Gesetzliche Pflege­versicherung Special

Im Lauf ihres Lebens werden zwei von drei Frauen pflegebedürftig. Bei den Männern ist es rund jeder zweite. Die gesetzliche Pflege­versicherung über­nimmt einen Teil der Kosten für die Unterstüt­zung durch ehren­amtlich Pflegende wie Familien­mitglieder oder auch Pflegefach­kräfte. Hier lesen Sie alles rund um die gesetzliche Pflege­versicherung – von den Leistungen, dem Beitrags­satz bis zur Höhe des Beitrags.

Gesetzliche Pflege­versicherung seit 1996

Jeder Mensch, der in Deutsch­land gesetzlich oder privat kranken­versichert ist, ist auto­matisch auch pflege­versichert. Die gesetzliche Pflege­versicherung ist eine Pflicht­versicherung, sie gibt es seit 1996. Neben der gesetzlichen Unfall-, Kranken-, Arbeits­losen- und Renten­versicherung ist sie die jüngste Zweig der Sozial­versicherung. Die Vorschriften dazu stehen im dem Elften Sozialgesetz­buch, SGB XI. Mit der Pflege­versicherung abge­sichert sind gesetzlich und privat Versicherte, wenn sie mehr als sechs Monate auf Unterstüt­zung und Pflege einer anderen Person angewiesen sind. Die Pflege­versicherung deckt jedoch nicht das volle finanzielle Risiko ab. Nur ein Teil der Pflege­kosten für die häusliche und stationäre Pflege wird über­nommen. Die Höhe der Leistungen der Pflege­versicherung ist abhängig vom Grad der Pflegebedürftig­keit.

Das Wichtigste in Kürze

Beitrags­satz. Jeder der gesetzlich oder privat kranken­versichert ist, ist auto­matisch in der sozialen Pflege­versicherung versichert. Der gesetzlich fest­gelegte monatliche Beitrag liegt bei 2,55 Prozent des Brutto­einkommens für gesetzlich Versicherte mit Kindern und 2,8 Prozent für Kinder­lose (Stand 2017). Arbeit­geber über­nehmen die Hälfte der Beiträge, außer in Sachsen. Hier bezahlen Arbeitnehmer seit 1996 ein Prozent mehr. Dafür wurde der Feiertag Buß- und Bett­tag nicht abge­schafft.

Leistung auf Antrag. Jeder, der länger als sechs Monate auf Unterstüt­zung im Alltag angewiesen ist, erhält Leistungen aus der Pflege­versicherung. Notwendig ist ein Antrag auf Pflege­leistungen bei der Krankenkasse für gesetzlich Versicherte oder der Kranken­versicherung für privat Versicherte.

Pfle­gegrade. Im Pflege­gut­achten wird fest­gelegt, wie viel Hilfebedarf ein Mensch hat und wird in einen Pfle­gegrad einge­stuft. Der Pflegegrad bestimmt, welche Leistung in welcher Höhe er erhält.

Vielzahl an Leistungen. Neben dem Pflegegeld und der Pflege durch Pflegefach­kräfte gibt es weitere Leistungen, die ehren­amtlich Pflegende und pflegende Angehörige entlasten und ihnen die Pflege zuhause erleichtern sollen.

Private Pflege­zusatz­versicherung schließt die Lücke

Wenn weder Einkommen noch Vermögen den Eigen­anteil des pflegebedürftigen Versicherten deckt, kann eine Pflege­zusatz­versicherung die Lücke schließen: Eine Pfleg­etagegeld­versicherung zahlt dem Versicherten im Fall der Pflegebedürftig­keit ein Tagegeld in bestimmter Höhe, das er frei verwenden kann. Die Pflege­kosten­versicherung erstattet im Gegen­satz dazu die nachgewiesenen Kosten etwa eines Pflege­dienstes bis zu einer bestimmten Höhe nach Vorlage der Rechnung. Die Leistungs­höhe ist dabei an die Leistungen der gesetzlichen Pflege­versicherung gekoppelt. Versicherte mit einer Pflegerenten­versicherung erhalten eine monatliche Rente in vereinbarter Höhe. Das Geld ist frei verfügbar.

Tipp: Ausführ­liche Informationen zu diesem Thema lesen Sie im Special Einfach erklärt: Pflegezusatzversicherung. Wir haben private Pflege­versicherungen getestet Vergleich private Pflegeversicherungen.

Versicherungs­pflicht für Kranken­versicherte

Gesetzlich Kranken­versicherte sind auto­matisch in der sozialen Pflege­versicherung versichert. Zuständig dafür ist die gesetzliche Pflegekasse, die an die gesetzliche Krankenkasse des Versicherten angebunden ist. Privat Kranken­versicherte sind dagegen in der privaten Pflege­versicherung – auch Pfle­gepflicht­versicherung genannt – versichert. Die Leistungen sind denen der sozialen Pflege­versicherung gleich­wertig. Wie bei der privaten Krankenversicherung gilt auch hier das Kosten­erstattungs­prinzip: Sach­leistungen wie etwa die Pflege durch den Pflege­dienst muss der Versicherte erst einmal aus eigener Tasche bezahlen, bevor er sie sich vom Privatversicherer zurück­holt. Privat Versicherte können bis zu sechs Monaten nach Abschluss eines Kranken­versicherungs­vertrags die Pfle­gepflicht­versicherung auch bei einem anderen Unternehmen abschließen.

Beitrag zur Pflege­versicherung

Der Beitrags­satz zur sozialen Pflege­versicherung liegt im Jahr 2017 bei 2,55 Prozent des Brutto­einkommens für gesetzlich Versicherte mit Kindern und 2,8 Prozent für Kinder­lose. Der Beitrag geht am Ende des Monats vom Brutto­lohn ab. Der Beitrag für privat Versicherte wird unabhängig vom Einkommen und abhängig von Alter und Gesundheit bei Vertrags­schluss berechnet. Ein Teil davon wird für die Alters­rück­stellung verwendet, um starke Beitrags­steigerungen im Alter abfedern. Mit steigendem Alter steigt auch das Pflegerisiko und so meist auch der Beitrag – jedoch nicht unendlich. Das Gesetz sieht an dieser Stelle eine Beitrags­begrenzung vor: Ein privat Pflege­versicherter wird nie mehr zahlen als ein Versicherter der sozialen Pflege­versicherung. Ohne Beihilfe­anspruch sind das 2017 knapp 111 Euro, mit Beihilfe die Hälfte des Betrags. Ist der Versicherte Arbeitnehmer, dann zahlt der Arbeit­geber in der Regel einen Zuschuss zur Pflege­versicherung.

Wer gilt als pflegebedürftig?

Versicherte werden als pflegebedürftig im Sinne der Pflege­versicherung einge­stuft, wenn sie mehr als sechs Monate Hilfe im Alltags­leben brauchen. Wenn jemand nach einem Unfall oder einer Krankheit für einige Wochen oder Monate auf Unterstüt­zung angewiesen ist, hat er keinen Anspruch auf Leistungen der Pflegekasse. Dann ist die Krankenkasse oder die Unfall­kasse für die Leistungen zuständig.

Der Antrag auf Leistung – so geht´s

Gesetzlich Versicherte. Pflege­versicherte, die Pflege und Unterstüt­zung brauchen, müssen einen formlosen Antrag bei ihrer Krankenkasse stellen. Hier ist auch die Pflegekasse angesiedelt. Sie schickt ein Formular, das der Versicherte ausfüllen und zurück­senden muss. Viele Pflegekassen bieten Antrags­formulare auf ihren Internet­seiten. Ist der Antrag bei der Kasse, beauftragt die Kasse einen unabhängigen Gutachter, der ein Pflege­gut­achten erstellt. Bei gesetzlich Versicherten kommt häufig ein Sach­verständiger vom Medizi­nischen Dienst der Kranken­versicherung, dem MDK. Je nach Ergebnis bekommt der Versicherte dann Leistungen der Pflege­versicherung – und zwar ab dem Tag der Antrag­stellung.

Privat Versicherte. Sie wenden sich an die Compass Pflegeberatung, ein Unternehmen der privaten Kranken­versicherer. Ein Mitarbeiter der Firma Medicproof wendet sich anschließend an den Antrag­steller. Dazu vereinbart er meist telefo­nisch einen Termin zum Haus­besuch. Entscheidend bei der Einstufung in einen Pfle­gegrad sind die Selbst­ständig­keit und Fähig­keiten, die der Antrag­steller im Alltag noch besitzt.

Das Pflege­gut­achten

Die Selbst­ständig­keit eines Menschen und damit der Pflegebedarf wird im Rahmen eines Gutachtens anhand von 64 Kriterien ermittelt. Sie sind sechs Lebens­bereichen, den Modulen, zuge­ordnet. Ein Pflegesach­verständiger vergibt pro Kriterium Punkte, die in die Gesamt­punkt­zahl eines Moduls einfließen. Die Punkte liegen dabei zwischen 0, wenn keine Beein­trächtigungen, und 4 Punkten, wenn schwerste Beein­trächtigungen der Selbst­ständig­keit fest­gestellt werden. Im zweiten Schritt wird das Modul gewichtet und so in die Gesamt­wertung des Pfle­gegrades miteinbezogen (Details lesen Sie im Special Einfach erklärt: Pflegegrade). Folgende sechs Module und ihre Gewichtung spielen bei der Einschät­zung der Selbst­ständig­keit und damit der Berechnung des Pfle­gegrades eine Rolle:

Mobilität (10 Prozent): Wie gut kann ein Mensch sich alleine fortbewegen, drehen und sitzen?

Kognitive und kommunikative Fähig­keiten (15 Prozent): Wie gut findet sich ein Mensch in Ort und Zeit zurecht? Erinnert er sich? Kann er Gefahren erkennen und sich am Gespräch beteiligen? Alternativ betrachten die Sach­verständigen „Verhalten und psychische Probleme“: Ist ein Mensch aggressiv, schädigt er sich oder andere? Leidet er an Ängsten?

Selbst­versorgung (40 Prozent): Inwieweit ist ein Mensch fähig, sich selbst zu waschen, zu essen, zu trinken und auf die Toilette zu gehen?

Bewältigung und Umgang mit Therapie und Krankheit (20 Prozent): Wie selbst­ständig kann ein Mensch Medikamente einnehmen? Muss er zum Arzt begleitet werden?

Gestaltung des Alltags­lebens und sozialer Kontakte (15 Prozent): Wie selbst­ständig kann ein Mensch einen Tag gestalten und Kontakte pflegen?

Hilfs­mittel zur Pflege – kein Rezept notwendig

Damit der Gutachter sich ein umfassendes Bild vom Versicherten und seinem Unterstüt­zungs­bedarf machen kann, sollte bei der Begut­achtung mindestens eine Person dabei sein, die den Antrag­steller gut kennt – oder eine Pfle­gekraft. Vor allem bei Menschen mit Demenz ist das wichtig, da sie sich bei der Begut­achtung häufig leistungs­fähiger zeigen, als das tatsäch­lich im Alltag der Fall ist. Der Gutachter geht auch auf den Rehabilitations­bedarf und die Versorgung mit Hilfs­mitteln wie das Pflegebett ein. Er kann Vorschläge machen und das im Gutachten fest­halten. Dann wird die Hilfs­maßnahme direkt bei der Kasse beantragt – ohne dass der Arzt eine Extra-Verordnung ausstellen muss.

Folgende Pfle­gegrade sind bei der Einstufung möglich

Pfle­gegrad 1: Geringe Beein­trächtigung der Selbst­ständig­keit

Pfle­gegrad 2: Erhebliche Beein­trächtigung der Selbst­ständig­keit

Pfle­gegrad 3: Schwere Beein­trächtigung der Selbst­ständig­keit

Pfle­gegrad 4: Schwerste Beein­trächtigung der Selbst­ständig­keit

Pfle­gegrad 5: Schwerste Beein­trächtigung der Selbst­ständig­keit mit besonderen Anforderungen an die pflegerische Versorgung

Der Bescheid von der Pflegekasse

Wurde der Antrag auf Leistung der Pflege­versicherung von der Pflegekasse bewil­ligt, schickt die Kasse einen Bescheid mit der Einstufung in den entsprechenden Pfle­gegrad an den Versicherten. Fällt der Bescheid negativ aus oder ist der Antrag­steller mit der Einstufung nicht zufrieden, kann er zunächst formlos einen Wider­spruch einlegen. Eine detaillierte Begründung sollte folgen. Wichtig ist, dass er inner­halb von vier Wochen nach Erhalt des Bescheids wider­spricht. In der Regel wird die Kasse dann einen neuen Gutachter beauftragen.

Von Pfle­gestufen zu Pfle­gegraden

Je nach Pflegebedarf stufen die Pflegekassen die Pflegebedürftigen in verschiedene Kategorien ein. Seit Inkraft­treten des Pfle­gestärkungs­gesetz II, im Januar 2017, ersetzen fünf Pfle­gegrade die vorher geltenden Pfle­gestufen 0 bis III (Details lesen Sie im Special Einfach erklärt: Pflegegrade). Entscheidend ist nicht mehr die körperliche Einschränkung und wie viel Zeit eine Pflege­person für die Hilfe bei der Körper­pflege und der Unterstüt­zung beim Essen braucht. Viel wichtiger ist, ob ein Mensch allein handelt oder ob er Hilfe durch andere benötigt. Bereits pflegebedürftige Versicherte wurden auto­matisch in das neue System überge­leitet. Menschen mit nur körperlichen Einschränkungen und

Pfle­gestufe I kamen in Pfle­gegrad 2,

Pfle­gestufe II kamen in Pfle­gegrad 3,

Pfle­gestufe III kamen in Pfle­gegrad 4,

Pfle­gestufe III mit Härtefall­regelung kamen in Pfle­gegrad 5.

Menschen mit geistigen oder psychischen Einschränkungen, deren Alltags­kompetenz erheblich beein­trächtigt ist, kamen in den über­nächsten Pfle­gegrad, das heißt Menschen mit

Pfle­gestufe 0 kamen in Pfle­gegrad 2,

Pfle­gestufe I kamen in Pfle­gegrad 3,

Pfle­gestufe II kamen in Pfle­gegrad 4,

Pfle­gestufe III (mit und ohne Härtefall­regelung) kamen in Pfle­gegrad 5.

Der neue Pflegrad 1

Der Pfle­gegrad 1 wurde zum Jahres­anfang 2017 neu einge­führt. Er spielte bei der Über­leitung von Pfle­gestufen zu Pfle­gegraden keine Rolle. Dieser Pfle­gegrad ist für Menschen mit leichten Einschränkungen gedacht, die im Begut­achtungs­verfahren bis 2016 nicht berück­sichtigt wurden. Eine wichtige Leistung des Pfle­gegrads 1: Ein Zuschuss zur Wohnungs­anpassung in Höhe von bis zu 4 000 Euro, wie er auch in den Pfle­gegraden 2 bis 5 gezahlt wird. Damit wird das Wohnen erleichtert und eine selbst­ständige Lebens­führung ermöglicht. Dazu gehört zum Beispiel der Einbau einer bodengleichen Dusche im Bade­zimmer.

Weitere Leistungen der Pflege­versicherung bei Pfle­gegrad 1

Für Pflegebedürftige mit Pfle­gegrad 1 gibt es auch – wie für alle anderen Pflegebedürftigen – bei Gründung einer ambulant betreuten Wohn­gruppe eine Anschub­finanzierung von 2 500 Euro pro Person. Höchs­tens sind es 10 000 Euro pro Wohn­einheit. Bewohner solcher Pflege-WGs haben ebenfalls einen Anspruch auf einen Wohn­gruppen­zuschlag von 214 Euro pro Monat. Pflegebedürftige mit Pfle­gegrad 1 bekommen auch den Entlastungs­betrag von 125 Euro (siehe unten) oder einen Zuschuss von 125 Euro bei der voll­stationären Pflege, Pflegeberatung, Pfle­gehilfs­mittel im Wert von 40 Euro im Monat und Pflege­kurse für pflegende Angehörige und Freunde.

Pflegeberatung – auch eine Leistung der Pflege­versicherung

Wer Leistungen aus der Pflege­versicherung bezieht oder beantragt, hat einen Rechts­anspruch auf eine kostenlose Beratung durch die Pflegekasse oder den Kranken­versicherer und die Teil­nahme an Pflege­kursen. In einer Beratung kann die nötige Unterstüt­zung gefunden werden, um den Pfle­geall­tag zu Hause zu organisieren. Pflegeberater helfen, nach einem Kurz­zeit­pfle­geplatz zu suchen, oder begleiten pflegende Angehörige in schwierigen Situationen. Neben der Pflegekasse und Pfle­gestütz­punkte helfen karitative, kommunale oder kirchliche Beratungs­stellen und spezialisierte Verbraucherzentralen weiter. Details lesen Sie im Special Einfach erklärt: Pflegeberatung.

Pflegegeld – wenn ehren­amtlich geholfen wird

Pflegegeld zahlt die Kasse an den pflegebedürftigen Versicherten, wenn Angehörige oder andere nahe­stehende Personen die Pflege ehren­amtlich über­nehmen. Entscheidend für die Höhe ist der Pfle­gegrad, in den der Pflegebedürftige einge­stuft wurde. Im Monat sind das

  • 316 Euro in Pfle­gegrad 2
  • 545 Euro in Pfle­gegrad 3
  • 728 Euro in Pfle­gegrad 4 und
  • 901 Euro in Pfle­gegrad 5.

In Pfle­gegrad 1 wird kein Pflegegeld gezahlt.

Pflegegeld der gesetzlichen Pflege­versicherung – die Details

Aufwands­entschädigung. Die Pflegegeld ist als finanzielle Unterstüt­zung für Pflegebedürftige gedacht, um die freiwil­lige Hilfe bei der Grund­pflege und im Haushalt zu honorieren. Der Pflegebedürftige kann die pflegende Person frei wählen. Die Kasse über­weist das Geld immer am Anfang des Monats an den Pflegebedürftigen.

Pflege und Job. Freiwil­lig Pflegende, die dafür Pflegegeld und Renten­versicherungs­beiträge von der Pflegekasse erhalten, dürfen höchs­tens 30 Stunden pro Woche berufs­tätig sein. Bevor das Pflegegeld ausgezahlt wird, über­prüft der Gutachter des Medizi­nischen Dienstes der Kranken­versicherung (MDK), ob die Pflegenden diese Kriterien erfüllen. Das soll die Qualität der Laien­pflege sichern und helfen, Probleme zu beheben.

Beratungs­pflicht. Wer ausschließ­lich Pflegegeld bekommt, muss sich regel­mäßig beraten lassen. Oft kommt dann ein Pflege­dienst, der vom Pflegebedürftigen beauftragt wurde. Zweck der Beratung zuhause ist, offene Fragen, die die Pflege betreffen, zu klären. Die Pflegekasse schreibt den Pflegebedürftigen dazu an und informiert ihn darüber, dass er sich beraten lassen muss. Damit der Pflegegeld­anspruch erhalten bleibt, schreibt das Gesetz in Pfle­gegrad 2 und 3 die Beratung alle sechs Monate, in Pfle­gegrad 4 und 5 alle drei Monate vor. Weigert der pflegebedürftige Versicherte sich, die Beratung in Anspruch zu nehmen, kann die Kasse das Pflegegeld kürzen.

Unter­brechung. Die Pflegekasse kürzt das Pflegegeld immer dann, wenn der pflegebedürftige Versicherte durch seine Pflege­person nicht gepflegt werden kann. Wird die häusliche Pflege durch einen Kranken­haus­auf­enthalt oder die medizi­nische Reha der pflegebedürftigen Person unterbrochen, wird das Pflegegeld bis zu vier Wochen weitergezahlt. Muss der Pflegebedürftige eine Zeit lang in die Kurz­zeit­pflege, gewährt die Kasse bis 56 Tage im Kalender­jahr das Pflegegeld in halber Höhe. Kommt ersatz­weise eine andere Person zur Verhinderungs­pflege gilt das dasselbe für 42 Tage im Kalender­jahr.

Wenn der Pflege­dienst kommt

Der Pflegebedürftige entscheidet selbst, ob er Pflegegeld möchte. Er kann auch fest­legen, dass die Pflegekasse Leistungen eines professionellen Pflege­dienstes bezahlen soll. Das heißt dann Pflegesach­leistung (zum Basiswissen Pflegedienst). Die Kasse gibt dafür mehr aus als für das Pflegegeld in der jeweiligen Stufe. Monatlich sind das

  • 689 Euro bei Pfle­gegrad 2
  • 1 298 Euro bei Pfle­gegrad 3
  • 1 612 Euro bei Pfle­gegrad 4 und
  • 1 995 Euro bei Pfle­gegrad 5.

In Pfle­gegrad 1 werden keine Pflegesach­leistungen gezahlt.

Pflegesach­leistungen – die Details

Mit dem Begriff Sach­leistungen wird die Arbeit professioneller Pfle­gekräfte bezeichnet. Geleistet wird die Pflege in aller Regel in der Wohn­umgebung des pflegebedürftigen Versicherten.

Leistungs­pakete. Der Pflege­dienst rechnet seine Leistung erst einmal mit der Pflegekasse des Versicherten ab. Dazu berechnet er sogenannte Leistungs­komplexe. Das sind Leistungs­pakete, in denen einzelne Pflege­tätig­keiten wie zum Beispiel die morgendliche Toilette gebündelt sind. Neben verrichtungs­bezogenen Leistungs­komplexen können Pflegefamilien auch Betreuungs­zeiten in Anspruch nehmen. Sie entscheiden dann selbst, welche Leistungen vom Dienst erbracht werden sollen. Je nach Pflegebedarf kann die finanzielle Grenze für Sach­leistungen schnell erreicht sein. Was Pflegebedürftige darüber hinaus mit professionellen Pfle­gekräften vereinbaren, müssen sie aus eigener Tasche bezahlen.

Umwandlung. Bis zu 40 Prozent der Sach­leistungen können Pflegebedürftige auch für nach Paragraf 45a anerkannte Angebote zur Unterstüt­zung im Alltag wie Betreuungs­hilfen nutzen. Dafür ist ein Antrag bei der Pflegekasse notwendig.

Tipp: Weitere Details lesen Sie im Special Basiswissen Pflegedienst.

Pflegegeld und Pflege­dienst kombinieren

Die Leistungen der gesetzlichen Pflege­versicherung können auch miteinander kombiniert werden. So können Empfänger von Pflegegeld auch Pflegesach­leistungen durch den Pflege­dienst erhalten. Der Dienst rechnet dann direkt mit der Kasse ab. Kombiniert lässt sich der Gesamt­wert beider Leistungen steigern. Verknüpft werden können Pflegegeld und Sach­leistungen auch mit teil­stationären Pflege­leistungen wie der Betreuung in der Tages- oder Nacht­pflege. Wie viel Geld am Ende übrig bleibt, ist abhängig vom Pfle­gegrad und der Frage, wie viel professionelle Pflege gewünscht ist. Eine Kombination kann direkt im Antrag auf Pflege­leistungen oder auch im Nach­hinein bei der Pflegekasse beantragt werden.

Leistungen der Pflege­versicherung im Pfle­geheim

Vor allem dann, wenn das Wohnen in den eigenen vier Wänden allein nicht mehr funk­tioniert, ist das Pfle­geheim eine Alternative. In der Einrichtung werden ältere Menschen stationär gepflegt und betreut. Unterkunft und Verpflegung im Heim müssen die Bewohner immer aus der eigenen Tasche bezahlen. Die Kosten für die Pflege und die Betreuung trägt die Pflege­versicherung bis zu einer Höhe von

  • 770 Euro bei Pfle­gegrad 2
  • 1 262 Euro bei Pfle­gegrad 3
  • 1 775 Euro bei Pfle­gestufe 4 und
  • 2 005 Euro in Pfle­gegrad 5.

In Pfle­gegrad 1 wird ein Zuschuss von 125 Euro im Monat gezahlt.

Einheitlicher Eigen­anteil – das zahlen Pflegebedürftige selbst

Seit 2017 müssen Pfle­geheimbe­wohner einen einrichtungs­einheitlichen Eigen­anteil (EEE) unabhängig vom Pfle­gegrad aus eigenen Mitteln bezahlen. Bis 2016 stieg dieser Eigen­anteil mit jeder Erhöhung der Pfle­gestufe – zwischen mehreren Hundert bis deutlich über tausend Euro pro Monat. Durch die neue Regelung legt jede Einrichtung einen eigenen Eigen­anteil fest, der von der Bewohner­struktur abhängt. Im Bundes­durch­schnitt liegt er bei 625 Euro pro Bewohner (Stand April 2017). Durch die Reform sollte niemand schlechter gestellt werden. Deshalb sah das Gesetz einen Bestands­schutz für alle Bewohner vor, die bereits vor dem Jahres­wechsel 2016/17 voll­stationäre Pflege bezogen.

Pflege zuhause – Entlastungs­betrag 125 Euro

Einen Entlastungs­betrag in Höhe von 125 Euro im Monat gibt es für alle Personen mit Pfle­gegrad 1 bis 5, die zu Hause gepflegt werden. Er ersetzt die bis 2016 geltenden zusätzlichen Betreuungs- und Entlastungs­leistungen und ist zweck­gebunden. Das heißt, die Kasse über­nimmt neben Pflegegeld und Sach­leistungen noch Angebote zur Unterstüt­zung im Alltag. Das sind bestimmte Leistungen von ambulanten Pflege­diensten oder ehren­amtlichen Alltags­helfern wie Gedächtnis­training, Vorlesen oder die Hilfe beim Einkauf. Pflegebedürftige können den Betrag aber auch einsetzen, um Regel­leistungen der Tages- oder Nacht­pflege aufzusto­cken und verbleibende Eigen­kosten zu finanzieren. Das Gleiche gilt für die Kurz­zeit­pflege, wenn Pflegebedürftige für einige Zeit auf voll­stationäre Pflege angewiesen sind. Beträge, die Pflegebedürftige in einem Monat nicht ausschöpfen, können sie inner­halb eines Kalender­jahres in die Folgemonate über­tragen. Am Ende des Kalender­jahres können nicht verbrauchte Beträge ins darauf­folgende Jahr mitnehmen.

Zuschuss zur Wohnungs­anpassung

Eine weitere Leistung der gesetzlichen Pflege­versicherung: In den Pfle­gegraden 1 bis 5 wird ein Zuschuss zur Wohnungs­anpassung in Höhe von bis zu 4 000 Euro gezahlt. Voraus­setzung: Die Anpassung ermöglicht oder erleichtert das Wohnen zuhause und hilft bei einer selbst­ständigen Lebens­führung. Das können Türverbreiterungen sein, fest installierte Rampen und Treppenlifte oder auch der pflegegerechte Umbau des Bade­zimmers. Verschlechtert sich der Zustand des Pflegebedürftigen stark oder erhöht sich der Pfle­gegrad, kann ein neuer Zuschuss beantragt werden.

Geld für Pfle­gehilfs­mittel

Pfle­gehilfs­mittel sind Geräte und Gegen­stände, die die häusliche Pflege erleichtern und ein selbst­ständiges Leben möglich machen. Für Verbrauchs­artikel wie Einmalhand­schuhe oder Bett­einlagen erstattet die Kasse bis zu 40 Euro im Monat. Für tech­nische Hilfen wie das Pflegebett über­nimmt sie die Kosten zu 90 Prozent. Die Leistungen steht allen Pflegebedürftigen in Pflege­gerad 1 bis 5 zu.

Kurz­zeit­pflege bis zu acht Wochen im Kalender­jahr

Die Kurz­zeit­pflege ermöglicht pflegebedürftigen Versicherten mit Pfle­gegrad 2 bis 5 eine stationäre Versorgung, wenn die Pflege zuhause zeit­weise nicht möglich ist – also wenn die Pflege­person krank oder im Urlaub ist. Aber auch, wenn die Wohnung umge­baut werden muss oder es zu einer Krisensituation kommt. Kurz­zeit­pflege kann für acht Wochen im Kalender­jahr genutzt werden. Die Pflegekasse zahlt bis zu einem Gesamt­betrag von 1 612 Euro alle Pflege­kosten von Körper­pflege bis sozialer Betreuung (Stand 2017). Unterkunft und Verpflegung müssen selbst bezahlt werden oder der Entlastungs­betrag von 125 Euro wird dafür genutzt. Kurz­zeit­pflege kann auch mit den Leistungen zur Verhinderungs­pflege kombiniert werden.

Verhinderungs­pflege, wenn die Pfle­gekraft ausfällt

Die Verhinderungs­pflege kann nötig sein, wenn der Pflegende eine Zeit lang nicht selbst pflegen kann, dann etwa wenn er krank ist, Urlaub macht oder mal zum Arzt muss. Über­nommen wird sie vertretungs­weise durch eine andere vertraute Person oder den Pflege­dienst. Verhinderungs­pflege, auch Ersatz­pflege genannt, kann für sechs Wochen im Kalender­jahr genutzt werden. Die Pflegekasse zahlt in Pfle­gegrad 2 bis 5 bis zu einem Gesamt­betrag von 1 612 Euro die Pflege­kosten. Pflegt ein Verwandter ersten und zweiten Grades bekommt er den Verdienst­ausfall und die Fahrt­kosten erstattet.

Tages­pflege und Nacht­pflege

Menschen, die sich nicht mehr voll­ständig selbst versorgen können, werden tags­über in einer Tages­pfle­geeinrichtung betreut. Die Nacht verbringen sie zuhause. Nacht­pflege ist ebenfalls möglich, die Pflegebedürftigen verbringen in diesem Fall den Tag zuhause und sind nachts stationär unterge­bracht. Die Pfle­geart ist in Deutsch­land jedoch bisher nur selten anzu­treffen. Anspruch auf Tages- und Nacht­pflege haben Versicherte mit Pfle­gegrad 2 bis 5.

Haus­notruf auf Antrag

Wohnen Pflegebedürftige allein und stürzen in ihrer Wohnung, können sie über ein Telefon­zusatz­gerät, einen Hilferuf an eine Notrufzentrale abgeben. Hilfe kommt unmittel­bar. Die Kosten für den Haus­notruf in Pfle­gegrad 1 bis 5 über­nimmt die Pflege­versicherung auf Antrag.

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