2018 Special

Der Grund­frei­betrag bei der Einkommensteuer wird ange­hoben, die Beitrags­bemessungs­grenzen in der Sozial­versicherung steigen und es gibt mehr Hartz IV. Die neue „Düssel­dorfer Tabelle“ bringt minderjäh­rigen Trennungs­kindern mehr Unterhalt und auch für den Mutter­schutz gelten neue Regeln. Das sind nur einige der Neuerungen, die das Jahr 2018 bringt. test.de fasst die wichtigsten Änderungen zusammen.

Sozial­versicherung: Für Gutverdiener teurer

Im kommenden Jahr steigen die Beitrags­bemessungs­grenzen in der Sozial­versicherung weiter an. In der Kranken- und Pflege­versicherung steigt der Wert von 4 350 Euro auf 4 425 Euro monatlich. Bis zu diesem Wert müssen Arbeitnehmer Beiträge auf Ihr Einkommen zahlen. Wer mehr verdient, muss trotzdem nicht mehr zahlen, denn Beiträge ober­halb sind gedeckelt. Bei einem Beitrags­satz der Kasse von 15,6 Prozent zahlen gut verdienende Arbeitnehmer 2018 also maximal knapp 367 Euro im Monat für die Kranken­versicherung. Auch die Versicherungs­pflicht­grenze steigt um 150 Euro auf 4 950 Euro monatlich. Dadurch wird der Wechsel in die private Kranken­versicherung schwerer. Auch in der Arbeits­losen- und Renten­versicherung erhöhen sich die Grenzen.

Sozial­versicherung 2018
Grenzen für die gesetzliche Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeits­losen­versicherung.

Grenzen je nach Versicherung

Brutto­lohn 2017 (Euro)

Brutto­lohn 2018 (Euro)

Monat

Jahr

Monat

Jahr

Kranken- und Pflege­versicherung

Versicherungs­pflicht­grenze1)

4 800

57 600

4 950

59 400

Beitrags­bemessungs­grenze

4 350

52 200

4 425

53 100

Renten- und Arbeits­losen­versicherung

Beitrags­bemessungs­grenze

West: 6 350

Ost: 5 700

West: 76 200

Ost: 68 400

West: 6 500

Ost: 5 800

West: 78 200

Ost: 69 600

    Quelle:Bundes­ministerium für Arbeit und Soziales

      Zusatz­beiträge der Krankenkassen

      Regel­mäßig zum Jahres­ende entscheiden viele gesetzliche Krankenkassen, ob sie ihren Beitrags­satz stabil lassen oder verändern. Deshalb fragen wir bei allen für jeden zugäng­lichen Kassen nach, wie sich ihr Beitrags­satz verändert. Ergebnis der Abfrage: Bei vielen ändert sich in puncto Preis zu Beginn 2018 wenig. Dennoch: Bislang haben uns neun Krankenkassen mitgeteilt, dass Sie Ihren Zusatz­beitrag ab 2018 senken (Stand 19.12.2017). Zwei Krankenkassen werden ihren Zusatz­beitrag dagegen erhöhen. In unserem Krankenkassenvergleich zeigen wir die aktuellen Zusatz­beiträge von derzeit 75 Krankenkassen. Wer mit seiner Kasse zufrieden ist, sollte nicht nur auf den Beitrag schauen. Oft kann er auch Leistungen optimieren und durch Zusatz­angebote sparen. Viele Kassen bieten Extra­leistungen: Das können Zuschüsse für die professionelle Zahn­reinigung oder Osteo­pathiebe­hand­lung sein, mehr Geld für eine Haus­halts­hilfe oder eine Medizinhotline. Auch über diese Zusatz­angebote informiert der Produktfinder Gesetzliche Krankenkassen.

      Schwangerschaft: Schutz für mehr Frauen

      Ab 1. Januar 2018 gelten neue Regeln für den Mutter­schutz. Unter das reformierte Mutter­schutz­gesetz fallen nun mehr Frauen als zuvor, etwa auch Schüle­rinnen und Studentinnen. Diese dürfen im Mutter­schutz nach wie vor freiwil­lig an Vorlesungen, Praktika und Prüfungen teilnehmen, sind dazu allerdings nicht mehr verpflichtet.

      Für Beamtinnen, Richte­rinnen und Soldatinnen sollen dem neuen Gesetz entsprechende Vorschriften auf Bundes- und Landes­ebene erlassen und so der Mutter­schutz vereinheitlicht werden.

      Frauen haben künftig auch mehr Mitspracherechte in Bezug auf ihrer Arbeits­zeit. Schwangere können etwa entscheiden, ob sie sonn- und feier­tags arbeiten wollen – unabhängig davon, in welcher Branche sie tätig sind. Arbeit­geber dürfen Schwangere oder Stillende grund­sätzlich nicht zwischen 20 Uhr und 6 Uhr beschäftigen. Willigt die Frau ein und hat ihr Arzt nichts dagegen, kann sie nun auch bis 22 Uhr arbeiten.

      Allein­erziehende: Neue Unter­halts­sätze

      2018 Special

      Minderjäh­rigen Trennungs­kindern steht ab 1. Januar 2018 mehr Mindest­unterhalt zu. Dann gilt die neue „Düssel­dorfer Tabelle“. Allein­erziehende können vom anderen Eltern­teil Unterhalt für ihr gemein­sames Kind fordern – so lange, bis das Kind voll­jährig ist oder eine Berufs­ausbildung abge­schlossen hat. Wie viel das ist, hängt vom Alter des Kindes und vom Einkommen des Zahlungs­pflichtigen ab. Die Düssel­dorfer Tabelle dient als Grund­lage für die Berechnung. Mit der erneuten Anpassung werden auch die Einkommens­grenzen ange­hoben. Die unterste Einkommens­gruppe von maximal 1 500 Euro wurde auf 1 900 Euro (netto) des Unter­halts­pflichtigen erhöht.

      Ab 2018 beträgt der Mindest­unterhalt bei einem Einkommen bis 1  900 Euro für Kinder bis 5 Jahre 348 Euro. Für Kinder zwischen 6 und 11 sind es 399 Euro, für Kinder zwischen 12 und 17 Jahren 467 Euro. Der Mindest­unterhalt für voll­jährige Kinder bleibt mit 527 Euro unver­ändert.

      Einführung des dritten Geschlechts

      Nach einem Urteil des Bundes­verfassungs­gerichts muss der Gesetz­geber bis Ende 2018 eine Neuregelung schaffen, in die als drittes Geschlecht neben „männ­lich“ und „weiblich“ noch eine weitere positive Geschlechts­bezeichnung aufgenommen wird – etwa „inter“ oder „divers“.

      Sozial­leistungen: Regelsätze steigen

      Wer Arbeits­losengeld II („Hartz IV“) bezieht, erhält ab Januar 2018 mehr Geld. Der Regel­satz für Allein­stehende steigt von 409 auf 416 Euro pro Monat. Für Paare erhöht sich der Satz pro Partner um 6 Euro auf 374 Euro.

      Um 5 Euro erhöht sich die Grund­sicherung für 6- bis unter 14-jährige Kinder (auf 296 Euro) und 14- bis unter 18-jährige Jugend­liche (auf 316 Euro).

      Weniger Einkommensteuer

      Im Jahr 2018 zahlen alle weniger Einkommens­steuer als bisher. Der Grund ist vor allem die Anhebung des Grund­frei­betrags, bis zu dem Einkommen steuerfrei bleibt. Für Singles bringt das bis zu 146 Euro weniger Steuerlast, für Paare bis zu 292 Euro. Ab einem höheren Einkommen fressen allerdings gestiegene Sozial­abgaben den Steuer­vorteil auf.

      Steuerzahler ersparen sich ab 2018 auch Papierkrieg: Ab der Erklärung für 2017 müssen sie die Belege zwar aufheben, aber dem Finanz­amt nur noch nach Aufforderung vorlegen. Künftig können sie Arbeits­mittel wie PC und Büromöbel bis zum einem Preis von 952 Euro komplett im Jahr der Anschaffung abschreiben. Weitere Details und Änderungen in unserem Special Steuern: Für Arbeitnehmer und Anleger ändert sich 2018 einiges.

      Neue Regeln für die Fonds­besteuerung

      Für Fonds­anleger bringt der Jahres­wechsel 2017/18 gravierende Veränderungen: Sämtliche Fonds­anteile gelten an Silvester als fiktiv verkauft und an Neujahr als neu erworben. Die Reform gilt für alle Fonds­anleger. Erfreulich für sie: Etliche ihrer Pflichten gehen nun auf die Depot­banken über. Alle wichtigen Infos zum Thema finden Sie in unserem Special Fondsbesteuerung ab 2018.

      EU-Daten­schutz: Gleiches Recht für alle

      Unternehmen hatten zwei Jahre Zeit, ihre Daten­ver­arbeitung auf das neue EU-Daten­schutz­recht umzu­stellen. Am 25. Mai 2018 müssen die Vorgaben der EU-Daten­schutz­grund­ver­ordnung umge­setzt sein. Danach droht Firmen bei Verstößen Bußgeld in Höhe von bis zu 4 Prozent des welt­weiten Unter­nehmens­umsatzes.

      Die neue Verordnung, die im Mai 2016 in Kraft getreten ist, gilt für alle Unternehmen, die auf dem europäischen Markt tätig sind. Zu den Pflichten der Firmen gehört es zum Beispiel, zur Verarbeitung persönlicher Daten eine eindeutige und aktive Einwilligung ihrer Kunden einzuholen. Diesen steht darüber hinaus ein Auskunfts­recht zu: Sie können jeder­zeit Informationen über die gespeicherten Daten einfordern.

      Bisher lag es in der Verantwortung der Mitglieds­staaten, die Vorgaben der alten EU-Daten­schutz­richt­linie in nationales Recht umzu­setzen. Die Daten­schutz­niveaus in den Mitglied­staaten waren unterschiedlich.

      Online-Ausweis­funk­tion: Europaweit einsetz­bar

      Die Online-Ausweis­funk­tion wird künftig europaweit einsetz­bar sein. Ab 29. September 2018 soll die Funk­tion bei digitalen Verwaltungs­verfahren zur elektronischen Identifizierung einer Person in allen EU-Staaten anerkannt werden.

      Die Online-Ausweis­funk­tion wird auch eID-Funk­tion (eID = electronic Identity) genannt. Dadurch können sich Personen im Internet gegen­über Behörden oder Unternehmen sicher und eindeutig mit dem Personal­ausweis identifizieren – etwa für Nach­fragen beim Kraft­fahrt­bundes­amt in Flens­burg oder der Deutschen Renten­versicherung.

      Wer die eID nutzen will, muss sie auf seinem elektronischen Personal­ausweis frei geschaltet, die Software auf seinem PC geladen, eine Pin generiert und einen Kartenleser haben. Bisher nutzen nur wenige Deutsche die eID-Funk­tion ihres Personal­ausweises.

      Pauschal­reiserecht: Mehr Zeit zum Mindern

      Das neue Reiserecht für Buchungen ab Juli 2018 bringt Gutes und Schlechtes:

      Reise­preis mindern. Reisende müssen einen Mangel, etwa ein verdrecktes Hotel, sofort beim örtlichen Ansprech­partner melden. Diese Anzeige ermöglicht es Urlaubern später, eine Erstattung vom Reise­preis zu verlangen. Bislang musste ein Kunde die konkrete Minderung inner­halb eines Monats nach Ende der Reise verlang­eng. Diese Monats­frist entfällt. Wer den Mangel ange­zeigt hat, kann die Erstattung nun bis zum Ende der zweijäh­rigen Verjährungs­frist fordern.

      Rück­tritt nach Preis­erhöhung. Veranstalter dürfen unter engen Voraus­setzungen den Preis erhöhen, etwa wenn nach Buchung die Treib­stoff­kosten für den Flug gestiegen sind. Wenn der Kunde nicht zahlen will, darf er von der Reise zurück­zutreten. Bislang hatte er dieses Rück­tritts­recht, wenn die Reise mehr als 5 Prozent teurer wurde. Ab Juli 2018 gilt das Rück­tritts­recht erst ab einer Erhöhung mehr als 8 Prozent.

      Mindest­lohn gilt bundes­weit

      In keiner Branche darf ab 1. Januar 2018 weniger Gehalt gezahlt werden als es der gesetzliche Mindest­lohn vorsieht. Eine Über­gangs­frist, die auch nied­rigere Löhne gestattete, ist dann vorbei. Der Mindest­lohn liegt – wie auch im Vorjahr – bei 8,84 Euro pro Stunde. Davon profitieren zum Beispiel auch die Zeitungs­zusteller: Sie hatten bisher nur Anspruch auf 8,50 Euro pro Stunde.

      Der Mindest­lohn wird alle zwei Jahre neu fest­gelegt, das nächste Mal 2019. Ausgenommen vom Mindest­lohn sind im wesentlichen Jugend­liche unter 18 Jahren, Auszubildende, Lang­zeit­arbeits­lose, Praktikanten, Jugend­liche in einer Einstiegs­qualifizierung und ehren­amtlich Tätige.

      In etlichen Branchen gibt es gesondert ausgehandelte Mindest­löhne, die über dem gesetzlichen Mindest­lohn liegen. In einigen Branchen steigen sie – zum Beispiel in der beruflichen Aus- und Weiterbildung von 14,60 Euro auf 15,25 Euro. Das Elektrohand­werk hatte bislang noch nach Ost und West differenzierte Tarife. Ab 2018 gelten dort dann bundes­weit einheitlich 10,95 Euro. In der Pfle­gebranche steigt der Mindest­lohn von 10,20 Euro (West) bzw. 9,50 Euro (Ost) auf 10,55 Euro (West) bzw. 10,05 Euro (Ost). Im Laufe des Jahres sollen weitere Branchen-Mindest­löhne erhöht werden.

      Arbeit­geber müssen Gehalts­struktur offen legen

      Ab dem 6. Januar 2018 können Beschäftigte in Betrieben mit mehr als 200 Mitarbeitern erst­mals Auskunft über die Gehalts­strukturen im Unternehmen einfordern. Das regelt das Gesetz zur Förderung der Trans­parenz von Entgelt­strukturen (Entgelt­trans­parenzgesetz). Es ist seit Anfang Juli 2017 in Kraft. Beschäftigte können alle drei Jahre eine Auskunft verlangen, ab Anfang 2021 alle zwei Jahre. Es geht nicht darum, das Gehalt eines bestimmten Arbeitnehmers in vergleich­barer Position zu erfragen – sondern vielmehr darum, das durch­schnitt­liche Brutto­gehalt der Beschäftigen im Betrieb offen­zulegen, die eine vergleich­bare Tätig­keit ausüben. Zudem soll der Arbeit­geber die Kriterien zur Entgeltfindung darlegen. Für die Auskunft ist – sofern vorhanden – der Betriebsrat zuständig. Im Zweifel kann aber auch der Arbeit­geber die Auskunft erteilen. Das Gesetz soll dabei helfen, eine geschlechts­spezi­fische Ungleichbe­hand­lung beim Gehalt besser nach­zuweisen.

      Mit Brücken­tagen Urlaub verdoppeln

      Arbeitnehmer können 2018 ihren Urlaub fast verdoppeln, wenn sie die zwischen den Feier­tagen und Wochen­enden liegenden Werk­tage geschickt in die Urlaubs­planung einbeziehen. An folgenden Terminen lassen sich mit Brücken­tagen mehr arbeits­freie Tage bekommen:

      • Neujahr,
      • Ostern,
      • 1. Mai,
      • Pfingsten,
      • Tag der deutschen Einheit,
      • Weih­nachten.

      So kann ein Arbeitnehmer Ostern insgesamt 16 freie Tage nehmen (vom 24. März bis 8. April) und muss dafür nur acht Urlaubs­tage einsetzen. Um den Maifeiertag gibt es mit einem Urlaubs­tag (Montag, 30. April) gleich vier Tage frei. Wer noch drei Tage anhängt, kommt mit vier Urlaubs­tagen auf neun freie Tage (28. April bis 6. Mai).

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