Zahn­ersatz Implantologen im Praxis-Test – wenig Info, viele Risiken

Zahnimplantate können sinn­voll sein, um Lücken im Gebiss zu schließen. Allerdings birgt die Behand­lung auch Risiken. Daher beunruhigen die Ergeb­nisse eines Praxis-Tests der Stiftung Warentest. Bei einer Stich­probe in 15 einschlägig qualifizierten Zahn­arzt-Praxen stellte sich heraus: Viele Implantologen unter­suchen und informieren Patienten unzu­reichend, die meisten vorgeschlagenen Behand­lungs­pläne bergen Risiken.

Inhalt

Tester baten Zahn­ärzte um Zweitmeinung

Drei Tester mit komplizierten Dental­problemen suchten jeweils fünf Zahn­ärzte auf, die sich auskennen sollten: Oralchirurgen oder ähnlich Qualifizierte, die laut ihrer Darstellung im Netz eine Komplett­versorgung rund ums Implantat bieten. Bei dem Termin baten die Tester um eine Zweitmeinung. Sie sagten, der erste Zahn­arzt habe Implantate empfohlen, und brachten Röntgen­aufnahmen ihrer Gebisse mit. Alle Ärzte im Test gaben eine Einschät­zung ab. Die meisten erstellten Kosten­vor­anschläge – die ein zahnmedizi­nischer Gutachter für die Stiftung Warentest dann bewertete.

Vielfach schlechte Beratung und Behand­lungs­pläne

Die meisten Behand­lungs­pläne im Test bergen unnötige Risiken. Ein Arzt etwa empfahl Implantate ohne den dringend nötigen Knochen­aufbau. So findet das Implantat keinen Halt. Ein anderer plante eine Konstruktion, die den Kräften, die beim Kauen im Mund entstehen, nicht wirk­lich gewachsen ist. Auch andere wesentliche Punkte kamen in vielen Praxen zu kurz. Fünf Ärzte unterließen wichtige Vorunter­suchungen, etwa auf Parodontitis. Neun informierten lückenhaft über Nachteile von Implantaten. Nur fünf veranschaulichten das Erklärte am Modell. Alternativen umrissen 14 der 15 Ärzte nur grob oder sprachen sie gar nicht an – obwohl das zur umfassenden Patienten­aufklärung gehört.

Zahn­ersatz - Implantologen im Praxis-Test – wenig Info, viele Risiken
© Stiftung Warentest

Implantate gehen ins Geld

Die Behand­lungs­pläne sehen hohe Preise vor – beim dritten Testfall 12 700 bis 15 100 Euro. Private Krankenkassen erstatten Implantat­kosten je nach Tarif. Gesetzliche steuern wenig bei, im konkreten Fall 1 430 Euro. Der Fest­zuschuss richtet sich nach dem Befund und deckt die Hälfte der üblichen Versorgung ab, etwa eine Brücke oder Prothese aus einfachem Material. Implantate dürfen Ärzte meist privat abrechnen; auch erhöhte Labor­kosten sind möglich. Wirt­schaftliche Interessen können bei Empfehlungen eine Rolle spielen.

Das bietet der test-Artikel

test dokumentiert die drei Fall­beispiele, nennt jeweils die Empfehlung des zahnmedizi­nischen Gutachters und schildert demgegen­über die Vorschläge und Behand­lungs­kosten der Implantologen im Test. Außerdem erklären die Gesund­heits-Experten der Stiftung Warentest, wie Patienten die Vor- und Nachteile von Implantaten abwägen und das Risiko minimieren, dass etwas schief­geht. Wir sagen, welche Kosten private und gesetzliche Krankenkassen bei Zahnimplantaten über­nehmen – und wie Patienten ihre entsprechenden finanziellen Belastungen reduzieren können.

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Profilbild Stiftung_Warentest am 06.01.2017 um 11:57 Uhr
Beratung zu Zahnimplantaten

@ronald.liess: Bei unserem in test 10/2015 veröffentlichten Artikel handelt es sich um einen Test der Beratungsqualität von Zahnärzten anhand von drei Fallbeispielen. Die wenigen untersuchten Fälle zeigen bereits, dass es nicht in jeder Praxis gut läuft und geben Hinweise, worauf man als Patient bei der Implantat-Frage achten sollte. Einen Vergleich der verschiedenen Marken haben wir nicht durchgeführt. (PF)

ronald.liess am 24.12.2016 um 00:12 Uhr

Kommentar vom Autor gelöscht.

kurzzeitadresse am 06.11.2015 um 11:40 Uhr
Keine Implantate von Ärzten emphohlen bekommen

@quasi-wutz
Ihr Fall dürfte aber auch ein Sonderfall sein. M.E. nicht nur wegen der Entfernung von gleich 18(!) Zähnen, sondern auch wegen Ihrer Herzerkrankung und den von Ihnen genannten Zahnfleischentzündungen (möglicherweise aufgrund des schlechten Zahnzustandes?).
Eine schnelle grobe Recherche im Internet bei offensichtlich neutralen Quellen ergibt eine Erfolgsaussicht nach 5 Jahren von mindestens 85%; bei durchgeführter Infektionsprophylaxe innerhalb eines Tragezeitraumes von 10 Jahren könnten auch 100% erreicht werden (Quelle: wikipedia).
Die Aussagen Ihrer Behandler
"Zu langwierig, viel zu teuer und auf Dauer nicht optimal. Meist müssen immer wieder mal Implantate ausgetauscht oder vertieft werden (können "rauswachsen")."
kann m.E. offensichtlich nur auf Ihren Sonderfall projeziert werden.

quasi-wutz am 21.10.2015 um 10:36 Uhr
Keine Implantate von Ärzten emphohlen bekommen

Habe Ende 2014 angefangen, eine umfangreiche Zahnsanierung in Köln vorzubereiten. Zahnarzt und Kieferchirurgin/ Implantologin vor Ort, aber auch die Mund-Kiefer-Gesichts-Chirurgen in der Universitätsklinik Bonn haben bei mir ganz klar von Implantaten abgeraten. Zu langwierig, viel zu teuer und auf Dauer nicht optimal. Meist müssen immer wieder mal Implantate ausgetauscht oder vertieft werden (können "rauswachsen"). Bei einem Alter von unter 50, schwerer Herzerkrankung und wiederholten Zahnfleischentzündungen haben diese Ärzte sogar die Versorgung abgelehnt. Habe mir dann in einer sehr umfangreichen und unanenemen OP mit anschl. stationärer Verorgung von 2 Tagen 18 Zähne enfernen lassen. Nun bin ich seit genau einem Monat stolzer Träger einer Vollprothete Unterkiefer und Teilprothese oben. Die Versorgung hat nun nach über 10 Monaten ein erfolgreiches Ende. Bin mit der Lösung sehr (!!) zufrieden, aber Famile, Freunde & Ärzte auch.
Bin froh, über diese Entscheidung und Top-Beratungen :-)

sabinekrause am 19.10.2015 um 12:18 Uhr
Ein lukratives Geschäft

Man kann vermuten, dass gerade aufgrund des lukrativen Verdienstes eher zu schnell zu Zahnimplantaten geraten wurde, auch wenn Risiken bestehen, wie z. B. bei Parodontose. Man sollte sich bei der Wahl einer Praxis sehr viel Zeit nehmen und eigenständig Referenzen prüfen.