Freiwil­lige Rentenbeiträge Wann sich freiwil­lige Beiträge lohnen

Freiwil­lige Rentenbeiträge - Wann sich freiwil­lige Beiträge lohnen
Vorsorge. Nicht nur für Angestellte – viele andere können freiwil­lig in die Rente einzahlen. © Isabella Roth / Jutta Fricke Illustratoren-Agentur

Selbst­ständige, Frührentner, aber auch Beamte können mit freiwil­ligen Rentenbeiträgen in die gesetzliche Renten­versicherung vorsorgen. Wir zeigen, wann sich das lohnt.

Inhalt

Rück­grat der Alters­sicherung

Fast 57 Millionen Versicherte, gut 21 Millionen Rentne­rinnen und Rentner: Die gesetzliche Renten­versicherung ist unangefochtenes Rück­grat der Alters­sicherung in Deutsch­land. Vor allem soll sie den Ruhe­stand von Arbeitnehme­rinnen und Arbeitnehmern absichern.

Aber auch Selbst­ständige, Freiberufler, Hausfrauen oder -männer und sogar Beamte können über sie vorsorgen. Bisher machen viele von ihnen eher einen großen Bogen um das gesetzliche Stan­dard­programm. Das mag unter anderem an der starken Lobby der privaten Versicherungs­wirt­schaft liegen, die viel dafür tut, sie in ihre eigenen Produkte zu locken. Dass die nicht immer der Königsweg sind, zeigt die Riester-Rente.

2022 gibt es mehr Renten­ansprüche fürs Geld

Wir wollten wissen, was Einzahlungen in die gesetzliche Renten­versicherung bringen und wie sinn­voll das Vorsorgesparen über sie für Menschen in unterschiedlichen Erwerbs­situationen ist.

Das wichtigste Ergebnis: 2022 ist ein gutes Jahr für Einzahlungen. Es gibt mehr Renten­ansprüche fürs Geld. Die Renten­expertinnen und -experten der Stiftung Warentest haben die Möglich­keit, über die Rentenkasse vorzusorgen, für fünf Erwerbs­situationen beispielhaft durch­gerechnet. Wir zeigen, wie sich mit freiwil­ligen Beiträgen die Rente erhöhen und die Steuerlast senken lässt.

Das bietet unser Special Freiwil­lige Rentenbeiträge:

  • Basiswissen. Im kostenfreien Teil erfahren Sie Grund­legendes zu freiwil­ligen Beiträgen zur gesetzliche Renten­versicherung und können anhand unseres „Pro und Kontra“ abwägen, ob diese Art der Vorsorge etwas für Sie ist.
  • Beispiel­rechnungen. Wenn Sie den Artikel frei­schalten, sehen Sie an fünf Beispielen für unterschiedliche Erwerbs­situationen, wie freiwil­lige Einzahlungen die Rente erhöhen können und wie viel Steuerersparnis dafür drin ist. Spezielle Informationen und Tipps für Selbst­ständige, Freiberufler, Beamte, Frührentner und Hausfrauen und -männer helfen bei der Entscheidung.
  • Beitrags­rechner. Mit unserem Rechner für freiwillige Rentenbeiträge im kosten­pflichtigen Teil des Artikels können Sie sich schnell einen Über­blick verschaffen, wie Ihre individuelle Einzahlung derzeit Ihre Rente erhöht.
  • Check­liste. Unsere Checkliste zeigt, wie Sie konkret vorgehen müssen, wenn Sie freiwil­lig in die gesetzliche Renten­versicherung einzahlen möchten.
  • Print­artikel. Zudem erhalten Sie den aktuellen Print­artikel aus Finanztest 3/2022 als PDF mit weiteren Beispiel­rechnungen zu freiwil­ligen Nach­zahlungen für Schul­zeiten und Ausgleichs­zahlungen für einen vorzeitigen Renten­beginn.

Noch bis 31. März für 2021 Rentenbeiträge nach­zahlen

Um freiwil­lig Beiträge in die Rentenkasse einzahlen zu können, müssen Interes­sierte zuerst einen Antrag auf freiwil­lige Versicherung stellen (siehe Checkliste). Die Höhe der monatlichen Beiträge legen sie dann zwischen dem Mindest- und Höchst­beitrag selbst fest. Monatlich können sie zwischen 83,70 Euro und 1 311,30 Euro über­weisen. Ausnahme: Neuversicherte können noch bis Ende März 2022 für das komplette Jahr 2021 nach­zahlen. Wer den jähr­lichen Höchst­beitrag von 15 735,60 Euro nicht ausschöpft, fährt aufgrund der güns­tigeren Bedingungen besser, wenn er möglichst viel für 2022 einzahlt.

Unsere Tabelle zeigt, mit welchem Rentenplus Einzahlende je nach Beitrag für die Jahre 2022 und 2021 rechnen können. Mit unserem Rechner können sie die Renten­erhöhung auch individuell ausrechnen.

Teils hohe Steuer­vorteile

Ein bedeutender Teil der Vorsorge über die gesetzliche Rente sind die Steuer­vorteile. An unseren fünf Fällen haben wir daher nicht nur untersucht, wie unterschiedliche Einzahlungen die Rente erhöhen, sondern auch, wie sehr einzelne Gruppen steuerlich profitieren. Beispielhaft gerechnet haben wir für:

  • Selbst­ständige,
  • Beamtinnen und Beamte,
  • Freiberuf­lerinnen und Freiberufler,
  • Frührentne­rinnen und -rentner,
  • Hausfrauen und -männer.

Auch pflicht­versicherte Arbeitnehmer ab 50 können oft zusätzliche Einzahlungen leisten, so ihre Rente erhöhen und dabei Steuern sparen. Das gleiche gilt für unter 45-Jährige, wenn sie für Zeiten von Schul­besuch, Studium oder Ausbildung Beiträge nachzahlen.

Freiwil­lig in die Rente einzahlen – die wichtigsten Tipps

Freiwil­lig versichern.
Sind Sie nicht in der gesetzlichen Renten­versicherung pflicht­versichert, können Sie durch freiwil­lige Beiträge Ihre Rente erhöhen. Möglich ist das für Selbst­ständige und Freiberufler, Frührentner, Beamte und Hausfrauen und -männer. Wenn Sie das Special frei­schalten, zeigen Ihnen Beispiel­rechnungen, wie viel Rente und Steuerersparnis drin sind und wie Sie vorgehen, wenn Sie Beiträge nach­zahlen wollen.
Angestellte.
Auch Pflicht­versicherte, insbesondere Arbeitnehme­rinnen und Arbeitnehmer, können freiwil­lig mehr einzahlen. Sind sie unter 45 Jahre, kommen Nachzahlungen für Schul-, Studiums- und Ausbildungszeiten infrage. Über 50-Jährige können Ausgleichszahlungen für einen früheren Renten­beginn leisten.
Vorsorge klären.
Freiwil­lige Beiträge können Sie nutzen, um sich lang­fristig eine Basis­vorsorge aufzubauen, um im Alter damit die laufenden Kosten zu decken. Sie können mit ihnen aber auch Ihre Rente noch kurz vor dem Ruhe­stand aufpeppen, etwa wenn Sie fest­stellen, dass Ihre Rürup-Rente nied­riger ausfällt als gedacht.
Sorgfältig abwägen.
Renten passen nicht für jeden als Vorsorgeform. Das gilt auch für die gesetzliche Renten­versicherung. Unser „Pro und Kontra“ am Ende des Artikels hilft Ihnen, die richtige Entscheidung zu treffen.
Rat einholen.
Bevor Sie freiwil­lig einzahlen, holen Sie sich kostenfreien Rat bei der Deutschen Rentenversicherung. Wollen Sie viel Geld investieren, kann zusätzlicher Rat von Lohn­steuer­hilfe­ver­einen, Steuerberatern oder unabhängigen Rentenberatern sinn­voll sein. Erkundigen Sie sich im Vorfeld immer nach den Kosten.
Sozial­verbände.
Bei Streitig­keiten mit der Renten­versicherung können Sie die Sozial­verbände VdK und SoVD unterstützen. Der Mitglieds­beitrag liegt bei 8 Euro und 6,90 Euro.

Steuerboni besonders für Selbst­ständige attraktiv

Gerade für Selbst­ständige sind die Steuerboni teils sehr attraktiv. Unsere Rechnungen zeigen, dass sie über 40 Prozent der Einzahlung ausmachen können. Auch bei anderen sind Steuererspar­nisse von über 30 Prozent der Einzahlung drin. Aber nicht für alle sind die freiwil­ligen Einzahlungen gleich gut. Frührentner können meist weniger stark von den Steuer­vorteilen profitieren als während des Berufs­lebens.

Viele Faktoren spielen eine Rolle

Bedenken müssen Vorsorgesparende, dass im Ruhe­stand auf ihre Rente Steuern anfallen, wenn auch meist deutlich weniger als im Berufs­leben. Dazu kommen bei gesetzlich kranken­versicherten Rentnern Beiträge für die gesetzliche Kranken- und Pflege­versicherung von rund 11 Prozent.

Vor einer Investition in die gesetzliche Renten­versicherung heißt es also genau rechnen. Einen allgemeingültigen Rat für oder gegen freiwil­lige Einzahlungen können wir nicht geben, dazu hängt sie von zu vielen persönlichen Faktoren ab. Unsere Beispiel­rechnungen zeigen aber, was Interes­sierte in ihre Über­legungen einbeziehen müssen.

Auf die Rechnerei verzichten können alle, die schon im Vorfeld zu dem Schluss kommen, dass Vorsorgen über die gesetzliche Rente nichts für sie ist. Dabei hilft unser Über­blick über die Vor- und Nachteile.

Pro und Kontra: Freiwil­lige Beiträge

Die Bedingungen für freiwil­lige Einzahlungen in die Rentenkasse sind derzeit günstig. Trotzdem sind sie lange nicht für jeden als Alters­vorsorge geeignet. Die wichtigsten Vor- und Nachteile auf einen Blick.

Was für eine Einzahlung spricht:

Was gegen eine Einzahlung spricht:

  • Lebens­langer Geld­fluss im Alter.
  • Hohe Verläss­lich­keit bei der Auszahlung,
    gute Plan­barkeit.
  • Wenig Aufwand im Alter.
  • Inflations­schutz durch Renten­steigerungen.
  • Hinterbliebenen­schutz.
  • Rentenfrei­betrag bei Bezug von Grund­sicherung im Alter
    (2022: 224,50 Euro im Monat).
  • Keine Kapitalmarkt­risiken.
  • Hohe Steuererspar­nisse während des
    Berufs­lebens möglich.
  • Zugriff auf die Berechnungs­grund­lagen.
  • Solidarisches Investment.
  • Renten­anwart­schaften sind insolvenz­geschützt.
  • Keine Gerichts­kosten bei Streit mit dem Renten­versicherungs­träger.
  • Kostenfreies Beratungs­angebot.
  • Rendite hängt stark von der eigenen Lebens­dauer ab und ist schwer einzuschätzen.
  • Rahmenbedingungen wie Beitrags­satz oder Renten­alters­grenze können sich ändern. Auch das macht das Investment schwer einschätz­bar.
  • Kein Zugriff mehr auf das einmal einge­zahlte Geld während des Berufs­lebens.
  • Im Alter fallen auf die gesetzliche Rente Steuern an.
  • Im Alter fallen für gesetzlich Versicherte Kranken- und Pflege­versicherungs­beiträge an. Das mindert die gesetzliche Rente.
  • Das einge­zahlte Geld kann nicht mehr vererbt werden.
  • Gesamt­kapital­auszahlung zu Renten­beginn ist nicht möglich.

Alles rund um die Rente auf test.de

Zusatz­zahlungen unter 45:
Für Schul-, Studiums- und Ausbildungszeit nachzahlen
Vorzeitiger Renten­start: Abschläge ausgleichen und Steuern sparen
Früher in Rente: Basiswissen Rente mit 63
Rente für schwerbehinderte Menschen: Früher in den Ruhestand
Zu krank zum Arbeiten:
Was Sie von der Erwerbsminderungsrente erwarten können
Wenn das Geld nicht reicht: Grundsicherung im Alter
Rente und Scheidung: Basiswissen Versorgungsausgleich

Mehr zum Thema

  • Alters­vorsorge für Selbst­ständige So regeln Sie Ihre Rente

    - Die gesetzliche Rente ist auch etwas für Selbst­ständige. Und nicht die schlechteste Option, um sich eine lebens­lange Basis­versorgung aufzubauen. Die...

  • Menschen mit Schwerbehin­derung Früher in Rente gehen

    - Menschen mit Schwerbehin­derung können früher in Rente gehen. Wir zeigen, ab wann und unter welchen Voraus­setzungen – und wie sich die frühe Rente finanziell auswirkt.

  • Erwerbs­minderungs­rente Anspruch, Antrag, Rentenhöhe

    - Wer krank ist und länger­fristig nur noch wenig arbeiten kann, hat Anspruch auf volle oder halbe Erwerbs­minderungs­rente. Hier lesen Sie alles über die...

132 Kommentare Diskutieren Sie mit

Nur registrierte Nutzer können Kommentare verfassen. Bitte melden Sie sich an. Individuelle Fragen richten Sie bitte an den Leserservice.

Nutzer­kommentare können sich auf einen früheren Stand oder einen älteren Test beziehen.

Profilbild Stiftung_Warentest am 16.03.2022 um 11:11 Uhr
Pflegende Angehörige / Rentenversicherungsbeiträge

@reiner_1: Nur Personen, die nicht versicherungspflichtig sind, können sich für Zeiten von der Vollendung des 16. Lebensjahres an freiwillig versichern. (§ 7 Abs. 1 SGB VI).
Zahlt die Krankenkasse für pflegende Beamtinnen Rentenversicherungsbeiträge ein, können diese nicht zusätzlich freiwillige Einzahlungen tätigen.

reiner_1 am 15.03.2022 um 19:58 Uhr
Freiwillige Einzahlung kontra Beiträge aus Pflege

Hallo,
meine Frau, Beamtin, wollte freiwillig Rentenbeiträge einzahlen. Dies wurde aber abgelehnt, da Sie schon Beiträge aus häuslicher Pflege bekommt, die aber sehr niedrig sind. Ein Aufstocken ist also nicht möglich.
Ist diese Information richtig? Ist es sinnvoll, dass hier freiwillige Vorsorge ausgebremst wird?
Danke für die Antwort!

Profilbild Stiftung_Warentest am 15.03.2022 um 15:32 Uhr
Erwerbsgemindert und in Frührente

@40ModuleHIT180: Nein, der Erhalt einer Erwerbsminderungsrente reicht nicht als Voraussetzung aus, um eine freiwillige Einzahlung zur Kompensierung der Abschläge einer Frührente tätigen zu dürfen.

40ModuleHIT180 am 15.03.2022 um 14:44 Uhr
Erwerbsgemindert und in Frührente

Danke für Ihre Antwort.
Kann ja sein, dass ich schwer von Begriff bin - aber nochmal zu meiner eindeutigen Frage und diese bitte mit Ja, es ist in meinem Fall möglich oder mit klarem nein beantworten:
Ich bin 62 Jahre alt und beziehe seit 2003 eine volle Erwerbsminderungsrente - regulärer Rentenbeginn mit 66 Jahren. Jetzt habe ich in der Zeitschrift Finanztest gelesen, dass man bis 31. März 2022 auch noch eine Ausgleichszahlung für 2021 leisten kann, die dann ab dem regulären Rentenbeginn zu einer höheren monatlichen Rente führt.
Laut Auskunft Deutscher Rentenversicherung geht das nicht - was stimmt den nun?
Mit freundlichem Gruß
H. Müller

Profilbild Stiftung_Warentest am 15.03.2022 um 14:21 Uhr
Erwerbsgemindert und in Frührente

@40ModuleHIT180: Den Rechner können auch (erwerbsgeminderte) Frührentner nutzen, die berechnen wollen, um wie viel die Altersrente durch freiwillige Einzahlungen steigt.
Aber nur Bezieher einer Frührente können (wie alle anderen Frührentnerinnen auch) die Abschläge durch freiwillige Einzahlungen für den Zeitraum der vorgezogenen Altersrente bis zum Erreichen der Regelaltersrente kompensieren. Die freiwilligen Einzahlungen können erwerbsgeminderte Frührentner bis zum Beginn Ihrer Regelaltersgrenze für Erwerbsgeminderte vornehmen.
Der Bezug einer Erwerbsminderungsrente allein eröffnet nicht den Weg zur freiwilligen Einzahlung.
Bezieher einer vollen Erwerbsminderungsrente, die sich noch nicht im vorzeitigen Ruhestand befinden, steht die Möglichkeit der Kompensation der Abschläge für die Frührente nicht offen.