Quellen­steuer auf ausländische Aktien So holen Anleger am meisten raus

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Quellen­steuer auf ausländische Aktien - So holen Anleger am meisten raus
Singapur. Hier haben deutsche Anleger keinen Quellen­steuer-Stress mit Aktien.
Spanien. ­Nur 4 Prozent Quellen­steuer muss man sich aus Madrid zurück­holen.
Groß­britannien. Deutsche Anleger ­bleiben von Quellen­steuern unbe­helligt. © Getty Images

Ausländische Einzel­aktien locken oft mit hohen Dividenden, doch die Steuer­regeln sind kompliziert. Wir zeigen, wie Sie vorgehen müssen.

Quellen­steuer – teure Über­raschungen vermeiden

Dividenden statt Zinsen – angesichts von Null- oder Magerzinsen auf Tages- und Festgeld setzen viele Anleger beim Investieren auf dividenden­starke Einzel­aktien. Dabei lohnt häufig ein Blick über die Grenzen. Denn im Ausland sitzen etliche Aktiengesell­schaften, die ihren Aktionären hohe Dividenden in Aussicht stellen. Doch Anleger sollten damit rechnen, dass davon nicht alles bei ihnen ankommt. Denn häufig hält der Heimatfiskus des Unter­nehmens die Hand auf und behält Quellen­steuern ein. Nicht immer gibt es diese voll­ständig zurück – und oft kostet das Zurück­holen auch noch saftige Bank­gebühren und Spesen. Wer im Ausland investiert, sollte also die Quellen­steuer­regeln im Blick behalten, um keine ärgerlichen und teuren Über­raschungen zu erleben.

Tipps: Über weitere Anlage­fehler (und wie man sie vermeidet) berichten wir im Special Typische Anlegerfehler.

Länder mit Quellen­steu­ersatz bis 15 Prozent sind vorteilhaft

Erzielen Anleger mit Depots in Deutsch­land Kapital­erträge in Form von ausländischen Dividenden, greifen die Regeln der Abgeltung­steuer: 25 Prozent Steuern werden fällig, aber erst, wenn man den Sparerpausch­betrag von 801 Euro pro Person und Jahr (1 602 Euro für Ehepaare) ausgeschöpft hat. Kapital­erträge bis zu diesem Wert bleiben steuerfrei, sofern man seiner Depot­bank im Inland einen Frei­stellungs­auftrag erteilt hat. Wird Abgeltung­steuer fällig, gehen zusätzlich 5,5 Prozent der Steuer als Solidaritäts­zuschlag ab, außerdem eventuell Kirchen­steuer.

Bei Auslands­aktien kommt es vor, dass der dortige Fiskus auf die Dividendenzahlung bereits Quellen­steuern einbehalten hat. Das schafft Probleme. Denn im Ausland einbehaltene Quellen­steuer dürfen die Depot­banken mit Sitz in Deutsch­land in der Regel nur bis zur Höhe von 15 Prozent­punkten auf die Abgeltung­steuer anrechnen. Damit sind die Länder vorteilhaft, die von Auslands­aktionären entweder gar keine oder nur Quellen­steuern bis zu diesem Satz erheben. Welche Länder das sind, lesen Sie im Artikel.

Wann sich der Aufwand lohnt

Alles, was an Quellen­steuer über 15 Prozent­punkte hinaus­geht, müssen sich die Anleger beim Auslands­fiskus in Eigen­regie zurück­holen. Das kann mühsam sein, einiges kosten und über­dies auch dauern. Ob sich der Aufwand lohnt, hängt von der Höhe der Dividenden ab. Anhand der Länder USA, Schweiz und Frank­reich haben die Finanz­experten der Stiftung Warentest die jeweils fälligen Gebühren durch­gerechnet und zeigen detailliert, wie Sie vorgehen müssen, um Ihr Geld zu erhalten.

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Profilbild Stiftung_Warentest am 22.09.2022 um 12:23 Uhr
Fonds und Quellensteuer

@peterw24: Mit der Einführung der neuen Fondsbesteuerung fällt die Möglichkeit der Verrechnung der Quellensteuer für Fondsanleger ganz weg. Quellensteuer, die auf der Fondsebene bezahlt wurden, können über die Steuererklärung nicht mehr verrechnet werden.
Zum Ausgleich hat der Gesetzgeber die sog. (steuerliche) Teilfreistellung beim Verkauf der Fonds eingeführt. Wie diese funktioniert, haben wir hier erklärt:
www.test.de/Fondsbesteuerung

Profilbild Stiftung_Warentest am 22.09.2022 um 12:15 Uhr
Zweck eines Freistellungsauftrages

@peterw24: Erzielen Wertpapiere in einem Depot bei einer Bank mit Sitz in Deutschland
abgeltungssteuerpflichtige Erträge, führt die Bank die Abgeltungssteuer automatisch an das Finanzamt ab. Wer seiner Bank keinen Freistellungsauftrag vorlegt, gibt die Erträge sowie die bezahlte Abgeltungsteuer in der Steuerklärung an. Und das Finanzamt berücksichtigt dann im Steuerbescheid den Ansatz des Sparerfreibetrages.
Wer sich diese Mühe sparen will, legt seiner Bank einen Freistellungsauftrag vor. Die Bank nimmt dann von der automatischen Weiterleitung der Abgeltungssteuer Abstand, soweit Erträge sich im Rahmen des Freistellungsauftrages bewegen.

peterw24 am 22.09.2022 um 09:30 Uhr
Keine Rückerstattung bei Freistellungsauftrag

Der Freistellungsauftrag der Banken hat die Aufgabe, dass Kapitalertragssteuer erst gar nicht erhoben werden.
Aber wie ist das bei Investmentfonds ? Bei ausländischen Fonds werden die 15% ausländische Quellensteuer nicht verrechnet, da ja ein Freistellungsantrag gestellt wurde. Deutsche Aktien in Fonds werden mit 15% Körperschaftsteuer belastet.
Die Teilfreistellung bringt in beiden Fällen keine Verrechnung.
Bei Aktien dürfte es das gleiche Problem sein. Die 15% anrechenbare ausländische Quellensteuer kann nicht verrechnet werden, sofern Zinsen in Freistellung fallen.
Um das zu vermeiden, wäre es nicht besser, keinen Freistellungsauftrag bei seiner Bank zu stellen und die Freistellung erst über die EKST geltend zu machen ?

peterw24 am 22.09.2022 um 09:21 Uhr
Fonds holen automatisch die Quellensteuer zurück ?

Wie wir gelernt haben, ist es mühsam bei Auslandsaktien die ausländische Quellensteuer (sofern größer als 15%) zurück zu holen, lohnt sich aufgrund von Gebühren der Banken nicht, oder die Ländern verhindern die Auszahlung durch nichterfüllbare Regelungen. Überlegung ist, sofern die Quellensteuer der Auslandsaktie über 15% liegt, offenen Investmentfonds (z.B. ETFs) zu kaufen, da dann der Fond selbständig die ausländische Quellensteuer zurück holt und ich weder Aufwand noch Kosten habe.
Aber holen die Fonds wirklich die ausländische Quellensteuer komplett zurück ? Wie sieht das bei den Ländern Schweiz, Frankreich, Italien oder Brasilien aus ?
Einem Bericht der FAZ gelingt das den Fonds mit Aktien aus der Schweiz nicht. Hier ist sogar der Aktienanleger im Vorteil !

stiwa897 am 31.07.2022 um 15:08 Uhr
Ein Update wäre schön

Hallo Test-Team,
der Beitrag ist ja bereits 4 Jahre alt, wäre schön wen Sie den Artikel aktualisieren könnten.
Soweit ich dies überblicke haben einige Banken nicht unerheblich an der Gebührenschraube gedreht....