittel vom Feld bis zum Laden ermittelt (Die Klimabilanz von Lebensmitteln im Fokus der Wissenschaft). Wir stellen die wichtigsten Empfehlungen vor.

Jeder zweite Tag fleisch­frei

Einen Groß­teil der ernährungs­bedingten Emissionen verursacht die Land­wirt­schaft. Für Äcker und Weiden werden CO2-Speicher wie Regenwälder und Moore zerstört. Durch Stick­stoff­dünger, die Verdauung von Wieder­käuern und Gülle entweichen Kohlen­dioxid, Methan und Lachgas in die Atmosphäre. Etwa die Hälfte der Emissionen geht auf das Konto tierischer Produkte. CO2-Fußabdruck

Wer hier ansetzt und vorwiegend Pflanzen­kost isst, kann seinen CO2-Fußabdruck am effektivsten verkleinern. Niemand muss fürs Klima Veganer werden. Wenn aber jeder zweite Tag vegetarisch bleibt und die Fleisch­portionen klein ausfallen, nützt das nicht nur dem Klima, sondern auch der Gesundheit: Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt höchs­tens 600 Gramm Wurst und Fleisch pro Woche.

Bei Obst und Gemüse ist es für die Klima­bilanz oft entscheidend, wo und wie es angebaut, verpackt und trans­portiert wurde. Wissenschaftler schlagen ein Klimalabel auf Lebens­mittel­verpackungen vor. Aber auch ohne das kann jeder schon beim Einkauf ans Klima denken.

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CO2-Fußabdruck: So lesen Sie unsere Balken­diagramme

Mit der Maßeinheit CO2-Äquivalente lässt sich angeben, wie viele Treib­hausgase pro Kilogramm Lebens­mittel entstehen – vom Feld bis in den Laden. Neben Kohlen­dioxid fließen weitere Treib­hausgase wie Methan und Lachgas in den Wert ein. Sie werden gemäß ihrer klima­schädlichen Wirkung in die Einheit umge­rechnet, damit sich der CO2-Fußabdruck verschiedener Lebens­mittel vergleichen lässt.

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Fleisch, Milch und Co reduzieren

Veggieburger statt Rinderbuletten. Sie sparen nicht nur CO2 ein – manche schme­cken auch fleisch­ähnlich, wie unser Test zeigt.

Was von Tieren stammt, verursacht meist hohe Emissionen. Da sie Futter brauchen, wird viel Ackerfläche zum Anbau von Futterpflanzen verwendet. Würde darauf etwa Getreide wachsen, könnte es effizienter Menschen ernähren. Wer fleisch­arm isst und Butter, Milch, Joghurt zum Teil durch Margarine, Pflanzendrinks sowie Desserts etwa auf Sojabasis ersetzt, verkleinert seinen CO2-Fußabdruck deutlich.

Haupt­sache Veggiebasis. Ersatz­produkte wie Veggieburger oder Vegetarische Wurst finden sich auf Basis etwa von Soja, Hülsenfrüchten oder Getreide. Ihre Klima­wirkung unterscheidet sich wenn, dann meist wenig voneinander – in der Regel aber deutlich von Fleisch oder Milch­produkten. Wählen Sie, was Ihnen schmeckt.

Huhn und Schwein statt Rind. Wenn Wieder­käuer verdauen, entsteht Methan. Das ist rund 25-mal klima­schädlicher als Kohlen­dioxid. Die Herstellung von einem KiloRind­fleisch verursacht im Schnitt mehr als doppelt so viel Emissionen wie Hühner- oder Schweine­fleisch.

Vegetarisch schlägt tierisch

Pflanzliches hat einen deutlich kleineren CO2-Fußabdruck als Fleisch, Milch & Co.

1) Voll­fett­margarine.
2) Länger halt­bare Voll­milch im Verbundkarton.
Alle Angaben zum CO2-Fußabdruck: Emissionen in Kilogramm CO2-Äquivalent pro Kilogramm Lebens­mittel laut Ifeu (siehe CO2-Fußabdruck: So lesen Sie unsere Balkendiagramme).

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Saisonal und regional einkaufen

Tomaten aus der Region sind klimafreundlich – aber nur, wenn sie bei uns Saison haben.

Obst und Gemüse sollte man aus der Region kaufen – wenn es Saison hat. Das vermeidet lange Trans­porte, energie­intensive Treib­haus­produktion und den Einsatz knapper Wasser­ressourcen in Ländern wie Marokko und Spanien. Aber Ware von dort punktet, wenn die Saison bei uns vorbei ist: Treibhäuser zu heizen, führt meist zu mehr Emissionen als der Trans­port.

Wann was Saison hat. Der Saisonkalender der Verbraucherzentrale zeigt, wann heimisches Obst und Gemüse im Frei­land, ungeheizten oder geheizten Treib­haus wächst.

Lager­äpfel bevor­zugen. Für das Lieblings­obst der Deutschen gilt: Trotz Kühl­lagerung haben heimische Äpfel im Früh­jahr nur einen halb so großen CO2-Fußabdruck wie Import­äpfel aus Neuseeland.

Sonne besser als Treib­haus

Frei­land­tomaten aus Südeuropa punkten gegen­über hiesigen aus beheizten Gewächs­häusern. Das gilt auch zum Beispiel für Erdbeeren, Gurken und Kopf­salat.

Emissionen in Kilogramm CO2-Äquivalent pro Kilogramm Lebens­mittel laut Ifeu.

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Frisches Obst und Gemüse wählen

Frische Champignons haben einen kleineren CO2-Fußabdruck als solche in Konserven.

Konserven herzu­stellen kostet Energie. Zudem verschlechtern die Produktion und der Trans­port von Dosen und Gläsern die Klima­bilanz von Dauer­ware.

Gläser vermeiden. Einwegglas ist gut recycelbar, aber durchs einmalige Nutzen geht viel Energie verloren. Und Gläser sind schwer – Lkw brauchen viel Sprit beim Trans­port. Passierte Tomaten besser in Kartons und Oliven in Standbodenbeuteln kaufen. Leere Gläser wieder­verwenden.

Tiefgekühltes statt Dosenware. Gefrorenes Gemüse wie Erbsen liegt in der Bilanz zwischen Frischem und Konserven. Es punktet auch mit mehr Vitaminen im Vergleich zu Gemüse in Glas oder Dosen.

Glas- und Dosenware kann mit Frischem nicht mithalten

Verarbeitung und Verpackung sorgen für mehr Emissionen. Das gilt auch zum Beispiel für Erbsen, Bohnen, Rote Bete oder Pfirsiche.

Emissionen in Kilogramm CO2-Äquivalent pro Kilogramm Lebens­mittel laut Ifeu.

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Flugware meiden

Flug­trans­porte erhöhen gegen­über Schiffs­tranporten den CO2-Fußabdruck von Ananas deutlich.

Auf dem Wochenmarkt oder in Supermärkten werben Händler teils mit Flug­obst: Reif geerntet und schnell zu uns trans­portiert, soll es besonders gut schme­cken und frisch sein.

Doch kommen Südfrüchte aus Südamerika, Afrika oder Asien per Flugzeug, weisen sie einen bis zu 25-mal höheren CO2-Fußabdruck auf als Früchte, die per Schiff bei uns landen. Sie werden unreif geerntet, in Kühlcontainern trans­portiert und gegebenenfalls zum Nach­reifen mit dem Pflanzenhormon Ethylen begast.

Flugware erkennen. Die Trans­portart ihrer Ware müssen Händler nicht angeben. Ein Hinweis kann der Preis sein: Flugware kostet meist mehr, denn der Trans­port ist teurer. Spargel aus Peru oder Bohnen aus Kenia werden oft einge­flogen. Fragen Sie im Zweifel beim Händler nach.

Zu Hause nach­reifen lassen. Legen Sie harte Mangos oder Avocados neben eine Banane oder stecken Sie sie mit einem Apfel in eine Papiertüte.

Flug­trans­port ist besonders klima­schädlich

Schiff oder Lkw verursachen nur einen Bruch­teil der Emissionen. Die Empfehlung, Flugware zu meiden, gilt auch zum Beispiel fürMangos, Papayas und Guaven.

Emissionen in Kilogramm CO2-Äquivalent pro Kilogramm Lebens­mittel laut Ifeu.

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Bio kaufen – wegen vieler Vorteile

Helfen Bioprodukte dem Klima? Betrachtet man die Treib­hausgas-Emissionen in Bezug auf die bewirt­schaftete Fläche, punktet der Ökoland­bau. Denn Böden spielen als Kohlen­dioxidspeicher eine wichtige Rolle beim Klima­schutz.

Boden bindet mehr CO2. Ökologisch bewirt­schaftete Böden lagern pro Hektar und Jahr im Schnitt mehr Kohlen­stoff ein als Äcker und Weiden konventioneller Bauern. Das liegt etwa daran, dass Biobauern mehr mit organischem Kompost, Mist und Ernteresten düngen und auf Synthetikdünger verzichten, dessen Herstellung hohe Emissionen verursacht.

Erträge spielen eine Rolle. Biobetriebe erzielen aber geringere Erträge und erfordern mehr Fläche, um dieselbe Menge Lebens­mittel herzu­stellen wie konventionelle Betriebe. Das hat Einfluss auf die Emissionen, wenn sie bezogen auf den Ertrag berechnet werden – also pro Kilo Lebens­mittel: Dann schneidet Bioware oft nicht besser, teils sogar schlechter ab als konventionelle Ware.

Bio mit Öko-Plus. Dennoch spricht Vieles fürBio, wenn es um nach­haltiges Essen geht. So werden Gewässer weniger durch Pestizide belastet als im konventionellen Anbau. Artgerechte Haltung führt zu mehr Tierwohl. Und die Arten­vielfalt, etwa bei Vögeln und Insekten, ist höher.

Weniger Emissionen pro Fläche

Der Ökoland­bau produziert pro Hektar weniger Treib­hausgase als die konventionelle Land­wirt­schaft.

Quelle: Thünen Report 65, 2019

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Die Klima­bilanz von Lebens­mitteln im Fokus der Wissenschaft

Forschende beschäftigen sich seit Jahren mit dem Einfluss der Ernährung und der Land­wirt­schaft auf den Klimawandel. Unsere Empfehlungen basieren auf verschiedenen Publikationen. Die CO2-Fußabdrücke der Lebens­mittel stammen aus der Veröffent­lichung Ökologische Fußabdrücke von Lebensmitteln und Gerichten in Deutschland des Ifeu – Institut für Energie- und Umwelt­forschung Heidel­berg (2020). Teile der Arbeit des Ifeu wurden gefördert durch das Bundes­umwelt­ministerium sowie das Umwelt­bundes­amt. Die Hand­lungs­empfehlungen veranschaulichen wir anhand von Beispielen, sie gelten aber auch für andere Lebens­mittel.

Vom Acker bis zur Supermarkt­kasse

Der CO2-Fußabdruck umfasst die Treib­hausgas­emissionen entlang des Lebens­wegs eines durch­schnitt­lichen in Deutsch­land verkauften Produkts: die land­wirt­schaftliche Produktion und vorgelagerte Prozesse (wie Dünge­mittel­produktion), die Verarbeitung (wie Waschen, Sortieren oder Konservieren), die Verpackung (mit Entsorgung) sowie Trans­porte. Nicht berück­sichtigt sind Einkaufs­fahrt und Küchen­prozesse zu Hause. In die Ifeu-Daten sind – abweichend von anderen Literatur­werten – Emissionen durch Land­nutzungs­änderungen einberechnet. Diese ergeben sich etwa, wenn Moore für Land­wirt­schafts­flächen trockengelegt oder Wälder abge­holzt werden.

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Nach dem Einkauf gehts weiter

Reste verwerten. Wer weniger Essen wegwirft, verbessert seine Klima­bilanz.

Klima­bilanzen erfassen oft nicht, was nach dem Einkauf passiert. Sie haben es in der Hand, ob sich alle Bemühungen gelohnt haben.

Weniger wegwerfen. Lebens­mittel­abfälle verursachen rund 33 Millionen Tonnen CO2 im Jahr. Etwa die Hälfte der Abfälle gilt als vermeid­bar. Viel entsteht in Privathaushalten. Planen Sie, was Sie kaufen. Behalten Sie den Über­blick, was im Kühlschrank liegt. Nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums ist vieles noch genieß­bar.

Weniger Auto fahren. Wer mit dem Auto mal eben Brötchen holt, torpediert Bemühungen, CO2 zu sparen. Kombinieren Sie Einkäufe mit anderen Wegen, etwa zur Arbeit. Wenn möglich, nehmen Sie das Rad.

Weniger Energie verbrauchen. Auch beim Kühlen, Kochen und Abwaschen entstehen Emissionen. Nutzen Sie bei der Spül­maschine das Ökoprogramm. Vereiste Gefrierfächer und -schränke abtauen. Bei Neukauf energieeffiziente, nicht zu große Geräte wählen. Dabei hilft unser Geschirrspüler-Test.

Noch mehr tun. Wie Sie Ihre Ökobilanz weiter verbessern, steht in unserem Buch Grüner leben nebenbei (16,90 Euro). Wie Sie Ihren Urlaub klimafreundlich planen, sagen wir in unserem Special Grüner reisen.

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Dieses Special ist am 12. Dezember 2019 auf test.de erschienen. Es wurde am 28. April 2021 aktualisiert und erweitert.

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