Arbeitnehmer und einige Selbst­ständige sichern sich mit ihrem Rentenbeitrag eine Rente aus der gesetzlichen Renten­versicherung. Trotz verstärkter privater Alters­vorsorge: Die Renten­versicherung sorgt in den meisten Haushalten für den größten Teil der Einkünfte im Alter. In Zukunft wird das Niveau der Rente im Vergleich zu den Löhnen jedoch sinken. Hier erhalten Sie die grund­legenden Informationen rund um Rentenbeitrag, Rentenhöhe und Renten­eintritts­alter.

Gesetzliche Rente - die wichtigsten Infos

Das Wichtigste in Kürze

Beitrag. 9,3 Prozent ihres Brutto­lohns zahlen Arbeitnehmer in die gesetzliche Renten­versicherung ein.

Rentenhöhe. Die Höhe der späteren Rente ist abhängig von der Höhe des Brutto­lohns und der Anzahl der Jahre, in denen einge­zahlt wurde.

Ostdeutsch­land. Da die Löhne in Ostdeutsch­land geringer sind, zählt das gleiche Gehalt in Ostdeutsch­land mehr für die Rente.

Einzahlungen. In bestimmten Grenzen sind auch freiwil­lige Einzahlungen in die Renten­versicherung möglich. Sie steigern die spätere Rente.

Frührente. Nicht jeder muss bis zu seinem regulären Renten­alter arbeiten. Mit genug Beitrags­jahren können viele schon mit 63 in Frührente gehen.

Beratung. Erste Anlauf­stelle bei Fragen zur Alters­vorsorge ist die Deutsche Renten­versicherung. Sie berät kostenlos zu Angelegenheiten rund um die gesetzliche Rente und hilft Ihnen, einen Gesamt­über­blick über alle Ihre Anwart­schaften zu bekommen. Sie können einen Termin zur Alters­vorsorgeberatung vereinbaren. Ein Mitarbeiter analysiert dann Ihre gesetzlichen, betrieblichen und privaten Ansprüche, informiert über Versorgungs­lücken und gibt Rat, diese zu füllen. Termine können Sie telefo­nisch oder online vereinbaren (0 800/10 00 48 00 und www.eservice-drv.de).

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Gesetzliche Renten­versicherung ist Pflicht

Ob sie wollen oder nicht: Arbeitnehmern wird Monat für Monat der Rentenbeitrag vom Brutto­lohn abge­zogen. Der Beitrags­satz liegt derzeit bei 18,6 Prozent des Brutto­lohns. Davon tragen die Arbeitnehmer 9,3 Prozent selbst, 9,3 Prozent trägt der Arbeit­geber. Ein Arbeitnehmer, der 4 000 Euro brutto im Monat verdient, muss davon also 372 Euro an die Rentenkasse abführen. Doch das wird nicht so bleiben: Da in Zukunft geburten­starke Jahr­gänge in den Ruhe­stand gehen und dann eine geringere Anzahl von Einzahlern mehr Geld für die Rente bereit­stellen müssen, wird der Beitrags­satz zukünftig steigen.

Rentenbeitrag nur bis zur Beitrags­bemessungs­grenze

Einzahlen müssen Arbeitnehmer jedoch immer nur bis zu einer Höchst­grenze. Diese Beitrags­bemessungs­grenze liegt aktuell bei 6 700 Euro in West­deutsch­land und 6 150 Euro in Ostdeutsch­land. Auf Lohn, der darüber hinaus fließt, zahlen weder Arbeitnehmer noch Arbeit­geber Rentenbeiträge. Das heißt aber auch, dass die Renten­ansprüche nach oben hin begrenzt sind.

Rentenhöhe ist von den Löhnen abhängig

Die gesetzliche Rente funk­tioniert im sogenannten Umlage­verfahren. Das Geld, das die Renten­versicherung von den Einzahlern einnimmt, wird sofort wieder an die Rentner ausgeschüttet. Deswegen steigt die Rente nur, wenn es genug Menschen gibt, die arbeiten und in die Rente einzahlen. In den letzten Jahren funk­tionierte das gut: Da die Wirt­schaft stark gewachsen ist, stiegen die Löhne und damit auch die Rentenbeiträge. Die Rentner konnten sich über ordentliche Renten­steigerungen freuen.

Tipp: Wenn Sie den gewohnten Lebens­stan­dard im Alter halten wollen, benötigen Sie etwa 80 Prozent des letzten Netto­gehalts. Einen großen Teil davon deckt bei Angestellten die gesetzliche Rente. Doch es bleibt noch eine große Lücke.

Alles rund um die Rente auf test.de

Geld­werte Hinweise von Finanztest Mit der Flexirente zum Rentenplus
Früher in Rente Basiswissen Rente mit 63
Professionelle Hilfe Rentenberatung im Praxistest
Renten­information im Sonder­heft Spezialheft "Ihre Rente"
Betriebs­rente Basiswissen Betriebliche Altersvorsorge
Rente und Scheidung Basiswissen Versorgungsausgleich
Wenn das Geld nicht reicht Grundsicherung im Alter

Versicherte sammeln Entgelt­punkte

Jeder Versicherte in der Renten­versicherung sammelt im Laufe seines Lebens Entgelt­punkte. Sie sind später entscheidend für die Höhe der Rente. Einen Entgelt­punkt gibt es für ein Jahr Verdienst mit dem durch­schnitt­lichen Brutto­gehalt aller Versicherten. Ein Versicherter, der 2019 genau den Durch­schnitt von 38 901 Euro (neue Länder: 35 887 Euro) verdient und dafür Beiträge zur Renten­versicherung bezahlt, bekommt dafür einen Entgelt­punkt. Die Beiträge zur gesetzlichen Renten­versicherung liegen aktuell bei 18,6 Prozent des Brutto­gehalts. Ein Entgelt­punkt „kostet“ damit derzeit also 7 234 Euro. Davon zahlt die Hälfte der Arbeit­geber. Wer weniger als der Durch­schnitt verdient, bekommt weniger. Wer mehr verdient, bekommt mehr Entgelt­punkte. Ein Versicherter, der genau die Hälfte verdient, bekommt 0,5 Entgelt­punkte. Ein Versicherter, der 20 Prozent mehr als der Durch­schnitt verdient, erhält 1,2 Entgelt­punkte.

Noch gibt es im Osten mehr Entgelt­punkte

Weil die Einkünfte in den neuen Bundes­ländern bisher im Schnitt nied­riger waren als in den alten Bundes­ländern, werden die Renten­ansprüche dort „künst­lich“ ange­hoben. Dazu wird jedes Jahr das Lohn­niveau verglichen und damit ein Faktor fest­gelegt, mit dem Entgelt­punkte in den neuen Bundes­ländern aufgewertet werden. Aktuell werden Renten­punkte in Ostdeutsch­land mit dem Umrechnungs­faktor 1,084 multipliziert. Versicherte in Ostdeutsch­land bekommen also für das gleiche Gehalt etwas mehr Entgelt­punkte als in West­deutsch­land. Seit 2018 wird diese Unterscheidung in Ost- und West­zeiten im Rentenrecht aber abge­baut. Der Umrechnungs­faktor fällt deshalb in den nächsten Jahren schritt­weise geringer aus. So wird er etwa zum 1. Januar 2020 noch 1,07 betragen. Mit der endgültigen Rechts­angleichung zum 1. Januar 2025 wird er dann ganz wegfallen.

Der Renten­wert ist im Westen höher

Der zweite entscheidende Einfluss auf die Rentenhöhe ist der Renten­wert. Er besagt, wie viel ein Entgelt­punkt in diesem Jahr wert ist. Seit Juli 2019 beträgt der Renten­wert in West­deutsch­land 33,05 Euro und in Ostdeutsch­land 31,89 Euro. Im Rahmen der Wieder­ver­einigung wurde der Renten­wert in Ostdeutsch­land nied­riger angesetzt. Auch er wird jetzt aber stufen­weise angeglichen. Am 1. Juli 2018 auf 95,8 Prozent des West­werts; dann in weiteren sechs Stufen jedes Jahr um 0,7 Prozent­punkte. Zum 1. Juli 2024 wird der Ostwert 100 Prozent des West­werts erreichen. Für alle Renten in Ost- und West­deutsch­land gilt dann ein einheitlicher aktueller Renten­wert.

Gesetzliche Renten­versicherung für Selbst­ständige

Übrigens: Die gesetzliche Renten­versicherung ist nicht nur etwas für Arbeitnehmer. Auch Selbst­ständige wie Bäcker, Tennis­lehrer, Schauspieler, Autoren, Optiker oder Heb­ammen sind Pflicht­versicherte im gesetzlichen Renten­system. Ihr Nachteil gegen­über Arbeitnehmern: Während bei diesen der Arbeit­geber die Hälfte des Renten­beitrags tragen muss, schultern viele pflicht­versicherte Selbst­ständige ihren obliga­torischen Rentenbeitrag alleine. Und der ist für einige von ihnen recht happig. Ihr Beitrags­satz beträgt 18,6 Prozent ihres Einkommens. Sie können sich aber auch entscheiden, einen monatlichen Pauschalbeitrag zu zahlen. Existenz­gründer können sich in den ersten drei Jahren für einen reduzierten Rentenbeitrag entscheiden.

Freiwil­lige Renten­versicherung möglich

Alle nicht pflicht­versicherten Selbst­ständigen und Freiberufler können freiwil­lige Beiträge in die gesetzliche Renten­versicherung einzahlen. Unbe­dingt sollten sie dies tun, wenn sie bereits einige Zeit gesetzlich pflicht­versichert waren, aber nicht auf die für eine Alters­rente notwendige Mindest­versicherungs­zeit von fünf Jahren kommen. Die bis dahin fehlenden Jahre können sie mit freiwil­ligen Beiträgen auffüllen und sich so eine gesetzliche Rente sichern. Aber auch sonst ist die gesetzliche Renten­versicherung für Selbst­ständige im Vergleich zu privaten Vorsorgemöglich­keiten aktuell attraktiv. Für alle, die nur noch wenige Jahre bis zur Rente haben, lohnen sich freiwil­lige Einzahlungen derzeit besonders.

Tipp: Unser Special Rente für Selbstständige zeigt, wann die gesetzliche Rente als Alters­vorsorge für Selbst­ständige sinn­voll ist und mit wie viel Rente sie für ihre Beiträge rechnen können.

Das Renten­niveau sinkt, die Rente steigt

Das Renten­niveau, das „Sicherungs­niveau vor Steuern“, wie die Bundes­regierung sagt, setzt die Rente eines Ruhe­ständ­lers, der 45 Jahre lang immer durch­schnitt­lich verdient hat, ins Verhältnis zum durch­schnitt­lichen Beschäftigten-Netto­einkommen. Laut Renten­versicherungs­bericht der Bundes­regierung beträgt das Renten­niveau derzeit 48,2 Prozent. Nach den Plänen der Bundes­regierung soll es bis 2025 nicht unter 48 Prozent sinken. Ein Absinken des Renten­niveaus heißt aber nicht, dass die individuellen Renten sinken. Das ist durch die Renten­garantie sogar gesetzlich ausgeschlossen. Die Renten werden auch künftig steigen, aber nicht so stark wie die Einkommen.

Berechnen Sie Ihren Renten­beginn

Mit unserem Renten­eintritts­rechner können Sie Ihre individuellen Renten­eintritts­termine bestimmen. Geben Sie Ihren Geburts­tag in das entsprechende Feld ein und wählen Sie aus, ob bei Ihnen eine Schwerbehin­derung vorliegt. Der Rechner zeigt Ihnen dann Ihre Eintritts­daten für die unterschiedlichen Renten­arten an. Die Voraus­setzungen für die unterschiedlichen Renten finden Sie unter den entsprechenden Links.

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Felder mit einem * müssen ausgefüllt werden.

Das Renten­alter steigt für jeden Jahr­gang

Das reguläre Renten­alter für die Arbeitnehmer steigt schritt­weise an. Je nach Jahr­gang müssen die Versicherten länger arbeiten, um die volle Rente ohne Abschläge zu erhalten. Der Renten­eintritt verschiebt sich: Menschen, die 1953 geboren wurden, dürfen beispiels­weise mit 65 Jahren und 7 Monaten in Rente gehen. Ab dem Jahr­gang 1964 gilt dann tatsäch­lich die beschlossene Rente mit 67.

Geburts­jahr

Regulärer Renten­beginn im Alter von …

Geburts­jahr

Regulärer Renten­beginn im Alter von …

1953

65 Jahren + 7 Monaten

1954

65 Jahren + 8 Monaten

1955

65 Jahre + 9 Monaten

1956

65 Jahren + 10 Monaten

1957

65 Jahren + 11 Monaten

1958

66 Jahren

1959

66 Jahren + 2 Monaten

1960

66 Jahren + 4 Monaten

1961

66 Jahren + 6 Monaten

1962

66 Jahren + 8 Monaten

1963

66 Jahren + 10 Monaten

Ab 1964

67 Jahren

Wer früher in Rente gehen kann

Der Renten­eintritt ist für viele Menschen eine magische Grenze. Wer 1953 geboren wurde, kann 2018 und 2019 in Rente gehen, sobald er 65 Jahre und 7 Monate alt ist. Im Jahr 2019 steigt diese Alters­grenze auf 65 Jahre und 8 Monate. Doch nicht jeder Versicherte will oder kann bis zu seiner Regel­alters­grenze arbeiten. Es gibt verschiedene Wege, schon früher in Rente zu gehen:

  • Alters­rente für lang­jährig Versicherte. Voraus­setzung: Eine Mindest­versicherungs­zeit in der gesetzlichen Renten­versicherung von 35 Jahren. Bei dieser Variante muss der Frührentner Abschläge auf seine Rente in Kauf nehmen. Jeder Monat vorgezogene Rente kostet 0,3 Prozent Abschlag. Beim Jahr­gang 1964, der regulär mit 67 Jahren in Rente geht, sind es 14,4 Prozent Abschlag. Wichtig zu beachten: Durch den früheren Renten­eintritt sammelt der Versicherte weniger Entgelt­punkte als wenn er bis zu seinem regulären Renten­alter gearbeitet hätte.
    Tipp: Alle Informationen zu den Kosten eines früheren Renten­eintritts und den Möglich­keiten, die finanziellen Auswirkungen auszugleichen, finden Sie im Special Früher in Rente.
  • Alters­rente für besonders lang­jährig Versicherte. Voraus­setzung: Eine Mindest­versicherungs­zeit in der gesetzlichen Renten­versicherung von 45 Jahren. Bei dieser Variante steigt das Eintritts­alter für den Renten­beginn (zwischen dem Alter von 63 Jahren und zwei Monaten für Jahr­gang 1953 und 65 Jahren für alle ab 1964 Geborenen). Abschläge fallen bei dieser Variante nicht an. Aber die fehlenden Renten­zeiten bis zur regulären Alters­grenze sorgen auch hier für weniger Rente.
  • Früher als andere können auch Schwerbehinderte abschlags­frei in Rente gehen. Voraus­setzung sind mindestens 35 Versicherungs­jahre. Wann genau schwerbehinderte Arbeitnehmer erst­mals Rente beziehen können, hängt – wie bei der Regel­alters­grenze – von ihrem Geburts­jahr ab.
    Tipp: Genauere Informationen zu den Rege­lungen für die Rente für Schwerbehinderte finden Sie im Special Rente für Schwerbehinderte.

Ausführ­liche Tabellen, wer wann in Rente gehen darf, finden Sie in unserem Special Rente mit 63.

Rente mit 63 ohne Abschläge

Wer die Mindest­versicherungs­zeit vom 35 Jahren erfüllt, kann mit 63 in Rente gehen. Schul- und Hoch­schul­besuch ab dem 17. Lebens­jahr, Arbeits­losig­keit und Berück­sichtigungs­zeit für Kinder­erziehung zählen für diese Mindest­versicherungs­zeit mit. Der Versicherte muss dann eigentlich Abschläge auf seine Rente in Kauf nehmen. Doch das muss nicht sein: Er kann sie durch freiwil­lige Einzahlungen in die gesetzliche Renten­versicherung ausgleichen. Wer Renten­abschläge ausgleichen möchte, muss derzeit mindestens 50 Jahre alt sein. Früh anfangen lohnt sich besonders aus steuerlichen Gründen, denn Versicherte können Alters­vorsorgeaufwendungen nur bis zu einem Höchst­betrag im Jahr geltend machen. Alle Beiträge zur gesetzlichen Renten­versicherung zählen hierbei mit. Der Versicherte kann bis kurz vor einem möglichen vorzeitigen Renten­beginn entscheiden: Will er wirk­lich vorzeitig abschlags­frei in Rente oder mehr Rente ab regulärem Renten­beginn? Geht er regulär in Rente, hat er durch die freiwil­ligen Einzahlungen einfach seine spätere Rente erhöht.

Tipp: Wer berät zur Alters­vorsorge und wie bereite ich mich auf die Beratung vor? Das erklärt unser Special Rentenberatung im Praxistest.

Geringer Verdienst: Weniger Beitrag, oft etwas mehr Rente

Beschäftigte, die mit einem Teil­zeit- oder Voll­zeitjob zwischen gut 450 und 1 300 Euro im Monat verdienen, zahlen ab Juli 2019 weniger Beitrag in die gesetzliche Renten­versicherung. Wer weniger als 850 Euro bekommt, zahlt schon jetzt ein paar Euro weniger. Durch das Rentenpaket werden auch Einkommen darüber entlastet. Ein paar Euro mehr Rente gibt es für kleine Einkommen.

Quelle: Eigene Berechnungen

Länger arbeiten trotz Renten­alter

Versicherte, die das Renten­alter erreicht haben, müssen nicht zwangs­läufig in Rente gehen. Wenn der Rentner seine Regel­alter­grenze erreicht hat, kann er seine Rente beantragen und trotzdem weiter­arbeiten. Der Rentner bekäme dann seine Rente und hätte zusätzlich sein Einkommen. Er kann sich dann entscheiden auch nach Bewil­ligung der Regel­alters­rente weiter seinen Rentenbeitrag in die Rentenkasse einzuzahlen. Dazu muss der Arbeitnehmer seinem Arbeit­geber allerdings mitteilen, dass er weiter Rentenbeiträge zahlen möchte. Er erhöht damit seine Rente weiter, obwohl er schon eine Rente bezieht.

Den Renten­antrag aufschieben

Wenn der Versicherte die Rente erst später beantragt, steigt sie. Für jeden Monat, den er später als sein Regelrenten­alter in Rente geht, erhöht sich seine Rente um 0,5 Prozent­punkte. Beantragt er seine Rente also erst zwölf Monate nach seinem regulären Renten­eintritt, würde sich seine Rente um 6 Prozent erhöhen. Davon unabhängig würde er mit seinem Rentenbeitrag durch die Arbeit weitere Entgelt­punkte sammeln.

Tipp: Beispiel­rechnungen für die einzelnen Möglich­keiten über das Renten­alter hinaus zu arbeiten finden Sie in unserem test.de-Special Mit der Flexirente zum Rentenplus.

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Mehr Rente durch Pflege­zeiten und Erziehungs­zeiten

Nicht nur für klassische Erwerbs­tätig­keit gibt es Punkte aufs eigene Renten­konto. Auch unbe­zahlte Arbeit mit hohem gesell­schaftlichen Wert wird bei der Rente berück­sichtigt. So etwa bei Menschen, die ihre Angehörigen pflegen. Auch Eltern, die den Nach­wuchs groß­ziehen, den das alternde Deutsch­land so dringend braucht, erwerben Renten­ansprüche ohne eigene Beiträge zahlen zu müssen. Als Kinder­erziehungs­zeiten werden sie Mutter oder Vater aufs Renten­konto gut geschrieben. test.de rechnet vor, wie Pflege- und Erziehungs­zeiten die Rente erhöhen.

Unser Rat

Konto klären. Wenn Sie nicht sicher sind, ob alle Renten­ansprüche, die Ihnen für Kinder­erziehung, Pflege, Freiwil­ligen­dienste oder Wehr­dienst zustehen, bereits korrekt erfasst sind, machen Sie früh­zeitig einen Termin zur Kontenklärung bei der Deutschen Renten­versicherung. Termine können Sie online oder telefo­nisch buchen (deutsche-rentenversicherung.de und Tel. 0 800/10 00 48 00).

Kümmern. Bei Eltern und Pflegenden werden Renten­zeiten nicht auto­matisch anerkannt. Nötig ist Antrag, eine Erklärung oder das Ausfüllen eines Fragebogens (siehe unten Erziehungs- und Pflege­zeiten).

Aufstocken. Reduzieren Sie Ihre Arbeit, um ein Ehren­amt auszuüben, können Sie Ihre Rentenbeiträge unter Umständen aufstocken. Erkundigen Sie sich bei der Renten­versicherung.

Finanztest-Artikel. In dem PDF links oben finden Sie weitere ausführ­liche Informationen zu Renten­ansprüchen von Eltern, Pflegenden und Menschen, die Freiwil­ligen- oder Wehr­dienst leisten.

Rente für pflegende Angehörige und Freunde

Die Rentenkasse erkennt Pflege­zeit an, wenn der Pflegebedürftige zu Hause versorgt wird und mindestens Pfle­gegrad 2 hat. Den Pfle­gegrad legt die gesetzliche oder die private Pflege­versicherung fest.

Weitere Voraus­setzungen sind:

  • Der Pflegende muss für die Pflege mindestens zehn Stunden pro Woche regel­mäßig an mindestens zwei Tagen aufwenden.
  • Er darf neben der Pflege­tätig­keit nicht mehr als 30 Stunden wöchentlich erwerbs­tätig sein.
  • Er darf keine Voll­rente wegen Alters beziehen, sollte er die Regel­alters­grenze erreicht haben. Diese steigt schritt­weise. Sie liegt etwa für Jahr­gang 1953 bei 65 Jahren und 7 Monaten, für Jahr­gänge ab 1964 bei 67 Jahren.

Tipp: Wenn Sie als Pflegender Ihre Regel­alters­grenze erreichen, beantragen Sie statt einer Voll­rente eine Teilrente von 99 Prozent. Sie haben dann kaum Abzüge bei der Rentenzahlung, bekommen aber die vollen Pflege-Renten­punkte weiter gutgeschrieben und können so Ihre Rente weiter erhöhen.

Wie viel Rente pflegende Angehörige und Freunde bekommen

Die gesetzliche oder private Pflege­versicherung des Pflegebedürftigen über­nimmt die Renten­versicherungs­beiträge für den Menschen, der ihn pflegt. Mit welchen Renten­ansprüchen Pflegende nach derzeitigen Werten rechnen können, zeigt die Tabelle unten. Wie hoch die Ansprüche im Einzelnen ausfallen, richtet sich nach dem Pfle­gegrad des Pflegebedürftigen und dem Maß, in dem sich der Pflegende einbringt. Betreut er den Pflegebedürftigen allein und die Pflegekasse zahlt nur das Pflegegeld? Versorgen ambulante Pflege­dienste (Pflegesach­leistungen) den Pflegebedürftigen? Oder gibt es eine Kombination aus beidem? Je höher der Pfle­gegrad und je weniger professionelle Hilfe es gibt, desto mehr Rente bekommen Pflegende für ihre Tätig­keit.

So steigt die Rente

Pflege­tätig­keit für ein Jahr und Bezug von ...

Rentenplus / Monat

West (Euro)

Ost (Euro)

Pflege­tätig­keit für ein Jahr und Bezug von ...

Rentenplus / Monat

West (Euro)

Ost (Euro)

Pfle­gegrad 2

Pflegegeld

8,31

7,95

Kombinations­leistungen

7,06

6,76

Pflegesach­leistungen

5,82

5,57

Pfle­gegrad 3

Pflegegeld

13,23

12,67

Kombinations­leistungen

11,25

10,77

Pflegesach­leistungen

9,26

8,87

Pfle­gegrad 4

Pflegegeld

21,54

20,62

Kombinations­leistungen

18,31

17,52

Pflegesach­leistungen

15,08

14,43

Pfle­gegrad 5

Pflegegeld

30,78

29,45

Kombinations­leistungen

26,16

25,03

Pflegesach­leistungen

21,54

20,62

    Stand: Januar 2019

    Quelle: Deutsche Renten­versicherung

      Das müssen Pflegende tun, damit die Rentenkasse die Pflege­zeit anrechnet

      Die Pflege­versicherung des Pflegebedürftigen zahlt nur dann Beiträge für sie, wenn sie den „Fragebogen zur Zahlung der Beiträge zur sozialen Sicherung für nicht erwerbs­mäßig tätige Pflege­personen“ ausfüllen bei der Pflege­versicherung des Pflegebedürftigen abgeben. Pflegende können ihn bei Pflege­versicherung, Pfle­gestütz­punkten und Renten­versicherungs­träger bekommen. Sie können ihn auch im Internet finden und ausdrucken.

      Erziehungs­zeit: Pro Kind maximal drei Renten­punkte

      Auch Kinder­erziehung sorgt für ein Rentenplus. Wie hoch es pro Kind nach derzeitigen Werten ist, zeigt die Tabelle unten. Eltern, deren Kinder ab 1992 geboren wurden, erhalten pro Kind drei Entgelt­punkte auf ihr Renten­konto. Ein Entgelt­punkt entspricht Beiträgen in Höhe des jeweiligen Durch­schnitts­verdienstes eines Jahres. Mutter oder Vater bekommen für die Kinder­erziehung eines Kindes also so viel Rente, als hätten sie drei Jahre lang durch­schnitt­lich verdient. Die Beiträge für sie über­nimmt der Bund. Eltern, deren Kinder vor 1992 geboren sind, bekommen zwei­einhalb Renten­punkte pro Kind gutgeschrieben.

      So steigt die Rente

      Anzahl Kinder

      Rentenplus / Monat

      West (Euro)

      Ost (Euro)

      Geburt ...

      Geburt ...

      bis 1991

      ab 1992

      bis 1991

      ab 1992

      Anzahl Kinder

      Rentenplus / Monat

      West (Euro)

      Ost (Euro)

      Geburt ...

      Geburt ...

      bis 1991

      ab 1992

      bis 1991

      ab 1992

      1

      80

      96

      77

      92

      2

      160

      192

      153

      184

      3

      240

      288

      230

      276

      4

      320

      384

      307

      368

        Quelle: Deutsche Renten­versicherung Bund

          Auch Väter können Erziehungs­zeiten bekommen

          Erziehungs­zeiten für ein Kind bekommt nur ein Eltern­teil ange­rechnet – derjenige, der sich über­wiegend um das Kind kümmert. Teilen sich Mutter und Vater die Aufgabe, hat in der Regel die Mutter Anspruch auf die Kinder­erziehungs­zeit. Soll sie dem Vater ange­rechnet werden, müssen Eltern dies gemein­sam gegen­über der Renten­versicherung erklären. Wichtig: Die Erklärung gilt für maximal zwei Monate rück­wirkend.

          Bei hohem Einkommen kein Plus durch Erziehungs­zeiten

          Meist bekommen Eltern die Renten­punkte für die Erziehungs­zeit zusätzlich zu Renten­punkten aus einer sozial­versicherungs­pflichtigen Beschäftigung. Allerdings nur, solange ihr Verdienst nicht zu hoch ist. Denn Versicherte können generell nicht mehr als gut zwei Entgelt­punkte pro Jahr erhalten. Bei Eltern, die während der ersten drei Jahre nach der Geburt ihres Kindes mehr als das Doppelte des Durch­schnitts­einkommens verdienen, erhöht die Erziehungs­zeit die Rente nicht. Mehr zum Thema Erziehungs­zeit und Mütterrente finden Sie in unserem Special Rente für Kindererziehung.

          Das Renten­system braucht Kinder

          Dass es sich gerade bei den Renten­punkten für Eltern nicht um soziale Wohl­taten handelt, betont Martin Werding, Professor für Sozial­politik und öffent­liche Finanzen an der Ruhr-Universität in Bochum. Seine Berechnungen aus dem Jahr 2016 ergaben, dass jedes Kind dem Renten­system knapp 160 000 Euro mehr bringt, als es dieses kosten wird. „Neben ihren eigenen Rentenbeiträgen leisten Eltern durch ihre Kinder einen generativen Beitrag für den Erhalt des Systems“, erklärt er und bemängelt, dass die individuellen Renten­ansprüche zu stark an die finanziellen Beiträge gekoppelt sind, die in der Erwerbs­phase gezahlt werden.

          Großer gesamt­wirt­schaftlicher Wert

          Einen großen gesamt­wirt­schaftlichen Wert bescheinigt auch Norbert Schwarz, Referats­leiter im Statistischen Bundes­amt, den unbe­zahlten Leistungen privater Haushalte. Bereits 2013 hatte die Behörde unbe­zahlte Haus­arbeit, Pflege und Kinder­betreuung sowie ehren­amtliche Tätig­keit zu bezahlter Arbeit ins Verhältnis gesetzt. Mit 826 Milliarden Euro war der rechnerische Wert unbe­zahlter Arbeit höher als die Summe der Netto­gehälter aller Arbeitnehmer zusammen. Die lag bei 780 Milliarden Euro. „An diesem Verhältnis dürfte sich bis heute wenig geändert haben“, sagt er.

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          Soziales Jahr, ökologisches Jahr und Bundes­freiwil­ligen­dienst

          Auch viele junge Menschen engagieren sich für das Gemein­wohl, etwa wenn sie ein freiwil­liges soziales oder ökologischen Jahr oder den Bundes­freiwil­ligen­dienst absol­vieren. Sie erhöhen mit ihrem gesell­schaftlichen Engagement ihre Renten­ansprüche, ohne dass sie Rentenbeiträge an die Rentenkasse zahlen müssen. Ein freiwil­liges soziales oder ökologisches Jahr können nur Jüngere bis zur Voll­endung des 27. Lebens­jahres leisten. Bufdi können können auch Ältere werden. Rentenrecht­lich gibt es dabei kaum Unterschiede. Die Renten­versicherungs­beiträge für die Freiwil­ligen zahlen die Einrichtungen, die sie einsetzen. Träger können soziale oder kulturelle Einrichtungen sein, etwa Schulen, Sport­ver­eine, Behinderten­werk­stätten oder Natur­schutz­verbände. Die Einsatz­stelle muss die Dienst­leistenden beim Renten­versicherungs­träger anmelden und ihm alle relevanten Informationen über­mitteln.

          Rentenplus für Freiwil­ligen­dienst hält sich in Grenzen

          Allzu viel können Freiwil­lige renten­mäßig allerdings nicht erwarten. Die Beiträge bemessen sich auf Grund­lage des Taschengelds, das die Einsatz­stellen ihnen zahlen. Hinzu kommen Sach­leistungen wie Unterkunft und Verpflegung, die als geld­werter Vorteil ebenfalls in die Berechnung einfließen. Wie hoch Taschengeld und Sach­leistungen sind, hängt von der Einsatz­stelle ab. Für 2018 sind es maximal 390 Euro Taschengeld im Monat plus 472 Euro für Sach­leistungen. Darauf zahlen die Einsatz­stellen 18,6 Prozent an Rentenbeitrag. Das monatliche Rentenplus durch den Freiwil­ligen­dienst liegt dann nach heutigen Werten später im besten Fall bei etwas unter zehn Euro.

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          13 Irrtümer rund um die Rente

          Wieder­ver­einigung, längere Lebens­erwartung, nied­rige Geburtenrate, Digitalisierung der Arbeits­welt – unser Renten­system mit seinen 54 Millionen Versicherten muss sich ständig gesell­schaftlichen Veränderungen anpassen. Und mit jeder Änderung gesellen sich neue Miss­verständ­nisse zu jenen, die sich seit Jahren halten. Finanztest greift die häufigsten auf.

          Die Rentenbeiträge sind immer weiter angestiegen.

          Nein. Der Beitrags­satz zur Renten­versicherung liegt derzeit bei 18,6 Prozent vom renten­versicherungs­pflichtigen Einkommen. In den letzten 25 Jahren lag er fast immer höher – 1997 etwa bei 20,3 Prozent.

          Die gesetzliche Rente wird immer weiter sinken.

          Nein. Die individuellen Renten sinken nicht. Das ist durch die staatliche Renten­garantie sogar gesetzlich ausgeschlossen. Es kann zwar vorkommen, dass sie weniger stark steigen, als die Löhne es durch­schnitt­lich tun. Sie können aber auch wie 2018 stärker steigen als diese. In den letzten fünf Jahren sind sie im Westen zwischen 1,67 und 4,25 Prozent gestiegen und im Osten zwischen 2,5 und 5,95 Prozent.

          Die Ostdeutschen sind bei der Rente benach­teiligt.

          Nein. Das Gegen­teil ist richtig. Arbeitnehmer im Osten bekommen für die gleiche Einzahlung mehr Rente als im Westen.

          Beispiel. Der Leipziger Michael Otte verdiente im Jahr 2018 insgesamt 37 873 Euro und zahlte zusammen mit seinem Arbeit­geber 7 044 Euro an Rentenbeiträgen. Nach derzeitigen Werten schreibt ihm die Rentenkasse dafür Renten­ansprüche im Wert von 34,52 Euro im Monat auf seinem Renten­konto gut. Der Kölner Gereon Keller verdient genauso viel und die gleiche Summe an Rentenbeiträgen fließt an die Rentenkasse. Ihm schreibt diese dafür aber nur Anwart­schaften im Wert von aktuell 32,03 Euro gut.

          Viele Menschen haben dennoch den Eindruck, Arbeitnehmer in Ostdeutsch­land bekämen weniger Rente für ihre Beiträge als in West­deutsch­land. Das liegt am Renten­wert, der im Osten nied­riger ist. Er gibt an, wie hoch die monatliche Rente für einen Versicherten mit Durch­schnitts­verdienst in einem bestimmten Kalender­jahr ist. Er liegt derzeit bei 32,03 Euro im Westen und 30,69 Euro im Osten. Allerdings wertet die Rentenkasse die Ostrenten nach­träglich auf, und zwar anhand eines bestimmten Umrechnungs­faktors. Der sorgt dann dafür, dass Ottes Anwart­schaften höher ausfallen als Kellers.

          Konkret: 2018 lag der Umrechnungs­faktor bei 1,1248. Die Rentenkasse multipliziert Ottes Verdienst damit und tut so, als hätte er nicht 37 873 Euro verdient, sondern 42 600 Euro, und als seien 7 924 Euro statt 7 044 Euro an die Rentenkasse geflossen. Bis zum Jahr 2025 werden die Renten­werte angeglichen und der Umrechnungs­faktor abge­schafft.

          Nach mehr als 40 Jahren Arbeit müsste meine Rente viel höher ausfallen.

          Nicht unbe­dingt. Im deutschen Renten­system kommt es nicht nur darauf an, wie viel jemand gearbeitet hat, sondern vor allem darauf, wie viel er verdient hat.

          Beispiel. Klaas Hinkel ist Hilfs­arbeiter in Hamburg. Er hat immer die Hälfte des Durch­schnitts­einkommens verdient, 2019 entspricht das 19 451 Euro im Jahr. Nach 40 Jahren Arbeit geht er nun in Rente. Er bekommt 641 Euro im Monat von der Rentenkasse.

          Die Frank­furter Software­entwick­lerin Anna Rosinski hat nur 30 Jahre lang in die Rentenkasse einge­zahlt, also 10 Jahre kürzer als Hinkel. Ihr Gehalt lag aber immer beim Doppelten eines Durch­schnitts­verdieners, für 2019 heißt das 77 800 Euro im Jahr. Ihre gesetzliche Rente beträgt 1 922 Euro im Monat.

          Ich gehöre zu den Top-Verdienern. Bei meinem Gehalt müsste die Rente viel höher ausfallen.

          Nein. Denn Arbeitnehmer mit sehr hohem Verdienst zahlen nicht auf ihr komplettes Einkommen Rentenbeiträge, sondern nur bis zur sogenannten Beitrags­bemessungs­grenze von derzeit 80 400 Euro im Jahr. Für den Verdienst ober­halb dieser Grenze zahlen sie keine Beiträge und bekommen daraus später auch keine gesetzliche Rente.

          Beispiel. Claudia Nicholls ist Vertriebs­ingenieurin in Nürn­berg. Sie verdient 37 Jahre lang das Doppelte des Durch­schnitts­einkommens. 2019 sind das rund 77 800 Euro. Ihre Rente beträgt nach derzeitigen Werten 2 370 Euro im Monat. Franz Schweigle, Manager eines Stutt­garter Auto­konzerns, verdient in der gleichen Zeit mehr als sechs­mal so viel – 500 000 Euro im Jahr. Seine gesetzliche Rente ist nach aktuellen Werten mit 2 449 Euro im Monat trotzdem nicht viel höher.

          Wenn ich nicht fünf Jahre einzahle, sind meine Beiträge verloren.

          Nein. Menschen, die ihr reguläres Renten­alter erreicht haben, aber insgesamt nur auf eine Versicherungs­zeit von unter fünf Jahren kommen, können sich ihre einge­zahlten Beiträge erstatten lassen. In vielen Fällen kann es aber güns­tiger sein, die fehlenden Zeiten durch freiwil­lige Sonderzah­lungen auszugleichen und sich so eine Rente zu sichern. Die Renten­versicherung hilft bei der Entscheidung (siehe oben unter „Das Wichtigste in Kürze“).

          Ob ich eine Ost- oder West­rente erhalte, hängt vom Wohn­ort ab.

          Nein. Ob ein Versicherter eine Ost-, West- oder eine Misch­rente erhält, hängt von seinen jeweiligen Beschäftigungs­orten ab. Hat er zunächst 20 Jahre in Düssel­dorf gearbeitet, dann 20 Jahre in Dresden und verbringt seinen Ruhe­stand wieder im Rhein­land, berechnet sich seine Rente je zur Hälfte nach West- und Ost-Werten. Das gilt auch für spätere Renten­erhöhungen. Auch die werden anteilig nach seinen Beschäftigungs­zeiten im Osten oder Westen berechnet.

          Die „Rente mit 63“ beginnt mit 63 Jahren.

          Das ist falsch. Das Renten­eintritts­alter der „Rente für besonders lang­jährig Versicherte“ – so ihre offizielle Bezeichnung – lag zwar bei 63 Jahren, als sie 2014 einge­führt wurde. Ihr Renten­eintritts­alter steigt aber stufen­weise auf 65 Jahre an. Wer heute 63 wird, kann sie erst mit 63 Jahren und 8 Monaten nutzen. Sie wurde einge­führt, um Lang­zeit­versicherten mit mindestens 45 Versicherungs­jahren einen früheren Renten­start ohne Abschläge zu ermöglichen. Es gibt tatsäch­lich eine „Rente mit 63“. Die ist mit dieser Bezeichnung aber meist nicht gemeint. Es ist die „Rente für lang­jährig Versicherte“, die es Versicherten mit mindestens 35 Versicherungs­jahren erlaubt, ihre Rente mit 63 Jahren zu beziehen. Dafür werden teils kräftige Abschläge fällig.

          Abschläge fallen weg, sobald ich das reguläre Renten­alter erreiche

          Nein. Wenn Renten­abschläge bei einem vorzeitigen Renten­beginn fällig werden, bleiben sie dauer­haft. Jeder Monat, den Versicherte vor ihrem regulären Renten­eintritts­alter in Alters­rente gehen, kostet sie 0,3 Prozent ihrer Rente. Zumindest immer dann, wenn sie nicht auf insgesamt mindestens 45 Versicherungs­jahre kommen. Wer beispiels­weise drei Jahre früher geht, muss mit Abschlägen von 10,8 Prozent rechnen – für den Rest seines Lebens.

          Die gesetzliche Rente wird voll besteuert.

          Voll besteuert wird derzeit keine einzige gesetzliche Rente. Nur teil­weise unterliegt sie der Steuer­pflicht. Dafür sorgt der Rentenfrei­betrag. Allerdings steigt ihr steuer­pflichtiger Anteil jedes Jahr. Waren für alle, die 2005 oder früher ihre erste Rente bezogen haben, noch 50 Prozent steuerfrei, sind es für Neurentner im Jahr 2019 nur noch 22 Prozent.

          Das Finanz­amt ermittelt für jeden Rentner persönlich den Frei­betrag. Der bleibt während des gesamten Ruhe­stands gleich. Das Finanz­amt legt ihn endgültig zum Ende des zweiten Jahres im Ruhe­stand fest. Renten­steigerungen im ersten Jahr werden noch für den Steuerfrei­betrag berück­sichtigt. Alle späteren Steigerungen werden steuer­pflichtig.

          Beispiel. Ina Gabler aus Regens­burg ging 2017 in Rente. Der Steuerfrei­betrag für den Renten­jahr­gang 2017 liegt bei 26 Prozent. Im Jahr 2018 hat sie insgesamt 13 790 Euro Rente bekommen. Auf dieser Basis berechnet das Finanz­amt nun ihren konkreten Frei­betrag: 26 Prozent von 13 790 sind 3 585,40 Euro. Dieser Betrag gilt von nun an für jedes künftige Steuer­jahr. Zieht man ihn von ihrer Rente ab, bleiben 10 204,60 Euro. Hat sie keine weiteren Einkünfte, bleiben auch davon 9 000 Euro steuerfrei. Denn so hoch lag 2018 der Grund­frei­betrag, auf den auch Rentner keine Steuern zahlen (2019 liegt er bei 9 168 Euro). Auch auf die übrigen 1 204 Euro muss Gabler keine Steuern zahlen, wenn sie in ihrer Steuererklärung für 2018 Posten angibt, die ihre Steuerlast drücken können wie Ausgaben für Kranken- und Pflege­versicherung, für Zahnimplantate oder einen Kurauf­enthalt, für die Hilfe beim Putzen oder im Garten, Spenden oder Kirchen­steuern.

          Für alle, die 2040 oder später in Rente gehen, ist die gesetzliche Rente nach derzeitiger Gesetzes­lage zu 100 Prozent steuer­pflichtig. Das heißt aber noch lange nicht, dass auf die komplette Rente auch Steuern anfallen.

          Es gibt keine Alters­teil­zeit mehr.

          Das ist nicht richtig. Arbeitnehmer können weiterhin mit ihrem Arbeit­geber Alters­teil­zeit vereinbaren. Allerdings fördert die Bundes­agentur für Arbeit nicht mehr die Aufstockung des Gehalts und der Renten­versicherungs­beiträge.

          Die Aufteilung der Rente bei einer Scheidung ist endgültig.

          Nicht immer. Versicherte können die Aufteilung rück­gängig machen, wenn der Expartner die Rente vor seinem Tod nicht länger als drei Jahre bezogen hat. Dafür müssen sie bei der Rentenkasse einen Antrag auf Rück­über­tragung der im Versorgungs­ausgleich geteilten Renten­ansprüche stellen.

          Selbst­ständige können sich nicht renten­versichern.

          Doch. Einige müssen das sogar tun, etwa selbst­ständige Lehrer und Künstler. Sie sind renten­versicherungs­pflichtig. Alle anderen können sich freiwil­lig gesetzlich renten­versichern und ihren Beitrag relativ frei wählen. Er muss im Jahr 2019 bei mindestens 83,70 Euro im Monat liegen und darf höchs­tens 1 246,20 Euro im Monat betragen.

          Im Koalitions­vertrag haben sich Union und SPD sogar auf eine generelle Alters­vorsorgepflicht für Selbst­ständige geeinigt. Details dazu stehen aber noch nicht fest.

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