Medikamente im Test

Pflanzliches Mittel: Johanniskraut

Wirkungsweise

Johanniskraut soll – insbesondere für die Eigenbehandlung – bei nervöser Unruhe, Schlafstörungen und depressiven Stimmungszuständen seine Wirkung entfalten.

Tee aus getrocknetem Johanniskraut (Hypericum perforatum) wurde früher getrunken, um allgemein ausgleichend zu wirken. In den 1990er-Jahren hat die Kommission des ehemaligen Bundesgesundheitsamts, die das Erkenntnismaterial über Pflanzen ausgewertet hat, zugestimmt, dass Johanniskraut zur Behandlung von nervöser Unruhe und Schlafstörungen unterstützend eingesetzt werden kann.

Nervosität und Unruhe

Allerdings fehlen für die therapeutische Wirksamkeit bei Unruhe und Schlafstörungen ausreichende Belege. Aufgrund der fehlenden Nachweise für eine Wirksamkeit von Johanniskrauttee wird dieser als "wenig geeignet" für die unterstützende Behandlung von Nervosität und Unruhe bewertet.

Schlafstörungen

Allerdings gibt es hierfür keine glaubwürdigen Belege. Aufgrund der fehlenden Nachweise für eine therapeutische Wirksamkeit von Johanniskrauttee wird dieser als "wenig geeignet" für die unterstützende Behandlung von Schlafstörungen bewertet.

Depressionen

Neben dem Tee werden auch noch Präparate mit Johanniskrautextrakt angeboten. Diese werden bei leichten, aber auch – allerdings nur nach Verordnung durch einen Arzt – bei mittelschweren depressiven Verstimmungszuständen angeboten. Bis heute ist nicht sicher geklärt, auf welchen Inhaltsstoffen die Wirkung von Johanniskraut beruht. Es spricht einiges dafür, dass es sich unter anderem um Hyperforin handeln kann. Die isolierte Substanz Hyperforin hindert ebenso wie Johanniskrautextrakt als Ganzes verschiedene Botenstoffe daran, in die Verbindungsstellen der Nervenzellen aufgenommen zu werden. Ein Mangel dieser Botenstoffe an jenen Stellen wird mit den Symptomen einer Depression in Zusammenhang gebracht. Auch die Wirkung der chemischen Antidepressiva setzt dort an. Allerdings zeigen auch hyperforinfreie Johanniskrautextrakte antidepressive Wirkungen. Es dürften also noch weitere Verbindungen an der Wirkung von Johanniskrautextrakt beteiligt sein.

Studien, in denen die Teilnehmer im Tagesverlauf etwa 900 Milligramm eines speziellen Johanniskrautextrakts (Jarsin 300) einnahmen, haben gezeigt, dass diese Zubereitung bei nicht zu schwer ausgeprägten, vorübergehenden depressiven Störungen ähnlich effektiv wirkt wie ein chemisches Antidepressivum. Auch Untersuchungen mit anderen Johanniskrautprodukten konnten diese Ergebnisse bestätigen.

Zur Behandlung von langfristig behandlungsbedürftigen Depressionen wird Johanniskraut als "mit Einschränkung geeignet" bewertet, weil noch nicht klar ist, welchen Stellenwert dieses Pflanzenmittel bei einer Langzeittherapie einnimmt. Darüber hinaus müssen seine Vor- und Nachteile im Vergleich mit anderen Antidepressiva und seine teilweise gefährlichen Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten kritisch berücksichtigt werden. Da die vorliegenden Studien eine antidepressive Wirkung von Johanniskrautextrakt aber zumindest wahrscheinlich machen, wird sein Einsatz bei der Eigenbehandlung einer vorübergehenden leichten depressiven Verstimmung mit "geeignet" bewertet. Dies gilt auch, wenn ein Arzt Johanniskrautextrakt in ausreichender Dosierung bei einer mittelschweren depressiven Phase verordnet – vorausgesetzt, es besteht nicht die Gefahr einer Selbsttötung.

Anwendung

Nervosität und Unruhe und Schlafstörungen

Um die Behandlung von Nervosität und Unruhe sowie von Schlafstörungen mit einem Tee zu unterstützen, werden im Tagesverlauf etwa zwei bis vier Gramm Johanniskraut für erforderlich gehalten.

Depressionen

Um mit dem Extrakt von Johanniskraut einer depressiven Störung zu begegnen, sollten täglich etwa 900 Milligramm eingenommen werden – verteilt auf zwei Portionen immer zur selben Tageszeit. Nur bei einer sehr leichten Verstimmung oder um die mit einer höheren Dosis erreichte Verbesserung zu erhalten, kann eine Dosierung von 300 bis 600 Milligramm Extrakt genügen.

Ob Johanniskrautextrakt die Depression bessert, lässt sich frühestens nach zwei Wochen beurteilen. Ist das Befinden nach vier bis sechs Wochen noch unverändert oder hat es sich sogar verschlechtert, ist eine andere Behandlung zu erwägen.

Achtung

Solange Sie Johanniskraut als Extrakt einnehmen, sollten Sie sich keiner intensiven UV-Bestrahlung aussetzen – weder der des natürlichen Lichts noch der eines Solariums. Diese Empfehlung gilt sicherheitshalber auch, wenn Sie Johanniskraut über längere Zeit als Tee einsetzen.

Gegenanzeigen

Depressionen

Unter folgenden Bedingungen dürfen Sie Johanniskrautextrakt nicht anwenden:

  • Sie leiden an einer schweren depressiven Störung.
  • Sie nehmen Antidepressiva ein. Johanniskrautextrakt kann die Wirksamkeit einiger dieser Medikamente abschwächen, bei anderen verstärken.
  • Sie sind besonders empfindlich gegenüber UV-Licht.
  • Sie leben mit einem transplantierten Organ und müssen bestimmte Medikamente einnehmen, um eine Abstoßungsreaktion zu unterdrücken.
  • Sie sind mit HIV infiziert oder haben Aids und behandeln das mit Anti-HIV-Mitteln.
  • Sie leiden an einer Krebserkrankung und werden mit speziellen Krebsmedikamenten behandelt.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Depressionen

Wenn Sie noch andere Medikamente nehmen, ist zu beachten, dass folgende Arzneimittel durch Johanniskrautextrakt schneller abgebaut werden und infolgedessen schwächer wirken: Theophyllin (bei Asthma), trizyklische Antidepressiva wie Amitriptylin (bei Depressionen), Midazolam (bei Schlafstörungen), Omeprazol aus der Gruppe der Protonenpumpenhemmer (bei Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren) sowie alle hormonellen Kontrazeptiva.

Johanniskrautextrakt kann auch die Wirkung von Phenprocoumon und Warfarin (bei erhöhter Thrombosegefahr) schwächen. Dann besteht verstärkt die Gefahr, dass sich Blutgerinnsel bilden. Wenn sich eine gemeinsame Anwendung von Johanniskraut mit diesen Mitteln nicht vermeiden lässt, muss der Arzt die Gerinnungszeit des Blutes, insbesondere zu Beginn der Behandlung, häufiger kontrollieren und gegebenenfalls die Dosierung der blutverdünnenden Mittel anpassen.

Drei Tage lang sollten Sie kein Johanniskrautpräparat eingenommen haben, wenn Sie danach mit einem SSRI, Duloxetin oder Venlafaxin (alle bei Depressionen) behandelt werden sollen.

Unbedingt beachten

Depressionen

Auch die Wirksamkeit der nachfolgend aufgeführten Medikamente kann sich durch Johanniskrautextrakt verringern. Wird diese Wechselwirkung nicht hinreichend berücksichtigt, kann das die Behandlung der zumeist schweren Erkrankungen beeinträchtigen. Andererseits kann es auch zu Problemen kommen, wenn das Johanniskraut abgesetzt wird und die Mittel dann unerwartet stark wirken. Zu Beginn der Einnahme von Johanniskraut und nach seinem Absetzen sollte die Dosierung der nachfolgend genannten Medikamente – wenn nötig – angepasst werden.

  • Digoxin (bei Herzschwäche). Näheres hierzu finden Sie unter Mittel bei Herzschwäche: verringerte Wirkung.
  • Imatinib und Irinotecan (spezielle Arzneimittel bei Krebserkrankungen).
  • HIV-Mittel wie Indinavir und Nevirapin. Näheres hierzu finden Sie unter Antibiotika/Virustatika: verringerte Wirkung.
  • Ciclosporin, Sirolimus und Tacrolimus. Sie unterdrücken z. B. nach Organtransplantationen das Immunsystem. Wird diese Wirkung abgeschwächt, sind akute Abstoßungsreaktionen möglich.
  • Johanniskrautextrakt kann die Konzentration eines Botenstoffs im zentralen Nervensystem erhöhen. Wird Johanniskrautextrakt mit einem Medikament gemeinsam angewendet, welches ebenso wirkt, z. B. Paroxetin oder Sertralin (bei Depressionen), kann sich ein Serotonin-Syndrom entwickeln. Dieses äußert sich durch Erregungszustände, Bewusstseinstrübung, Muskelzittern und -zucken sowie Blutdruckabfall.

Nebenwirkungen

Keine Maßnahmen erforderlich

Depressionen

Etwa 2 von 100 Anwendern bekommen Kopfschmerzen, 1 bis 10 von 1 000 bemerken Appetitlosigkeit, Übelkeit, Bauchschmerzen, Durchfall, Müdigkeit und Unruhe.

Muss beobachtet werden

Depressionen

Bei 1 bis 10 von 1 000 Anwendern kann ein Hautausschlag auftreten. Diesen sollte der Arzt begutachten.

Es können Menstruationsstörungen, z. B. Zwischenblutungen, auftreten. Das betrifft 1 bis 10 von 10 000 Frauen.

Besondere Hinweise

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Depressionen

Über die Anwendung von Johanniskrautextrakt bei Kindern unter zwölf Jahren gibt es keine ausreichenden Erkenntnisse. Sie sollten damit nicht behandelt werden.

Zur Empfängnisverhütung

Depressionen

Durch die Einnahme von Johanniskrautextrakt kann sich die Wirkung der Hormone in der Pille vermindern. Dann kann eine Empfängnis nicht mehr sicher verhütet werden und es ist eine ungewollte Schwangerschaft möglich. Ein Zeichen für die verringerte Hormonwirkung können Zwischenblutungen sein. Wenn Sie auf eine sichere Verhütung Wert legen, sollten Sie bei der Einnahme eines Johanniskrautextraktpräparats Barrieremethoden wie Kondom oder Diaphragma einsetzen. Als nichthormonelle Verhütungsmethode kommt alternativ auch ein kupferhaltiges IUP (Spirale) in Frage.

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Depressionen

Die Daten über die Anwendung von Johanniskrautextrakt in Schwangerschaft und Stillzeit sind noch unzureichend. Dennoch erscheint der Einsatz zumindest ab dem vierten Schwangerschaftsmonat akzeptabel.

Für ältere Menschen

Depressionen

Aufgrund seiner guten Verträglichkeit kann sich Johanniskrautextrakt für ältere Menschen besonders eignen, vorausgesetzt, sie werden nicht mit Medikamenten behandelt, mit denen die genannten Wechselwirkungen zu befürchten sind.

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Anwendungsgebiete dieses Wirkstoffs