Wärmedämmung - Fakten, Kosten, Wirkung

Wärmedämmung. Ihr Image ist angekratzt: bringt nichts, verschandelt Häuser, ist schädlich. Was ist dran an der Kritik?

Wer ein älteres Haus besitzt und in Wärmedämmung investieren will, braucht Fakten. Wir liefern sie und vergleichen Dämm­wirkung, Kosten und Schall­schutz verschiedener Materialien.

Bei welchen Häusern lohnt sich Dämmen?

Sinn­voll ist eine Wärmedämmung bei unsanierten Häusern, die vor 1980 gebaut wurden. Bei Gebäuden ab Mitte der 1990er-Jahre rentiert sich eine Wärmedämmung finanziell oft nicht. Faust­regel: Über­steigt der Energieverbrauch des Hauses 150 Kilowatt­stunden pro Quadrat­meter und Jahr, lohnt sich die energetische Sanierung auf jeden Fall.

Wie lässt sich der Energieverbrauch ermitteln?

Wer in einem Haus mit Gasanschluss wohnt, kann in die letzte Abrechnung sehen: vom Gesamt­verbrauch etwa 20 Prozent fürs warme Wasser abziehen, diesen Wert durch die Wohn­fläche teilen und schon hat man den ungefähren Jahres­verbrauch in Kilowatt­stunden pro Quadrat­meter.

Gebäude-Check für 30 Euro

Alle anderen können ihren Verbrauch zum Beispiel von den Energieberate­rinnen und -beratern der Verbraucherzentralen berechnen lassen. Der Gebäude-Check zu Hause kostet nur 30 Euro.

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Rechnet sich Dämmen oder eine neue Heizung mehr?

Dämmen lohnt sich mehr. Das zeigen Berechnungen der Stiftung Warentest für ein Ende der 1970er-Jahre gebautes Beispiel­haus. Wir verglichen, was güns­tiger ist – eine alte Gasheizung gegen eine moderne Gas-, Pellet- oder Luft-Wärmepumpenhei­zung auszutauschen oder in eine gute Wärmedämmung zu investieren.

Langer Amortisations­zeitraum, sofortiger Nutzen

Die laufenden Kosten sind beim gedämmten Haus am nied­rigsten. Sein Energieverbrauch ist deutlich geringer, als wenn nur ein neuer Gas-Brenn­wert­kessel einge­baut würde. Beim Beispiel­haus amortisiert sich die Investition nach etwa 40 Jahren. Sie lohnt sich aber mehr­fach: Wert und Wohn­komfort des Hauses steigen sofort. Und bei einem kletternden CO2-Preis rechnet sie sich wohl auch früher.

Für Haus­besitzende, die die alte Öl- oder Gasheizung austauschen möchten, hat die Stiftung Warentest drei Varianten verglichen: Wärmepumpe, Holzpelletkessel und eine moderne Gasheizung in Kombination mit Solarenergie.

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Wie lässt sich die Fassade dämmen und was kostet das?

Drei Verfahren sind bei der Außendämmung möglich:

  1. Typisch ist ein Wärmedämm­verbunds­ystem (WDVS) mit Platten, die auf die Außenwand geklebt oder gedübelt und dann verputzt werden. Häufig kommt Poly­styrol zum Einsatz – bekannt unter dem Marken­namen Styropor. Es ist günstig und leicht zu verarbeiten. Nach­wachsende Rohstoffe wie Holz­faser sind deutlich teurer. Eigenheim­besitzer müssen beim WDVS mit 100 bis 140 Euro pro Quadrat­meter rechnen.
  2. Eine Kerndämmung ist für etwa 20 Euro pro Quadrat­meter mach­bar. Sie kommt bei zweischaligem Mauer­werk zum Einsatz, das typisch für Häuser in Nord-, West- und Ostdeutsch­land ist. Die Fassade besteht aus zwei Mauern mit einer Hohl­schicht. Die Lücke schützt vor Nässe, bringt wärmetech­nisch aber nichts. Ein Fach­betrieb kann sie mit Einblas-Dämm­stoff füllen. Vorteil: Die Fassade bleibt erhalten.
  3. Eine Vorhang­fassade bietet sich an, wenn Besitzer ihrem Heim einen neuen Look verpassen möchten. Sie besteht aus einer Unter­konstruktion, die den Dämm­stoff trägt und mit Holz oder Platten verkleidet wird. Die Gesamt­kosten liegen laut dem Institut Wohnen und Umwelt bei 75 bis 300 Euro pro Quadrat­meter. Der Staat fördert alle drei Verfahren.
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Bringen auch kleinere Maßnahmen etwas?

Ja, ist das Dach nicht ausgebaut, können geübte Heim­werker die oberste Geschoss­decke etwa mit Glaswoll­matten dämmen. Das Material kostet um die 9 Euro pro Quadrat­meter, spart beim durch­schnitt­lichen Einfamilien­haus jähr­lich etwa 100 Euro Heiz­kosten und amortisiert sich nach weniger als zehn Jahren. Auch Roll­laden­kästen, Heizkör­pernischen und die Kellerdecke lassen sich recht günstig und mit spür­barem Effekt in Eigen­leistung dämmen.

Tipp: Auch das Thema Heizung ist wichtig beim Energiesparen. Wie Sie Ihre Heizung richtig einstellen, erklären wir in unserem Special Heizanlage einstellen. Smarte Thermostate zeigt unser Test von Heizkörperthermostaten.

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Welche Fehler werden häufig gemacht?

  • Die Dämmung ist zu dünn. Einmal angebracht, lässt sie sich nur schwer und kosten­aufwendig verbessern. Deshalb das Material gleich so dick wie möglich einsetzen.
  • Unbe­heizte Räume dämmen. Es ist nicht sinn­voll, den ungenutzten Spitzboden zu dämmen. Besser: die oberste Geschoss­decke. Ihre Grund­fläche ist kleiner und lässt sich kostengüns­tiger und weniger aufwendig energetisch sanieren.
  • Hohlräume über­sehen. Beim zweischaligen Mauer­werk oder im Bunga­lowdach etwa sollten Hohlräume mit Dämm­material gefüllt werden. Sonst ist eine von außen angebrachte Dämmung praktisch wirkungs­los – durch die zirkulierende kalte Luft entsteht ein ähnlicher Effekt wie bei einer geöff­neten Winterjacke, in die Wind hinein­pustet.

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Erhöht Dämmen die Schimmelgefahr?

Nein, eine fachgerecht ausgeführte Außendämmung vermeidet Schimmel sogar: Die Temperatur der Innenwände erhöht sich und feuchte Raum­luft kondensiert nicht so schnell – anders als bei kalten Wänden. Bei einer falsch ausgeführten Innendämmung können Schimmel­probleme allerdings schnell auftauchen. Sie gehört deshalb unbe­dingt in die Hände von Fachleuten.

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Dämm­stoffe im Vergleich – welche isolieren gut?

Bei den Dämm­stoffen kommt es vor allem auf das Einsatz­gebiet an. So sind für Kellerwände wasser­feste, gut dämmende Materialien wie XPS-Platten oder Schaumglasplatten nötig. Für Dach und oberste Geschoss­decke eignet sich etwa Zellulose. Das Material aus Altpapier punktet mit einer hohen Dämm­wirkung, ist günstig und sehr umwelt­freundlich. Einen Über­blick über 15 verschiedenen Dämm­stoffe, ihren Einsatz­bereich, die Dämm­wirkung, Kosten und Schall­schutz bietet die Stiftung Warentest im kostenlosen PDF zu diesem Artikel.

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Wie nach­haltig sind Dämm­stoffe?

Dämm­stoffe herzu­stellen erfordert Energie. Allerdings wird der Energie­aufwand bei den meisten in weniger als einem Jahr durch die Einsparung beim Heizen ausgeglichen. Die energetische Amortisations­zeit steht in der Tabelle im PDF zu diesem Artikel.

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Sind Dämm­stoffe Sondermüll?

Kein aktuell zugelassener Dämm­stoff muss als Sondermüll entsorgt werden. Mineralische Produkte landen als Bauschutt auf der Deponie, die meisten anderen werden zur Stromgewinnung verbrannt.

Aufpassen bei alten Glasfasermatten

Vorsicht gilt bei Glasfasermatten, die vor 2000 einge­baut wurden. Sie können krebs­erzeugende Fasern enthalten und dürfen nur von Fach­betrieben ausgebaut werden. Bleiben sie einge­baut, geht von ihnen keine Gesund­heits­gefahr aus – Kontakt zur Raum­luft haben Dämm­stoffe nicht.

Ratgeber der Stiftung Warentest

Wärmedämmung - Fakten, Kosten, Wirkung

Ausführ­liche Informationen, wie sich der Wärmeschutz am Haus verbessern lässt, bietet unser Buch Richtig dämmen. Soll ich das Dach, den Dachboden, Innenwände oder die Fassade dämmen? Verwende ich Styropor, Hanf, Steinwolle oder Holz­wolle als Dämm­material? Wie viel Wärmedämmung lohnt sich? Und was kostet es, das Haus dämmen und verputzen zu lassen? Der Ratgeber der Stiftung Warentest gibt Ihnen alle Tipps, die Sie brauchen. 129 Seiten kosten 29,90 Euro (E-Book: 24,99 Euro).

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Wärmedämmung und Isolierung – Geld vom Staat

Eigentümer, die ihr Haus selbst bewohnen und es dämmen möchten, können zwischen einem Steuerbonus vom Finanz­amt und Fördermitteln in Form von zins­vergüns­tigten Krediten oder Zuschüssen wählen. In allen Fällen muss ein Fach­betrieb die Sanierung ausführen.

Fördermittel

Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle erteilt Zuschüsse von bis zu 48 000 Euro für eine energetische Komplett­sanierung. Kredite vergibt die KfW über Haus­banken (Günstiger mit oder ohne KfW-Kredit?). Grund­sätzlich gilt: Je besser die Energiebilanz des Hauses nach der Sanierung, desto üppiger ist die Förderung. Sie muss beantragt werden, bevor die Bauarbeiten losgehen (Förderung für Haus und Heizung).

Steuerbonus

Er ist vor allem für einzelne Maßnahmen wie Fenster austauschen oder Dach dämmen eine gute Variante mit geringem bürokratischem Aufwand, den Fiskus zu beteiligen.

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