Alters­vorsorge im Über­blick Rente, Betriebs­rente, Privatvorsorge – so sparen Sie fürs Alter

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Alters­vorsorge im Über­blick - Rente, Betriebs­rente, Privatvorsorge – so sparen Sie fürs Alter
Los geht‘s! Mit dem Berufs­start wird auch das Thema Alters­vorsorge wichtig. © Getty Images / Luis Alvarez

Eine gute Alters­vorsorge ist Pflicht, um im Alter keine finanziellen Sorgen zu haben. Wir stellen die verschiedenen Möglich­keiten vor.

Warum Alters­vorsorge?

Arbeitnehme­rinnen und Arbeitnehmer zahlen auto­matisch in die gesetzliche Renten­versicherung ein. Damit tun sie schon eine ganze Menge für ihre Rente. Doch die Leistungen der gesetzlichen Rente werden in Zukunft im Verhältnis zu den Löhnen weiter sinken. Mit der gesetzlichen Rente alleine wird es also nichts mit dem guten Leben im Alter. Deshalb ist es sinn­voll, zusätzlich für das Alter vorzusorgen. Dafür gibt es viele verschiedene Möglich­keiten – der Markt an Alters­vorsorgeformen und Renten­produkten ist unüber­sicht­lich. Die perfekte Lösung, die für alle passt, gibt es dabei leider nicht. Deswegen stellen wir in diesem Artikel die Optionen mit ihren Vor- und Nach­teilen vor.

Alters­vorsorge in Deutsch­land

Die Alters­vorsorge in Deutsch­land funk­tioniert nach einem Drei-Schichten-Prinzip. Die erste Schicht – und damit das Fundament für die meisten Menschen – ist die gesetzliche Renten­versicherung. Die zweite Schicht sind ergänzende betriebliche Formen der Alters­vorsorge. Sie werden vom Staat gefördert. Die dritte Schicht besteht aus privaten Vorsorgever­trägen. Das können staatlich geförderte Verträge wie die Riester-Rente sein, aber auch nicht geförderte Lebens­versicherungs­verträge oder Sparpläne.

Alters­vorsorge im Über­blick - Rente, Betriebs­rente, Privatvorsorge – so sparen Sie fürs Alter
© Stiftung Warentest

Schicht 1: Die gesetzliche Rente

Jeder Arbeitnehmerin und jedem Arbeitnehmer wird auto­matisch monatlich Geld vom Gehalt abge­zogen, das in die gesetzliche Renten­versicherung fließt. 9,3 Prozent des Brutto­gehalts zahlt der Arbeitnehmer selbst, 9,3 Prozent der Arbeit­geber. Bei einem Brutto­gehalt von 4 000 Euro fließen so 744 Euro im Monat in die Rentenkasse. Eine Menge Geld.

Höhe der Rente

Dafür zahlt die Renten­versicherung den Rentne­rinnen und Rentnern später das Fundament ihrer Alters­bezüge aus. Eine Arbeitnehmerin, die 40 Jahre lang 4 000 Euro verdient hat, bekäme nach heutigen Werten eine Rente von rund 1 600 Euro, von der aber noch Krankenkassenbeiträge und eventuell Steuern abgehen. Auch wenn in der Rente einige Ausgaben wegfallen, wäre ein biss­chen zusätzliches Geld also gut. Außerdem bietet die Renten­versicherung zusätzliche Leistungen wie eine Hinterbliebenenrente für Angehörige oder eine Erwerbs­minderungs­rente.

Mehr zur gesetzlichen Rente auf test.de

Alles zur Berechnung und der Entwick­lung der gesetzlichen Rente steht in unserem Artikel Das sollten Sie über Ihre Rente wissen.

Alternativen zur gesetzlichen Rente

Bei Beamten über­nimmt die Beamten­versorgung die Funk­tion der Basis­absicherung. Je nach Laufbahn ist diese Versorgung deutlich üppiger als die der gesetzlichen Renten­versicherung. In manchen Berufen gibt es berufs­stän­dische Versorgungs­werke, die die gesetzliche Renten­versicherung ersetzen. Zuständig sind sie für die Alters­versorgung von Freiberuf­lern und Arbeitnehmern mit klassischen Kammerberufen. Dazu zählen Ärzte, Apotheker, Rechts­anwälte und Architekten. Über ihre Kammer sind sie Pflicht­mitglied im zugehörigen Versorgungs­werk. Für Selbst­ständige kommen auch Rürup-Verträge als Basis­vorsorge in Frage, die sie allerdings privat organisieren müssen.

Schicht 2: Die betriebliche Alters­vorsorge

Über den Arbeit­geber können Angestellte zusätzlich für das Alter vorsorgen. Dabei gibt es zwei Konzepte: Bei der klassischen, rein arbeit­geber­finanzierten Betriebs­rente legt der Arbeit­geber Beiträge an, aus denen er seinen Angestellten später eine Betriebs­rente auszahlt. Das ist eine optimale Ergän­zung zur gesetzlichen Rente. Dann gibt es aber auch noch die Möglich­keit, mit eigenen Beiträgen über den Betrieb für das Alter zu sparen: Die sogenannte Entgelt­umwandlung. Bei dieser Variante gibt es neben einigen Vorteilen auch einige Nachteile zu beachten:

Vorteile der betrieblichen Alters­vorsorge

  • Sparen für die Alters­vorsorge aus dem Brutto­gehalt: Auf die gesparten Beiträge müssen keine Steuern und Sozial­abgaben gezahlt werden.
  • Der Arbeit­geber muss in den meisten Fällen 15 Prozent des Beitrags dazu­geben. Besser ist, er zahlt mehr dazu.
  • Durch Gruppen­konditionen sind die Verträge häufig güns­tiger als wenn Kunden sie privat abschließen.
  • Zu Renten­beginn haben die Kundinnen und Kunden die Wahl, ob sie eine einmalige Kapital­auszahlung oder eine monatliche Rente wünschen.

Nachteile der betrieblichen Alters­vorsorge

  • Arbeit­geber gibt den Vertrag vor. Keine Wahl­möglich­keit der Arbeitnehmer. Vertrag kann teuer und unrentabel sein.
  • Die Rente aus einer Betriebs­rente muss voll versteuert werden.
  • Ober­halb eines Frei­betrags (2023: 169,75 Euro) muss der volle Satz für Krankenkassenbeiträge gezahlt werden. Auch Pflege­versicherungs­beiträge gehen ab. Die Abzüge auf größere Betriebs­renten sind damit vergleichs­weise hoch.
  • Da die Beiträge für die betriebliche Alters­vorsorge vom Brutto­gehalt abgehen, fließt weniger Geld in die gesetzliche Renten­versicherung und die gesetzliche Rente fällt später geringer aus.

Fazit: Lohnt sich die betriebliche Alters­vorsorge?

Die betriebliche Alters­vorsorge sieht durch die Förderung in der Anspar­phase auf den ersten Blick attraktiver aus als sie ist. Die hohen Abgaben auf die Rente im Alter und die reduzierte gesetzliche Rente schmälern den Erfolg der Alters­vorsorge. Die betriebliche Alters­vorsorge lohnt sich vor allem dann, wenn der Arbeit­geber deutlich mehr als die vorgeschriebenen 15 Prozent hinzugibt. Ist das der Fall, ist die betriebliche Alters­vorsorge eine gute Ergän­zung zur gesetzlichen Renten­versicherung.

Mehr zur betrieblichen Alters­vorsorge auf test.de

Test: Direkt­versicherungen als betriebliche Alters­vorsorge

Zur Einschät­zung, ob Arbeitnehme­rinnen und Arbeitnehmern ein guter Vertrag vorliegt, hilft unser Test Direktversicherungen, einer üblichen Form der betrieblichen Alters­vorsorge.

Special: Über­blick über Formen, Förderung und Steuern

Einen detaillierten Über­blick über die verschiedenen Formen, die Förderung und die Steuern und Abgaben der betrieblichen Alters­vorsorge gibt es in unserem Artikel Betriebliche Altersvorsorge.

Schicht 3: Die private Alters­vorsorge

Je nachdem, wie üppig die Betriebs­rente ausfällt, reicht eventuell die gesetzliche Rente plus betriebliche Alters­vorsorge. Die meisten Menschen müssen jedoch zusätzlich oder statt­dessen noch privat vorsorgen, um im Alter finanziell gut ausgestattet zu sein. Dafür gibt es eine Vielzahl an Möglich­keiten: Die Riester-Rente sollte ursprüng­lich durch staatliche Förderung die erste Option sein, ist aber wegen vieler Nachteile nicht für jeden die beste Lösung. Eine Alters­vorsorge mit Versicherungen, meist privaten Renten­versicherungen, ist bequem und hat den Vorteil, dass das Geld ein Leben lang sicher fließt, egal wie alt die Rentnerin oder der Rentner wird. Doch die starren Versicherungs­verträge sind wenig flexibel. Natürlich können Spare­rinnen und Sparer auch einfach Geld in Fonds­sparpläne stecken und können mit einiger Gewiss­heit davon ausgehen, dass sich das Vermögen bis zum Renten­eintritt ordentlich vermehrt. Auch eine Immobilie kann eine gute Alters­vorsorge sein. Wer das Eigenheim bis zum Renten­eintritt abbezahlt hat, kann im Alter mietfrei und geschützt vor Kündigungen leben.

Die unterschiedlichen Förderungen und Belastungen verschiedener Alters­vorsorgeformen sind verwirrend. Die eine perfekte Alters­vorsorge für alle gibt es nicht.

Max Schmutzer, Redak­teur Finanztest

Die Riester-Rente

Teuer, bürokratisch, unflexibel – die Riester-Rente hat nicht gerade einen guten Ruf – und die Vorwürfe sind berechtigt. Die Zahl der Riester-Verträge sinkt seit Jahren. Derzeit prüft die Bundes­regierung, wie sie das bestehende System verbessern kann. Das ändert nichts daran, dass sich ein Riester-Vertrag für bestimmte Ziel­gruppen eben doch lohnt: Vor allem bei kinder­reichen Familien finanziert der Staat einen Groß­teil des Vertrags. Alle anderen müssen prüfen, ob sie mit den Einschränkungen der Riester-Rente leben wollen. Aktuell spricht viel dagegen.

Zulagen bringen Rendite

Spare­rinnen und Sparer, die inklusive Zulagen 4 Prozent ihres Brutto­einkommens in den Vertrag stecken, bekommen die volle Förderung des jähr­lichen staatlichen Riester­zuschusses:

  • 175 Euro Grund­zulage
  • 300 Euro pro Kind (185 Euro für Kinder, die vor 2008 geboren wurden)

Die Zahlungen des Staats werden von den zu zahlenden Beiträgen der Kundinnen und Kunden abge­zogen, so dass sie weniger selbst in den Vertrag einzahlen müssen, wenn sie höhe Zulagen bekommen. Eine Gering­verdienerin mit drei Kindern muss so nur 60 Euro im Jahr einzahlen, um die volle Zulage von 1 075 Euro zu bekommen.

Steuer­förderung für Gutverdiener

Die Beiträge für einen Riester-Vertrag sind bis maximal 2 100 Euro im Jahr von der Steuer absetz­bar. Je höher der persönliche Steu­ersatz, umso mehr bekommt man über die Steuererklärung durch seinen Riester-Vertrag wieder zurück. Aber: Die Riester-Rente muss dafür später versteuert werden. Die Steuer­förderung lohnt sich vor allem dann, wenn man im Erwerbs­leben gut verdient, im Alter aber weniger Steuern zahlen muss.

Vorteile der Riester-Rente

  • Zulagen des Staates vor allem für Kinder sind hoch.
  • Gutverdiene­rinnen und Gutverdiener profitieren von einer höheren Steuer­förderung.
  • Lebens­lange Rentenzahlung ist garan­tiert, egal ob die späteren Auszahlungen die Einzahlungen über­steigen.

Nachteile der Riester-Rente

  • Wer seinen Vertrag während der Lauf­zeit kündigt, muss die gesamte staatliche Förderung zurück­zahlen.
  • Viele Verträge sind mit hohen Kosten verbunden.
  • Das Vertrags­angebot ist nur noch sehr einge­schränkt, es gibt kaum Auswahl für Verbrauche­rinnen und Verbraucher.
  • Wird nur als monatliche Rente ausgezahlt. Diese wird immer so kalkuliert, dass Versicherte sehr alt werden müssen, um ihr einge­zahltes Geld wieder­zubekommen.
  • Durch die sehr vorsichtige Konstruktion der Riester-Rente kann kaum Geld in riskantere und damit rendite­stärkere Anlagen wie Aktien fließen.
  • Sehr bürokratisch. Vor allem Gehalts­änderungen sorgen immer wieder für Probleme mit den Zulagen.
  • Auf die spätere Rentenzah­lungen müssen Steuern gezahlt werden.

Fazit: Lohnt sich die Riester-Rente?

Familien mit mehreren Kindern sollten einen Riester-Vertrag haben, um die staatliche Zulage mitzunehmen. Das Eltern­teil mit dem geringeren Einkommen muss weniger einzahlen, um die volle Förderung zu erhalten. Für Kinder­lose mit mitt­leren Einkommen sind weder die Grund­zulage noch die steuerliche Förderung besonders attraktiv. Außerdem ist die Riester-Rente in der jetzigen Form mit vielen Nach­teilen verbunden. Junge Spare­rinnen und Sparer, die sich noch nicht lang­fristig binden wollen und eine flexiblere Form der Alters­vorsorge wünschen, sollten keine Riester-Rente abschließen.

Mehr zur Riester-Rente auf test.de

Detailliertere Informationen zur Riester-Rente finden Sie in den Artikeln Riester-Rente im Überblick: Versicherung, Sparplan, Fondspolice und Antworten auf Ihre Fragen zur Riester-Rente.

Alters­vorsorge mit Versicherungen

Die private Alters­vorsorge wird in Deutsch­land traditionell über Lebens­versicherungs­unternehmen wie Allianz, R+V, Debeka und Co. abge­schlossen. Sie haben eine breite Palette an Alters­vorsorgeangeboten. Diese hatten in der Vergangenheit immer den Vorteil der Plan­barkeit: Die klassischen privaten Renten­versicherungen bieten einen garan­tierten Zins­satz in der Spar­phase und eine garan­tierte Rentenhöhe in der Renten­phase. Die nied­rigen Zinsen der letzten Jahre haben die Lebens­versicherer aber vor Probleme gestellt. Sie bieten kaum noch diese klassischen Varianten an, sondern setzen auf weniger plan­bare Alternativen. Fonds­gebundene Renten­versicherungen, bei denen Kundinnen und Kunden zum Beispiel Aktienfonds besparen können, bieten weniger Sicherheit aber dafür attrakti­vere Rendite­chancen. Steuerliche Vorteile in den Renten­phase gibt es für alle privaten Renten­versicherungen.

Es spricht aber auch vieles dafür, auf Versicherungen zu verzichten und auf eigene Faust einen ETF-Sparplan einzurichten. Von intrans­parenten Misch­produkten der Lebens­versicherer wie Index­policen raten wir ab.

Private Renten­versicherung – eine Geld­anlage für alle

Die Idee hinter privaten Renten­versicherungen klingt gut: Der Versicherer garan­tiert in der Anspar­phase einen bestimmten Zins­satz auf die Beiträge. Legt er das Geld der Kundinnen und Kunden gut an, gibt es für alle noch etwas oben­drauf. Da die Geld­anlage „kollektiv“ organisiert ist, werden alle gleich beteiligt. Für die Rente gibt es eine garan­tierte Mindest­rente, mit der die Kundinnen und Kunden planen können. Läuft es gut mit der Geld­anlage des Versicherers, fällt die Rente höher aus.

Hohe Kosten schmälern Erfolg

Das Problem privater Renten­versicherungen: Sie sind häufig recht teuer. Hohe Abschluss­kosten werden vor allem in den ersten Jahren fällig und werden von dem Betrag abge­zogen, den Kundinnen und Kunden in den Vertrag einzahlen. Viele Spare­rinnen und Sparer sind erst mal über­rascht, wie wenig der ersten Jahres­raten über­haupt gespart wird und wie viel statt­dessen an die Versicherung fließt.

Nied­rige Zinsen bei Versicherungs­verträgen

Das war noch eher verkraft­bar, als die Versicherer 4 Prozent Zinsen garan­tieren konnten. Aber das ist lange vorbei. Mitt­lerweile liegt der maximal zulässige Garan­tiezins bei 0,25 Prozent. Und nicht mal das wollen viele Versicherer garan­tieren. Neuere Tarife versprechen nur noch 90 Prozent der einge­zahlten Beiträge oder weniger. Mitt­lerweile können Kundinnen und Kunden also auch mit Lebens­versicherungs­verträgen Verluste machen, selbst wenn sie den Vertrag bis zum Ende durch­halten. Auch die Über­schüsse aus der Geld­anlage reißen nicht mehr viel raus. Im Branchen­schnitt lag die laufende Verzinsung der Verträge 2022 bei 2,1 Prozent – und das nur für den Teil, der nach den Kosten übrig bleibt.

Vorteile der privaten Renten­versicherung

  • Durch garan­tierte Verzinsungen und garan­tierte Renten ist sie gut plan­bar.
  • Kundinnen und Kunden müssen sich nicht selbst um ihre Geld­anlage kümmern.
  • Nur ein geringer Anteil der späteren Rente muss versteuert werden.
  • Es gibt die Wahl­freiheit zwischen Kapital­auszahlung oder lebens­langer Rente.

Nachteile der privaten Renten­versicherung

  • Viele Verträge sind mit hohen Kosten verbunden, die den Anlage­erfolg schmälern.
  • Wer die lang­fristigen Verträge vorzeitig kündigt, macht häufig Verluste.
  • Geld wird sehr sicher angelegt, daher geringe Rendite­chancen.
  • Renten fallen häufig sehr nied­rig aus. Versicherte müssen sehr alt werden, um ihre einge­zahlten Beiträge wieder­zubekommen.
  • Konstruktionen wie „Index­policen“ sind intrans­parent und unkalkulier­bar. Wir raten ab.

Fazit: Lohnt sich eine private Renten­versicherung?

Sicher­heits­fanatikern, die unbe­dingt wissen wollen, wie hoch ihre zusätzliche Alters­vorsorge später mal ausfallen wird, bietet eine private Renten­versicherung genau das. Sie sollten aber unbe­dingt Angebote vergleichen und nicht einfach irgend­was bei ihrem Versicherungs­vertreter abschließen. Hohe Kosten und nied­rige Verzinsungen machen private Renten­versicherungen unattraktiv. Alle, die mit etwas Unsicherheit leben können, sollten sich nach Alternativen umschauen.

Mehr zu privaten Renten­versicherungen auf test.de

Für den Über­blick

Wie Lebens­versicherungs­verträge zur Alters­vorsorge funk­tionieren und alles zu Über­schüssen und Steuern, erklären wir detailliert in unserem Artikel Was die Lebensversicherung leistet. Unser letzter Vergleich privater Rentenversicherungen ist von 2019 und nicht mehr aktuell.

Welche Produkte wir nicht empfehlen

Es gibt auch Angebote, die Kundinnen und Kunden auf keinen Fall abschließen sollten: Warum wir von Indexpolicen abraten.

Fonds­gebundene Renten­versicherung

Neben den klassischen privaten Renten­versicherungen bieten viele Versicherer auch Renten­versicherungen mit Fonds an. Sie werden fonds­gebundene Renten­versicherungen oder Fonds­policen genannt. Anders als bei den privaten Renten­versicherungen wird das Geld hier nicht kollektiv für alle gemein­sam angelegt, sondern Kundinnen und Kunden entscheiden sich individuell für die Fonds, mit denen sie für das Alter sparen wollen. Die Geld­anlage ähnelt damit einem Fonds­sparplan. Im Unterschied zum Sparplan garan­tiert die Versicherung den Kundinnen und Kunden, ihr Vermögen später in eine lebens­lange Rente umzu­wandeln. Dafür geben sie garan­tierte Renten­faktoren an: Ein Renten­faktor von 25 bedeutet, dass pro 10 000 Euro Fonds­vermögen 25 Euro Rente gezahlt werden.

Vorteile fonds­gebundene Renten­versicherung

  • Viele Versicherer ermöglichen es, mit güns­tigen ETF für das Alter zu sparen.
  • Deutlich höhere Rendite­chancen als klassische private Renten­versicherungen.
  • Fonds­policen sind bequem, da die Arbeit für Depot­eröff­nung, Kosten­über­wachen und Steuererklärung wegfällt.
  • Fonds­gebundene Renten­versicherungen haben steuerliche Vorteile. Während der Anspar­phase müssen Erträge der Fonds nicht versteuert werden. Unter bestimmten Voraus­setzungen ist auch die Auszahlung im Alter steuerlich günstig.
  • Kundinnen und Kunden können wählen zwischen Kapital­auszahlung und lebens­langer Rente.

Nachteile fonds­gebundene Renten­versicherung

  • Fonds­gebundene Renten­versicherungen haben deutlich höhere Kosten als Fonds­sparpläne.
  • Kundinnen und Kunden tragen das Geld­anlagerisiko alleine. Es kann sein, dass die Fonds schlecht laufen.
  • Sie sind recht unflexibel, da die Kosten von der Höhe der Beiträge abhängt. Senken Kunden die Beiträge im Laufe der Zeit ab, haben sie zu viel gezahlt. Kündigen sie den Vertrag ganz, sind die Abschluss­kosten verloren.
  • Die Mindest-Renten­faktoren bei Vertrags­abschluss sind häufig so nied­rig, dass der Rentner deutlich über 100 Jahre alt werden müsste, um sein angespartes Vermögen in Form von Rentenzah­lungen wieder­zubekommen.

Fazit: Lohnt sich eine fonds­gebundene Renten­versicherung?

Wer bequem mit Fonds für das Alter sparen will, findet bei guten und güns­tigen fonds­gebundenen Renten­versicherungen eine komfortabele Lösung. Die Versicherung kümmert sich um die Verwaltung rund um das Fonds­sparen und im Alter kann das Vermögen ohne Vertrags­wechsel in eine lebens­lange Rente umge­wandelt werden. Wer möglichst flexibel bleiben möchte, und nichts dagegen hat, sich selbst etwas zu kümmern, wird mit den deutlich güns­tigeren Fonds­sparplänen vermutlich glück­licher.

Mehr zu fonds­gebundenen Renten­versicherungen auf test.de

Entscheidungs­hilfe: Sparplan oder Versicherung?

Eine ausführ­liche Abwägung, ob eher ein Fonds­sparplan oder eine fonds­gebundene Renten­versicherung in Frage kommt, steht unter Altersvorsorge mit Fonds – das sollten Sie wissen.

Angebote im Test

Die besten Angebote fonds­gebundener Renten­versicherungen gibt es im Vergleich Rentenversicherung mit Fonds.

Sonderform: Fonds in der Renten­phase

Eine Sonderform der fonds­gebundenen Renten­versicherungen sind inno­vative Produkte wie fondsgebundene Rentenversicherungen mit Fonds in der Rentenphase.

Alters­vorsorge mit Fonds und ETF

Unser Video zeigt, wie Sie mit kleinen Raten zum großen Vermögen kommen.

Gerade für Berufs­einsteiger, deren Karrierepfad und familiäre Situation noch sehr unsicher ist, spricht viel dafür, sich nicht zu früh an lang­laufende und starre Alters­vorsorgever­träge zu binden. Zudem gibt es viele Spare­rinnen und Sparer, die selbst­ständig Entscheidungen für ihre Alters­vorsorge treffen wollen. Diese Gruppen können sich selbst mit Fonds und ETF eine Alters­vorsorge zusammensparen. Ohne die Renditen von Aktien wird es bei immer noch relativ nied­rigen sicheren Zinsen sowieso schwer, ein ausreichendes Vermögen für das Alter anzu­häufen. Mit einem ETF-Sparplan können Einsteiger schon mit Beträgen ab 25 oder 50 Euro monatlich Erfahrungen an den Börsen sammeln und bleiben dabei flexibel. Sie können die Sparraten jeder­zeit erhöhen, senken oder ganz pausieren.

Bei der Alters­vorsorge auf die Kosten achten

Am güns­tigsten ist die selbst gestrickte Alters­vorsorge sowieso. Ein ETF, der welt­weit in hunderte Aktien­unternehmen investiert, ist mit Kosten von rund 0,2 Prozent pro Jahr sehr günstig. Depots, mit denen man die ETF kaufen kann, gibt es bei vielen Banken kostenlos. Jeder Euro, den Anle­gerinnen und Anleger bei den Kosten sparen, sorgt später für mehr Rendite.

Risiken der Alters­vorsorge mit Fonds und ETF

Aber: Wer zum Beispiel mit einem ETF-Sparplan für das Alter vorsorgt, trägt das Risiko der Geld­anlage komplett selbst. In Börsencrashs kann der Wert der Fonds­anteile deutlich sinken. Deswegen empfehlen wir, nur lang­fristig in Aktienfonds wie ETF zu investieren. Mindestens zehn Jahre sollten Anle­gerinnen und Anleger auf das Geld verzichten können. Für das lang­fristige Sparen für die Alters­vorsorge ist das jedoch kein Problem: Wer länger als 15 Jahre sein Geld in den welt­weiten Aktienmarkt investiert hat, hat in der Vergangenheit nie einen Verlust damit gemacht.

Pantoffel-Portfolio als Anla­gestrategie

Mit unserem Pantoffel-Portfolio haben wir eine Anla­gestrategie entwickelt, mit der man durch Investitionen in Aktien­unternehmen welt­weit lang­fristig ordentliche Renditen einstreichen und trotzdem das Risiko begrenzen kann. Im Alter lassen Rentne­rinnen und Rentner das Pantoffel-Portfolio dann einfach weiterlaufen und entnehmen monatlich Geld. Oder sie investieren das angesparte Geld in eine Sofortrente, die das Vermögen in eine monatliche Rente umrechnet, die lebens­lang garan­tiert ausgezahlt wird.

Vorteile Alters­vorsorge mit Fonds und ETF

  • Höhere Rendite­chancen als bei sicher verzinsten Produkten.
  • Hohe Flexibilität: Erhöhen, Absenken oder Pausieren der Sparraten ist nicht mit zusätzlichen Kosten verbunden.
  • Die Kosten sind deutlich geringer als bei Alters­vorsorgelösungen der Versicherungen.

Nachteile Alters­vorsorge mit Fonds und ETF

  • Kurz­fristig schwankt der Wert von Aktien-ETF stark und die Kurse können auch über längere Zeiträume ins Minus rutschen.
  • Die selbst­ständige Verwaltung des eigenen Vermögens ist etwas aufwendiger, als das einer Versicherung zu über­lassen.

Fazit: Lohnen sich ETF zur Alters­vorsorge?

Wer noch lange Zeit hat bis zur Rente und bei kurz­fristigen Schwankungen keine Angst bekommt, sollte (auch) auf Aktienfonds und ETF zur Alters­vorsorge setzen. Auf lange Sicht ist das Verhältnis von Rendite zum Risiko so gut wie bei keiner anderen Anlageform. Wer konstant in welt­weit anlegende Aktien-ETF investiert, hat gute Chancen, bis zur Rente ein ordentliches Vermögen aufzubauen.

Mehr zu Fonds und ETF auf test.de

Alles was man wissen muss, um einen ETF-Sparplan zu starten, steht in unserem ETF-Sparplan-Vergleich. Zur unkomplizierten, lang­fristigen Alters­vorsorge mit Aktien-ETF eignet sich unser Pantoffel-Portfolio. Wem Nach­haltig­keit bei der Geld­anlage wichtig ist, findet alle Informationen unter Nachhaltige Fonds und ETF.

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Profilbild Stiftung_Warentest am 19.01.2023 um 13:40 Uhr
Riester-Rente / Umzug ins Ausland

@cctfer: Es spricht nichts dagegen, den Aspekt beim Umzug ins Nicht-EU-Ausland mal wieder an anderer Stelle zu erwähnen. Vielen Dank für die Anregung.
Tipp: Nicht zu früh kündigen: Spätesten zu Rentenbeginn müssen die Anbieter die Kosten wieder reingeholt haben. Die Kapitalerhaltsgarantie sorgt dafür, dass Riester-Sparenden zu Rentenbeginn wenigstens die Summe der eigenen Einzahlungen und der Zulagen, die in den Vertrag geflossen sind. Wer den Vertrag in jungen Jahren kündigt, trägt das Risiko der Verluste durch zu hohe Kosten selbst.

cctfer am 18.01.2023 um 15:54 Uhr
Riester-Rente / Umzug ins Ausland

Vielen Dank für die Stellungnahme und den offenen Umgang mit den Kommentaren.

Problematisch ist hier jedoch nicht, dass Förderungen zurückgezahlt werden müssen, sondern dass die hohen Kosten der Anbieter trotzdem anfallen. Damit hat man am Ende nicht +/- 0, sondern die Gefahr eines viele tausend Euro umfassenden Verlustes, als Riester-Nachteil, wenn man Auswandern nicht zu 100% ausschließen kann - 45 Jahre vor der Entscheidung dazu.

Der von Ihnen genannte Artikel von 2012 war bei meiner Recherche bereits über 5 Jahre alt. Der Nachteil wurde und wird in keinem aktuellen Test (ich las damals alle) oder Artikel erwähnt. Heute ist der Artikel über 10 Jahre alt und trotzdem der letzte Anhaltspunkt, wo Sie über diesen für einige Kunden sehr harten Nachteil informieren. Was spricht dagegen, das in aktuellen Artikeln wie diesem in wenigstens einem Satz zu erwähnen? "Bei einem Umzug in ein Land außerhalb d. EU/EWR sind Förderungen zurückzuzahlen, die Kosten entstehen trotzdem" - fertig.

Profilbild Stiftung_Warentest am 16.01.2023 um 14:19 Uhr
Riester-Rente / Umzug ins Ausland

@cctfer: Ja, wer als Rentner in ein Land außer­halb der EU oder des EWR zieht, zahlt in Deutschland keine Steuern mehr auf seine Auszahlung der Riester-Rente. Im Gegen­zug verlangt Deutsch­land die komplette Förderung aus Zulagen und Steuervorteilen zurück. Der Anbieter zweigt von jeder Auszahlung 15 Prozent für die Zulagenstelle ab, bis die Förderung zurück­gezahlt ist.
Bei der Riester-Förderung handelt es sich um keine steuerfreie Altersvorsorge, sondern um eine nachgelagerte Besteuerung. In der Ansparphase werden die Beiträge steuerfrei gestellt / mit Zulagen gefördert, im Alter wird dafür im Gegenzug die Auszahlung nicht nur mit ihrem Ertragsanteil besteuert, sondern voll besteuert.
Wir haben an verschiedenen Stellen dazu berichtet, sehr ausführlich hier. Anfangs war es sogar strittig, ob jeder Umzug ins Ausland zur Rückzahlungsverpflichtung führt:
www.test.de/Serie-Riester-Rente-Teil-6-Riester-im-Ruhestand-Auszahlung-und-Abrechnung-4374084-4374091

cctfer am 13.01.2023 um 09:59 Uhr
Nachteil Riester-Rente verschwiegen

Ich verstehe nicht, warum es die ansonsten transparente Stiftung Warentest konsequent unterlässt, einen entscheidenden Nachteil der Riester-Rente zu nennen, obwohl die Info nach eigenen Angaben bekannt ist.

Die Riester-Rente wird nur in der EU bzw. dem EWR ausgezahlt. Wer seinen Lebensabend in (Süd-) Amerika, Asien, Schweiz etc. verbringt, muss die Förderungen zurückzahlen. Damit wird die Riester-Rente aufgrund der hohen Kosten auch für große Familien und Gutverdiener unrentabel. Wer kann das heute abschätzen? Später ist man dann unflexibel.

Ich hatte mich damals umfänglich bei der SW über den Riester informiert und nichts davon gelesen, im Vertrag stand auch nichts davon, also habe ich ihn abgeschlossen - und bereue es heute sehr.