Versorgungs­ausgleich Special

Eine Scheidung hat Auswirkungen auf die Alters­versorgung. Je strikter ein Paar Arbeits­teilung betrieben hat, desto größer sind am Ende die Umver­teilungen, die das Gericht vornimmt. Denn am Ende soll es auch mit Blick auf die Rente gerecht zugehen. Hier lesen Sie, wie der Versorgungs­ausgleich funk­tioniert und worauf Paare durch­aus auch in guten Tagen achten sollten.

Das Wichtigste in Kürze

Beratung. Bei einer Scheidung teilt das Familien­gericht die Renten­ansprüche der Partner, genannt Versorgungs­ausgleich. Kümmern Sie sich früh, es kann um viel Geld gehen. Wie sich dieser Ausgleich auf Ihre gesetzliche Rente auswirkt, erfahren Sie bei der Deutschen Rentenversicherung. Umfassender und gegen Honorar beraten unabhängige Rentenberater und Fach­anwälte für Familien­recht, die Sie unter anwaltverein.de finden können.

Voll­ständige Angaben. In den Versorgungs­ausgleich fallen nur Ansprüche, von denen das Gericht weiß. Jeder Ehepartner muss alle Versorgungs­träger angeben, bei denen er Renten­anwart­schaften hat. Das Gericht über­mittelt dann die Angaben dem jeweils anderen zur Kennt­nisnahme. Kontrollieren Sie diese genau. Wurde eine Anwart­schaft vergessen, führt das nach­träglich nicht zur Änderung des fest­gelegten Versorgungs­ausgleichs.

Alters­vorsorgeunterhalt. Wird es Ihnen nach der Scheidung aufgrund von Kinder­betreuung schwerfallen, eine eigene ausreichende Alters­vorsorge aufzubauen? Handeln Sie vor Gericht einen Alters­vorsorgeunterhalt von Ihrem besser verdienenden Ex aus. Dann zahlt er nach der Scheidung Rentenbeiträge für Sie.

Ehezeit. Es werden nur Ansprüche aus der Ehezeit geteilt. Partner, die schon vor der Heirat beruflich zurück­stecken, bekommen für die unver­heiratete Zeit keinen Ausgleich.

Etwa 40 Prozent der Ehen werden geschieden

Von 1 000 Ehen sind 393 nach spätestens 25 Jahren wieder geschieden, also fast 40 Prozent. Das meldete das Statistische Bundes­amt 2016. Bei einer Scheidung muss ein Paar sein gemein­sames Leben wieder auseinander­dividieren. Dabei geht es um Fragen wie Sorgerecht, Vermögen und Unterhalt – aber auch um die Aufteilung der Alters­versorgung, die die Partner während der Ehezeit aufgebaut haben. Der Gesetz­geber sieht vor, dass Ansprüche auf gesetzliche, betriebliche oder private Renten fair geteilt werden. Das Schwierige an der Sache: Die jeweiligen Renten­ansprüche der Partner fallen oft völlig unterschiedlich aus. Die Folge ist ein kompliziertes Hin und Her von Renten­ansprüchen, das sich Versorgungs­ausgleich nennt.

Auto­matischer Versorgungs­ausgleich

Diesen Versorgungs­ausgleich führt das Familien­gericht bei einer Scheidung auto­matisch durch. Es verteilt die von den Part­nern während der Ehezeit jeweils individuell aufgebauten gesetzlichen, betrieblichen und privaten Renten­ansprüche neu So teilt das Familiengericht die Altersvorsorge. Umgehen können Paare diese Aufteilung in bestimmten Fällen, wenn sie gesonderte Vereinbarungen zur Alters­versorgung treffen: Im Vorfeld durch einen Ehevertrag oder während des Scheidungs­prozesses gericht­lich protokolliert (Wann Richter nicht teilen).

Ausgleich jetzt, Wirkung später

Für Paare, die bei ihrer Scheidung noch keine Rentner sind, hat der Versorgungs­ausgleich zunächst keine spür­baren finanziellen Auswirkungen. Doch kann sich mit ihm die Höhe ihrer jeweiligen Anwart­schaft bei den einzelnen Versorgungs­trägern wie Rentenkasse oder Versicherer stark verändern. Und das hat Auswirkungen auf ihre spätere Rente. Wenn etwa Ella Schneider aus unserem Beispielfall von ihrem Exmann Versorgungs­ansprüche mit einem derzeitigen Wert von mehr als 960 Euro monatlich über­tragen bekommt, macht das bei einer Rentenbe­zugs­dauer von nur zehn Jahren mehr als 115 000 Euro aus. Das ist ohne Renten­steigerung gerechnet. Lebt sie ab Renten­beginn noch 20 Jahre, sind es mehr als 230 000 Euro. Abziehen muss sie davon die Ansprüche, die ihr Exmann ihr gegen­über hat. Sie sind in unserem Beispiel allerdings deutlich geringer.

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Erwerbs­arbeit besser für Rente

Der Versorgungs­ausgleich hilft vor allem dem Partner, der sich bei klassischer Arbeits­teilung von Erwerbs- und Familien­arbeit um Kinder und Haushalt gekümmert hat. Denn mit einem gut bezahlten Job kann Familien­arbeit in puncto Alters­versorgung nicht mithalten – auch wenn es für jedes nach 1992 geborene Kind drei Renten­punkte, für davor geborene zwei Punkte gibt.

Beispiel: Ein Bank­angestellter aus den alten Bundes­ländern verdient das 1,5-Fache des Durch­schnitts­verdienstes (derzeit 55 655 Euro im Jahr). Er kommt während 15 Jahren Ehe auf gesetzliche Renten­anwart­schaften von 22,5 Entgelt­punkten (umge­rechnet derzeit 685 Euro im Monat). Für seine Frau, die sich um die zwei Kinder kümmert und einen sozial­versicherungs­freien Minijob hat, liegt der Anspruch bei sechs Renten­punkten (derzeit gut 183 Euro im Monat). Nach dem Versorgungs­ausgleich haben beide 14,25 Renten­punkte auf ihrem Konto (derzeit 434 Euro Rente).

Vereinbarungen statt Versorgungs­ausgleich

Ehepartner können auch eigene Vereinbarungen zur Gestaltung ihrer Alters­versorgung bei einer Scheidung treffen. Voraus­setzung: Ein Notar beur­kundet sie etwa als Teil eines Ehevertrags oder einer Scheidungs­folgen­ver­einbarung oder das Familien­gericht protokolliert die getroffenen Vereinbarungen noch während des Scheidungs­verfahrens.

Versorgungs­ausgleich ausschließen

Sinn­voll kann ein Ausschluss des Versor­gungs­ausgleichs sein, wenn ein Partner Renten­anwart­schaften hat, der andere nicht, aber etwa als Selbst­ständiger mit Aktien, Sparplänen oder Immobilien versorgt ist. Da diese nicht unter den Versorgungs­ausgleich fallen, könnte der Ausgleich für den Partner mit Renten­anwart­schaften ungünstig sein: Die Rente wird auto­matisch geteilt, das Fonds­vermögen aus dem Fonds­sparplan dagegen nicht. Paare können dann entweder nur einzelne Anwart­schaften von einem Ausgleich ausschließen oder auch gleich den ganzen Versorgungs­ausgleich. Das andere Vermögen kann durch­aus in die Vereinbarungen zum Versorgungs­ausgleich einbezogen werden: Er teilt seine Renten­anwart­schaften im Falle der Scheidung nicht mit ihr, sie bekommt dafür aber das gemein­same Eigenheim. Oder er zahlt statt­dessen entsprechende Beiträge auf ihr Renten­versicherungs­konto.

Wichtig: Die Vereinbarungen müssen eine Art Ersatz­funk­tion für den Versorgungs­ausgleich über­nehmen. Der Ausschluss funk­tioniert nicht, wenn die Vereinbarung einen Partner stark benach­teiligt oder er im Alter durch sie staatliche Hilfe benötigt.

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Familien­gericht prüft Vereinbarungen

Was auch immer Paare vereinbaren, das Familien­gericht prüft bei der Scheidung, ob die Vereinbarungen über­haupt wirk­sam und durch­führ­bar sind. Schlösse ein Paar mit klassischer Rollenverteilung, bei der er Karriere macht und sie sich zu Hause um drei Kinder und den Haushalt kümmert, den Versorgungs­ausgleich komplett aus, würde das die Familien­richter auf den Plan rufen. Der Ausschluss stände unter Verdacht, zu einem großen Ungleichgewicht in der Rechte- und Pflichten­verteilung zwischen den Part­nern zu führen.

Vor Ausschluss des Versorgungs­ausgleichs Rat einholen

Bei seiner Prüfung schaut das Gericht auf die Alters­versorgung – und die wirt­schaftlichen, sozialen und persönlichen Verhält­nisse insgesamt. Wann ein Ausschluss des Versorgungs­ausgleichs konkret unwirk­sam ist, ist deshalb schwer zu sagen. Wer den Versorgungs­ausgleich rechts­wirk­sam ausschließen oder modifizieren möchte, weil das Verfahren nicht zur persönlichen Situation passt, sollte sich vorher beraten lassen. Und das am besten mit kühlem Kopf, lange bevor an Scheidung über­haupt zu denken ist, rät Familien­rechts­anwalt Jörg Schröck im Interview.

Renten­minderung wieder ausgleichen

Als Geschiedener können Sie bis zum Beginn Ihrer regulären Alters­rente die Minderung Ihrer gesetzlichen Rente durch den Versorgungs­ausgleich wieder ausgleichen. Das geht auf einen Schlag, in Raten, ganz oder teil­weise. Wie hoch der Betrag für einen vollen Ausgleich sein müsste, teilt Ihnen der Renten­versicherer mit, wenn der Versorgungs­ausgleich rechts­kräftig ist. Ab dann haben Sie drei Monate Zeit, das Geld zu den Konditionen einzuzahlen, die zum Ende Ihrer Ehezeit galten. „Eine zeit­nahe Einzahlung ist in der Regel güns­tiger“, sagt Dirk Manthey von der Deutschen Renten­versicherung Bund. „Später gelten die dann aktuellen Umrechnungs­werte für den Ausgleichs­betrag.“ Den Ausgleichs­betrag rechnet die Renten­versicherung in Entgelt­punkte um, aus denen sich später Ihre Rente errechnet. Ein Punkt steigt normaler­weise jedes Jahr im Wert. Er entsprach 2016 29,21 Euro (West) und 2017 30,45 Euro (West). Also: Je später die Einzahlung, desto weniger Punkte für dasselbe Geld.

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