Schät­zungen zufolge sterben in Deutsch­land 5 000 Menschen pro Jahr an einer Pneumokokken-Infektion. Säuglinge und Klein­kinder sind besonders gefährdet, da ihr Immun­system noch nicht ausgereift ist. Auch wer älter ist oder ein chro­nisches Leiden hat, kann eher durch die Bakterien erkranken. Eine Impfung schützt dagegen. Die Gesund­heits­experten der Stiftung Warentest sagen, was dabei zu beachten ist.

Pneumokokken können gefähr­lich werden

Pneumokokken Test

Pneumokokken sind bei vielen Menschen im Mund-Nasen-Rachenraum zu finden – meist ohne eine Krankheit zu verursachen. Kann das Immun­system die Bakterien aber nicht in Schach halten und breiten sie sich aus, können sie etwa Lungen-, Mittel­ohr- oder Hirnhaut­entzündung auslösen. Eine bundes­weite Melde­pflicht für Pneumokokken-Infektionen gibt es nicht. 97 verschiedene Erregertypen werden unterschieden. Nicht alle sind gefähr­lich.

Die Kasse zahlt die Impfung

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Für alle, denen die Ständige Impf­kommis­sion die Pneumokokken-Impfung empfiehlt, tragen die Krankenkassen die Kosten: für Kinder bis zwei Jahre und Erwachsene über 60 sowie Immun­schwache und Menschen mit bestimmten chro­nischen Krankheiten. Die Experten der Stiftung Warentest bewerten die Impfung der Kinder gegen Pneumokokken als sinn­voll, die der Älteren und Risikopatienten als wahr­scheinlich sinn­voll; aus ihrer Sicht sollte der Nutzen noch besser belegt werden.

Der Impf­stoff ist entscheidend

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Es gibt zwei Impf­stoff­typen: Poly­saccharid – ein Impf­stoff aus den Zuckern der Bakterienhülle – und Konjugat – bei ihm sind die Poly­saccharide noch an ein Eiweiß­molekül gebunden. Poly­saccharid-Impf­stoffe wirken bei Kindern bis zwei Jahre und Immun­schwachen nicht ausreichend. Für die Kleinen sind deshalb zwei Konjugat-Impf­stoffe zugelassen: Prevenar, der vor 13 Erregertypen schützt, und Synflorix, der nur 10 Typen abdeckt. Wir empfehlen Prevenar. Über-60-Jährige sollten mit Pneumovax geimpft werden. Das ist ein Poly­saccharid-Impf­stoff, der neben den 13 Erregertypen aus Prevenar zusätzlich vor 10 weiteren und somit breiter schützt. Weil die meisten Kleinen gegen Pneumokokken geimpft werden, besteht ein deutlicher „Herden­schutz“ für die 13 Erregertypen, das heißt: Hohe Impf­raten bei Kindern schützen auch Ältere. Damit sie besser auf die Impfung ansprechen, empfehlen wir Risikopatienten die Impfung mit beiden Stoffen (siehe „Empfohlener Impf­plan“ in der Tabelle).

Für wen Impfen gegen Pneumokokken sinn­voll ist

Die Tabelle zeigt unsere Einschät­zung zur Impfung von Personen­gruppen, die durch eine Infektion mit Pneumokokken besonders gefährdet sind. Gesunde Menschen zwischen 2 und 59 Jahre brauchen die Impfung nicht.

Für Kinder unter 2 Jahren

Für alle 60 plus 1

Für Risikopatienten, etwa Immun­geschwächte

Empfohlener Impf­stoff

Prevenar 13 2

Pneumovax 23 3

Prevenar 13 und Pneumovax 23

Empfohlener Impf­plan

Drei Impf­stoff­dosen: je eine im Alter von 2, 4 und 11 bis 14 Monaten

Eine einzige Impf­stoff­dosis

Eine Impf­dosis Prevenar und nach sechs bis zwölf Monaten eine Dosis Pneumovax

Immunität

Auffrischungs­impfung wahr­scheinlich unnötig

Wieder­holungs­impfung nach sechs Jahren wahr­scheinlich sinn­voll

Wieder­holungs­impfung mit Pneumovax nach sechs Jahren wahr­scheinlich sinn­voll

Die Einschät­zung der Stiftung Warentest

Die Impfung ist sinn­voll. Sie kann nach­weislich schwerwiegende Erkrankungen durch eine Pneumokokken-Infektion verhindern.

Die Impfung ist wahr­scheinlich sinn­voll. Sie kann zwar schwerwiegende Erkrankungen durch die Erreger verhindern, es ist jedoch nicht ausreichend belegt, dass durch die Impfung auch die Zahl der Lungen­entzündungen sinkt.

Die Impfung ist wahr­scheinlich sinn­voll. Der Nutzen für Risikopatienten, etwa Immun­geschwächte oder chro­nisch Kranke mit Stoff­wechsel­erkrankungen, sollte noch besser belegt werden. Doch diese Gruppe hat ein besonders hohes Gesund­heits­risiko – das spricht für die Impfung.

    • 1 Die Studien­daten lassen nicht zu, die Alters­grenze eindeutig fest­zulegen. Ältere könnten sich auch erst ab 65 Jahren impfen lassen.
    • 2 Für Kinder gibt es alternativ den Impf­stoff Synflorix. Wir empfehlen ihn nicht, da er weniger Erregertypen abdeckt als Prevenar.
    • 3 Für gesunde Erwachsene gibt es auch den Impf­stoff Prevenar. Wir empfehlen ihn nicht, da Infektionen bei Älteren durch die in Prevenar enthaltenen Erregertypen weniger häufig vorkommen. Pneumovax deckt die Erregertypen, an denen diese Alters­gruppe erkrankt, besser ab (siehe „Der Impf­stoff ist entscheidend“).

    Die Spritze ist meist gut verträglich

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    Komplikationen durch die Impfung sind sehr selten. Es kann zu Neben­wirkungen kommen, die aber meist inner­halb weniger Tage vorbei sind: Oft rötet sich die Einstich­stelle, schwillt an oder schmerzt. Auch allgemeine Krank­heits­zeichen wie Fieber und Kopf­schmerzen können auftreten. Kinder sind nach der Impfung mitunter schläf­rig, reiz­bar, weinen mehr.

    Wann ein guter Zeit­punkt für den Pikser ist

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    Pneumokokken-Erkrankungen haben vor allem in den kalten Monaten Saison. Die Bakterien werden durch Tröpf­chen­infektion wie Husten und Niesen über­tragen. Die Pneumokokken-Impfung erfolgt mit Totimpf­stoff, der parallel mit anderen gespritzt werden kann, etwa mit der Grippeimpfung – aber nicht in denselben Arm oder Oberschenkel. Kinder bis zwei Jahre werden dreimal in bestimmten Lebens­monaten gegen Pneumokokken geimpft. Auch das ist zeitgleich mit einem anderen Pikser wie der Sechs­fach­impfung möglich.

    So sind wir vorgegangen

    Methodik. Ein Experten­kreis hat in unserem Auftrag die aktuelle Studien­lage zu den Pneumokokken-Impfungen und verfügbaren Impf­stoffen ausgewertet. Die Experten orientierten sich an den Kriterien der evidenzbasierten Medizin und brachten auch ihre klinische Erfahrung ein. Sie bewerteten das Nutzen-Risiko-Verhältnis für den Einzelnen, aber auch, wie sich die Krankheit inner­halb der Gesell­schaft entwickelt, wenn größere Bevölkerungs­gruppen geimpft werden.

    Experten. Prof. Gerd Glaeske, Leiter der Abteilung Gesundheit, Pflege und Alters­sicherung an der Universität Bremen und des Forschungs­instituts für Arznei­mittel­versorgung Pharmafacts; Dr. Judith Günther, Pharmafacts; Prof. Winfried V. Kern, Leiter der Infektiologie am Universitäts­klinikum Freiburg; Prof. Michael M. Kochen, 1989 bis 2011 Direktor der Allgemeinmedizin an der Universität Göttingen und Lehr­beauftragter an der Universität Freiburg.

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