Bei den Kleinen gehts auch ohne Piekser: Grippe­schutz­impfung per Nasen­spray.

Oktober und November sind die besten Monate für den jähr­lichen Piks gegen die Grippeviren. Die Krankenkassen erstatten in vielen Fällen die Kosten – inzwischen kommt ein Vierfach­impf­stoff stan­dard­mäßig zum Einsatz. Für schwere Allergiker gibt es jetzt auch einen Wirk­stoff ohne Hühnerweiß. test.de erklärt die Hintergründe – und wieso sich vor allem Schwangere, chro­nisch Kranke, Kinder und Menschen in medizi­nischen Berufen gegen Grippe impfen lassen sollten.

Letzte Grippewelle verlief moderater

Während der Grippewelle im Winter 2017/18 sind nach Schät­zungen des Robert-Koch-Instituts (RKI) in Deutsch­land etwa 25 100 Menschen durch Influenza gestorben. Das sei die „höchste Zahl an Todes­fällen in den vergangenen 30 Jahren“. Die Grippewelle im vergangenen Jahr dagegen sei wieder deutlich moderater verlaufen, so das RKI. Zur wichtigstes Schutz­maßnahme gegen Grippe erklärt es die Impfung.

Vierfach-Impf­stoff gegen Grippe ist Stan­dard

Inzwischen ist ein Vierfach-Impf­stoff der Stan­dard. Er enthält Bestand­teile von je zwei Erregern der Grippeviren Influenza A und Influenza B. Der Vierfach-Impf­stoff soll grund­sätzlich einen besseren Schutz bieten als der früher übliche Dreifach-Impf­stoff. In dieser Saison können auch Allergiker einen Impf­stoff erhalten, der nicht auf Hühner­eiweiß basiert. Das sei bei einer schwerwiegenden Allergie gegen­über Hühner­eiweiß besonders relevant, so das RKI. Einen generellen Anspruch auf die Grippe­schutz­impfung haben Versicherte ab 60 Jahren, Menschen mit bestimmten Grund­erkrankungen sowie Schwangere ab dem zweiten Schwanger­schafts­drittel. Viele Krankenkassen bieten ihren Versicherten die Grippeimpfung auch als Extra­leistung an (zum großen Krankenkassenvergleich der Stiftung Warentest).

Oktober und November bester Zeit­punkt für die Grippeimpfung

Grippeviren sind enorm wandlungs­fähig. Daher prüft die Welt­gesund­heits­organisation WHO jedes Jahr, welche Stämme vermutlich in der nächsten Saison zirkulieren, und gibt entsprechende Empfehlungen für die Impf­stoff­herstellung. Die beste Zeit für den Piks sind die Monate Oktober und November – nach der Impfung dauert es noch 10 bis 14 Tage, bis der Impf­schutz voll­ständig aufgebaut ist. Und normaler­weise rollt die Grippewelle erst in den Wintermonaten richtig an.

Hilfe für Ihre individuelle Impf­entscheidung

Viele Menschen stellen sich die Frage: Impfen oder nicht? Gut informiert fällt die Entscheidung leichter. Die offiziellen Empfehlungen stammen von der Stiko und werden einmal jähr­lich im Epidemiologischen Bulletin des Robert-Koch-Instituts (RKI) veröffent­licht. Auch die Stiftung Warentest hat sich mit verschiedenen Impfungen auseinander­gesetzt. In der nach­stehenden Tabelle finden Sie die Empfehlungen von Stiftung Warentest und Stiko zur Grippe­schutz­impfung:

Empfehlung der Stiftung Warentest

Empfehlung der Ständigen Impf­kommis­sion

Begründung zur Empfehlung der Stiftung Warentest

Empfehlung der Stiftung Warentest

Empfehlung der Ständigen Impf­kommis­sion

Begründung zur Empfehlung der Stiftung Warentest

Nach Alters­gruppen

Kinder und Jugend­liche

Die Impfung möglichst vieler Kinder und Jugend­licher ist sinn­voll.
(siehe Begründung rechts).

Keine generelle Impf­empfehlung.

Wir empfehlen die Grippeimpfung vor allem für Kinder und Jugend­liche. ­Aufgrund ihrer ausgeprägten Immun­antwort sind sie dadurch besonders gut geschützt. Zudem verbreiten sie die ­Viren über ihre zahlreichen, engen ­Sozial­kontakte sehr stark. Ihre Impfung schützt auch Ungeimpfte und Risiko­gruppen.
Für Kinder von 2 bis 17 Jahren ist die Grippeimpfung mit einem Nasen­spray zugelassen.

Erwachsene

Keine generelle Impf­empfehlung. Besprechen Sie die individuelle Inan­spruch­nahme der Grippeimpfung mit Ihrem Arzt.

Keine generelle Impf­empfehlung.

Ältere ab 60 Jahre

Die generelle Grippeimpfung aller ­gesunden Erwachsenen über 60 Jahre ist als bevölkerungs­weite Impf­strategie wenig sinn­voll. Gegen­wärtig kann jedoch die Impfung für den Einzelnen ­unter Umständen von Nutzen sein. ­Besprechen Sie die individuelle Inan­spruch­nahme mit Ihrem Arzt (siehe Begründung rechts).

Jähr­liche Stan­dard­impfung aller Personen ab 60 Jahren.

Das Immun­system wird mit zunehmendem Alter und auftretenden Begleit­erkrankungen schwächer und reagiert immer schlechter auf die Impfung – diese bietet also keinen zuver­lässigen Schutz. Effektiv und zielführend erscheint uns daher die Impfung möglichst vieler Kinder und Jugend­licher (siehe oben).

Nach Risiko­gruppen

Schwangere

Allen Schwangeren wird die Impfung ab dem zweiten Schwanger­schafts­drittel empfohlen, bei erhöhter gesundheitlicher Gefähr­dung infolge eines Grund­leidens schon ab dem ersten Drittel.

Allen Schwangeren wird die Impfung ab dem zweiten Schwanger­schafts­drittel empfohlen, bei erhöhter gesundheitlicher Gefähr­dung infolge eines Grund­leidens schon ab dem ersten Drittel.

Immun­schwache und chro­nisch Kranke (z. B. Asth­matiker, Herz-, Leber- und Nierenkranke, Diabetiker)

Die jähr­liche Impfung wird Personen aller Alters­gruppen mit einem Grund­leiden empfohlen.

Die jähr­liche Impfung wird Personen aller Alters­gruppen mit einem Grund­leiden empfohlen.

Personen mit erhöhter Gefähr­dung / Impfung in Betrieben

Wer einen medizi­nischen Beruf ausübt oder in einem Alten- und Pfle­geheim wohnt, sollte sich impfen lassen, um sich und andere zu schützen. Auch inner­betriebliche Impf­programme sind hilf­reich, wenn eine hohe Durch­impfung erreicht werden kann. Wo viele Menschen zusammen­kommen, verbreiten sich Viren leicht.

Medizi­nischem Personal und Bewohnern von Alten- und Pfle­geheimen wird die Impfung empfohlen. Das gilt auch bei sons­tiger erhöhter Gefähr­dung, sich und andere anzu­stecken, etwa wenn jemand berufs­bedingt viele soziale Kontakte hat.

Impfung von Kindern und Jugend­lichen wäre hilf­reich

Möglichst viele Kinder und Jugend­liche gegen Grippe zu impfen, erscheint nach Einschät­zung der Stiftung Warentest sinn­voll. Diese Strategie wird auch in anderen Fach­kreisen diskutiert und in einigen Ländern bereits umge­setzt. Kinder würden von der Grippe­schutz­impfung direkt profitieren, insbesondere Klein­kinder – bei ihnen kann die Infektion einen schweren Verlauf nehmen. Die Impfung bietet Kindern und Jugend­lichen einen hohen Schutz vor Grippe, denn ihre Immun­antwort ist besonders ausgeprägt. Außerdem spielt die junge Alters­gruppe bei der Ausbreitung einer Grippewelle eine große Rolle – sie verbreiten die Viren wegen ihrer vielen sozialen Kontakte in Kinder­garten, Klassen­zimmer und Familie besonders stark. Die Impfung der Kinder würde also eine Vielzahl an Infektionen verhindern und so auch ältere Menschen und andere Risiko­gruppen schützen. Das bestätigen verschiedene Studien.

Impfung per Nasen­spray für Kinder ab zwei Jahren möglich

Wenn also gerade junge Menschen geimpft werden, könnte in der Bevölkerung lang­fristig ein effektiver Schutz gegen Grippe aufgebaut werden. Dazu müssten allerdings mindestens 90 Prozent der Kinder und Jugend­lichen jedes Jahr eine Grippe­schutz­impfung bekommen. Eine einfachere und bequemere Impf­methode könnte helfen, die Bereitschaft zu erhöhen: seit 2012 ist für Kinder von 2 bis 17 Jahren die Grippeimpfung mit einem Nasen­spray zugelassen. Es enthält vier abge­schwächte, lebende Viren­stämme, die ähnlich wie bei Spritz­impf­stoffen auf die aktuelle Saison angepasst sind. Beide Varianten – ob Spray oder Spritze – können gleichermaßen verwendet werden. Für Erwachsene ist das Nasen­spray nicht zugelassen. Sie müssen sich in jedem Fall piksen lassen.

Tipp: Eltern sollten mit dem Kinder­arzt besprechen, ob ihr Kind beispiels­weise bei einer Spritzenphobie mit einem Spray geimpft werden kann oder ob die Spritze besser ist.

Hygiene verringert Grippe-Anste­ckungs­risiko

Eine Grippe äußert sich mit erkältungs­artigen, aber vergleichs­weise heftigen Symptomen, beginnt plötzlich und dauert meist zwei bis drei Wochen. Wer vermutet, dass es ihn erwischt hat, sollte sicher­heits­halber zum Arzt. Sich anzu­stecken, geht schnell. Die Viren werden meist durch Händeschütteln, häufig auch durch ungeschütztes Niesen und Husten verbreitet. Durch einfache Hygiene­regeln lässt sich das Anste­ckungs­risiko deutlich verringern:

  • Häufiges Hände­waschen. Waschen Sie die Hände immer, wenn Sie von draußen kommen, sowie vor dem Essen und dem Zubereiten von Speisen und nach dem Toilettengang – mit Seife, bei fließendem Wasser, 20 bis 30 Sekunden lang, auch zwischen den Fingern.
  • Richtiges Husten und Niesen. Die Regel „Hand vor den Mund“ ist über­holt. Denn die Viren bleiben an der Hand haften und über­tragen sich so schnell auf Gegen­stände und Mitmenschen. Besser ist es, in den Ärmel beziehungs­weise die Armbeuge oder in ein Einmal-Taschentuch zu niesen oder zu husten.
  • Regel­mäßiges Lüften. In geschlossenen Räumen kann die Zahl der Viren stark ansteigen. Dagegen hilft regel­mäßiges Lüften.

Weitere Hygienetipps finden Sie unter wir-gegen-viren.de, einer gemein­samen Aktion des Robert-Koch-Instituts (RKI) und der Bundes­zentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA).

Dieser Artikel erschien erst­mals am 30. Oktober 2013 auf test.de. Er wurde seitdem mehr­fach aktualisiert, zuletzt am 16. Oktober 2019.

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