Gas sparen So machen Sie sich unabhängiger

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Gas sparen - So machen Sie sich unabhängiger
Gasheizung. Ihr Verbrauch lässt sich durch Solar­thermie und Dämmung enorm senken. © Stiftung Warentest / René Reichelt

Wer ein Haus mit Gasheizung hat, muss sich dem Gaspreis nicht ausliefern. Solar­thermie und Dämmung können die Abhängig­keit verringern. Wie stark, haben wir berechnet.

Inhalt
  1. Gasverbrauch senken: So machen Sie sich unabhängiger
  2. So haben wir gerechnet
  3. Artikel als PDF (3 Seiten)

Heizen mit Erdgas ist teuer und unbe­liebt

Erdgas wärmt fast die Hälfte aller Wohnungen und Häuser in Deutsch­land. Doch der stark gestiegene Preis und die Abhängig­keit von Russ­land machen den fossilen Brenn­stoff unbe­liebt wie nie. Eine neue Heizung, etwa eine Wärmepumpe, ist teuer und aufwendig zu installieren. Zudem haben viele erst kürzlich ihre Gasheizung modernisieren lassen.

Der Verbrauch lässt sich stark senken

Unsere Berechnungen zeigen: Durch Wärmedämmung und eine große Solar­anlage lässt sich der Verbrauch so stark senken, dass Heizungs­besitzern die Gaspreis­entwick­lung fast egal sein kann.

Wir haben für ein Ende der 1970er-Jahre gebautes, mit Gasbrenn­wert­kessel beheiztes Ausgangs­haus verschiedene Szenarien verglichen und berechnet, wie viel Heiz­energie Dämmung und Solar­thermie einsparen. Dabei haben wir aktuelle Baukosten, Fördergelder und verschieden hohe Gaspreise berück­sichtigt.

Unser Rat

Der Gasverbrauch – und damit die Heiz­kosten – lässt sich bei dem älteren Beispielhaus durch solide Wärmedämmung (KfW40-Stan­dard) und große Solar­anlage (50 Quadrat­meter) um fast 90 Prozent senken. Die Investition ist aber recht hoch. Bei einem stark steigenden Gaspreis rentiert sie sich nach etwa 25 Jahren. Güns­tiger ist die große Solar­anlage ohne extra Dämmung. Sie drosselt den Gasverbrauch unseres Beispiel­hauses um zirka 40 Prozent. Im angehängten PDF finden Sie die Tabelle mit den ausführ­lichen Berechnungen.

Rechnen Sie selbst, welche Modernisierung sich lohnt

Sie können die Informationen und Berechnungen auch selbst abrufen, indem Sie die gewünschte Wärmedämmung und Solar­anlage für das Ziel­haus auswählen. Ausgangs­haus ist das Modell unserer Berechnungen.

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Gute Dämmung spart am meisten

Beim Ausgangs­haus mit unsaniertem Dach, schlecht gedämmten Wänden und zugigen Fens­tern lohnt es sich, zuerst in den Wärmeschutz zu investieren. Denn:Wärme, die nicht entweicht, muss die Heizung nicht bereit­stellen.

Unsere Berechnungen zeigen: Eine Dämmung auf KfW-Effizienz­haus-Stufe 40, einem besonders energiesparenden Stan­dard, senkt den Gasverbrauch stärker als eine große Solar­anlage.

Saubere Wärme mit Solar­thermie

Platz für Sonnenkollektoren ist auf vielen Hausdächern, Garagen oder an der Fassade. Wir haben sechs Anlagengrößen miteinander verglichen.

Je größer die Anlage, desto höher ist der Anteil an regenerativer Energie beim Heizen. Das spart Gas und senkt den direkten CO2-Ausstoß des Hauses.

Die Bundes­regierung fordert ab 2025 einen Anteil von 65 Prozent sauberer Energie für neu einzubauende Heizungen. Das schafft unser gut gedämmtes Beispiel­haus mit einer großen Solar­anlage. Sogar mit einem mittel­mäßigen Wärmeschutz liefert die große Anlage 60 Prozent Solar­anteil am Wärmebedarf der vierköpfigen Familie.

Gas sparen - So machen Sie sich unabhängiger
Die Kombi machts. Bei Häusern mit gutem Wärmeschutz und großer Solar­anlage bleiben die Heiz­kosten auch bei stark steigendem Gaspreis nied­rig. © Stiftung Warentest

Hohe Kosten, hohe Fördermittel

Um die Maßnahmen umzu­setzen, zahlen Menschen mit Eigenheim aktuell im Schnitt zwischen 5 100 Euro für die kleine Solar­anlage inklusive Montage und 155 000 Euro für das High-End-Paket mit gutem Wärmeschutz, Lüftungs­anlage, Fußbodenhei­zung und 50 Quadrat­meter Vakuum­röhren auf dem Dach.

Bevor Sanierungs­willige jetzt in Ohnmacht fallen: Der Staat vergibt teil­weise üppige Fördermittel für Investitionen, die den Energieverbrauch senken. Viel spendiert er für Wärmeschutz, aber nur wenn der KfW40-Stan­dard erreicht wird.

Deshalb:Wenn dämmen, dann richtig. So kann unser 155 000-Euro-Modernisierungs­paket mit einem Zuschuss von ungefähr der Hälfte der Kosten rechnen – macht unterm Strich einen Eigen­anteil von etwa 80 000 Euro. Der lässt sich mit einem günstigen Modernisierungskredit finanzieren.

Tipp: Welche Fördermittel für Ihr Haus in Frage kommen, zeigt der Fördermittelcheck von co2online. Infos bietet auch die KfW-Bank.

Teures Gas, schnel­lere Amortisation

Sollte der Gaspreis wieder sinken und sich bei 10 Cent pro Kilowatt­stunde stabilisieren, amortisieren sich alle Maßnahmen erst nach mehr als 50 Jahren.

Anders sieht es aus, wenn der Gaspreis auf 30 Cent steigt – kein unrealistisches Szenario, sollte der fossile Brenn­stoff in den nächsten Jahren knapp bleiben und russisches Gas etwa durch teuren Wasser­stoff und Flüssig­erdgas (LNG) ersetzt werden.

In dem Fall lohnt sich eine kleine Solar­anlage für warmes Wasser bereits nach 10 Jahren, das Top-Effizienzpaket mit guter Dämmung und 50 Quadrat­meter Solar­thermie nach etwa 25 Jahren. Die Umwelt dankt es sofort.

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WB1450 am 06.07.2022 um 00:13 Uhr
@DrJosefineKnecht

nach Ihrem Beitrag haben Sie weder eine Solaranlage noch eine Dämmung, sondern sind erst mit Hilfe einer Energieberaterin an der Planung - ich gehe davon aus, dass Sie mit der Materie keinerlei persönliche Erfahrung haben. Knecht Solartechnik ?

DrJosefineKnecht am 05.07.2022 um 15:04 Uhr
81.000 Theoretiker....

@WB1450: Laut BSW-Faktenblatt Solarthermie wurden in 2021 immerhin ca. 81.000 Solarthermie-Anlagen neu installiert. Alles Theoretiker, so so... Nur schade, dass Sie so gar nichts Konstruktives beitragen. Mit Schlechtreden einzelner Technologien werden wir in Deutschland die Wärmewende nicht schaffen, soviel ist sicher. Mir ist keine Studie bekannt, die wie dieser kleine Artikel so kompakt und verständlich die kombinierte Wirkung von Wärmedämmung und Solarthermie zeigt. Für unser Haus haben wir jetzt eine Energieberaterin gefunden - offenbar mit viel Glück. Ich will hier jedem raten, der Bedarf hat, möglichst schnell zumindest einen Energieberatertermin zu vereinbaren, damit die richtigen Entscheidungen schnell getroffen werden können.

WB1450 am 05.07.2022 um 14:00 Uhr
Es zieht sich durch den Artikel..

von Theoretikern theroetisch betrachtet.

Famino am 05.07.2022 um 12:22 Uhr
@Kommentat SWT vom 05.Jul.2022

Guten Tag,
das ist doch wohl nicht Ihr Ernst:
"... dann wird bei anhaltender Sonneneinstrahlung das Fluid im Kollektor verdampfen ..."?!
Aus einem Liter flüssigen Wassers werden ca. 1600l Wasserdampf. Wo soll dieses Volumen bleiben, wenn die Flüssigkeit im Kollektor tatächlich verdampfen würde.
Es gibt tatsächlich Anlagen, bei denen genau dieser Effekt genutzt wird, um die Kollektoren bei Überhitzung praktisch wasserfrei zu drücken, die müssen aber sehr speziellen Anforderungen genügen, um die Wärmeträgerflüssigkeit wirklich komplett schon nach dem Verdampfen sehr kleiner Mengen des "Wassers" aus den Kollektoren zu drücken.
Stagnation hingegen heißt, dass die Flüssigkeit im Kollektorkreis steht und im Kollektor dann die Stagnationstemperatur erreicht, die, je nach örtlicher Situation120 bis 150°C erreichen und zu entsprechenden Volumensteigerungen im System führen, die durch angemessen dimensionierte MAG aufgefangen werden müssen. Zudem leidet das Frostschutzmittel (cracken).

Profilbild Stiftung_Warentest am 05.07.2022 um 08:26 Uhr
Sommerliche Wärmeüberschüsse

@gkoh2013: Das Thema der sommerlichen Wärmeüberschüsse ist bekannt und wird beherrscht. Bevor der Speicher zu kochen anfängt - wie Sie befürchten - muss der Kollektorkreislauf abgeschaltet werden. Dann wird bei anhaltender Sonneneinstrahlung das Fluid im Kollektor verdampfen. Diesen Betriebszustand nennt man Stagnation. Die Kollektoren sind für diesen Betriebszustand ausgelegt und werden u. a. auch unter diesen Bedingungen geprüft. Der Druck im Kollektorkreislauf sollte möglichst gering gehalten werden (sprechen Sie mit Ihrem Installateur; z.B. im Bereich des Kollektors nur 0,5 bis 1 bar). Es gibt auch Vakuumröhrenkollektoren, bei denen im Kollektorkreislauf keine Temperaturen über 85 °C oder 120 °C (je nach Produkt) auftreten. Bei entsprechenden Drücken kann auch bei 120 °C eine Verdampfung verhindert werden. Dieser Mechanismus könnte je nach Anbieter unterschiedlich bezeichnet sein.