Durch­blick bei der Alters­vorsorge Das bringt Ihnen die neue digitale Renten­über­sicht

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Durch­blick bei der Alters­vorsorge - Das bringt Ihnen die neue digitale Renten­über­sicht
Besserer Über­blick. Bisher ist es schwierig, sich ein Bild von der eigenen Vorsorgesituation zu machen. Das soll sich 2023 ändern. © Getty Images / Westend61

Ein neues Onlineportal zeigt ab Sommer 2023 den Stand der eigenen gesetzlichen, betrieblichen und privaten Alters­vorsorge an. Wir beant­worten die wichtigsten Fragen.

Start­schuss für die digitale Renten­über­sicht

Alle Bürgerinnen und Bürger sollen ab Sommer 2023 ihre Alters­vorsorge unkompliziert über eine digitale Renten­über­sicht einsehen können. Die Idee eines kostenfreien Onlineportals ist gut. Eine drohende Rentenlücke lässt sich damit zwar nicht erkennen. Trotzdem ist es nach jahre­langen Diskussionen endlich ein Schritt in die richtige Richtung.

Was ist die digitale Renten­über­sicht?

Die digitale Renten­über­sicht ist ein Onlineportal, das Bürgerinnen und Bürgern helfen soll, den Stand ihrer individuellen Alters­vorsorgesituation besser zu kennen. Sie können über das Portal ihre erworbenen Alters­vorsorgeansprüche digital abrufen und so einen Gesamt­über­blick über ihre gesetzlichen, betrieblichen und privaten Renten aus einer Hand erhalten.

Die Über­sicht ist nur für die Nutzenden selbst bestimmt. Sie ist neutral, enthält keine Werbung und ist ein zusätzliches digitales Angebot, auf das jeder­zeit zugegriffen werden kann. Schon seit mehr als 20 Jahren fordern Alters­vorsorge-Expertinnen und -Experten einen solchen Über­blick.

Wer setzt die digitale Renten­über­sicht um?

Das Gesetz zur Entwick­lung und Einführung einer digitalen Renten­über­sicht trat im Februar 2021 in Kraft. Unter dem Dach der Deutschen Renten­versicherung entwickelt die Zentrale Stelle für die digitale Renten­über­sicht (ZfDR) das Onlineportal.

Einge­bunden in die Umsetzung sind neben der gesetzlichen Renten­versicherung das Bundes­finanz­ministerium, das Bundes­arbeits­ministerium sowie Vertreter der privaten und betrieblichen Alters­sicherung und des Verbraucher­schutzes.

Wann kann ich die digitale Renten­über­sicht nutzen?

Der Beginn des Regel­betriebs für alle Bürgerinnen und Bürger ist für Ende 2023 geplant. Die erste Betriebs­phase hat im Dezember 2022 mit der gesetzlichen Renten­versicherung und mehreren freiwil­lig angebundenen Vorsorgeeinrichtungen begonnen.

Bereits im Sommer 2023 soll der Abruf der digitalen Renten­über­sicht für alle Interes­sierten möglich sein. Allerdings werden zu diesem Zeit­punkt laut ZfDR noch nicht alle Vorsorgeeinrichtungen teilnehmen und nicht alle Formen der Alters­vorsorge ange­zeigt werden. Dies betrifft unter anderem die Alters­versorgung der Beamtinnen und Beamten und Ansprüche bei den berufs­stän­dischen Versorgungs­werken.

Auch bei der betrieblichen Alters­versorgung und der privaten Vorsorge wird sich die Zahl der angebundenen Vorsorgeeinrichtungen erst nach und nach vergrößern.

Welche Anwart­schaften genau werden dargestellt?

Die digitale Renten­über­sicht umfasst Anwart­schaften aus der gesetzlichen, betrieblichen und privaten Alters­vorsorge. Im Einzelnen sind das:

  • Renten aus Pflicht­systemen wie die gesetzliche Renten­versicherung,
  • betriebliche Alters­versorgung in der Privatwirt­schaft (Direkt­zusage, Unterstüt­zungs­kasse, Pensions­kassen und Pensions­fonds),
  • Zusatz­versorgung des öffent­lichen Dienstes,
  • geförderte private Alters­vorsorge (Riester-Renten, Rürup-Renten),
  • private Lebens­versicherungen mit renten­nahem Beginn,
  • Alters­vorsorgever­träge in Form von Fonds­sparplänen mit renten­nahem Beginn.

Gibt es eine Pflicht, die digitale Renten­über­sicht zu nutzen?

Nein. Sie ist ein Angebot, das Bürgerinnen und Bürger freiwil­lig nutzen können.

Welche konkreten Angaben finden sich in der digitalen Renten­über­sicht?

Die digitale Renten­über­sicht zeigt die jeweils zum Zeit­punkt des Abrufs aktuellen Werte aus den Renten- und Stand­mitteilungen der Anbieter. Es sind also Informationen, die die gesetzlichen Renten­versicherungs­träger und die betrieblichen und privaten Anbieter ihren Versicherten und Kunden ohnehin zur Verfügung stellen. Die digitale Renten­über­sicht bündelt diese Angaben nur digital.

Wichtig für alle Nutzenden ist es, zwischen bereits erreichten und prognostizierten Werten zu unterscheiden. Die ausgewiesenen erreichten garan­tierten Werte sind schon jetzt zum Renten- oder Auszahlungs­beginn gesichert.

Erreich­bare Werte sind dagegen unter Prognose der künftigen Beiträge am Stichtag der Stand­mitteilung berechnet. Sie fallen anders aus, wenn sich künftige Einzahlungen ändern, etwa wenn Beschäftigte nach einem Jobwechsel ihre Betriebs­rente nicht fortführen.

Leider ist eine Speicherung der Informationen oder Stand­mitteilungen aus voran­gegangenen Abrufen nicht möglich. Nutzende können so rück­wirkend nicht die Entwick­lung ihrer Alters­vorsorge mithilfe des Onlineportals nach­voll­ziehen.

Zeigt das Portal Nutzenden auch an, ob bei ihnen eine Rentenlücke besteht?

Nein. Um eine Rentenlücke auszuweisen, müsste der persönliche Finanzbedarf der Nutzenden bekannt sein. Dieser ist von sehr vielen individuellen Faktoren abhängig, etwa der Wohn­situation, der finanziellen Verantwortung für weitere Personen oder dem persönlichen Lebens­stil.

Werden in der Über­sicht Steuern oder Sozial­abgaben berück­sichtigt?

Nein. Diese hängen zu stark von der persönlichen Situation ab, so die ZfDR.

Wird auch anderes Vermögen, etwa Immobilien, Guthaben auf Konten oder Fonds­vermögen ange­zeigt?

Nein. Das Renten­über­sichts­gesetz sieht nur die Einbeziehung von Renten und Zahlungen vor, die eindeutig der Alters­vorsorge dienen oder von Bürgerinnen und Bürgern typischer­weise dafür genutzt werden.

Zeigt die Über­sicht auch andere Vorsorgepro­dukte wie Risiko­lebens­versicherungen an?

Nein. Produkte, die nicht der Alters­vorsorge dienen, weil sie etwa nur das Todes­fall­risiko oder das Risiko der Berufs- oder Dienst­unfähigkeit absichern, zeigt die digitale Über­sicht nicht an.

Berät die ZfDR Bürgerinnen und Bürger auch persönlich?

Nein. Aber sie können die Daten des Online-Portals exportieren und für eine unabhängige Beratung nutzen, etwa bei der Deutschen Rentenversicherung, Sozial­verbänden wie dem VdK oder SoVD oder unabhängigen Rentenberate­rinnen und -beratern.

Wie wird die Anmeldung funk­tionieren?

Die Nutzung des Online-Portals ist freiwil­lig, kostenfrei und von jedem gängigen Internet­browser aus möglich. Allerdings erfolgt die Authentifizierung mit dem elektronischen Personal­ausweis, um Daten­schutz und Daten­sicherheit zu gewähr­leisten.

Für eine Zuordnung der eigenen Alters­vorsorgeansprüche benötigen die Nutzenden zudem ihre Steuer-Identifikations­nummer. Die ZfDR prüft derzeit, ob noch andere Möglich­keiten einer sicheren Authentifikation angeboten werden können.

Bei jeder Anmeldung entscheiden Nutzende, welche ihrer Daten sie anfordern und speichern.

Kann ich die Über­sicht persönlich abspeichern?

Ja. Sie können die Gesamt­über­sicht exportieren und in einem persönlichen Lauf­werk abspeichern. Damit stehen Ihnen die Daten zur eigen­ständigen persönlichen Weiterverwendung– etwa für die Weiterleitung per E-Mail – zur Verfügung.

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