Gesetzliche Renten­versicherung Special

Arbeitnehmer und einige Selbst­ständige sichern sich mit ihrem Rentenbeitrag eine Rente aus der gesetzlichen Renten­versicherung. Trotz verstärkter privater Alters­vorsorge: Die Renten­versicherung sorgt in den meisten Haushalten für den größten Teil der Einkünfte im Alter. In Zukunft wird das Niveau der Rente im Vergleich zu den Löhnen jedoch sinken. Hier erhalten Sie die grund­legenden Informationen rund um Rentenbeitrag, Rentenhöhe und Renten­eintritts­alter.

Gesetzliche Rente - die wichtigsten Infos

Das Wichtigste in Kürze

Beitrag. 9,3 Prozent ihres Brutto­lohns zahlen Arbeitnehmer in die gesetzliche Renten­versicherung ein.

Rentenhöhe. Die Höhe der späteren Rente ist abhängig von der Höhe des Brutto­lohns und der Anzahl der Jahre, in denen einge­zahlt wurde.

Ostdeutsch­land. Da die Löhne in Ostdeutsch­land geringer sind, zählt das gleiche Gehalt in Ostdeutsch­land mehr für die Rente.

Einzahlungen. In bestimmten Grenzen sind auch freiwil­lige Einzahlungen in die Renten­versicherung möglich. Sie steigern die spätere Rente.

Frührente. Nicht jeder muss bis zu seinem regulären Renten­alter arbeiten. Mit genug Beitrags­jahren können viele schon mit 63 in Frührente gehen.

Beratung. Erste Anlauf­stelle bei Fragen zur Alters­vorsorge ist die Deutsche Renten­versicherung. Sie berät kostenlos zu Angelegenheiten rund um die gesetzliche Rente und hilft Ihnen, einen Gesamt­über­blick über alle Ihre Anwart­schaften zu bekommen. Sie können einen Termin zur Alters­vorsorgeberatung vereinbaren. Ein Mitarbeiter analysiert dann Ihre gesetzlichen, betrieblichen und privaten Ansprüche, informiert über Versorgungs­lücken und gibt Rat, diese zu füllen. Termine können Sie telefo­nisch oder online vereinbaren (0 800/10 00 48 00 und www.eservice-drv.de).

nach oben

Gesetzliche Renten­versicherung ist Pflicht

Ob sie wollen oder nicht: Arbeitnehmern wird Monat für Monat der Rentenbeitrag vom Brutto­lohn abge­zogen. Der Beitrags­satz liegt derzeit bei 18,6 Prozent des Brutto­lohns. Davon tragen die Arbeitnehmer 9,3 Prozent selbst, 9,3 Prozent trägt der Arbeit­geber. Ein Arbeitnehmer, der 4 000 Euro brutto im Monat verdient, muss davon also 372 Euro an die Rentenkasse abführen. Doch das wird nicht so bleiben: Da in Zukunft geburten­starke Jahr­gänge in den Ruhe­stand gehen und dann eine geringere Anzahl von Einzahlern mehr Geld für die Rente bereit­stellen müssen, wird der Beitrags­satz zukünftig steigen.

Rentenbeitrag nur bis zur Beitrags­bemessungs­grenze

Einzahlen müssen Arbeitnehmer jedoch immer nur bis zu einer Höchst­grenze. Diese Beitrags­bemessungs­grenze liegt aktuell bei 6 700 Euro in West­deutsch­land und 6 150 Euro in Ostdeutsch­land. Auf Lohn, der darüber hinaus fließt, zahlen weder Arbeitnehmer noch Arbeit­geber Rentenbeiträge. Das heißt aber auch, dass die Renten­ansprüche nach oben hin begrenzt sind.

Rentenhöhe ist von den Löhnen abhängig

Die gesetzliche Rente funk­tioniert im sogenannten Umlage­verfahren. Das Geld, das die Renten­versicherung von den Einzahlern einnimmt, wird sofort wieder an die Rentner ausgeschüttet. Deswegen steigt die Rente nur, wenn es genug Menschen gibt, die arbeiten und in die Rente einzahlen. In den letzten Jahren funk­tionierte das gut: Da die Wirt­schaft stark gewachsen ist, stiegen die Löhne und damit auch die Rentenbeiträge. Die Rentner konnten sich über ordentliche Renten­steigerungen freuen.

Tipp: Wenn Sie den gewohnten Lebens­stan­dard im Alter halten wollen, benötigen Sie etwa 80 Prozent des letzten Netto­gehalts. Einen großen Teil davon deckt bei Angestellten die gesetzliche Rente. Doch es bleibt noch eine große Lücke.

Alles rund um die Rente auf test.de

Geld­werte Hinweise von Finanztest Mit der Flexirente zum Rentenplus
Früher in Rente Basiswissen Rente mit 63
Professionelle Hilfe Rentenberatung im Praxistest
Renten­information im Sonder­heft Spezialheft "Ihre Rente"
Betriebs­rente Basiswissen Betriebliche Altersvorsorge
Rente und Scheidung Basiswissen Versorgungsausgleich
Wenn das Geld nicht reicht Grundsicherung im Alter

Versicherte sammeln Entgelt­punkte

Jeder Versicherte in der Renten­versicherung sammelt im Laufe seines Lebens Entgelt­punkte. Sie sind später entscheidend für die Höhe der Rente. Einen Entgelt­punkt gibt es für ein Jahr Verdienst mit dem durch­schnitt­lichen Brutto­gehalt aller Versicherten. Ein Versicherter, der 2018 genau den Durch­schnitt von 37 873 Euro verdient und dafür Beiträge zur Renten­versicherung bezahlt, bekommt dafür einen Entgelt­punkt. Die Beiträge zur gesetzlichen Renten­versicherung liegen aktuell bei 18,6 Prozent des Brutto­gehalts. Ein Entgelt­punkt „kostet“ damit derzeit also 7 044 Euro. Davon zahlt die Hälfte der Arbeit­geber. Wer weniger als der Durch­schnitt verdient, bekommt weniger. Wer mehr verdient, bekommt mehr Entgelt­punkte. Ein Versicherter, der genau die Hälfte verdient, bekommt 0,5 Entgelt­punkte. Ein Versicherter, der 20 Prozent mehr als der Durch­schnitt verdient, erhält 1,2 Entgelt­punkte.

Noch gibt es im Osten mehr Entgelt­punkte

Weil die Einkünfte in den neuen Bundes­ländern bisher im Schnitt nied­riger waren als in den alten Bundes­ländern, werden die Renten­ansprüche dort „künst­lich“ ange­hoben. Dazu wird jedes Jahr das Lohn­niveau verglichen und damit ein Faktor fest­gelegt, mit dem Entgelt­punkte in den neuen Bundes­ländern aufgewertet werden. Aktuell werden Renten­punkte in Ostdeutsch­land mit dem Umrechnungs­faktor 1,1248 multipliziert. Versicherte in Ostdeutsch­land bekommen also für das gleiche Gehalt etwas mehr Entgelt­punkte als in West­deutsch­land. Seit 2018 wird diese Unterscheidung in Ost- und West­zeiten im Rentenrecht aber abge­baut. Der Umrechnungs­faktor fällt deshalb in den nächsten Jahren schritt­weise geringer aus. So wird er etwa zum 1. Januar 2019 noch 1,0840 und zum 1. Januar 2020 noch 1,0700 betragen. Mit der endgültigen Rechts­angleichung zum 1. Januar 2025 wird er dann ganz wegfallen.

Der Renten­wert ist im Westen höher

Der zweite entscheidende Einfluss auf die Rentenhöhe ist der Renten­wert. Er besagt, wie viel ein Entgelt­punkt in diesem Jahr wert ist. Seit Juli 2018 beträgt der Renten­wert in West­deutsch­land 32,03 Euro und in Ostdeutsch­land 30,69 Euro. Im Rahmen der Wieder­ver­einigung wurde der Renten­wert in Ostdeutsch­land nied­riger angesetzt. Auch er wird jetzt aber stufen­weise angeglichen. Am 1. Juli 2018 auf 95,8 Prozent des West­werts; dann in weiteren sechs Stufen jedes Jahr um 0,7 Prozent­punkte. Zum 1. Juli 2024 wird der Ostwert 100 Prozent des West­werts erreichen. Für alle Renten in Ost- und West­deutsch­land gilt dann ein einheitlicher aktueller Renten­wert.

Gesetzliche Renten­versicherung für Selbst­ständige

Übrigens: Die gesetzliche Renten­versicherung ist nicht nur etwas für Arbeitnehmer. Auch Selbst­ständige wie Bäcker, Tennis­lehrer, Schauspieler, Autoren, Optiker oder Heb­ammen sind Pflicht­versicherte im gesetzlichen Renten­system. Ihr Nachteil gegen­über Arbeitnehmern: Während bei diesen der Arbeit­geber die Hälfte des Renten­beitrags tragen muss, schultern viele pflicht­versicherte Selbst­ständige ihren obliga­torischen Rentenbeitrag alleine. Und der ist für einige von ihnen recht happig. Ihr Beitrags­satz beträgt 18,6 Prozent ihres Einkommens. Sie können sich aber auch entscheiden, einen monatlichen Pauschalbeitrag zu zahlen. Existenz­gründer können sich in den ersten drei Jahren für einen reduzierten Rentenbeitrag entscheiden.

Freiwil­lige Renten­versicherung möglich

Alle nicht pflicht­versicherten Selbst­ständigen und Freiberufler können freiwil­lige Beiträge in die gesetzliche Renten­versicherung einzahlen. Unbe­dingt sollten sie dies tun, wenn sie bereits einige Zeit gesetzlich pflicht­versichert waren, aber nicht auf die für eine Alters­rente notwendige Mindest­versicherungs­zeit von fünf Jahren kommen. Die bis dahin fehlenden Jahre können sie mit freiwil­ligen Beiträgen auffüllen und sich so eine gesetzliche Rente sichern. Aber auch sonst ist die gesetzliche Renten­versicherung für Selbst­ständige im Vergleich zu privaten Vorsorgemöglich­keiten aktuell attraktiv. Für alle, die nur noch wenige Jahre bis zur Rente haben, lohnen sich freiwil­lige Einzahlungen derzeit besonders.

Tipp: Unser Special Rente für Selbstständige zeigt, wann die gesetzliche Rente als Alters­vorsorge für Selbst­ständige sinn­voll ist und mit wie viel Rente sie für ihre Beiträge rechnen können.

Das Renten­niveau sinkt, die Rente steigt

Das Renten­niveau, das „Sicherungs­niveau vor Steuern“, wie die Bundes­regierung sagt, setzt die Rente eines Ruhe­ständ­lers, der 45 Jahre lang immer durch­schnitt­lich verdient hat, ins Verhältnis zum durch­schnitt­lichen Beschäftigten-Netto­einkommen. Die verfügbare Stan­dard­rente beträgt zurzeit 1 264 Euro – nach Abzug von Kranken-und Pflege­versicherungs­beitrag, jedoch vor Steuern. Laut Renten­versicherungs­bericht der Bundes­regierung beträgt das Renten­niveau derzeit 48,2 Prozent. Nach den Plänen der Bundes­regierung soll es bis 2025 nicht unter 48 Prozent sinken. Dies ist im Rentenpaket, das der Bundes­tag im November verabschiedet hat, fest­gelegt. Ein Absinken des Renten­niveaus heißt aber nicht, dass die individuellen Renten sinken. Das ist durch die Renten­garantie sogar gesetzlich ausgeschlossen. Die Renten werden auch künftig steigen, aber nicht so stark wie die Einkommen.

Das Renten­alter steigt für jeden Jahr­gang

Das reguläre Renten­alter für die Arbeitnehmer steigt schritt­weise an. Je nach Jahr­gang müssen die Versicherten länger arbeiten, um die volle Rente ohne Abschläge zu erhalten. Der Renten­eintritt verschiebt sich: Menschen, die 1953 geboren wurden, dürfen beispiels­weise mit 65 Jahren und 7 Monaten in Rente gehen. Ab dem Jahr­gang 1964 gilt dann tatsäch­lich die beschlossene Rente mit 67.

Geburts­jahr

Regulärer Renten­beginn im Alter von …

1953

65 Jahren + 7 Monaten

1954

65 Jahren + 8 Monaten

1955

65 Jahre + 9 Monaten

1956

65 Jahren + 10 Monaten

1957

65 Jahren + 11 Monaten

1958

66 Jahren

1959

66 Jahren + 2 Monaten

1960

66 Jahren + 4 Monaten

1961

66 Jahren + 6 Monaten

1962

66 Jahren + 8 Monaten

1963

66 Jahren + 10 Monaten

Ab 1964

67 Jahren

      Wer früher in Rente gehen kann

      Der Renten­eintritt ist für viele Menschen eine magische Grenze. Wer 1953 geboren wurde, kann 2018 und 2019 in Rente gehen, sobald er 65 Jahre und 7 Monate alt ist. Im Jahr 2019 steigt diese Alters­grenze auf 65 Jahre und 8 Monate. Doch nicht jeder Versicherte will oder kann bis zu seiner Regel­alters­grenze arbeiten. Es gibt verschiedene Wege, schon früher in Rente zu gehen:

      • Alters­rente für lang­jährig Versicherte. Voraus­setzung: Eine Mindest­versicherungs­zeit in der gesetzlichen Renten­versicherung von 35 Jahren. Bei dieser Variante muss der Frührentner Abschläge auf seine Rente in Kauf nehmen. Jeder Monat vorgezogene Rente kostet 0,3 Prozent Abschlag. Beim Jahr­gang 1964, der regulär mit 67 Jahren in Rente geht, sind es 14,4 Prozent Abschlag. Wichtig zu beachten: Durch den früheren Renten­eintritt sammelt der Versicherte weniger Entgelt­punkte als wenn er bis zu seinem regulären Renten­alter gearbeitet hätte.
        Tipp: Alle Informationen zu den Kosten eines früheren Renten­eintritts und den Möglich­keiten, die finanziellen Auswirkungen auszugleichen, finden Sie im Special Früher in Rente.
      • Alters­rente für besonders lang­jährig Versicherte. Voraus­setzung: Eine Mindest­versicherungs­zeit in der gesetzlichen Renten­versicherung von 45 Jahren. Bei dieser Variante steigt das Eintritts­alter für den Renten­beginn (zwischen dem Alter von 63 Jahren und zwei Monaten für Jahr­gang 1953 und 65 Jahren für alle ab 1964 Geborenen). Abschläge fallen bei dieser Variante nicht an. Aber die fehlenden Renten­zeiten bis zur regulären Alters­grenze sorgen auch hier für weniger Rente.
      • Früher als andere können auch Schwerbehinderte abschlags­frei in Rente gehen. Voraus­setzung sind mindestens 35 Versicherungs­jahre. Wann genau schwerbehinderte Arbeitnehmer erst­mals Rente beziehen können, hängt – wie bei der Regel­alters­grenze – von ihrem Geburts­jahr ab.
        Tipp: Genauere Informationen zu den Rege­lungen für die Rente für Schwerbehinderte finden Sie im Special Rente für Schwerbehinderte.

      Ausführ­liche Tabellen, wer wann in Rente gehen darf, finden Sie in unserem Special Rente mit 63.

      Rente mit 63 ohne Abschläge

      Wer die Mindest­versicherungs­zeit vom 35 Jahren erfüllt, kann mit 63 in Rente gehen. Schul- und Hoch­schul­besuch ab dem 17. Lebens­jahr, Arbeits­losig­keit und Berück­sichtigungs­zeit für Kinder­erziehung zählen für diese Mindest­versicherungs­zeit mit. Der Versicherte muss dann eigentlich Abschläge auf seine Rente in Kauf nehmen. Doch das muss nicht sein: Er kann sie durch freiwil­lige Einzahlungen in die gesetzliche Renten­versicherung ausgleichen. Wer Renten­abschläge ausgleichen möchte, muss derzeit mindestens 50 Jahre alt sein. Früh anfangen lohnt sich besonders aus steuerlichen Gründen, denn Versicherte können Alters­vorsorgeaufwendungen nur bis zu einem Höchst­betrag im Jahr geltend machen. Alle Beiträge zur gesetzlichen Renten­versicherung zählen hierbei mit. Der Versicherte kann bis kurz vor einem möglichen vorzeitigen Renten­beginn entscheiden: Will er wirk­lich vorzeitig abschlags­frei in Rente oder mehr Rente ab regulärem Renten­beginn? Geht er regulär in Rente, hat er durch die freiwil­ligen Einzahlungen einfach seine spätere Rente erhöht.

      Tipp: Wer berät zur Alters­vorsorge und wie bereite ich mich auf die Beratung vor? Das erklärt unser Special Rentenberatung im Praxistest.

      Geringer Verdienst: Weniger Beitrag, oft etwas mehr Rente

      Beschäftigte, die mit einem Teil­zeit- oder Voll­zeitjob zwischen gut 450 und 1 300 Euro im Monat verdienen, zahlen ab Juli 2019 weniger Beitrag in die gesetzliche Renten­versicherung. Wer weniger als 850 Euro bekommt, zahlt schon jetzt ein paar Euro weniger. Durch das Rentenpaket werden auch Einkommen darüber entlastet. Ein paar Euro mehr Rente gibt es für kleine Einkommen.

      Gesetzliche Renten­versicherung Special

      Quelle: Eigene Berechnungen

      Länger arbeiten trotz Renten­alter

      Versicherte, die das Renten­alter erreicht haben, müssen nicht zwangs­läufig in Rente gehen. Wenn der Rentner seine Regel­alter­grenze erreicht hat, kann er seine Rente beantragen und trotzdem weiter­arbeiten. Der Rentner bekäme dann seine Rente und hätte zusätzlich sein Einkommen. Er kann sich dann entscheiden auch nach Bewil­ligung der Regel­alters­rente weiter seinen Rentenbeitrag in die Rentenkasse einzuzahlen. Dazu muss der Arbeitnehmer seinem Arbeit­geber allerdings mitteilen, dass er weiter Rentenbeiträge zahlen möchte. Er erhöht damit seine Rente weiter, obwohl er schon eine Rente bezieht.

      Den Renten­antrag aufschieben

      Wenn der Versicherte die Rente erst später beantragt, steigt sie. Für jeden Monat, den er später als sein Regelrenten­alter in Rente geht, erhöht sich seine Rente um 0,5 Prozent­punkte. Beantragt er seine Rente also erst zwölf Monate nach seinem regulären Renten­eintritt, würde sich seine Rente um 6 Prozent erhöhen. Davon unabhängig würde er mit seinem Rentenbeitrag durch die Arbeit weitere Entgelt­punkte sammeln.

      Tipp: Beispiel­rechnungen für die einzelnen Möglich­keiten über das Renten­alter hinaus zu arbeiten finden Sie in unserem test.de-Special Mit der Flexirente zum Rentenplus.

      nach oben

      13 Irrtümer rund um die Rente

      Wieder­ver­einigung, längere Lebens­erwartung, nied­rige Geburtenrate, Digitalisierung der Arbeits­welt – unser Renten­system mit seinen 54 Millionen Versicherten muss sich ständig gesell­schaftlichen Veränderungen anpassen. Und mit jeder Änderung gesellen sich neue Miss­verständ­nisse zu jenen, die sich seit Jahren halten. Finanztest greift die häufigsten auf.

      Die Rentenbeiträge sind immer weiter angestiegen.

      Nein. Der Beitrags­satz zur Renten­versicherung liegt derzeit bei 18,6 Prozent vom renten­versicherungs­pflichtigen Einkommen. In den letzten 25 Jahren lag er fast immer höher – 1997 etwa bei 20,3 Prozent.

      Die gesetzliche Rente wird immer weiter sinken.

      Nein. Die individuellen Renten sinken nicht. Das ist durch die staatliche Renten­garantie sogar gesetzlich ausgeschlossen. Es kann zwar vorkommen, dass sie weniger stark steigen, als die Löhne es durch­schnitt­lich tun. Sie können aber auch wie 2018 stärker steigen als diese. In den letzten fünf Jahren sind sie im Westen zwischen 1,67 und 4,25 Prozent gestiegen und im Osten zwischen 2,5 und 5,95 Prozent.

      Die Ostdeutschen sind bei der Rente benach­teiligt.

      Nein. Das Gegen­teil ist richtig. Arbeitnehmer im Osten bekommen für die gleiche Einzahlung mehr Rente als im Westen.

      Beispiel. Der Leipziger Michael Otte verdiente im Jahr 2018 insgesamt 37 873 Euro und zahlte zusammen mit seinem Arbeit­geber 7 044 Euro an Rentenbeiträgen. Nach derzeitigen Werten schreibt ihm die Rentenkasse dafür Renten­ansprüche im Wert von 34,52 Euro im Monat auf seinem Renten­konto gut. Der Kölner Gereon Keller verdient genauso viel und die gleiche Summe an Rentenbeiträgen fließt an die Rentenkasse. Ihm schreibt diese dafür aber nur Anwart­schaften im Wert von aktuell 32,03 Euro gut.

      Viele Menschen haben dennoch den Eindruck, Arbeitnehmer in Ostdeutsch­land bekämen weniger Rente für ihre Beiträge als in West­deutsch­land. Das liegt am Renten­wert, der im Osten nied­riger ist. Er gibt an, wie hoch die monatliche Rente für einen Versicherten mit Durch­schnitts­verdienst in einem bestimmten Kalender­jahr ist. Er liegt derzeit bei 32,03 Euro im Westen und 30,69 Euro im Osten. Allerdings wertet die Rentenkasse die Ostrenten nach­träglich auf, und zwar anhand eines bestimmten Umrechnungs­faktors. Der sorgt dann dafür, dass Ottes Anwart­schaften höher ausfallen als Kellers.

      Konkret: 2018 lag der Umrechnungs­faktor bei 1,1248. Die Rentenkasse multipliziert Ottes Verdienst damit und tut so, als hätte er nicht 37 873 Euro verdient, sondern 42 600 Euro, und als seien 7 924 Euro statt 7 044 Euro an die Rentenkasse geflossen. Bis zum Jahr 2025 werden die Renten­werte angeglichen und der Umrechnungs­faktor abge­schafft.

      Nach mehr als 40 Jahren Arbeit müsste meine Rente viel höher ausfallen.

      Nicht unbe­dingt. Im deutschen Renten­system kommt es nicht nur darauf an, wie viel jemand gearbeitet hat, sondern vor allem darauf, wie viel er verdient hat.

      Beispiel. Klaas Hinkel ist Hilfs­arbeiter in Hamburg. Er hat immer die Hälfte des Durch­schnitts­einkommens verdient, 2019 entspricht das 19 451 Euro im Jahr. Nach 40 Jahren Arbeit geht er nun in Rente. Er bekommt 641 Euro im Monat von der Rentenkasse.

      Die Frank­furter Software­entwick­lerin Anna Rosinski hat nur 30 Jahre lang in die Rentenkasse einge­zahlt, also 10 Jahre kürzer als Hinkel. Ihr Gehalt lag aber immer beim Doppelten eines Durch­schnitts­verdieners, für 2019 heißt das 77 800 Euro im Jahr. Ihre gesetzliche Rente beträgt 1 922 Euro im Monat.

      Ich gehöre zu den Top-Verdienern. Bei meinem Gehalt müsste die Rente viel höher ausfallen.

      Nein. Denn Arbeitnehmer mit sehr hohem Verdienst zahlen nicht auf ihr komplettes Einkommen Rentenbeiträge, sondern nur bis zur sogenannten Beitrags­bemessungs­grenze von derzeit 80 400 Euro im Jahr. Für den Verdienst ober­halb dieser Grenze zahlen sie keine Beiträge und bekommen daraus später auch keine gesetzliche Rente.

      Beispiel. Claudia Nicholls ist Vertriebs­ingenieurin in Nürn­berg. Sie verdient 37 Jahre lang das Doppelte des Durch­schnitts­einkommens. 2019 sind das rund 77 800 Euro. Ihre Rente beträgt nach derzeitigen Werten 2 370 Euro im Monat. Franz Schweigle, Manager eines Stutt­garter Auto­konzerns, verdient in der gleichen Zeit mehr als sechs­mal so viel – 500 000 Euro im Jahr. Seine gesetzliche Rente ist nach aktuellen Werten mit 2 449 Euro im Monat trotzdem nicht viel höher.

      Wenn ich nicht fünf Jahre einzahle, sind meine Beiträge verloren.

      Nein. Menschen, die ihr reguläres Renten­alter erreicht haben, aber insgesamt nur auf eine Versicherungs­zeit von unter fünf Jahren kommen, können sich ihre einge­zahlten Beiträge erstatten lassen. In vielen Fällen kann es aber güns­tiger sein, die fehlenden Zeiten durch freiwil­lige Sonderzah­lungen auszugleichen und sich so eine Rente zu sichern. Die Renten­versicherung hilft bei der Entscheidung (siehe oben unter „Das Wichtigste in Kürze“).

      Ob ich eine Ost- oder West­rente erhalte, hängt vom Wohn­ort ab.

      Nein. Ob ein Versicherter eine Ost-, West- oder eine Misch­rente erhält, hängt von seinen jeweiligen Beschäftigungs­orten ab. Hat er zunächst 20 Jahre in Düssel­dorf gearbeitet, dann 20 Jahre in Dresden und verbringt seinen Ruhe­stand wieder im Rhein­land, berechnet sich seine Rente je zur Hälfte nach West- und Ost-Werten. Das gilt auch für spätere Renten­erhöhungen. Auch die werden anteilig nach seinen Beschäftigungs­zeiten im Osten oder Westen berechnet.

      Die „Rente mit 63“ beginnt mit 63 Jahren.

      Das ist falsch. Das Renten­eintritts­alter der „Rente für besonders lang­jährig Versicherte“ – so ihre offizielle Bezeichnung – lag zwar bei 63 Jahren, als sie 2014 einge­führt wurde. Ihr Renten­eintritts­alter steigt aber stufen­weise auf 65 Jahre an. Wer heute 63 wird, kann sie erst mit 63 Jahren und 8 Monaten nutzen. Sie wurde einge­führt, um Lang­zeit­versicherten mit mindestens 45 Versicherungs­jahren einen früheren Renten­start ohne Abschläge zu ermöglichen. Es gibt tatsäch­lich eine „Rente mit 63“. Die ist mit dieser Bezeichnung aber meist nicht gemeint. Es ist die „Rente für lang­jährig Versicherte“, die es Versicherten mit mindestens 35 Versicherungs­jahren erlaubt, ihre Rente mit 63 Jahren zu beziehen. Dafür werden teils kräftige Abschläge fällig.

      Abschläge fallen weg, sobald ich das reguläre Renten­alter erreiche

      Nein. Wenn Renten­abschläge bei einem vorzeitigen Renten­beginn fällig werden, bleiben sie dauer­haft. Jeder Monat, den Versicherte vor ihrem regulären Renten­eintritts­alter in Alters­rente gehen, kostet sie 0,3 Prozent ihrer Rente. Zumindest immer dann, wenn sie nicht auf insgesamt mindestens 45 Versicherungs­jahre kommen. Wer beispiels­weise drei Jahre früher geht, muss mit Abschlägen von 10,8 Prozent rechnen – für den Rest seines Lebens.

      Die gesetzliche Rente wird voll besteuert.

      Voll besteuert wird derzeit keine einzige gesetzliche Rente. Nur teil­weise unterliegt sie der Steuer­pflicht. Dafür sorgt der Rentenfrei­betrag. Allerdings steigt ihr steuer­pflichtiger Anteil jedes Jahr. Waren für alle, die 2005 oder früher ihre erste Rente bezogen haben, noch 50 Prozent steuerfrei, sind es für Neurentner im Jahr 2019 nur noch 22 Prozent.

      Das Finanz­amt ermittelt für jeden Rentner persönlich den Frei­betrag. Der bleibt während des gesamten Ruhe­stands gleich. Das Finanz­amt legt ihn endgültig zum Ende des zweiten Jahres im Ruhe­stand fest. Renten­steigerungen im ersten Jahr werden noch für den Steuerfrei­betrag berück­sichtigt. Alle späteren Steigerungen werden steuer­pflichtig.

      Beispiel. Ina Gabler aus Regens­burg ging 2017 in Rente. Der Steuerfrei­betrag für den Renten­jahr­gang 2017 liegt bei 26 Prozent. Im Jahr 2018 hat sie insgesamt 13 790 Euro Rente bekommen. Auf dieser Basis berechnet das Finanz­amt nun ihren konkreten Frei­betrag: 26 Prozent von 13 790 sind 3 585,40 Euro. Dieser Betrag gilt von nun an für jedes künftige Steuer­jahr. Zieht man ihn von ihrer Rente ab, bleiben 10 204,60 Euro. Hat sie keine weiteren Einkünfte, bleiben auch davon 9 000 Euro steuerfrei. Denn so hoch lag 2018 der Grund­frei­betrag, auf den auch Rentner keine Steuern zahlen (2019 liegt er bei 9 168 Euro). Auch auf die übrigen 1 204 Euro muss Gabler keine Steuern zahlen, wenn sie in ihrer Steuererklärung für 2018 Posten angibt, die ihre Steuerlast drücken können wie Ausgaben für Kranken- und Pflege­versicherung, für Zahnimplantate oder einen Kurauf­enthalt, für die Hilfe beim Putzen oder im Garten, Spenden oder Kirchen­steuern.

      Für alle, die 2040 oder später in Rente gehen, ist die gesetzliche Rente nach derzeitiger Gesetzes­lage zu 100 Prozent steuer­pflichtig. Das heißt aber noch lange nicht, dass auf die komplette Rente auch Steuern anfallen.

      Es gibt keine Alters­teil­zeit mehr.

      Das ist nicht richtig. Arbeitnehmer können weiterhin mit ihrem Arbeit­geber Alters­teil­zeit vereinbaren. Allerdings fördert die Bundes­agentur für Arbeit nicht mehr die Aufstockung des Gehalts und der Renten­versicherungs­beiträge.

      Die Aufteilung der Rente bei einer Scheidung ist endgültig.

      Nicht immer. Versicherte können die Aufteilung rück­gängig machen, wenn der Expartner die Rente vor seinem Tod nicht länger als drei Jahre bezogen hat. Dafür müssen sie bei der Rentenkasse einen Antrag auf Rück­über­tragung der im Versorgungs­ausgleich geteilten Renten­ansprüche stellen.

      Selbst­ständige können sich nicht renten­versichern.

      Doch. Einige müssen das sogar tun, etwa selbst­ständige Lehrer und Künstler. Sie sind renten­versicherungs­pflichtig. Alle anderen können sich freiwil­lig gesetzlich renten­versichern und ihren Beitrag relativ frei wählen. Er muss im Jahr 2019 bei mindestens 83,70 Euro im Monat liegen und darf höchs­tens 1 246,20 Euro im Monat betragen.

      Im Koalitions­vertrag haben sich Union und SPD sogar auf eine generelle Alters­vorsorgepflicht für Selbst­ständige geeinigt. Details dazu stehen aber noch nicht fest.

      nach oben

      Dieser Artikel ist hilfreich. 216 Nutzer finden das hilfreich.