Arbeit­geber können ihren Angestellten einen Zuschuss zur Kinder­betreuung zahlen.

Ob Kita oder Au-pair – Eltern wollen ihren Nach­wuchs in guten Händen wissen. Die meisten Eltern zahlen für die Aufsicht ihres Nach­wuchses und können sich einen Teil davon im Rahmen ihrer Steuererklärung zurück­holen. Bis zu 4 000 Euro sind im Jahr für jedes Kind unter 14 Jahren drin. Hier lesen Sie, wie Sie steuerlich alles richtig machen – auch für den Fall, dass Groß­eltern, ein Au-pair oder Babysitter unterstützen.

Betreuungs­kosten – das Wichtigste in Kürze

Unser Rat für Eltern

Höchst­betrag. Geben Sie alle Betreuungs­kosten in Ihrer Steuererklärung an – davon zählen zwei Drittel, maximal 4 000 Euro pro Jahr und Kind bis 14 Jahre. Ziehen Sie zuvor Ausgaben für Unter­richt, Frei­zeit­gestaltung und Essen des Kindes sowie Zuschüsse vom Chef ab.

Nach­weis. Bewahren Sie Rechnung oder Gebühren­bescheid auf und zahlen Sie immer per Über­weisung.

Vertrag. Betreuen Angehörige Ihr Kind, müssen Sie die Konditionen schriftlich fest­halten und einhalten. Ein Steuerberater hilft Ihnen, Ärger mit dem Amt zu vermeiden (zum Special Steuerberater einschalten).

nach oben

Betreuungs­kosten und Steuern – alle Details

Für Drei- bis Sechs­jährige ist es selbst­verständlich, dass jemand anders als Mutter oder Vater auf sie aufpasst: 90 Prozent von ihnen werden täglich zumindest einige Stunden betreut – meist von Erziehern in Krippe oder Kita oder bei Tages­eltern. Knapp 2,8 Millionen Kinder unter sechs Jahren fanden 2017 in einer Tages­betreuung Unter­schlupf. Die meisten Eltern zahlen für die Aufsicht ihres Nach­wuchses und können sich einen Teil davon im Rahmen ihrer Steuererklärung zurück­holen. Bis zu 4 000 Euro sind im Jahr für jedes Kind unter 14 Jahren drin. In vielen Familien springen aber auch Groß­eltern ein oder ein Au-pair oder Babysitter kümmert sich um Tochter oder Sohn. Wer einige Regeln beachtet, kann auch diese Ausgaben steuerlich absetzen. Wir sagen, worauf es dabei ankommt.

Bis zu 4 000 Euro Betreuungs­kosten pro Kind bei der Steuer geltend machen

In jedem Fall gilt: Warum Eltern ihre Kinder beaufsichtigen lassen, ist ihre Privatsache. Dem Finanz­amt ist es egal, ob sie arbeiten, krank sind oder einfach regel­mäßige Auszeiten wünschen. Der richtige Ort fürs Steuern­sparen ist die Anlage Kind der jähr­lichen Steuererklärung. Es gelten zwei Drittel der entstandenen Kosten, maximal 4 000 Euro pro Jahr und Kind, das noch keine 14 Jahre alt ist. Ob das Kind das ganze Kalender­jahr über oder zum Beispiel nur während der Sommer­ferien beaufsichtigt wurde, ist egal. Der Höchst­betrag gilt trotzdem. Das volle Spar­potenzial nutzt aus, wer im Jahr 6 000 Euro oder mehr gezahlt hat und zwei Drittel (4 000 Euro) absetzen kann.

Wichtig: Das Geld muss über­wiesen werden (Bundes­finanzhof, Az. III R 63/13); bar bezahlte Betreuung schließt das Finanz­amt aus. Für Rück­fragen bewahren Eltern am besten neben dem Über­weisungs­beleg die Rechnung der Betreuungs­person oder -einrichtung oder den Gebühren­bescheid des Kita- oder Hort­trägers auf. Passen Haus­halts­hilfen, Au-pairs, Angehörige oder Minijobber wie Babysitter auf, genügt als Nach­weis der Arbeits­vertrag und gegebenenfalls die Abrechnung mit der Minijobzentrale.

Den Höchst­betrag für die Betreuungs­kosten richtig aufteilen

Die 4 000-Euro-Grenze gilt für beide Eltern­teile gemein­sam – Ehepaare, die eine gemein­same Steuererklärung abgeben, profitieren nicht doppelt. Verheirateten Part­nern, die ihre Steuern getrennt voneinander erklären, steht der Höchst­betrag jeweils zur Hälfte zu. Sie können aber einvernehmlich eine andere Aufteilung in Zeile 73 der Anlage Kind beantragen. Bei Getrennten, Unver­heirateten, Patchwork­familien und Paaren, die nicht zusammen wohnen, darf nur derjenige Kosten einer Betreuung absetzen, der sie gezahlt hat und in dessen Haushalt das Kind lebt. Dafür schauen die Finanz­beamten zunächst, bei wem es gemeldet ist. Auch Indizien wie Kinder­geld­anspruch und Sorgerecht weisen auf die Haus­halts­zugehörig­keit hin. Sie können aber durch tatsäch­liche Gegebenheiten im Einzel­fall widerlegt werden. Es ist auch möglich, dass ein Kind getrennter Eltern zu beiden Haushalten gehört (BFH, Az. X R 11/97).

Nichts­destotrotz ist der Kosten­abzug bei Eltern, die einzeln zur Einkommensteuer veranlagt werden, auf den halben Höchst­betrag begrenzt – außer sie teilen den Betrag anders unter sich auf (siehe Beispiel unten). Damit beide Partner jeweils ihren Teil des Höchst­betrags ausnutzen können, sollten sie – ob verheiratet oder nicht – Betreuungs­verträge gemein­sam abschließen und jeweils den Teil des Aufwands über­nehmen, den sie auch bei sich geltend machen wollen.

Tipp: Steuer­vorteile für Eltern bringen übrigens auch Kinder­frei­beträge, Ausgaben für die Betreuung von Kindern und das Schulgeld. Alle Infos im Special Kindergeld und Freibeträge.

Diese Kosten gelten als Betreuungs­kosten

Ob Eltern für die Betreuung ihres Kindes Geld zahlen oder, wie beim Au-pair, Sach­leistungen wie Verpflegung erbringen, ist unerheblich – der Wert zählt für die Steuer. Und auch Erstattungen, etwa von Fahrt­kosten, lassen sich absetzen, wenn sie der betreuenden Person entstanden sind, während sie sich um das Kind gekümmert hat. Das Finanz­amt berück­sichtigt ausschließ­lich Kosten, bei denen die reine Fürsorge für ein Kind im Vordergrund steht. In der Anlage Kind ihrer Steuererklärung können Eltern daher diese Posten angeben:

  • Beiträge an Kinder­garten, Kinder­tages­stätte, Heim, Hort und Krippe,
  • Kosten für eine Unterbringung im Internat,
  • Aufwand für Tages­mutter oder -vater und Ganz­tags­pfle­gestellen und
  • Ausgaben für eine Ferien­betreuung. Ob Teil­nahme­beiträge für ein Kinder­ferien­lager steuerlich gelten, muss der Bundes­finanzhof noch entscheiden (Az. VIII R 16/17).

Kosten für Unter­richt, die Vermitt­lung besonderer Fähig­keiten sowie sport­liche und andere Frei­zeitbe­tätigungen bleiben außen vor, weil sie sich nicht auf die Aufsicht über ein Kind beschränken. Nach­hilfe, Musik-, Computer-, Kunst- oder Schwimm­kurse, Beiträge zu Sport­ver­einen, Teil­nahme­beiträge zu Klassen- und Gruppen­reisen sowie Verpflegungs- und Über­nachtungs­kosten streichen die Beamten. In der Regel weisen deshalb zum Beispiel Kita­bescheide die Kosten für Betreuung gesondert aus. Diese Kosten sind immer Sonder­ausgaben, sie gehen vom zu versteuernden Einkommen ab. Selbst wenn sie beruflich veranlasst sind, sind sie nie Betriebs­ausgaben oder Werbungs­kosten (BMF-Schreiben vom 14.03.2012, Kinder­betreuungs­kosten).

Bonus vom Chef für die Kinder­betreuung

Manche Arbeit­geber geben etwas zur Kinder­betreuung hinzu. Sie haben Interesse daran, dass ihre Angestellten ihre Kinder gut unterge­bracht wissen und konzentriert ihre Aufgaben erfüllen. Ist das Kind noch nicht schul­pflichtig, kann der Arbeit­geber Ausgaben für Betreuung in unbe­grenzter Höhe über­nehmen. Gibt es den Zuschuss zusätzlich zum vertraglich vereinbarten Monats­lohn, bleibt er beim Arbeitnehmer steuerfrei. In der Steuererklärung müssen Eltern ihre Betreuungs­kosten um den Bonus kürzen.

Tipp: Im Special Steuerfreie Extras vom Chef finden Sie geld­werte Tipps für die nächste Verhand­lung mit dem Chef.

Wenn Opa und Oma im Einsatz sind

Als Betreuungs­personen kommen auch Angehörige infrage. Insbesondere Groß­eltern helfen oft aus – meist ein familiärer Gefallen. Steuerlich kann sich dieser auswirken, wenn die Kindes­eltern im Gegen­zug einen Zuschuss zur Rente über­weisen. Diesen Lohn müssen betreuende Groß­eltern aber als Einkommen versteuern. Am ehesten lohnt sich für beide Seiten eine Betreuung auf Minijobbasis, bei der monatlich maximal 450 Euro Lohn fließen. Für den Betrag führen die Kindes­eltern pauschal Steuern und Sozial­abgaben an die Minijobzentrale ab (minijob-zentrale.de).

Damit das Finanz­amt mitspielt, müssen Familien eindeutige Vereinbarungen treffen und diese einhalten (Finanzge­richt Nürn­berg, Az. 3 K 1382/17): In einem Vertrag wird der Umfang der regel­mäßigen Betreuung fest­gelegt – mit Wochen­tagen, Stundenzahl und Lohn. Das Entgelt müssen die Eltern des Kindes – wie zwischen Dritten üblich – zeit­nah über­weisen.

Hier prüft das Finanz­amt besonders gründlich

Den meisten Familien ist der bürokratische Aufwand trotz des Steu­erspar­potenzials zu hoch, sagt die Berliner Steuerberaterin Tanja Maria Hirsch: „Es ist wahr­lich kompliziert, die Regeln des sogenannten Fremd­vergleichs einzuhalten, da es meist ja um gelegentliche und nicht ständige Betreuung wie bei Tages­eltern geht. Das Finanz­amt prüft bei solchen Fällen besonders sorgfältig und veranlasst Kontrollen, damit Betreuungs­gelder bei den Empfängern auch tatsäch­lich versteuert werden.“ Familien, die einen Betreuungs­vertrag mit Angehörigen abschließen wollen, sollten vorab einen Steuerberater hinzuziehen, um Ärger mit dem Amt zu vermeiden.

Achtung: Wohnt die verwandte Betreuungs­person im selben Haushalt, sind keine Kosten absetz­bar.

Wenn die Groß­eltern betreuen – so lassen sich trotzdem Steuern sparen

Betreuen Oma und Opa ihren Enkel unentgeltlich, können Mutter oder Vater dennoch Steuern sparen: Sie ersetzen die Fahrt­kosten, die den Groß­eltern für das Umherfahren entstehen (Finanzge­richt Baden-Württem­berg, Az. 4 K 3278/11): 30 Cent pro Kilo­meter dürfen sie dafür pauschal ansetzen. Doch auch hier gelten die Regeln des Fremd­vergleichs: Die betreuende Person muss eine Rechnung stellen und darin Fahrten und Aufsicht auflisten und dies bei Rück­fragen des Finanz­amts etwa mit Tank­quittungen belegen können (Finanzge­richt Nürn­berg, Az. 3 K 1382/17).

Au-pair, Babysitter, Haus­halts­hilfe

Manche Familien nehmen für begrenzte Zeit ein Au-pair bei sich auf, das sich mit den Kindern beschäftigt, aber auch im Haushalt mit anpackt. Obwohl in der Regel kein reguläres Arbeits­verhältnis vorliegt, entstehen Kosten für das Au-pair, etwa für Verpflegung, Unterkunft, Taschengeld oder Sprach­kurse. Im Au-pair-Vertrag legen Gast­familien fest, wie viel Zeit und welcher Umfang des Entgelts auf Kinder­betreuung entfällt. Diesen Teil können Eltern absetzen, sofern sie ihn auch über­wiesen haben (Finanzge­richt Köln, Az. 15 K 2882/13). Ohne klare Vereinbarung akzeptiert das Finanz­amt es, wenn geschätzt 50 Prozent des Aufwands für die Beaufsichtigung veranschlagt werden.

Kinder­betreuungs­kosten fallen auch an, wenn Eltern einen Babysitter oder eine Haus­halts­hilfe beschäftigen, die nebenbei ein Auge auf den Nach­wuchs wirft. Zahlen Eltern für die Dienst­leistung maximal 450 Euro im Monat, können sie Babysitter oder Haus­halts­hilfe als Minijobber anstellen. Über­schreiten Umfang der Tätig­keit und Lohn die Minijob­grenze, müssen Eltern Haus­halts­hilfe oder Babysitter sozial­versicherungs­pflichtig einstellen. Hilft ein Steuerberater bei der Lohn­abrechnung, akzeptiert das Finanz­amt in der Regel die dafür angefallenen Kosten.

Tipp: Wie Sie mit den Kosten rund ums Heim die Steuer senken, lesen Sie im Special Handwerker und Haushaltshilfen.

Steuerermäßigung bei älteren Kindern

Der Nach­wuchs hat bereits den 14. Geburts­tag gefeiert? Betreuung lässt sich dann nur noch als haus­halts­nahe Dienst­leistung absetzen – 20 Prozent des Aufwands zieht das Finanz­amt von der Steuerlast ab. Genauso können Eltern auch mit dem Teil der Kosten für eine Haus­halts­hilfe oder ein Au-pair verfahren, der nicht die Aufsicht über das Kind abdeckt.

nach oben

Beispiel­rechnung Familie – so klappts mit dem Höchst­betrag

Betreuung. Lena Lembach und Deniz Eren leben unver­heiratet zusammen, deshalb geben sie ihre Steuererklärungen einzeln ab. Ihre fünf­jährige Tochter Selin besucht halb­tags eine Kita und bleibt an zwei Tagen nach­mittags im Hort. Damit sich in den Kita­ferien im Sommer jemand um das Mädchen kümmert, während Lena und Deniz arbeiten, besucht Selin zwei Wochen eine Ferien­betreuung.

Steuererklärung. Lena und Deniz wollen die Kinder­betreuungs­kosten absetzen. Sie wissen, dass zwei Drittel davon zählen. Der Höchst­betrag von 4 000 Euro steht ihnen je zur Hälfte zu.Die Kosten für Kita und Hort in Höhe von 5 400 Euro hat sich das Paar geteilt. Das ist möglich, weil beide die Betreuungs­verträge mit den Einrichtungen geschlossen haben. Sie rechnen je 2 700 Euro in ihrer Erklärung ab. Deniz schlägt noch 500 Euro für die Ferien­betreuung oben drauf, die er allein bezahlt hat. Somit fallen bei Lena 1 800 Euro (2/3 von 2 700 Euro) an, bei Deniz 2 133 Euro (2/3 von 3 200 Euro). In Zeile 73 der Anlage Kind teilt Lena mit, dass sie 45 Prozent des Höchst­betrags nutzen will. Deniz beantragt in seiner Erklärung 55 Prozent. So berück­sichtigt das Finanz­amt bei beiden die Kosten.

nach oben

Dieser Artikel ist hilfreich. 11 Nutzer finden das hilfreich.