Die zehn gemeinsten Bank­gebühren Special

Ob neue Gebühren für Über­weisungen auf Papier oder fiese Über­ziehungs­regeln fürs Giro­konto: Der Ärger der Bank­kunden wächst. test.de nennt zehn Gebührenfallen, die in den vergangenen Monaten für Ärger und Schlagzeilen gesorgt haben – und sagt, was Sie tun können, damit Banken Sie bei Ihren Geld­geschäften nicht zu sehr auspressen.

1. Die Bank hat bei der Vergabe von Krediten Bearbeitungs­gebühren von Ihnen kassiert

Viele Kredit­institute haben zu Unrecht Bearbeitungs­gebühren von ihren Kredit­kunden kassiert: Der Bundes­gerichts­hof (BGH) erklärte die Gebühren bei Raten­krediten im Mai und Oktober 2014 für rechts­widrig. Die Richter argumentierten, dass es sich nicht um eine Dienst­leistung für die Kunden handle. Es liege vielmehr im Interesse der Bank, die Zahlungs­fähig­keit des Kreditnehmers zu prüfen und den Vertrags­abschluss vorzubereiten.

Was Sie tun können: Die Kredit­institute müssen die Bearbeitungs­gebühren erstatten und auch heraus­geben, was sie mit den Beträgen erwirt­schaftet haben. Das gilt sowohl für Kredite, die schon zurück­gezahlt sind, als auch für Kredite, die noch nicht voll­ständig getilgt wurden. Haben Sie aber schon vor 2012 Bearbeitungs­gebühren gezahlt und bislang nichts unternommen, werden sich die Banken weigern, das Geld zu erstatten, weil die Forderung verjährt sei. Das dürfen sie. Die Erstattungs­forderung verjährt drei Jahre nach Ende des Jahres, in dem die Gebühr bezahlt wurde. Bei Gebühren aus dem Jahr 2011 konnten Sie die Verjährung also nur bis zum 31. Dezember 2014 stoppen. Wollen Sie Gebühren zurück, die Sie 2012 gezahlt haben, müssen Sie bis zum 31. Dezember 2015 recht­liche Schritte einleiten.

Muster­brief. Finanztest stellt einen Musterbrief bereit, der zeigt, wie Sie am besten Gebühren ab dem Jahr 2012 zurück­fordern. Der Brief enthält auch Formulierungs­vorschläge, wie Sie weitere Bearbeitungs­gebühren zurück­fordern, nämlich bei Krediten für freiberufliche oder gewerb­liche Tätig­keiten, bei KfW-Krediten und bei Bauspardarlehen. In diesen Fällen werden die Kredit­geber Erstattungs­forderungen abbügeln. Noch ist nicht höchst­richterlich geklärt, ob auch diese Bearbeitungs­gebühren rechts­widrig sind oder nicht.

Gerichts­urteile. Amts­gerichte haben Bausparkassen bereits verurteilt, Darlehens­gebühren zu erstatten: Am 17. April 2015 war das in Ludwigs­burg bei Wüstenrot (Az. 10 C 133/15) und bei der BSQ Bauspar AG am 19. März 2015 in Nürn­berg (Az. 34 C 8887/14) der Fall. Manchmal ist noch nicht einmal geklärt, ob es sich bei bestimmten Entgelten über­haupt um Bearbeitungs­gebühren handelt, zum Beispiel bei der Targo­bank. Sie verlangt wörtlich „einmalige lauf­zeit­unabhängige Indivi­dualbeiträge“. Das Amts­gericht Düssel­dorf hat die Bank mehr­fach zur Erstattung verurteilt (zum Beispiel Az. 54 C 11313/ 14). Das Land­gericht Düssel­dorf hat im Mai 2015 in einem Fall darauf hingewiesen, dass es eine solche Verurteilung bestätigen und die Berufung zurück­weisen will. Es kann aber noch dauern, bis es BGH-Entscheidungen zu allen strittigen Fragen gibt. Wenn Sie bis dahin nichts unternehmen, laufen Sie Gefahr, Ihre Forderung nicht mehr durch­setzen zu können. Der Finanztest-Muster­brief enthält daher eine Bitte an den Kredit­geber, auf die Einrede der Verjährung zu verzichten.

Rechner. Es ist kompliziert, den Betrag auszurechnen, der Ihnen zusteht. Nutzen Sie dafür den kostenlosen Rechner des Instituts für Finanzdienstleistungen.

2. Die Post­bank führt eine Gebühr dafür ein, dass Kunden Über­weisungs­formulare aus Papier nutzen

Die Post­bank verlangt seit dem 1. Mai beim Giro­konto­modell „Giro plus“ 99 Cent für jeden schriftlichen Auftrag ihrer Kunden. Geben sie ihn online oder über das Telefon auf, bleibt er gebührenfrei. Nur für Kunden, die ein „Giro extra plus“-Konto haben, bleiben Aufträge auf Papierformularen kostenlos. Auch andere Kredit­institute verlangen mehr Geld für Aufträge in Papierform als für Aufträge, die online aufgegeben wurden.

Was Sie tun können: Sind Sie GiroPlus-Kunde und wollen oder können weder Internet noch Telefon nutzen, müssen Sie erst einmal zahlen. Sie sollten sich die Erstattung der Gebühren aber für den Fall vorbehalten, dass die Gebühr für rechts­widrig und damit unwirk­sam erklärt wird.

Gerichts­verfahren. Die Schutz­gemeinschaft für Bank­kunden ist über­zeugt, dass die neue Post­bank-Gebühr unzu­lässig ist. Mit ihrem ersten Abwehr­versuch ist sie aber gescheitert. Am 20. Mai 2015 hat sie ihren Antrag auf Erlass einer einst­weiligen Verfügung beim Land­gericht Köln zurück­genommen, weil ihn der Vorsitzende Richter für aussichts­los hielt. Die Schutz­gemeinschaft hält die Gebühr aber weiter für rechts­widrig. Sie will jetzt gegen ähnliche Gebühren anderer Banken und Sparkassen klagen. Wenn sie Erfolg damit hat, könnte indirekt auch die Post­bank-Gebühr kippen.

Muster­brief. Finanztest stellt einen Musterbrief bereit, mit dem Sie Ihre Zahlung der Gebühren unter Vorbehalt stellen können. Wenn Sie schon älter und ein Stamm­kunde sind, können Sie die Post­bank auch bitten, in Ihrem Fall kulant zu sein und auf die neue Gebühr zu verzichten. Einen Rechts­anspruch darauf gibt es aber nicht.

3. Banken und Sparkassen haben bei Giro­konten einen „Preis pro Buchungs­posten“ vereinbart

Unwirk­sam sind Klauseln, die einen „Preis pro Buchungs­posten“ bei Giro­konten vorsehen. Das geht aus einem Urteil des Bundes­gerichts­hofs vom 27. Januar 2015 hervor (Az. XI ZR 174/13). In dem zugrunde liegenden Fall hatte die Schutz­gemeinschaft für Bank­kunden gegen eine Raiff­eisen­bank geklagt und recht bekommen. Vor allem Volks­banken und Sparkassen haben diese Klausel verwendet. Die Richter hielten sie für rechts­widrig und damit für unwirk­sam, weil nicht nur übliche Konto­bewegungen zu „Buchungs­posten“ zählen, sondern zum Beispiel auch Korrekturen von Fehlern, die das Kredit­institut zu verantworten hat. Zur Fehler­korrektur sind Banken gesetzlich verpflichtet. Es kann nicht sein, dass Kunden die Kosten tragen.

Was Sie tun können: Sie können alle Gebühren zurück­fordern, die Ihnen auf dieser Grund­lage abge­zwackt wurden. Wichtig: In den Geschäfts­bedingungen muss wörtlich „Preis pro Buchungs­posten“ stehen. Gesondert vereinbarte Gebühren sind davon ausgenommen. Sie können noch bis Ende 2015 verlangen, dass Sie das zurück­bekommen, was Ihnen seit 1. Januar 2012 als „Preis pro Buchungs­posten“ abge­knöpft wurde. Denn die Forderung, die Gebühren eines Jahres zu erstatten, verjährt erst nach Ablauf von drei weiteren Jahren.

Muster­brief. Der Musterbrief von Finanztest zeigt, wie Sie Erstattungen fordern können.

4. Eine Bank fordert einen hohen Betrag als Verzugs­schaden, wenn die Kreditrate nicht pünkt­lich eingeht

Die zehn gemeinsten Bank­gebühren Special

Ob Gebühr für Kredit­bearbeitung, Papier­über­weisung oder Preis pro Buchung – viele Bank­kunden fühlen sich ausgequetscht und fordern Geld zurück.

Wenn ein Bank­kunde Kreditraten oder andere Verpflichtungen nicht frist­gerecht bezahlt, fordern die Kredit­institute einen Ersatz für den Schaden, den sie durch den Verzug erleiden. Das steht ihnen auch grund­sätzlich zu. Sie dürfen den Betrag, den sie dafür fordern, aber nicht nach Belieben fest­setzen.

Gerichts­urteile. Gerichte haben immer wieder geur­teilt, dass sich Gläubiger bei säumigen Schuldnern an den Kosten orientieren müssen, die wegen des Zahlungs­verzugs entstehen, also zum Beispiel an Kosten für Verzugs­zinsen, Porto und Papier. Sie fanden bei einer ersten Mahnung 3 bis maximal 5 Euro für den zusätzlichen Aufwand angemessen. Banken verlangen aber zum Teil mehr, selbst wenn nur kleine Beträge nicht frist­gerecht eingehen. Verbraucher berichten zum Beispiel, ihnen habe die Sant­ander Consumer Bank 19,50 Euro abge­knöpft. Die Bank teilte mit, dass sie seit Februar 2015 „aus Kulanz- und Kundenbindungs­gründen“ die Schadens­beträge bei Verzug individuell berechne, aber jeweils maximal auf 5,50 Euro deckele.

Was Sie tun können: Sprechen Sie mit Ihrer Bank. Wenn sie sich stur zeigt, können Sie sich an die für die Banken und Sparkassen zuständigen Beschwerde­stellen wenden (siehe Adressen). Rat bekommen Sie auch bei Verbraucherzentralen.

5. Die Deutsche Bank kassiert eine Pauschal­gebühr für das Über­ziehen des Dispolimits

Viele Banken räumen ihren Kunden ein Limit ein, bis zu dem sie ihr Giro­konto über­ziehen dürfen. Es ist aber nicht empfehlens­wert, diese Dispokredite zu nutzen, denn die Zinsen sind oft hoch. Über­ziehen die Kunden ihr Konto über das Dispolimit hinaus, verlangen einige Banken noch höhere Zinsen dafür, dass sie dieses Minus dulden. Einige Banken wie Deutsche Bank, Noris­bank und Targo­bank verlangen sogar einen Mindest­betrag für eine geduldete Über­ziehung. Sie verzichten nur dann darauf, wenn die Soll­zinsen den Mindest­betrag über­steigen. Hat ein Kunde keinen Dispo, gilt jedes Minus als geduldete Über­ziehung. Selbst ein Mini­betrag im Minus löst die Pauschal­gebühr aus und wird zur Kostenfalle.

Gerichts­verfahren. Der Verbraucherzentrale Bundes­verband hat daher gegen die Deutsche Bank geklagt. Sie verlangt mindestens 6,90 Euro im Quartal, wenn Kunden bei ihrem Giro­konto ihr Dispolimit in diesem Zeitraum mindestens einmal über­schreiten – und sei es nur um 1 Euro für einen einzigen Tag. Am 4. Dezember 2014 haben die Verbraucherschützer vor dem Ober­landes­gericht Frank­furt am Main recht bekommen (Az. 1 U 170/13). Die Pauschale ist nach Auffassung des Gerichts sittenwid­rig, weil sie bei einer gering­fügigen Über­ziehung „außer­halb jedes Verhält­nisses von Leistung und Gegen­leistung“ steht. Die Deutsche Bank hat Revision gegen das Urteil beim BGH einge­legt (Az. XI ZR 9/15).

Was Sie tun können: Müssen Sie die Gebühr zahlen, stellen Sie das unter Vorbehalt. Nutzen Sie den Dispokredit häufiger oder über­ziehen das Konto sogar über das Dispolimit hinaus? Dann sollten Sie über­legen, Ihre Ausgaben besser zu planen, damit das nicht mehr passiert.

6. Die Bank fordert Gebühren für Ein- und Auszahlungen und das Zählen von Kleingeld

Neuerdings ist das erlaubt. Früher durften Ein- und Auszahlungen auf das eigene Konto nichts kosten. Nach neuer Lesart ist eine Ein- oder Auszahlung ein „Zahlungs­dienst“, für den die Banken Geld nehmen dürfen. Die Kredit­institute sind außerdem dazu verpflichtet, Münzen auf Echt­heit und Zustand zu über­prüfen. Auch dafür dürfen sie Gebühren erheben. Bei Kindern zeigen sich die Banken kulant: Sie dürfen ihr Spar­schwein gebührenfrei schlachten.

Was Sie tun können: Erkundigen Sie sich vorher, ob die Bank etwas verlangt, und wenn ja: wie viel.

7. Das Kredit­institut will Geld, wenn es Kunden über eine geplatzte Last­schrift informiert

Früher durften Banken kein Geld dafür nehmen, wenn sie Kunden über eine geplatzte Last­schrift informierten. Das hat sich vor mehr als einem Jahr geändert. Seit 1. Februar 2014 gilt für Über­weisungen und Last­schriften grund­sätzlich das Sepa-Verfahren. Sepa ist die Abkür­zung für den eng­lischen Begriff Single Euro Payments Area, zu Deutsch: einheitlicher Euro-Zahlungs­verkehrs­raum. Bei den neuen Sepa-Last­schriften dürfen die Banken etwas dafür verlangen, wenn sie Kunden über geplatzte Last­schriften informieren, zum Beispiel 3 Euro.

Was Sie tun können: Wenig, solange sich die Banken an den Kosten orientieren, die ihnen bei der Information tatsäch­lich entstehen. Sorgen Sie am besten immer für ausreichend Deckung auf dem Konto.

8. Der Antrag für die Barclaycard sieht eine Teilzahlung vor. Für den offenen Saldo fallen hohe Zinsen an

Viele Kreditkarten­kunden begleichen ihre Ausgaben nach jeder Abrechnung. Sie lassen keine Kreditkartenschulden stehen. Wenn sie beispiels­weise eine Barclaycard der Barclays Bank beantragen, passiert ihnen das aber vielleicht ungewollt. Denn die Antrags­formulare sehen als Stan­dard eine Teilzahlung vor. Pro Monat zieht Barclaycard am Fälligkeits­tag nur 2 Prozent des Gesamt­saldos per Last­schrift ein, mindestens aber 15 Euro. Als monatlichen Zins­satz für Einkäufe und Über­weisungen führt Barclaycard 1,33 Prozent auf. Aufs Jahr gerechnet werden somit mehr als 18 Prozent Effektivzinsen auf den jeweils offenen Kredit­betrag fällig.

Was Sie tun können: Wollen Sie mit Ihrer Barclaycard alles direkt begleichen und den offenen Betrag nicht jedes Mal bis zum Fälligkeits­tag manuell über­weisen, lassen Sie die Voreinstellung von 2 auf 100 Prozent ändern. Das geht online oder telefo­nisch.

9. Die DKB wirbt mit kostenlosem Abheben welt­weit. Das gilt aber nicht für ihre Girokarte

Die zehn gemeinsten Bank­gebühren Special

Die DKB Bank wirbt damit, dass Kunden welt­weit kostenlos Geld vom Giro­konto abheben können. Das gilt aber nur, wenn sie die Kreditkarte DKB-Visa-Card nutzen. Viele Bank­kunden sind es gewohnt, nicht mit der Kreditkarte, sondern mit der Girokarte Geld abzu­heben. Wenn aber DKB-Kunden ihre Girokarte an Geld­automaten anderer Banken in Deutsch­land einsetzen, müssen sie das Kunden­entgelt zahlen, das ihnen der jeweilige Auto­maten­betreiber anzeigt. Im Ausland kostet die Abhebung sogar 1 Prozent der gewünschten Summe, mindestens aber 10 Euro.

Was Sie tun können: Nutzen Sie die DKB-Visa-Card, nicht die Girokarte, und wählen Sie einen Geld­automaten mit Visa-Symbol. Die meisten Auto­maten haben das. Mit der DKB-Visa-Card kostet es dann nichts, Bargeld an Geld­automaten im In- und Ausland abzu­heben. Wenn Geld­automaten­betreiber im Ausland die Kreditkarte mit Entgelten belasten, erstattet die DKB diese auf Antrag – außer bei sofortiger Währungs­umrechnung (siehe Punkt 10).

10. Der Geld­automaten­betreiber im Ausland verführt Kunden, ungüns­tige Wechsel­kurse zu wählen

Im Ausland außer­halb der Eurozone ist Vorsicht angebracht, wenn beim Geld­abheben am Geld­automaten oder zum Beispiel beim Bezahlen in Hotels und Läden angeboten wird, die Landes­währung sofort in Euro umzu­rechnen. Lock­mittel sind Versprechen garan­tierter Wechsel­kurse oder ein Gebühren­verzicht. Doch es besteht die große Gefahr, dass Kunden mit extrem schlechten Wechsel­kursen abge­speist werden. Es ist sinn­los, sich nach der Rück­kehr bei der Bank zu beschweren, von der die Karte stammt. Für den schlechten Wechselkurs ist der Geld­automaten­betreiber oder Zahlungs­abwickler im Ausland zuständig, nicht die Bank. Mehr dazu im Special So zocken Geldautomaten Urlauber ab.

Was Sie tun können: Wählen Sie nicht die „Sofortum­rechnung in Euro“ – egal wie verführerisch sie angepriesen wird. Notieren Sie lieber vor oder während der Reise den aktuellen Wechselkurs – und zwar sowohl, was eine Einheit der Landes­währung in Euro kostet, als auch was ein Euro in Landes­währung wert ist. Einen Währungs­rechner bietet die Website Oanda.

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