Grippeimpfung Warum sie jetzt besonders wichtig ist

Grippeimpfung - Warum sie jetzt besonders wichtig ist
Impfung gegen Grippe. Sie kann zu Corona-Zeiten zusätzlichen Schutz bieten. © Shutterstock / LookerStudio

Wer sich gegen Grippe impfen lassen sollte und was der hoch dosierte Impf­stoff taugt, den über 60-Jährige bekommen können. Die Stiftung Warentest klärt auf.

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Was für die Grippeimpfung spricht

Drei Gründe für die Grippe­schutz­impfung

Der zweite Corona-Winter kommt – und auch in der Saison 2021/22 ist ein Impf­schutz gegen Grippe vor allem für Risiko­gruppen (siehe Tabelle unten) wichtig.

  1. Die Grund­immunität ist gesunken. Im vergangenen Winter gab es aufgrund des langen Lock­downs kaum Gripp­einfektionen; dadurch ist die Grund­immunität in der Bevölkerung gesunken. Das spricht für die Grippe­schutz­impfung.
  2. Es droht doppelte Gefahr. Es besteht sogar die Möglich­keit, sich mit Grippe- und Corona-Erregern im selben Zeitraum zu infizieren. Die Gruppen, die eher einen schweren Krank­heits­verlauf zu befürchten haben, sind bei Influenza und Covid-19 sehr ähnlich.
  3. Die Impfung schützt nicht nur die einzelne Person. Hohe Influenza-Impf­quoten nützen aber nicht nur persönlich, sondern schonen auch Klinik­kapazitäten. Denn sie helfen, Engpässe bei Intensivbetten und Beatmungs­plätzen zu vermeiden.
Tipp:
Laut der Ständigen Impf­kommis­sion Stiko ist es möglich, sich beim selben Termin gegen Grippe und Covid-19 impfen zu lassen. Das gilt explizit auch für Risiko­gruppen und ist praktisch, falls demnächst eine Auffrischungs­impfung gegen Corona anstehen sollte.

Die Grippeimpf­saison ist ange­laufen

Neue Empfehlung der Stiko für Ältere

Die alljähr­liche Grippe-Impf­saison ist ange­laufen, mit einer Neuerung. Für über 60-Jährige empfiehlt die Ständige Impf­kommis­sion (Stiko) nun hoch dosierte Grippeimpf­stoffe.

Erhältlich ist bisher das Mittel Efluelda. Wie andere Grippevakzinen enthält es vier Impf-Antigene, aber in vierfacher Menge. Das soll das Immun­system stärker anregen, da es in höherem Alter oft schwächer auf Impfungen reagiert.

Die Hoch­dosis-Impf­stoffe schützen gering­fügig besser

Nützt die Neuerung? Unsere Impf­expertinnen und -experten haben die Studien zum Thema gesichtet. Demnach schützen hoch dosierte Impf­stoffe besser vor Grippe als die bisherigen – aber gering­fügig. Statistisch sieht es so aus: Es müssten 200 Menschen mit den hoch statt den nied­rig dosierten Mitteln geimpft werden, damit eine Person weniger an Grippe erkrankt als mit den nied­rig dosierten.

Ob und wie gut Grippe­komplikationen wie etwa Klinik­einweisungen aufgrund von Lungen­entzündung verhindert werden, ist noch nicht abschließend geklärt. An den bisherigen Unter­suchungen nahmen über 65-Jährige teil. Zum Nutzen der Hoch­dosis­impf­stoffe für Personen zwischen 60 und 65 Jahren liegen also noch keine Daten vor.

Mit etwas mehr Neben­wirkungen rechnen

Die Hoch­dosis-Impf­stoffe lösen im Vergleich zu den bisherigen Vakzinen offensicht­lich etwas häufiger Neben­wirkungen aus. Dazu zählen örtliche Reaktionen wie Schmerzen, Rötungen, Schwel­lungen an der Einstich­stelle sowie andere typische Impf­reaktionen wie Fieber, Müdig­keit, Muskel- und Gelenk­schmerzen. Solche Beschwerden klingen in der Regel inner­halb weniger Tage ab.

Bezüglich schwerer Neben­wirkungen gibt es zwischen den hoch und den nied­rig dosierten Impf­stoffen laut den bisherigen Daten keinen Unterschied. Insgesamt sind ernste Komplikationen bei der Grippeimpfung höchst selten.

Hoch­dosiert – ja oder nein?

Zusammenfassend meinen unsere Impf-Experten: Die hoch­dosierten Impf­stoffe können zum Einsatz kommen – aber auch die bisherigen helfen, Gripp­einfektionen zu verhindern. In dieser Saison ist die Impfung ohnehin mit beiden Varianten möglich. Das soll Problemen durch Liefer­engpässe von Efluelda vorbeugen.

Tipp: Sollte also beim Impf­termin kein Efluelda, sondern ein nied­rig dosierter Impf­stoff zur Verfügung stehen, ist auch dieser eine gute Wahl.

Grippeimpfung für viele empfohlen

Ältere Menschen. Sie gegen die Grippe zu impfen, kann insbesondere zu Corona-Zeiten nützen – etwa um Doppel­infektionen mit Covid-19 und Grippe zu verhindern.

Schwangere, chro­nisch Kranke, Menschen mit erhöhtem Infektions­risiko. Auch weitere Gruppen wie chro­nisch Kranke, Schwangere oder Menschen mit erhöhtem Infektions­risiko profitieren laut unseren Experten von der Grippeimpfung. Insofern ähneln sich die Einschät­zungen der Stiftung Warentest und der Stiko.

Kinder und Jugend­liche. Anders als die Stiko raten wir aber, auch möglichst viele Kinder und Jugend­liche gegen Grippe zu impfen. Sie können die Infektion sonst wegen ihrer zahlreichen Sozial­kontakte stark verbreiten.

In der Tabelle weiter unten stehen unsere Einschät­zungen und die der Stiko im Über­blick.

Unsere Tests und Infos zu Corona

In einem eigenen Artikel beant­worten wie häufig gestellte Fragen zur Corona-Impfung. Zudem haben wir in den vergangenen Monaten verschiedene weitere Schutz­möglich­keiten vergleichend untersucht. Mehr Informationen dazu finden Sie in unseren Testbe­richten zu FFP2-Masken, CO2-Messgeräten und -Ampeln und Luftreinigern sowie in unserem FAQ zu Desinfektionsmitteln.

Tabelle: Für Ihre Impf­entscheidung

Diese Tabelle dient als Hilfe für Ihre individuelle Entscheidung: Sie finden darin die Empfehlungen der Ständigen Impf­kommis­sion (Stiko) und der Stiftung Warentest zur Grippe­schutz­impfung im Vergleich. Die offiziellen Empfehlungen der Stiko werden einmal jähr­lich im Epidemiologischen Bulletin des Robert-Koch-Instituts veröffent­licht. Auch eine Impf-Expertengruppe der Stiftung Warentest setzt sich regel­mäßig mit Impfungen auseinander.

Empfehlung der Ständigen Impf­kommis­sion

Empfehlung der Stiftung Warentest

Begründung zur Empfehlung der Stiftung Warentest

Nach Alters­gruppen

Kinder und Jugend­liche

Keine generelle Impf­empfehlung.

Die Impfung möglichst vieler Kinder und Jugend­licher ist sinn­voll.

Wir empfehlen die Grippeimpfung auch für Kinder und Jugend­liche. Aufgrund ihrer ausgeprägten Immun­antwort sind sie dadurch besonders gut geschützt. Zudem verbreiten sie die Viren über ihre zahlreichen, engen Sozial­kontakte sehr stark. Ihre Impfung schützt auch Ungeimpfte und Risiko­gruppen.
Zur Anwendung bei Kindern ab 2 Jahren ist auch ein Nasen­spray als Grippeimpfung zugelassen.

Erwachsene unter 60 Jahre

Keine generelle Impf­empfehlung.

Keine generelle Impf­empfehlung. Besprechen Sie die individuelle Inan­spruch­nahme der Grippeimpfung mit Ihrem Arzt.

Ältere ab 60 Jahre

Jähr­liche Impfung aller Personen ab 60 Jahren.

Die alleinige Grippeimpfung aller über 60-Jährigen ist als bevölkerungs­weite Impf­strategie wenig sinn­voll. Zusätzlich sollten auch Kinder und Jugend­liche geimpft werden (siehe rechts).

Für den einzelnen älteren Menschen kann die Grippeimpfung unter Umständen von Nutzen sein. So kann sie zu Corona-Zeiten dazu beitragen, gleich­zeitige Covid-19– und Grippe­erkrankungen zu vermeiden. Besprechen Sie die individuelle Inan­spruch­nahme mit Ihrem Arzt.

Das Immun­system wird mit zunehmendem Alter und auftretenden Begleit­erkrankungen schwächer und reagiert immer schlechter auf die Impfung – diese bietet also keinen zuver­lässigen Schutz. Auf Bevölkerungs­ebene – und zum verbesserten Schutz der älteren Generation – erscheint uns eine zusätzliche Impfung möglichst vieler Kinder und Jugend­licher effektiver und zielführend (siehe oben).

Nach Risiko­gruppen

Schwangere

Allen Schwangeren wird die Impfung ab dem zweiten Schwanger­schafts­drittel empfohlen, bei erhöhter gesundheitlicher Gefähr­dung infolge eines Grund­leidens schon ab dem ersten Drittel.

Allen Schwangeren wird die Impfung ab dem zweiten Schwanger­schafts­drittel empfohlen, bei erhöhter gesundheitlicher Gefähr­dung infolge eines Grund­leidens schon ab dem ersten Drittel.

Immun­schwache und chro­nisch Kranke (z. B. Personen mit chro­nischen Atemwegs­erkrankungen wie COPD, Diabetes, Herz-Kreis­lauf-Erkrankungen)

Die jähr­liche Impfung wird Personen aller Alters­gruppen mit einem Grund­leiden empfohlen.

Die jähr­liche Impfung wird Personen aller Alters­gruppen mit einem Grund­leiden empfohlen. Dies gilt laut neuen Studien­daten besonders für Menschen nach einem Herz­infarkt. Bei ihnen kann die Impfung die Sterberate senken. Für die Saison 21/22 ist vor allem in dieser Gruppe eine besonders hohe Impf­quote erstrebens­wert.

Personen mit erhöhter Gefähr­dung / Impfung in Betrieben

Medizi­nischem Personal und Bewohnern von Alten- und Pfle­geheimen wird die Impfung empfohlen. Das gilt auch bei sons­tiger erhöhter Gefähr­dung, sich und andere anzu­stecken, etwa wenn jemand berufs­bedingt viele soziale Kontakte hat.

Wer einen medizi­nischen Beruf ausübt oder in einem Alten- und Pfle­geheim wohnt, sollte sich impfen lassen, um sich und andere zu schützen. Auch inner­betriebliche Impf­programme sind hilf­reich, wenn eine hohe Durch­impfung erreicht werden kann. Wo viele Menschen zusammen­kommen, verbreiten sich Viren leicht.

Impf­zeit, Impf­stoff und Infos für Kinder

Grippeimpfung - Warum sie jetzt besonders wichtig ist
Piks. Üblicher­weise wird die Grippeimpfung gespritzt. Für Kinder und Jugend­liche gibt es sie aber auch als Nasen­spray. © Alamy Stock Photo / Pixel-shot

Oktober bis Mitte Dezember beste Zeit für Grippeimpfung

Grippeviren sind enorm wandlungs­fähig. Daher prüft die Welt­gesund­heits­organisation WHO jedes Jahr, welche Stämme vermutlich in der nächsten Saison zirkulieren, und gibt entsprechende Empfehlungen für die Impf­stoff­herstellung.

Die beste Zeit für die Impfung ist der Zeitraum Oktober bis Mitte Dezember. Nach dem Piks dauert es noch 10 bis 14 Tage, bis der Impf­schutz voll­ständig aufgebaut ist. Und normaler­weise rollt die Grippewelle erst in den Monaten ab Januar richtig an.

Vierfach-Impf­stoff gegen Grippe ist Stan­dard

Inzwischen ist ein Vierfach-Impf­stoff der Stan­dard. Er enthält Bestand­teile von je zwei Erregern der Grippeviren Influenza A und Influenza B und deckt damit eine Virus­variante mehr ab als die früher üblichen Dreifach-Impf­stoffe.

Allergiker können einen Impf­stoff erhalten, der nicht auf Hühner­eiweiß basiert.

Einen generellen Anspruch auf die Grippe­schutz­impfung haben Versicherte ab 60 Jahren, Menschen mit bestimmten Grund­erkrankungen oder einem etwa berufs­bedingt erhöhtem Anste­ckungs­risiko sowie Schwangere.

Tipp: Viele Krankenkassen bieten ihren Versicherten die Grippeimpfung auch als Extra­leistung an. Details dazu finden Sie in unserem großen Krankenkassenvergleich der Stiftung Warentest.

Grippeimpfung von Kindern und Jugend­lichen wäre hilf­reich

Möglichst viele Kinder und Jugend­liche gegen Grippe zu impfen, erscheint nach Einschät­zung der Stiftung Warentest als sinn­voll. Diese Strategie wird auch in anderen Fach­kreisen diskutiert und in einigen Ländern bereits umge­setzt. Kinder würden von der Grippe­schutz­impfung direkt profitieren, insbesondere Klein­kinder – bei ihnen kann die Infektion einen schweren Verlauf nehmen. Die Impfung bietet Kindern und Jugend­lichen einen hohen Schutz vor Grippe, denn ihre Immun­antwort ist besonders ausgeprägt.

Außerdem spielt die junge Alters­gruppe bei der Ausbreitung einer Grippewelle eine große Rolle – sie verbreitet die Viren wegen ihrer vielen sozialen Kontakte in Kinder­garten, Klassen­zimmer und Familie besonders stark. Die Impfung der Kinder würde also eine Vielzahl an Infektionen verhindern und so auch ältere Menschen und andere Risiko­gruppen schützen. Das bestätigen verschiedene Studien.

Tipp: Informationen zu weiteren Impfungen im Kindes­alter finden Sie in unserem Special Impfungen für Kinder.

Impfung per Nasen­spray für Kinder ab zwei Jahren möglich

Wenn also gerade junge Menschen geimpft werden, könnte in der Bevölkerung lang­fristig ein effektiver Schutz gegen Grippe aufgebaut werden. Dazu müssten allerdings mindestens 90 Prozent der Kinder und Jugend­lichen jedes Jahr eine Grippe­schutz­impfung bekommen.

Eine einfachere und bequemere Impf­methode könnte helfen, die Bereitschaft zu erhöhen. Seit 2012 ist für Kinder von 2 bis 17 Jahren die Grippeimpfung mit einem Nasen­spray zugelassen. Es enthält vier abge­schwächte, lebende Viren­stämme, die ähnlich wie bei Spritz­impf­stoffen auf die aktuelle Saison angepasst sind.

Beide Varianten – ob Spray oder Spritze – können gleichermaßen verwendet werden. Für Erwachsene ist das Nasen­spray nicht zugelassen. Sie müssen sich in jedem Fall piksen lassen.

Tipp: Eltern sollten mit der Kinder­ärztin oder dem Kinder­arzt besprechen, ob ihr Nach­wuchs beispiels­weise bei einer Spritzenphobie mit einem Spray geimpft werden kann oder ob die Spritze doch besser ist.

Medikamente bei Grippe

Erst zum Arzt gehen

Bei Verdacht auf Grippe sollten Patienten unbe­dingt zu Arzt oder Ärztin gehen, um Komplikationen ausschließen zu können und eine Krank­schreibung zu bekommen. Das schützt andere vor Anste­ckung und hilft den Betroffenen, sich zu schonen und zu erholen.

Bei einer Grippe treten Krank­heits­symptome wie Schnupfen, Hals­entzündung, Fieber und Husten auf, die auch für Erkältungen typisch sind. Bei der Behand­lung helfen die gleichen Tipps und Medikamente.

Geeignete Helfer gegen Husten, Schnupfen, Halsweh, Fieber

Arznei­mittel.
In unserer Medikamenten-Daten­bank erfahren Sie, welche Nasensprays, Halsschmerztabletten, Hustenmittel und Schmerzmittel die Arznei­mittel­experten der Stiftung Warentest für sinn­voll halten.
Informationen.
Mehr über die Gemein­samkeiten und Unterschiede zwischen Grippe und Erkältung steht im Special Die besten Helfer gegen Husten, Schnupfen, Fieber.
Fieber­thermo­meter.
Laut unserem jüngsten Test zu Fieberthermometern sind gute Geräte schon ab 6 Euro zu haben.

Was das rezept­pflichtige Grippe­mittel Tamiflu taugt

Wirk­stoff blockiert Enzyme. In Deutsch­land wird teil­weise auch das rezept­pflichtige Medikament Tamiflu gegen Grippe verschrieben. Die Arznei­mittel­experten der Stiftung Warentest haben seinen Wirk­stoff Oseltamivir bewertet. Er kann verhindern, dass sich Grippeviren vermehren, indem dafür notwendige Enzyme im Körper blockiert werden.

Hilft nicht gegen Erkältungs­viren. Das gelingt nur bei einer Grippe, die durch die Virus­stämme Influenza A und Influenza B verursacht wird. Gegen Erkältungs­viren, die grippale Infekte auslösen, bleibt Oseltamivir wirkungs­los. Damit das Grippe­mittel über­haupt eine spür­bare Wirkung entfalten kann, muss es spätestens inner­halb von 36 bis 48 Stunden nach Beginn der ersten Symptome einge­nommen werden.

Verkürzt nur die Krank­heits­dauer. Aber selbst wenn Oseltamivir früh genug angewendet wird, kann es die Krankheit nicht komplett verhindern oder unterdrücken, sondern lediglich die Beschwerden abmildern und um durch­schnitt­lich einen Tag verkürzen.

Tipp: Vertiefte Informationen stehen in der Medikamenten-Daten­bank der Stiftung Warentest unter Oseltamivir.

Antibiotika helfen nicht gegen Grippeviren

Einige Menschen glauben, dass Antibiotika gegen Grippe helfen könnten. Aber das stimmt so nicht. Antibiotika wirken gegen Bakterien und nicht gegen Viren, die eine Grippe auslösen. Die Mittel wirken nur, wenn sich zusätzlich zur Virus­infektion noch Bakterien in den Atemwegen ausgebreitet haben.

Tipp: Lesen Sie mehr dazu in unserem Special 7 Mythen über Antibiotika.

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