Ein Minijob neben einer regulären Beschäftigung kann sich finanziell lohnen.

Wer einen Zweitjob hat, zahlt oft Steuern und Sozial­abgaben – je nachdem, was es für ein Job ist, fallen diese jedoch unterschiedlich aus. Um netto möglichst viel aus einem Neben­job heraus­zuholen, ist weniger Arbeit manchmal sogar besser als mehr Arbeit. Die Stiftung Warentest zeigt, welche Neben­jobs sich lohnen. Ausführ­liche Informationen rund um die Steuererklärung bietet das Sonderheft Steuern 2020.

Millionen Berufs­tätige mit Neben­job

Immer mehr Berufs­tätige haben nicht nur einen einzigen Job: Im Früh­jahr 2019 zählte die Bundes­agentur für Arbeit rund 3,4 Millionen Angestellte mit zwei oder sogar mehr Beschäftigungen.

Die Zahl ist in den vergangenen Jahren stetig gestiegen. Meist stecken finanzielle Gründe hinter dem Zusatz­job – etwa, wenn der Verdienst im Haupt­job nied­rig ist oder wenn Teil­zeitkräfte gern mehr arbeiten würden, das aber aktuell nicht möglich ist.

Es gibt einige Möglich­keiten, nebenbei Geld zu verdienen, zum Beispiel einen

  • 450-Euro-Minijob,
  • Neben­job mit einem Brutto­verdienst von mehr als 450 Euro im Monat,
  • Saison- oder Aushilfs­job oder
  • eine selbst­ständige Neben­tätig­keit.

Die Steuern und Sozial­abgaben, die für den Neben­verdienst fällig werden, sind je nach Job unterschiedlich hoch. Jobsuchende sollten sich deshalb nicht allein von einem attraktiven Brutto­gehalt leiten lassen, sondern vorab klären, was netto übrig bleibt.

Tipp: Im Unter­artikel Ein Zusatzjob – vier Optionen zeigt ein Beispiel, mit welchen Abzügen Sie je nach Art des Neben­jobs rechnen müssen.

Unser Rat

Grenzen. Um netto möglichst viel aus einem Neben­job heraus­zuholen, ist weniger Arbeit manchmal besser als mehr Arbeit. Beachten Sie Fristen und Verdienst­grenzen, um Steuern und Sozial­abgaben zu sparen. Vor allem im Mini- und Saison­job lassen sich Abzüge vermeiden oder zumindest begrenzen.

Rechnen. Fragen Sie vor Jobantritt zum Beispiel in der Personal­abteilung, wie hoch der Netto­verdienst sein wird. Oder erkundigen Sie sich bei Ihrer Krankenkasse. Einige Kassen bieten im Internet Gehalts­rechner an, mit denen Sie das Monats­netto selbst ermitteln können.

Informieren. Schauen Sie vorab in Ihren bestehenden Arbeits­vertrag und klären Sie, ob und wie Sie Ihren Arbeit­geber über eine Neben­tätig­keit informieren müssen.

Als Minijobber Abzüge umgehen

Ein Minijob neben der Haupt­beschäftigung ist besonders beliebt: Rund 2,9 Millionen Angestellte haben sich für diese Kombination entschieden. Sie dürfen im Schnitt bis zu 450 Euro im Monat hinzuver­dienen, insgesamt bis zu 5 400 Euro im Jahr. Ein höherer Verdienst ist in Ausnahme­fällen gestattet, etwa bei einer kurz­fristigen Krank­heits­vertretung.

Minijobber können ihren Lohn ohne Abzüge einstreichen. Der Arbeit­geber über­nimmt im Regelfall nicht nur die Beiträge von der Kranken- bis zur Renten­versicherung, sondern zahlt zudem pauschal 2 Prozent Lohn­steuer an die Minijob-Zentrale. Beschäftigte müssen den Verdienst dann nicht in der Steuererklärung angeben.

Eventuell will der Arbeit­geber den Verdienst nicht pauschal, sondern nach Steuerklasse abrechnen. Für Neben­jobber ist das meist die schlechtere Lösung, da Lohn­steuer fällig wird. Der Verdienst muss zudem in der Steuererklärung angegeben werden.

Tipp: Im Minijob müssen Sie einen Teil der Beiträge an die Renten­versicherung selbst zahlen. Das kann sich lohnen, um im Alter etwas mehr Rente zu beziehen. Sie können sich aber von dieser Pflicht befreien lassen. Die Vorteile der Renten­versicherung lesen Sie in unserem Special Warum Minijobber in die Rentenversicherung einzahlen sollten.

Auf Dauer mehr verdienen

Ein regel­mäßiger Neben­verdienst über 450 Euro brutto mag zunächst attraktiver erscheinen als ein Minijob. Der Blick auf das Monats­netto zeigt jedoch, dass sich der zusätzliche Aufwand kaum oder eventuell gar nicht lohnt. Im Beispiel von Carina Berger (siehe Ein Zusatzjob – vier Optionen) bleiben von 700 Euro Brutto­neben­verdienst netto 483 Euro übrig – nur gut 30 Euro mehr als im Minijob. Dafür sorgen die fälligen Steuern und Sozial­abgaben.

Sozial­abgaben. Wie hoch die Abzüge sind, hängt unter anderem davon ab, welches Einkommen der Jobber noch hat. So müssen beispiels­weise Rentner und Studenten mit einem Verdienst im „Über­gangs­bereich“ – mehr als 450 Euro , aber höchs­tens 1 300 Euro im Monat – nur reduzierte Sozial­versicherungs­beiträge zahlen.

Höher sind die Abzüge für Angestellte wie Carina Berger: Da sie in ihrem Haupt­job bereits 2 200 Euro brutto verdient, muss sie bei 700 Euro Zusatz­verdienst wie ihr Arbeit­geber die Hälfte der Beiträge zur Renten-, Kranken-, Pflege- und Arbeits­losen­versicherung zahlen. „Kommen mehrere sozial­versicherungs­pflichtige Beschäftigungen zusammen, liegt der Verdienst in der Regel insgesamt über 1 300 Euro, sodass die Rege­lungen des Über­gangs­bereichs nicht greifen“, erklärt Madeline Scholz von der Minijob-Zentrale.

Steuern. Eine pauschale Versteuerung ist nicht möglich. Der Arbeit­geber ermittelt die Lohn­steuer nach Steuerklasse. Wer einen Haupt­job hat, der zum Beispiel wie bei Berger nach Steuerklasse I abge­rechnet wird, muss für den Zusatz­job die ungüns­tige Klasse VI hinnehmen, in der die Abzüge besonders hoch sind. Damit nicht genug: Nach der Steuererklärung, die für Berger Pflicht ist, wird das Finanz­amt noch Steuern nach­fordern.

Tipp: Lassen Sie sich vorab zum Beispiel von der Personal­abteilung des neuen Betriebs ausrechnen, wie hoch Ihr Netto­verdienst sein wird. Im Lohn­steuer­hilfe­ver­ein oder beim Steuerberater können Sie klären, womit Sie bei der Steuererklärung rechnen müssen. Sind Sie bereits Rentner, beachten Sie zudem, dass je nach Verdienst Rentenkür­zungen möglich sind. (Nebenjob zur Rente). Alle Tipps zur Steuererklärung finden Sie in unserem Heft Finanztest Spezial Steuern 2020.

Zusatz­job für höchs­tens drei Monate

Ein befristeter Saison- oder Aushilfs­job kann nebenbei attraktiv sein: Jobber zahlen für den Zusatz­verdienst – egal, wie hoch er ist – keine Sozial­abgaben, wenn die Beschäftigung auf drei Monate oder 70 Arbeits­tage im Kalender­jahr begrenzt ist. Die Lohn­steuer ermittelt der Arbeit­geber meist nach Steuerklasse VI. Zu viel gezahlte Steuern holen Saison­jobber per Steuererklärung zurück.

Eventuell kommt auch eine Pauschal­steuer infrage. Der Steu­ersatz liegt aber nicht wie beim Minijob bei nur 2, sondern bei 25 Prozent. Das lohnt sich für den Jobber meist nur, wenn der Arbeit­geber die Steuer über­nimmt und nicht auf den Beschäftigten abwälzt.

Tipp: Ihnen reicht der Neben­verdienst aus nur drei Monaten nicht? Sie können Haupt- und Saison­job noch mit einem Minijob kombinieren. Auch dann müssen Sie für den Saison­job keine Sozial­abgaben zahlen. Mehr geht aber nicht, sagt Madeline Scholz: „Käme ein weiterer Minijob hinzu, würde dieser zum Haupt­job hinzugerechnet und müsste bei der Krankenkasse als sozial­versicherungs­pflichtige Beschäftigung gemeldet werden.“

Nebenbei selbst­ständig

Machen sich Angestellte nebenbei selbst­ständig, vermeiden sie meist ebenfalls Sozial­abgaben: Bleibt die Tätig­keit neben­beruflich, fallen keine Krankenkassenbeiträge an. Rentenbeiträge können aber je nach Beruf fällig werden, etwa für Lehrer oder Hand­werker.

Erzielen Freiberufler und Gewer­betreibende einen Jahres­gewinn von mehr als 410 Euro, müssen sie ihn in der Einkommensteuererklärung abrechnen. So steigt das zu versteuernde Einkommen und damit die zu zahlende Steuer.

Eventuell wird für die neben­beruflichen Unternehmer zusätzlich die Umsatz­steuer zum Thema. Das hängt davon ab, ob das Finanz­amt den Selbst­ständigen als Klein­unternehmer führt oder nicht. Klein­unternehmer müssen keine Umsatz­steuer erheben und an das Finanz­amt weiterleiten. Voraus­setzung ist, dass der Umsatz im laufenden Geschäfts­jahr bei höchs­tens 22 000 Euro liegt und im Folge­jahr voraus­sicht­lich nicht mehr als 50 000 Euro betragen wird.

Tipp: Wollen Sie sich nebenbei selbst­ständig machen, müssen Sie das beim Finanz­amt anmelden. Gerade zu Beginn der Selbst­ständig­keit, etwa wenn Sie Fragen zur Umsatz­steuer haben oder noch Geräte anschaffen wollen, kann es sich lohnen, sich Hilfe von einem Steuerberater zu holen.

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