Abgaben im Zweitjob Mehr Netto aus dem Neben­job rausholen

4
Abgaben im Zweitjob - Mehr Netto aus dem Neben­job rausholen
Zweit­beschäftigung. Ein Minijob neben einer regulären Beschäftigung kann sich finanziell lohnen.

Wer einen Zweitjob hat, zahlt oft Steuern und Sozial­abgaben. Die Stiftung Warentest erklärt die Regeln und zeigt, wie Sie netto am meisten rausholen.

Inhalt

Millionen Berufs­tätige mit Neben­job

Immer mehr Berufs­tätige haben nicht nur einen einzigen Job: Im Früh­jahr 2019 zählte die Bundes­agentur für Arbeit rund 3,4 Millionen Angestellte mit zwei oder sogar mehr Beschäftigungen.

Die Zahl ist in den vergangenen Jahren stetig gestiegen. Meist stecken finanzielle Gründe hinter dem Zusatz­job – etwa, wenn der Verdienst im Haupt­job nied­rig ist oder wenn Teil­zeitkräfte gern mehr arbeiten würden, das aber aktuell nicht möglich ist.

Es gibt einige Möglich­keiten, nebenbei Geld zu verdienen, zum Beispiel einen

  • 450-Euro-Minijob,
  • Neben­job mit einem Brutto­verdienst von mehr als 450 Euro im Monat,
  • Saison- oder Aushilfs­job oder
  • eine selbst­ständige Neben­tätig­keit.

Die Steuern und Sozial­abgaben, die für den Neben­verdienst fällig werden, sind je nach Job unterschiedlich hoch. Jobsuchende sollten sich deshalb nicht allein von einem attraktiven Brutto­gehalt leiten lassen, sondern vorab klären, was netto übrig bleibt.

Tipp: Im Unter­artikel Ein Zusatzjob – vier Optionen zeigt ein Beispiel, mit welchen Abzügen Sie je nach Art des Neben­jobs rechnen müssen.

Unser Rat

Grenzen.
Um netto möglichst viel aus einem Neben­job heraus­zuholen, ist weniger Arbeit manchmal besser als mehr Arbeit. Beachten Sie Fristen und Verdienst­grenzen, um Steuern und Sozial­abgaben zu sparen. Vor allem im Mini- und Saison­job lassen sich Abzüge vermeiden oder zumindest begrenzen.
Rechnen.
Fragen Sie vor Jobantritt zum Beispiel in der Personal­abteilung, wie hoch der Netto­verdienst sein wird. Oder erkundigen Sie sich bei Ihrer Krankenkasse. Einige Kassen bieten im Internet Gehalts­rechner an, mit denen Sie das Monats­netto selbst ermitteln können.
Informieren.
Schauen Sie vorab in Ihren bestehenden Arbeits­vertrag und klären Sie, ob und wie Sie Ihren Arbeit­geber über eine Neben­tätig­keit informieren müssen.

Als Minijobber Abzüge umgehen

Ein Minijob neben der Haupt­beschäftigung ist besonders beliebt: Rund 2,9 Millionen Angestellte haben sich für diese Kombination entschieden. Sie dürfen im Schnitt bis zu 450 Euro im Monat hinzuver­dienen, insgesamt bis zu 5 400 Euro im Jahr. Ein höherer Verdienst ist in Ausnahme­fällen gestattet, etwa bei einer kurz­fristigen Krank­heits­vertretung.

Minijobber können ihren Lohn ohne Abzüge einstreichen. Der Arbeit­geber über­nimmt im Regelfall nicht nur die Beiträge von der Kranken- bis zur Renten­versicherung, sondern zahlt zudem pauschal 2 Prozent Lohn­steuer an die Minijob-Zentrale. Beschäftigte müssen den Verdienst dann nicht in der Steuererklärung angeben.

Eventuell will der Arbeit­geber den Verdienst nicht pauschal, sondern nach Steuerklasse abrechnen. Für Neben­jobber ist das meist die schlechtere Lösung, da Lohn­steuer fällig wird. Der Verdienst muss zudem in der Steuererklärung angegeben werden.

Tipp: Im Minijob müssen Sie einen Teil der Beiträge an die Renten­versicherung selbst zahlen. Das kann sich lohnen, um im Alter etwas mehr Rente zu beziehen. Sie können sich aber von dieser Pflicht befreien lassen. Die Vorteile der Renten­versicherung lesen Sie in unserem Special Warum Minijobber in die Rentenversicherung einzahlen sollten.

Auf Dauer mehr verdienen

Ein regel­mäßiger Neben­verdienst über 450 Euro brutto mag zunächst attraktiver erscheinen als ein Minijob. Der Blick auf das Monats­netto zeigt jedoch, dass sich der zusätzliche Aufwand kaum oder eventuell gar nicht lohnt. Im Beispiel von Carina Berger (siehe Ein Zusatzjob – vier Optionen) bleiben von 700 Euro Brutto­neben­verdienst netto 483 Euro übrig – nur gut 30 Euro mehr als im Minijob. Dafür sorgen die fälligen Steuern und Sozial­abgaben.

Sozial­abgaben. Wie hoch die Abzüge sind, hängt unter anderem davon ab, welches Einkommen der Jobber noch hat. So müssen beispiels­weise Rentner und Studenten mit einem Verdienst im „Über­gangs­bereich“ – mehr als 450 Euro , aber höchs­tens 1 300 Euro im Monat – nur reduzierte Sozial­versicherungs­beiträge zahlen.

Höher sind die Abzüge für Angestellte wie Carina Berger: Da sie in ihrem Haupt­job bereits 2 200 Euro brutto verdient, muss sie bei 700 Euro Zusatz­verdienst wie ihr Arbeit­geber die Hälfte der Beiträge zur Renten-, Kranken-, Pflege- und Arbeits­losen­versicherung zahlen. „Kommen mehrere sozial­versicherungs­pflichtige Beschäftigungen zusammen, liegt der Verdienst in der Regel insgesamt über 1 300 Euro, sodass die Rege­lungen des Über­gangs­bereichs nicht greifen“, erklärt Madeline Scholz von der Minijob-Zentrale.

Steuern. Eine pauschale Versteuerung ist nicht möglich. Der Arbeit­geber ermittelt die Lohn­steuer nach Steuerklasse. Wer einen Haupt­job hat, der zum Beispiel wie bei Berger nach Steuerklasse I abge­rechnet wird, muss für den Zusatz­job die ungüns­tige Klasse VI hinnehmen, in der die Abzüge besonders hoch sind. Damit nicht genug: Nach der Steuererklärung, die für Berger Pflicht ist, wird das Finanz­amt noch Steuern nach­fordern.

Tipp: Lassen Sie sich vorab zum Beispiel von der Personal­abteilung des neuen Betriebs ausrechnen, wie hoch Ihr Netto­verdienst sein wird. Im Lohn­steuer­hilfe­ver­ein oder beim Steuerberater können Sie klären, womit Sie bei der Steuererklärung rechnen müssen. Sind Sie bereits Rentner, beachten Sie zudem, dass je nach Verdienst Rentenkür­zungen möglich sind. (Nebenjob zur Rente). Alle Tipps zur Steuererklärung finden Sie in unserem Heft Finanztest Spezial Steuern 2020.

Zusatz­job für höchs­tens drei Monate

Ein befristeter Saison- oder Aushilfs­job kann nebenbei attraktiv sein: Jobber zahlen für den Zusatz­verdienst – egal, wie hoch er ist – keine Sozial­abgaben, wenn die Beschäftigung auf drei Monate oder 70 Arbeits­tage im Kalender­jahr begrenzt ist. Die Lohn­steuer ermittelt der Arbeit­geber meist nach Steuerklasse VI. Zu viel gezahlte Steuern holen Saison­jobber per Steuererklärung zurück.

Eventuell kommt auch eine Pauschal­steuer infrage. Der Steu­ersatz liegt aber nicht wie beim Minijob bei nur 2, sondern bei 25 Prozent. Das lohnt sich für den Jobber meist nur, wenn der Arbeit­geber die Steuer über­nimmt und nicht auf den Beschäftigten abwälzt.

Tipp: Ihnen reicht der Neben­verdienst aus nur drei Monaten nicht? Sie können Haupt- und Saison­job noch mit einem Minijob kombinieren. Auch dann müssen Sie für den Saison­job keine Sozial­abgaben zahlen. Mehr geht aber nicht, sagt Madeline Scholz: „Käme ein weiterer Minijob hinzu, würde dieser zum Haupt­job hinzugerechnet und müsste bei der Krankenkasse als sozial­versicherungs­pflichtige Beschäftigung gemeldet werden.“

Nebenbei selbst­ständig

Machen sich Angestellte nebenbei selbst­ständig, vermeiden sie meist ebenfalls Sozial­abgaben: Bleibt die Tätig­keit neben­beruflich, fallen keine Krankenkassenbeiträge an. Rentenbeiträge können aber je nach Beruf fällig werden, etwa für Lehrer oder Hand­werker.

Erzielen Freiberufler und Gewer­betreibende einen Jahres­gewinn von mehr als 410 Euro, müssen sie ihn in der Einkommensteuererklärung abrechnen. So steigt das zu versteuernde Einkommen und damit die zu zahlende Steuer.

Eventuell wird für die neben­beruflichen Unternehmer zusätzlich die Umsatz­steuer zum Thema. Das hängt davon ab, ob das Finanz­amt den Selbst­ständigen als Klein­unternehmer führt oder nicht. Klein­unternehmer müssen keine Umsatz­steuer erheben und an das Finanz­amt weiterleiten. Voraus­setzung ist, dass der Umsatz im laufenden Geschäfts­jahr bei höchs­tens 22 000 Euro liegt und im Folge­jahr voraus­sicht­lich nicht mehr als 50 000 Euro betragen wird.

Tipp: Wollen Sie sich nebenbei selbst­ständig machen, müssen Sie das beim Finanz­amt anmelden. Gerade zu Beginn der Selbst­ständig­keit, etwa wenn Sie Fragen zur Umsatz­steuer haben oder noch Geräte anschaffen wollen, kann es sich lohnen, sich Hilfe von einem Steuerberater zu holen.

4

Mehr zum Thema

  • Jobben im Studium Steuerfrei durchs Semester

    - Viele Studierende arbeiten nebenher. Wer die Regeln nicht kennt, zahlt womöglich drauf. Hier finden Sie die wichtigsten Tipps zu Steuern, Sozial­abgaben und Kinder­geld....

  • Kinder­betreuung und Steuern So machen Sie steuerlich alles richtig

    - Ob Kita oder Au-pair – Eltern wollen ihren Nach­wuchs in guten Händen wissen. Aufwendungen für die Aufsicht können sie sich teil­weise über die Steuererklärung zurück­holen.

  • Corona und Job Home­office, Lohn, Minijob

    - Mit dem neuen Infektions­schutz­gesetz entfallen Home­office-Pflicht und 3G am Arbeits­platz. Mehr Informationen zum Arbeits­recht in Corona-Zeiten finden Sie hier.

4 Kommentare Diskutieren Sie mit

Nur registrierte Nutzer können Kommentare verfassen. Bitte melden Sie sich an. Individuelle Fragen richten Sie bitte an den Leserservice.

Nutzer­kommentare können sich auf einen früheren Stand oder einen älteren Test beziehen.

Profilbild Stiftung_Warentest am 24.03.2020 um 16:36 Uhr
Minijob Steuerklasse 6

@CaesarZ: Bitte schicken Sie Ihr Schreiben uns noch einmal zu: finanztest@stiftung-warentest.de (maa)

CaesarZ am 19.03.2020 um 12:52 Uhr
Minijob Steuerklasse 6

meine email vom 23.02.2020 wurde leider nicht beantwortet

Jaeger148 am 29.02.2020 um 01:49 Uhr

Kommentar vom Administrator gelöscht. Grund: Schleichwerbung

Profilbild Stiftung_Warentest am 24.02.2020 um 12:41 Uhr
Nebenjob bei Steuerklasse 6 Option 3 und Option 2

@CaesarZ: Der Unterschied liegt in der Art der Beschäftigung, die unterschiedlichen Steuerregeln unterliegen. So kommt man bei einem _regelmäßigen_ Nebenjob mit Verdienst von 700 Euro auf Steuern von 79 Euro. Und bei einem Saison- oder Aushilfsjob bei gleichem Einkommen auf 194 Euro Steuerlast. Bitte lesen Sie dazu die Erläuterungen im Artikel. (PH)

CaesarZ am 23.02.2020 um 13:00 Uhr
Nebenjob bei Steuerklasse 6 Option 3 und Option 2

Guten Tag,
mich würde interessieren, warum bei einem mtl. Gehalt von 700,00 EUR einmal 79,00 EUR und einmal 194,00 EUR Lohnsteuer anfallen bei gleicher Steuerklasse (VI).
Herzlichen Dank für Ihre Antwort und Grüße