Drohnen und Recht - Das müssen Hobby­piloten wissen

Schät­zungs­weise 500 000 Drohnen sind hier­zulande im Einsatz.

Jeder Drohnenhalter braucht eine Haft­pflicht­versicherung und muss sich registrieren. Wir sagen, wie das geht, welche Police Schutz bietet und welche Flug­regeln gelten.

Das Wichtigste in Kürze

Haft­pflicht­versicherung. Wenn Sie eine Drohne benutzen möchten, schließen Sie vor dem ersten Start unbe­dingt eine entsprechende Haft­pflicht­versicherung ab. Nutzen Sie die Drohne hobby­mäßig, brauchen Sie dafür nicht unbe­dingt eine spezielle Drohnen­versicherung. Es gibt auch viele Privathaftpflichtversicherungen mit Drohnenschutz.

Registrierung. Seit dem 1. Mai 2021 muss jeder Drohnenpilot sich beim Luft­fahrt-Bundes­amt (LBA) registrieren, wenn seine Drohne eine Kamera hat. Nach der Registrierung erhalten Sie eine Nummer (e-ID). Diese müssen Sie dann auf Ihrer Drohne anbringen.

Mindest­alter: Drohnenpiloten müssen mindestens 16 Jahre alt sein. Jüngere dürfen nur Spielzeug-Drohnen steuern. Das sind leichte Drohnen (Abfluggewicht unter 250 Gramm), die ohne Kamera ausgestattet sind und keinen Sensor zur Erfassung persönlicher Daten verfügen.

Flugraum. Vor allem im Umfeld eines Flughafens oder Hubschrauber­lande­platzes ist das Steuern einer Drohne in der Regel verboten. Halten Sie Abstand zu Auto­bahnen, Bundes­straßen, Bahn­stre­cken, Oberleitungen und Kraft­werken.

Flughöhe. Faust­regel: Fliegen Sie Ihre Drohne nie höher als 120 Meter über dem Boden und stets nur in Sicht­weite.

Fotos mit Drohnen. Respektieren Sie die Privatsphäre Ihrer Mitmenschen und fotografieren Sie diese nur mit deren Einverständnis. Fotos von Menschen dürfen in der Regel nur dann veröffent­licht werden, wenn diese zustimmen.

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Drohnenpiloten müssen sich registrieren

Die EU-Verordnung 2019/947 bringt neue Drohnen­regeln. Jeder Besitzer ­einer Drohne mit einem Abfluggewicht ab 250 Gramm (maximal zulässige Start­masse, eng­lisch: maximum take off mass, MTOM) muss diese beim Luft­fahrt-Bundes­amt (LBA) registrieren. Das gilt auch für leichtere Modelle, sobald sie eine Kamera haben. Registrieren geht online beim LBA. Folgende Daten werden für die Registrierung benötigt:

  • Name,
  • Geburts­datum,
  • Anschrift,
  • Scan von Personal­ausweis oder Pass,
  • E-Mail,
  • Telefon­nummer,
  • Name des Haft­pflicht­versicherers und
  • Nummer der Police.

Registrierung ist kostenlos

Nach der Registrierung erhalten Drohnen­betreiber eine Nummer, die sie an der Drohne anbringen müssen. Sie sollten bei ihrem Privathaft­pflicht­versicherer nach­fragen, ob die Police Versicherungs­schutz für Drohnenschäden ­enthält. Die Registrierung ist momentan noch kostenlos möglich.

Haft­pflicht­versicherung vorgeschrieben

Die gesetzliche Pflicht für Drohnenhalter, eine Haft­pflicht­versicherung abzu­schließen, ergibt sich aus Paragraf 43 Absatz 2 des Luftverkehrsgesetzes. Als Halter gilt nicht etwa derjenige, der eine Drohne in den Händen hält. Drohnenhalter ist in der Regel, wer das Gerät gekauft hat und über seine Benut­zung bestimmt. Hat ein Vater sich etwa eine Drohne gekauft, die er auch gelegentlich seinem Sohn ausleiht, ist der Vater der Halter der Drohne, auch wenn der Sohn die Drohne momentan nutzt. Der Vater muss sich also um die Haft­pflicht­versicherung kümmern.

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Drohnenhalter brauchen eine Haft­pflicht­versicherung

Wenn Sie noch keine Versicherung mit Drohnen­schutz haben, finden Sie im Test der Stiftung Warentest entsprechende Angebote (Vergleich Privathaftpflichtversicherungen). Ob ein Tarif Drohnenschäden versichert, erfahren Sie, indem Sie in der Test­tabelle auf den jeweiligen Tarif­namen klicken. Ein grüner Haken in der Zeile „Drohnen“ zeigt an, dass wenigs­tens Modelle bis 250 Gramm versichert sind. Ob diese Police sogar schwerere Drohnen versichert, lässt sich per Blick in die Versicherungs­bedingungen oder Nach­frage beim Versicherer klären.

Schutz für Drohnen bis 5 Kilogramm

Manche Privathaft­pflicht­versicherung deckt sogar Schäden von Drohnen bis 5 Kilogramm ab. Dazu zählen etwa folgende Angebote:

  • Signal Iduna („Premium“),
  • Axa („Haft­pflicht Online Leistungs­paket L + Bausteine Delikt­unfähigkeit, Haus­besitzer, Öltank, Vermietung“),
  • Axa („Boxflex + Bausteine Premium + Vermietung inkl. Leistungs­erweiterungen“),
  • HDI („Premium online“).
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Brauche ich einen Drohnen­führer­schein?

Die Zukunft: Klassifizierte Drohnen

Die neue europäische Drohnen­ver­ordnung sieht vor, dass Hersteller ihre Drohnen künftig gemäß ihren tech­nischen Eigenschaften in fünf Klassen einteilen und zertifizieren lassen: C0, C1, C2, C3, C4 und C5. Aus dieser Klassifizierung ergibt sich dann, welche Flug­regeln bei der Steuerung dieser Drohne zu beachten sind. Noch sind diese in C-Klassen einge­teilten Drohnen aber nicht erhältlich. Sobald solche Geräte in Deutsch­land erhältlich sind, wird dieser Text aktualisiert.

Welche Regeln gelten für den neuen EU-Drohnen­führer­schein?

Kleiner Drohne­führer­schein. Für die neuen Drohnen der Klassen C0 bis C4 werden die Piloten den neuen EU-Drohnen­führer­schein („Kompetenz­nach­weis“; sogenannter kleiner EU-Drohnen­führer­schein) brauchen, sofern ihre Drohne ein Abfluggewicht von mindestens 250 Gramm hat oder mit einer Maximal­geschwindig­keit von 19 Metern pro Sekunde fliegen kann. Diese Führer­scheinprüfung können Piloten jetzt schon online absolvieren. Noch ist die Prüfung kostenfrei.

Großer Drohne­führer­schein. Der Betrieb einer C2-Drohne (Abfluggewicht ab 500 Gramm bis 2 Kilogramm) erfordert künftig den großen Drohnen­führer­schein („EU-Fernpiloten­zeugnis“). Dieser baut auf dem kleinen EU-Drohnen­führer­schein auf. Das heißt: Der Pilot muss den Kompetenz­nach­weis erlangen und zusätzlich eine theoretische Prüfung bestehen. Das LBA hat eine Liste von Anbietern veröffent­licht, bei denen das EU-Fernpiloten­zeugnis erlangt werden kann.

Was gilt für noch nicht-klassifizierte „alte“ Drohnen?

Über­gangs­regelung bis Ende 2022. Wichtig für Besitzer von alten „Bestands­drohnen“ ­(ohne C-Klasse): Sie brauchen keinen EU-Drohnen­führer­schein, solange ihre Altdrohne weniger als 250 Gramm (maximal zulässige Start­masse) wiegt. Alte Drohnen ab 250 bis 499 Gramm dürfen bis Ende 2022 noch ohne EU-Drohnen­führer­schein genutzt ­werden.

Vor­erst kein Hand­lungs­bedarf. Das bedeutet: Für die Besitzer alter und leichter Drohnen sowie für die Käufer noch nicht klassifizierte neuer Drohnen bis 499 Gramm ergibt sich – abge­sehen von der Registrierungs- und Versicherungs­pflicht – vor­erst kein Hand­lungs­bedarf.

Wie lauten die neuen Flug­regeln für Drohnen?

Welche Flug­regeln Piloten zu beachten haben, hängt künftig von ihrer C-Klassifizierung ab. Die neue EU-Drohnen­ver­ordnung hat drei Betriebs­kategorien geschaffen: Open, Specific, Certified. Die Besitzer von „Bestand­drohnen“ (ohne C-Klasse) müssen sich momentan an folgende Regeln halten:

  • Bestands­drohnen unter 250 Gramm (ohne C-Klasse) dürfen derzeit nach den Regeln der Kategorie Open (Unterkategorie A1) gesteuert werden. Das heißt:
    - Piloten mit einer solchen Drohne dürfen keine Menschen­ansamm­lungen über­fliegen. Ab zwölf Personen wird regel­mäßig von einer Menschen­ansamm­lung auszugehen sein, schätzen Juristen.
    - Der Drohnen­steuerer muss mindestens 16 Jahre alt sein.
    - Maximale Flughöhe: 120 Meter über dem nächst gelegenen Punkt der Erdoberfläche.
    - Die Drohne muss auf Sicht gesteuert werden. Ausnahme: Drohne im Follow-me-Modus (Drohne folgt auto­matisch einem Objekt oder einer Person) oder Helfer steht mit Pilot beim Steuern in Verbindung, um Drohnen­flug auf Sicht verfolgen zu können.
  • Bestands­drohne über 250 Gramm bis 25 Kilogramm: Solche Bestands­drohnen (ohne C-Klasse) dürfen derzeit nach den Regeln der Kategorie Open (Unterkategorie A3) gesteuert werden. Das heißt:
    - Die Drohnen­steuerer müssen sich auch an die oben erläuterten Regeln der Kategorie Open (Unterkategorie A1) halten.
    - Die Drohne darf nur dort einge­setzt werden, wo unbe­teiligte Personen nicht gefährdet werden können.
    - Außerdem sind 150 Meter Sicher­heits­abstand zu Wohn-, Gewerbe- und Erholungs­gebieten einzuhalten.
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Mit der Droniq-App Flug­verbots­zonen einhalten

Bisher konnten Drohnenpiloten eine Gratis-App der Deutschen Flugsicherung (DFS) nutzen, um beim Steuern der Drohne nicht in Flug­verbots­zonen zu geraten. Mitt­lerweile gibt es einen Nach­folger: die App Droniq. Sie ist kostenfrei in den App-Stores von Apple und Google erhältlich. „Sicher und schnell erfahren, wo und wie Sie Ihre Drohne in Deutsch­land fliegen dürfen!“, verspricht die App. Ob die App dieses Versprechen stets einzulösen vermag, hat die Stiftung Warentest nicht über­prüft.

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Privatsphäre Dritter beachten

Drohnenpiloten haben nicht nur die oben genannten (öffent­lich-recht­lichen) Flug­regeln einzuhalten, sondern müssen auch die zivilrecht­lichen Regeln zur Privatsphäre beachten.

Wann kann es zum Rechts­streit mit Gefilmten kommen?

Verletzung der Persönlich­keits­rechte. Unabhängig von den staatlichen Sanktionen kommt auf Drohnenpiloten ein zivilrecht­licher Streit zu, wenn sie etwa rechts­widrig über fremden Grund­stücken fliegen und dort Personen gegen ihren Willen filmen. Die Gefilmten können den Drohnenpiloten wegen der Verletzung ihrer Persönlich­keits­rechte („Recht auf Privatsphäre“) auf Unterlassung verklagen und von ihm verlangen, dass er in Zukunft keine weiteren illegalen Drohnenflüge über ihrem Grund­stück mehr macht.

Hohe Kosten. Verliert der Drohnenpilot die Klage, muss er die Anwalts­kosten der Gegen­seite und die Gerichts­kosten bezahlen. Dadurch können leicht über tausend Euro auf den Piloten zukommen (Amts­gericht Potsdam, Az. 37 C 454/13). Freilich muss der Gefilmte für einen solchen Rechts­streit erstens den Piloten ausfindig machen können und zweitens mit Zeugen oder eigenen Film­aufnahmen den Drohnen­flug vor Gericht beweisen können. In dem zitierten Pots­damer Fall aus dem Jahr 2015 war das gelungen.

Tipp: Was Sie mit Drohnen­aufnahmen tun dürfen, erklären wir in unserem Special Recht am eigenen Bild: Wann Privataufnahmen veröffentlicht werden dürfen.

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Dieses Special wird regel­mäßig aktualisiert. Jüngstes Update: 18. Mai 2021.

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