Kosten für Zahn­ersatz So zahlen Sie beim Zahn­arzt nicht drauf

26
Kosten für Zahn­ersatz - So zahlen Sie beim Zahn­arzt nicht drauf
Beratung. Die Zahn­ärztin erklärt, welche Kosten für Zahn­ersatz auf die Patientin zukommen. © Getty Images

Krone, Brücke, Implantat: Es ist wichtig, sich über die Kosten für Zahn­ersatz gut zu informieren. Wir sagen, worauf es ankommt – und wie Sie möglichst wenig draufzahlen.

Inhalt

Welche Kosten für Zahn­ersatz kommen auf mich zu?

Selbst bei der reinen Kassen­versorgung mit Zahn­ersatz müssen Versicherte einen Teil der Kosten selbst bezahlen. Nur in wenigen Ausnahme­fällen über­nimmt die Krankenkasse die komplette Versorgung. Am Anfang jeder Behand­lung steht der Heil- und Kostenplan. Er zeigt gesetzlich Kranken­versicherten, wie teuer eine Zahn­ersatz­behand­lung wie Brücke oder Krone wird, wie viel die Krankenkasse zuschießt und wie hoch ihr Eigen­anteil ist – was sie also selbst zahlen sollen.

Für viele Patienten ist er aber ein Buch mit sieben Siegeln. Sie über­blicken nicht, welche Kosten insgesamt auf sie zukommen und was sie nach Beteiligung der Krankenkasse davon selbst tragen müssen.

Das bietet unser Special Zahn­ersatz

  • Orientierung. Heil- und Kostenplan, Regel­versorgung, GOZ: Die Gesund­heits­expertinnen der Stiftung Warentest geben Nach­hilfe in Zahn­arzt-Latein und erklären, worauf Sie achten müssen, wenn bei Ihnen eine Zahn­ersatz-Behand­lung ansteht – und wie Sie in sieben Schritten zum richtigen Zahn­ersatz kommen.
  • Spartipps. Wir sagen, wie Sie mithilfe von Bonus­heft, Zweitmeinungs­modell und speziellen Krankenkassen-Deals Geld sparen können und erklären, unter welchen Voraus­setzungen Sie von der Härtefall­regelung profitieren können.
  • Finanztest-Bericht. Zusätzlich erhalten Sie nach dem Frei­schalten den jüngsten Bericht zum Thema aus der Zeit­schrift Finanztest.

Den Heil- und Kostenplan kennen und verstehen

Kosten für Zahn­ersatz - So zahlen Sie beim Zahn­arzt nicht drauf
Plan prüfen. Vor der Unter­schrift auf dem Heil- und Kostenplan kann es ratsam sein, Alternativen abzu­klopfen und weitere Angebote einzuholen. © LOX FOTO / Ralf-Henning Lox

Pflicht bei Zahn­ersatz. Ein Heil- und Kostenplan ist bei gesetzlich Kranken­versicherten vorgeschrieben, wenn Zahn­ersatz her muss. Der Zahn­arzt trägt in das Dokument den Behand­lungs­plan ein und auch die voraus­sicht­lichen Kosten.

Gründlich prüfen. Es lohnt sich, den Heil- und Kostenplan gründlich zu prüfen, um ihn mit dem Zahn­arzt auf Augen­höhe besprechen zu können. Wir erklären, wie Versicherte die Kosten im Griff haben – ohne eine Billigbe­hand­lung zu bekommen. Wer außerdem seinen Eigen­anteil senken möchte, kann sich eine passende Zahnzusatzversicherung aus unserem Test aussuchen.

Wissen ist bares Geld. Wer informiert ist, kann sparen. Ein Beispiel: Der Zahn­arzt eines Teilnehmers einer test.de-Umfrage wollte diesem eine voll­keramische Brücke für 2 300 Euro einsetzen. „Ich musste ihn belehren, dass ich Kassenpatient ohne Zusatz­versicherung bin und die Kassen­leistung wünsche.“ Am Ende hat die gewünschte Zahn­ersatz­behand­lung nur halb so viel gekostet.

Zur Aufklärung verpflichtet

Kosten für Zahn­ersatz - So zahlen Sie beim Zahn­arzt nicht drauf
Abschi­cken. Der Patient schickt den unter­schriebenen Heil- und Kostenplan zur Krankenkasse. © Fotolia / ghazii

Mit ihrer Unter­schrift bestätigen Versicherte, dass sie mit der Behand­lung einverstanden sind und über die voraus­sicht­lichen Kosten vom Zahn­arzt aufgeklärt wurden. So die Theorie. Viele unter­schreiben aber einfach, ohne genau zu wissen, was auf sie zukommt. Auch Teilnehmende unserer Umfrage hatten Verständ­nisprobleme. Ein Nutzer ging davon aus, dass er für eine Zahn­ersatz­behand­lung mit Implantat und Krone nur 700 Euro zuzahlen muss – am Ende waren es aber mit 1 500 Euro mehr als doppelt so viel.

Wichtig: Keiner sollte sich vorschnell zu einer Unter­schrift oder gar einem Behand­lungs­beginn vom Zahn­arzt über­reden lassen. Patienten sollten sich vielmehr erklären lassen, warum bei ihnen die geplante Versorgung aus medizi­nischer Sicht notwendig ist und welche Alternativen es gibt.

Kosten für Zahn­ersatz - So zahlen Sie beim Zahn­arzt nicht drauf
Drei Wochen Zeit. Die Kasse prüft Behand­lung und Kosten und setzt den entsprechenden Fest­zuschuss fest. © Fotolia

Zweite Meinung vom Experten

Macht der Zahn­arzt nicht mit, haben Versicherte die Möglich­keit, bei einem anderen Zahn­arzt eine zweite Meinung einzuholen. Erst wenn man sich ganz sicher ist, sollte man den Heil- und Kostenplan unter­schreiben. Hat die Kasse ihn schließ­lich genehmigt, kann die Behand­lung losgehen – aber auch erst dann. Wer vorher anfängt, muss damit rechnen, dass die Krankenkasse ihren Anteil nicht zahlt. Eile ist meist nicht nötig. Nach Genehmigung durch die Kasse haben Versicherte sechs Monate Zeit, um auf dem Zahn­arzt­stuhl Platz zu nehmen und die Behand­lung abzu­schließen. Oft sind auch Verlängerungen möglich.

Tatsäch­liche Kosten können vom Plan abweichen

Nach erfolg­reicher Behand­lung erhalten Patienten die endgültige Rechnung. Da die Beträge im Heil- und Kostenplan Schätz­werte sind, kommt es immer wieder zu Abweichungen, wenn der Zahn­arzt die tatsäch­lichen Kosten präsentiert. Das kann verunsichern, wenn Patienten nicht nach­voll­ziehen können, woher die Steigerungen kommen. Erfreulich: In unserer Umfrage gab es bei mehr als 80 Prozent der Teilnehmer keine größeren Abweichungen zwischen geschätzten und abge­rechneten Zahn­arzt­kosten.

Seit Oktober 2020 mehr Geld von der Kasse

Gesetzlich Versicherte erhalten seit 1. Oktober 2020 höhere Zuschüsse für Kronen, Brücken und anderen Zahn­ersatz. Versicherte, die sich die jähr­lichen Zahn­arzt­besuche im Bonus­heft eintragen lassen, erhielten auch in der Vergangenheit schon höhere Zuschüsse zu den Kosten der Regel­versorgung. Die Regel­versorgung ist je nach Befund eine medizi­nisch angemessene Behand­lung ohne besondere Extras. Die Krankenkasse zahlt jetzt

  • ohne Bonus 60 Prozent
  • ab fünf Stempeln im Bonus­heft 70 Prozent,
  • ab zehn Stempeln 75 Prozent der Regel­versorgung.

Für Versicherte aller Bonus­stufen bedeutete das gegen­über der alten Regelung zum Beispiel 100 Euro mehr, wenn sie einen Zahn­ersatz für 1 000 Euro bekommen. In der höchsten Bonus­stufe über­nimmt die Kasse dann 750 Euro.

Zusatz­versicherung oft sinn­voll

Die Teilnehmer zahlten im Schnitt für Zahn­ersatz in den vergangenen fünf Jahren 1 740 Euro aus der eigenen Tasche dazu. Mehr als die Hälfte bezahlte die Summe aus laufenden Einkünften. Knapp ein Drittel hatte finanzielle Reserven, um die Zahn­arzt­rechnung zu begleichen. Fast genauso viele Lese­rinnen und Leser hatten eine Zahn­zusatz­versicherung, die für einen Teil der Rechnung einsprang. Der Zusatz­schutz kann sich lohnen. Die besten Angebote finden Sie im Artikel Zahnzusatzversicherungen im Vergleich.

Ratgeber der Stiftung Warentest

Kosten für Zahn­ersatz - So zahlen Sie beim Zahn­arzt nicht drauf

Wo erhalte ich eine güns­tige Zahnbe­hand­lung? Lohnt sich eine Zahn­zusatz­versicherung? Was kostet das alles? Unser Buch Gesunde Zähne ein Leben lang (19,90 Euro/E-Book: 14,99 Euro) schafft Klarheit! Auf 176 Seiten stellen wir alle gängigen Zahnbe­hand­lungen vor, informieren über Zahn­zusatz­versicherungen und zeigen, welche Kosten auf Sie zukommen, wenn Sie eine bestimmte Leistung in Anspruch nehmen. Check­listen helfen Ihnen zu klären, wann eine Zahnbe­hand­lung nötig ist und wann nicht.

26

Mehr zum Thema

  • Zahn­zusatz­versicherung im Vergleich Die besten Tarife für schöne Zähne

    - Zahn­ersatz ist teuer, eine gute Versicherung gegen die Zusatz­kosten nicht, wie unser Vergleich Zahn­zusatz­versicherung zeigt. Jetzt mit individuellem Tarif­rechner.

  • Gesund­heits­unter­suchung Check-Up Regel­mäßig zum Arzt

    - Gesetzlich Kranken­versicherte ab 35 Jahren haben Anspruch auf eine regel­mäßige Gesund­heits­unter­suchung, oft auch Check-Up genannt. test.de erklärt die Regelung.

  • Ärzt­licher Eingriff Ihr Anspruch auf eine zweite Meinung

    - Kassenpatienten haben immer Anspruch auf eine zweite Arzt­meinung. Ein spezielles Zweitmeinungs­verfahren gibt es nur bei bestimmten Eingriffen, etwa am Kniegelenk.

26 Kommentare Diskutieren Sie mit

Nur registrierte Nutzer können Kommentare verfassen. Bitte melden Sie sich an. Individuelle Fragen richten Sie bitte an den Leserservice.

Nutzer­kommentare können sich auf einen früheren Stand oder einen älteren Test beziehen.

Profilbild Stiftung_Warentest am 06.12.2021 um 12:51 Uhr
Kostenbeispiel für Zahnersatz

@QuaPso: Welche Kosten für ein Implantat im konkreten Fall anfallen, hängt von vielen Faktoren ab, nicht nur vom Schweregrad der Behandlung. Für den gleichen Befund bezahlen Sie nachdem, von welchem Zahnarzt Sie sich behandeln lassen, ganz unterschiedliche Preise. deswegen macht es immer Sinn, sich eine Zweitmeinung einzuholen, wenn man Kosten sparen möchte.

Für unsere Untersuchung zu den Tarifen der Zahnzusatzversicherungen haben wir einen Modellfall entwickelt. Wir sind bei diesem für die Implantatversorgung von einem Rechnungsbetrag von 4213 Euro ausgegangen.
Dieser Betrag setzt sich so zusammen:
• 1358 Euro für einen Knochenaufbau (ausschließlich Zahnarzthonorar),
• 884 Euro für implantologische Leistungen,
• 917 Euro für Materialkosten und
• 1054 Euro für den Zahnersatz auf dem Implantat, die sogenannte Suprakonstruktion (davon sind wiederum die Hälfte Material- und Laborkosten). Das Zahnarzthonorar wurde zu 50 Prozent mit dem 3,5-fachen GOZ-Gebührensatz berechnet, zu 50 Prozent mit dem 2,3-fachen GOZ-Satz.

Der Modellfall stellt zwar nicht dar, was auf einen konkret an Kosten zukommt, aber er erleichtert die Auswahl einer Zahnzusatzversicherung, da wir davon ausgehen, dass unser Modellfall repräsentativ für eine Vielzahl von Fällen ist.

QuaPso am 22.11.2021 um 16:58 Uhr
Kosten für Zahnersatz

Ich nahm an, dass ich dem obigen Artikel entnehmen kann, wieviel ein "normales" Implantat kosten kann/darf; mit "normal" meine ich eins ohne besondere Schwierigkeiten. Dann, was - grob geschätzt - für einen Knochenaufbau dazu treten kann/darf, hier auch wieder ausgehend vom Normalfall. Klar, dass Komplikationen oder Besonderheiten immer die Kosten steigern können. Die "Normalkosten", quasi Grundkosten, kann ich aber dem Artikel nicht entnehmen. Schade.

Profilbild Stiftung_Warentest am 13.09.2021 um 10:00 Uhr
Material bei Zahnersatz wieder verwenden

@zachewlf: Ihr Frage können wir leider nicht beantworten, weil wir kein medizinisches Wissen zum Thema Zahntechnik und Zahnmedizin haben. Möglicherweise kann Ihnen Ihre Krankenkasse hier weiter helfen.

zachewlf am 12.09.2021 um 14:09 Uhr
Material bei Zahnersatz wieder verwenden

Bei mir muss eine Brücke von 2004 ersetzt werden, und es entstehen wieder Material- und Laborkosten in Höhe von ca. 500 €. Lt. Zahnarzt darf das Material von der alten Brücke nicht gleich wieder verwendet werden. Warum ist das nicht möglich?

Profilbild Stiftung_Warentest am 17.08.2021 um 16:45 Uhr
Eigenanteil

@1948: Die Höhe des geschätzten Anteils (an den geschätzten Kosten) entnehmen Sie dem Heil- und Kostenplan, den Sie von der Zahnpraxis erhalten. Im Heil- und Kostenplan errechnen Sie Ihren Eigenanteil, indem Sie von den genannten Gesamtkosten den Festzuschuss der Krankenkasse abziehen.