Dispozinsen Test

Die Dispozinsen sind teil­weise immer noch absurd hoch. Der kostenlose Vergleich der Stiftung Warentest der Angebote von 1 306 Banken, Sparkassen, Volks- und Raiff­eisen­banken zeigt: Das allgemeine Nied­rigzins­niveau schlägt kaum auf diesen Kredit­bereich durch. Im Schnitt liegt der Dispozins bei 9,72 Prozent und damit nur knapp nied­riger als im vergangenen Jahr (9,78 Prozent). Zwar veröffent­lichen inzwischen fast alle Banken ihren Dispozins im Internet, aber einige machen dabei so unklare Angaben, dass wir sie teil­weise für nicht gesetzes­konform halten.

Alle Zins­konditionen seit 2010

Seit 2010 prüft die Stiftung Warentest regel­mäßig bundes­weit die Höhe der Dispozinsen der Kredit­institute. Seitdem ist der Durch­schnitts­zins zwar gesunken, aber noch nicht genug. 2018 haben die Experten von Finanztest Konditionen für insgesamt 1 306 Banken, Sparkassen, Volks- und Raiff­eisen­banken ermittelt – teil­weise mit mehreren unterschiedlichen Konto­modellen Dispozinsen und Zinsen für die geduldete Überziehung für alle getesteten Banken. In unserer Daten­bank finden Sie jähr­liche Entwick­lung der Zins­konditionen seit 2010.

Giro­konto und Dispozins – das ist unser Rat

Konto über­ziehen. Der Dispokredit zum Giro­konto ist meist der teuerste Kredit der Bank. Sie sollten ihn nur ausnahms­weise und für kurze Zeit in Anspruch nehmen.

Konto wechseln. Wenn Sie für die Konto­führung im Jahr mehr als 60 Euro bezahlen und der Dispozins deutlich über 10 Prozent liegt, sollten Sie einen Konto­wechsel erwägen – voraus­gesetzt, Sie nehmen den Dispo häufig in Anspruch. Details dazu finden Sie unter Bankwechsel leicht gemacht. Achten Sie auf güns­tige Konto­führungs­gebühren und gut erreich­bare Geld­automaten. Beide Angaben finden Sie in unserem Test von Girokonten.

Teures Konto. Für Konten mit besonderem Service versprechen Banken zwar einen nied­rigen Dispozins, dafür zahlen Sie aber hohe Konto­führungs­gebühren. Oft lohnt ein solches Konto­modell nicht, auch wenn Sie den Dispo häufig nutzen. Unser Vergleich von Girokonten verrät Ihnen, welche Banken güns­tige Konditionen bieten.

Raten­kredit. Statt Ihren Dispo auf Dauer zu nutzen, nehmen Sie besser einen Raten­kredit auf. Güns­tige Angebote finden Sie im Vergleich Ratenkredite.

Beur­teilungs­maßstab ist der EZB-Leitzins

Ein wichtiger Anhalts­punkt, um die Höhe des Dispozinses zu beur­teilen, ist der EZB-Leitzins. Das ist der Zins, zu dem sich Banken bei der Europäischen Zentral­bank Geld leihen. Aktuell liegt er bei 0 Prozent. Der Abstand zwischen EZB-Leitzins und Durch­schnitts­dispo lag vor der Finanz­krise Anfang 2008 bei gut 8 Prozent­punkten. Dann stieg er 2010 auf fast 12 Prozent­punkte. Aktuell liegt der Unterschied immer noch bei knapp 10 Prozent­punkten.

In der Spitze über 13 Prozent Dispo

Bei den teuersten Banken ist der Abstand noch größer. Die Volksbank Raiffeisenbank Oberbayern Südost verlangt bei ihren Konten Direkt und Klassik 13,75 Prozent für die Konto­über­ziehung, die Rosbacher Raiffeisenbank 13 Prozent. Insgesamt verlangen 21 Banken 12,5 Prozent und mehr Banken mit hohem Dispozins. Das finden wir über­trieben.

Güns­tige Zins­sätze ab 0 Prozent

Einen Dispozins von 8 Prozent halten wir für noch akzeptabel. Wie der Vergleich zeigt, ist er auch nicht unrealistisch. Flächen­deckend haben die Direkt­banken die güns­tigsten Dispozinsen. Die Deutsche Skat­bank berechnet im Girokonto Flat 0 Prozent, beim Kontomodell Trumpf 4,18 Prozent. Bei einigen Banken mit Online-Konto­führung beträgt der Dispo etwa 6 bis 7 Prozent. Zwar gibt es Filial­banken, dem nahe kommen, aber Kunden sollten prüfen, zu welchem Konto­modell der Zins gehört. Finanztest beob­achtet seit einigen Jahren, dass viele Banken spezielle Premium­konten mit sehr nied­rigen Dispozinsen und Extras wie einer goldenen Kreditkarte oder Versicherungen anbieten. Der Haken: Die Konto­führungs­gebühr ist so hoch, dass selbst Kunden, die den Dispo regel­mäßig nutzen, aufs Jahr gerechnet mehr bezahlen müssen als für ein Stan­dard­konto mit deutlich höherem Dispozins.

Tipp: Die aktuellen Konto­führungs­gebühren finden Sie im Produktfinder Girokonten.

Zins­erhöhung ohne Begründung

Völlig unver­ständlich ist es, wenn Banken im derzeitigen Umfeld den Dispozins deutlich herauf­setzen. Wir hätten gern gewusst, wie sie diese Erhöhungen begründen. Auf den Internet­seiten der betreffenden Institute haben wir keine Angaben zu den Grund­sätzen der Zins­anpassung gefunden. Das gilt auch für die Sparkasse Saarbrücken, die den Dispozins für das Konto Premium Plus von 6,45 auf 7,95 Prozent erhöhte und für die Volks­bank im Harz, die ihn von 9,40 auf 9,70 Prozent steigerte. Auf unsere Nach­frage nach dem Grund für die Erhöhung erhielten wir von beiden bis zum Redak­tions­schluss keine Antwort.

Dabei dürfen Banken nicht will­kürlich an den Dispozinsen herum­schrauben. Seit Juni 2010 ist es Vorschrift, den Dispozins an einen Referenz­wert zu koppeln, wenn eine Zins­änderung ohne Benach­richtigung des Kunden wirk­sam werden soll.

Ein üblicher Referenz­wert ist der 3-Monats-Euribor, der Zins­satz, zu dem sich euro­pä­ische Banken mit sehr guter Kreditwürdig­keit unter­einander Geld leihen. Der 3-Monats-Euribor krebst seit Langem auf nied­rigstem Niveau herum, zurzeit bei minus 0,32 Prozent.

Zwei Banken ignorieren das Gesetz

Bei insgesamt zehn Banken fanden unsere Tester auf den Webseiten über­haupt keine Information zur Höhe des Dispozinses. Nachdem wir alle per E-Mail auf diesen Miss­stand hingewiesen hatten, besserten acht von ihnen kurz­fristig nach und stellten die Zins­sätze auf ihre Internet­seiten.

Nur zwei Anbieter, die Raiff­eisen­bank Vordere Alb und die Volks­bank in der Hohen Mark, reagierten weder auf diese noch auf ­eine Erinnerungs-E-Mail und hatten bis zum Redak­tions­schluss keine Information zur ­Höhe ihrer Dispozinsen im Netz. Das ist ein klarer Rechts­verstoß, denn die Institute sind seit 2016 gesetzlich verpflichtet, den Dispozins zu nennen.

Insgesamt 20 weitere der von uns über­prüften Banken machen unklare Angaben, die wir zum Teil für nicht gesetzes­konform halten: So nennt zum Beispiel die Volks­bank Baden-Baden Rastatt für ihren Dispozins eine bonitäts­abhängige Spanne von 5,90 bis 12,30 Prozent, die Raiff­eisen­bank Aresing-Gerols­bach beziffert ihn mit „3-Monats-Euribor zzgl. 12 Prozent“.

Auch die Bank mit dem zurzeit höchsten Dispozins, die Volks­bank Raiff­eisen­bank Oberbayern Südost, macht es Kunden unnötig schwer. Für drei der vier Konto­modelle müssen sie auf der Webseite an mehreren Stellen nach­schauen und den gesuchten Zins­satz selbst ausrechnen.

Diese unüber­sicht­liche Art der Information mag noch im Rahmen des Erlaubten liegen, verbraucherfreundlich ist sie keinesfalls.

Es gab auch Zins­senkungen

Erfreulicher­weise haben einige Institute seit unserem letzten Test ihre Dispozinsen gesenkt. Bei 31 Banken mit 35 Konto­varianten fiel die Senkung mit mehr als 0,5 Prozent­punkten sogar recht deutlich aus.

So setzte zum Beispiel die Triodos Bank den Dispozins um 1,99 Prozent­punkte herab und veränderte die Zins­anpassungs­klausel zugunsten des Kunden. Die Kreissparkasse Fallingbostel senkte den Dispozins für das Konto „Exklusiv“ um 1,77 Prozent­punkte.

Finanztest erhebt die Dispozinsen deutsch­land­weit einmal pro Jahr. Kommentare, die vor dem 21.08.2018 gepostet wurden, beziehen sich auf eine ältere Version der Unter­suchung.

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