Medikamente im Test

Schlafstörungen

Allgemeines

Alle Menschen müssen schlafen, um sich psychisch und körperlich zu erholen und damit das Gehirn die tagsüber aufgenommenen Reize und Informationen verarbeiten und abspeichern kann. Wie viel Schlaf ein Mensch braucht, ist individuell sehr verschieden. Vier bis fünf Stunden sollten es bei Erwachsenen mindestens sein, aber auch acht oder neun Stunden täglich sind nicht ungewöhnlich. Für alle Menschen gilt, dass das Schlafbedürfnis in der Kindheit groß ist und im Alter allmählich abnimmt.

Schlaf besteht aus verschiedenen Abschnitten, die etwa 90 Minuten dauern und sich wiederholen. Nach dem Übergang vom Wachen zum Schlafen ist der Schlaf noch leicht. Dann folgen Tiefschlafphasen, in denen die eigentliche Erholung stattfindet. Zwischen zwei Tiefschlafphasen gibt es jeweils eine Traumschlafphase und danach häufig eine kurze Wachphase. Dann beginnt der nächste Schlafzyklus.

Schlafstörungen sind eine naheliegende Folge von veränderten Alltagsbedingungen. Diese akuten Insomnien gehen vorüber, sobald sich der Betroffene an die veränderte Situation angepasst hat oder die alten Gewohnheiten wieder hergestellt sind. Anders ist das bei andauernden Schlafstörungen aus anderer Ursache. Sie können sich auf das Befinden auswirken und auch körperliche Folgen haben.

Bei Kindern

Säuglinge schlafen etwa 14 Stunden am Tag, Kleinkinder zwischen 11 und 13 Stunden, Schulkinder 9 bis 10 Stunden. Bei manchen können es durchaus ein bis zwei Stunden mehr oder weniger sein. Wenn sich das Schlafverhalten plötzlich ändert, kann das auf den Beginn einer Erkrankung hinweisen.

Anzeichen und Beschwerden

Von Schlafstörung wird gesprochen, wenn jemand schlecht einschlafen kann, nachts immer wieder aufwacht oder morgens nicht erfrischt und erholt aufsteht. Viele Menschen stufen ihr Schlafverhalten allerdings zu Unrecht als gestört ein. Dass man einmal länger braucht, um einzuschlafen, ist ebenso normal, wie es die Wachzeiten sind, die sich zwischen den Schlafphasen einstellen können. Bei der Berechnung der Schlafzeit berücksichtigen viele weder den Mittagsschlaf noch das Einnicken vor dem Fernsehgerät.

In der Schlafforschung ist man dazu übergegangen, statt von einer Schlafstörung von "nicht erholsamem Schlaf" zu sprechen. Wie lange und wie gut man schläft, ist nicht so bedeutsam wie das Gefühl des Betroffenen, morgens erholt aufzuwachen. Bringt der Schlaf längere Zeit nicht die notwendige Erholung, können Müdigkeit, häufiger Sekundenschlaf, Erschöpfung, Unruhe, Reizbarkeit und Angst die Folge sein.

Eine akute Schlafstörung hat meist einen nachvollziehbaren Anlass und vergeht binnen Kurzem wieder. Von einer chronischen Schlafstörung spricht man, wenn der Schlaf einen Monat lang mindestens an drei Nächten pro Woche gestört ist und das Zusammenleben mit anderen Menschen im Beruf und in der Familie darunter leidet. Man geht davon aus, dass in den hoch industrialisierten Ländern etwa jeder Zehnte eine solche Schlafstörung hat.

Ursachen

Schlaf ist ein recht störanfälliger Zustand. Viele Faktoren können zu Schlafstörungen führen:

  • Überlastung und Stress, Sorgen, Ärger und Anspannung rauben den Schlaf. Auch der Gedanke, unbedingt schlafen zu müssen, verhindert die zum Schlafen notwendige Entspannung.
  • Bei zu wenig körperlicher Aktivität im Tagesverlauf kann zur Nacht die notwendige Erschöpfung fehlen.
  • Äußere Bedingungen können das Einschlafen beeinträchtigen, beispielsweise Lärm, helles Licht, ein unbequemes Bett, unpassende Zudecken.
  • Mit kalten Händen und Füßen fällt das Einschlafen schwer.
  • Eine üppige Mahlzeit während der letzten vier Stunden vor dem Zubettgehen belastet den Körper mit Verdauungsarbeit und führt zu einem unruhigen Schlaf.
  • Das Coffein aus tagsüber getrunkenem Kaffee, Tee oder Softdrinks kann selbst abends noch so munter machen, dass es das Einschlafen verhindert.
  • Alkohol fördert zwar bei vielen Menschen das Einschlafen, unterbricht den Schlaf aber, wenn die Alkoholwirkung nachlässt. Darüber hinaus verliert sich bei häufigem Genuss die schlafanstoßende Wirkung von Alkohol.
  • Der biologische Tag-Nacht-Rhythmus fordert sein Recht. Wer dagegen anlebt, z. B. durch wechselnde Arbeitszeiten oder das Überfliegen von Zeitzonen, muss mit Schlafstörungen rechnen.
  • Eine Reihe von Menschen wird durch Beschwerden und Krankheiten am erholsamen Schlafen gehindert. Dazu gehören Schmerzen, Fieber, Erkältungen und Asthma mit nächtlichem Husten, saures Aufstoßen, Übergewicht, Schilddrüsenerkrankungen, Diabetes, Ohrgeräusche, Juckreiz, Parkinsonkrankheit, Demenz, Herzkrankheit und Blasenerkrankungen.
  • Nächtliche Schwitzattacken, wie sie z. B. in den Wechseljahren häufig auftreten, können das Durchschlafen erschweren und bestehende Schlafschwierigkeiten verschlimmern.
  • Eine spezielle Bewegungsstörung, die den Schlaf nachhaltig stören kann, sind die "Unruhigen Beine", engl. restless legs.
  • Zwar nicht der Schlaf, aber die nächtliche Erholung kann durch das Schlafapnoe-Syndrom ganz erheblich beeinträchtigt werden. Es tritt vornehmlich bei stark schnarchenden Menschen auf, die meist auch übergewichtig sind. Kennzeichen der Schlafapnoe sind pro Stunde mehr als fünf Atempausen, die länger als zehn Sekunden dauern.
  • Aufwachen frühmorgens gegen vier, fünf Uhr kann auf eine beginnende Depression oder Angststörung hinweisen.
  • Schlafstörungen gehören zu den üblichen Entzugserscheinungen nach dem Absetzen von Beruhigungs- und Schlafmitteln, Alkohol, Zigaretten und Drogen.
  • Viele Medikamente weisen Schlafstörungen als unerwünschte Wirkung auf, so beispielsweise Mittel gegen Depressionen, blutdrucksenkende Mittel, einige Mittel bei Parkinsonkrankheit, bei Asthma und zur Entwässerung.

Bei Kindern

Plötzlich auftretenden Schlafstörungen liegen meist akute Krankheiten zugrunde wie Infektionen, Mittelohrentzündung, Wundsein im Windelbereich.

Besonders bei Säuglingen kann eine zu weiche Unterlage zur Unruhe beim Schlafen beitragen. Sensible Kinder wachen dann leichter auf.

Allgemeine Maßnahmen

Für einen gesunden Schlaf sollten Sie folgende Regeln beachten:

  • Schalten Sie Lärmquellen aus, verwenden Sie gegebenenfalls Ohrstöpsel. Ist der neben Ihnen liegende Partner der Störenfried, sichern womöglich nur getrennte Schlafzimmer die Nachtruhe. Das Schlafzimmer sollte der ruhigste Raum der Wohnung sein.
  • Arbeiten Sie unmittelbar vor dem Einschlafen nicht mehr am Computer.
  • Sorgen Sie dafür, dass das Zimmer gut belüftet und nicht zu warm ist und Sie es abdunkeln können. Andernfalls hilft vielleicht eine Schlafmaske.
  • Schaffen Sie sich ein bequemes Bett mit wohligen Zudecken an.
  • Essen Sie so, dass zwischen der letzten größeren Mahlzeit und dem Zubettgehen einige Stunden liegen. Vermeiden Sie blähende Speisen.
  • Wenn Ihre Nachtruhe dadurch gestört wird, dass Sie mehrfach zur Toilette müssen, sollten Sie Ihre abendliche Flüssigkeitszufuhr beschränken und abends kein Medikament zur Entwässerung einnehmen.
  • Trinken Sie abends weder etwas Coffeinhaltiges noch eine größere Menge Alkohol.
  • Stattdessen kann die Zubereitung eines Tees zum Schlafritual werden. Achten Sie bei der Wahl des Tees aber darauf, dass er keine anregenden Substanzen enthält.
  • Leeren Sie vor der Bettruhe Ihre Blase. Harndrang ist ein häufiger Grund für ungewolltes Aufwachen mitten in der Nacht.
  • Körperliche Aktivität im Tagesverlauf oder ein Abendspaziergang verbessert die Schlafbereitschaft. Kurz vor dem Schlafengehen sollten Sie jedoch keinen anstrengenden Sport treiben.
  • Nutzen Sie alles, was Sie entspannt: eine Ganzkörper-, Rücken- oder Kopfmassage (vielleicht haben Sie jemanden mit etwas Massagefertigkeiten, einen Massagestuhl oder ähnliches), ein lauwarmes Bad, ein Fußbad mit von lauwarm nach heiß ansteigender Temperatur. Auch Entspannungstechniken wie progressive Muskelrelaxation, autogenes Training oder Musikhören können einen Versuch wert sein.
  • Gehen Sie immer zur gleichen Zeit schlafen, stehen Sie morgens immer zur gleichen Zeit auf – auch am Wochenende und vermeiden Sie es, tagsüber zu schlafen.
  • Wenn Sie nachts aufwachen und länger als 20 Minuten wachliegen, sollten Sie aufstehen und sich beschäftigen. Gehen Sie erst wieder ins Bett, wenn Sie Müdigkeit spüren.
  • Verbannen Sie die Uhr und andere Geräte auf Standby aus Ihrem Blickfeld.
  • Führen Sie ein Schlaftagebuch, in das Sie eintragen, wann Sie ins Bett gegangen und wann Sie aufgestanden sind, was Sie tagsüber getan, welche Medikamente Sie eingenommen und womit Sie sich vor dem Zubettgehen beschäftigt haben. Die Auswertung dieser Aufzeichnungen kann Hinweise geben, welche Tagesereignisse sich negativ auf Ihren Schlaf auswirken. Auch kann man so herausfinden, wie lange man tatsächlich schläft. Wer z. B. normalerweise acht Stunden im Bett liegt, aber nur sechs Stunden schläft, kann die Zeit im Bett begrenzen.
  • Bei anhaltenden Schlafstörungen ist ein kompetent geleitetes "Schlaftraining" geeignet, die Schlafqualität zu verbessern. Dabei lernen Sie zu verstehen, warum Ihr Schlaf beeinträchtigt ist. Sie erfahren, wie Sie Ihre Schlafsituation verbessern und durch welches Verhalten Sie zu einer besseren Nachtruhe beitragen können. Auch werden Ihnen Techniken vermittelt, Gedankengänge, die Sie vom Schlafen abhalten, zu erkennen und zu verändern (kognitives Verhaltenstraining).

Bei anhaltenden Schlafstörungen hat sich eine kognitive Verhaltenstherapie als nützlich erwiesen. Bei dieser psychotherapeutischen Behandlung werden eigene Gedanken, Erwartungen und Einstellungen betrachtet und auf ihren Einfluss auf das Krankheitsgeschehen hinterfragt.Menschen mit einer Schlafapnoe kann mit einem speziellen Atemluftgerät geholfen werden (CPAP-Gerät, engl. continuous positive airway pressure). Dann schlafen sie mit einer Nasenmaske, über die sie kontinuierlich Raumluft mit einem gewissen Überdruck einatmen, der die Atemwege offen hält.

Bei Kindern

  • Das Kind sollte vor dem Zubettgehen zur Ruhe kommen können. Das bedeutet, dass es nach dem Abendessen nicht mehr tobt, telefoniert, fernsieht oder sich mit elektronischen Medien beschäftigt. Außerdem kann Lärm den Schlaf des Kindes stören.
  • Kleinen Kindern hilft es, wenn das Zubettgehen immer nach dem gleichen Schema und mit Elementen abläuft, die das Kind beruhigen und ihm Sicherheit und Vertrauen vermitteln. Sie können dem Kind z. B. etwas erzählen, eine Geschichte vorlesen, mit ihm ein Gebet sprechen.
  • Vertraute Gegenstände wie Schmusedecke oder -tier, ein spezielles Kissen oder Spielzeug überbrücken das Gefühl des Kindes, von den Eltern getrennt zu sein.
  • Bei kleinen Kindern können Daumen oder Schnuller als Einschlafhilfe dienen. Eine Nuckelflasche sollten Sie dem Kind dagegen nicht mit ins Bett geben, damit die Zähne nicht durch Karies gefährdet werden und das Kind nicht lernt, sich durch Nahrungsaufnahme zu beruhigen.

Bei folgenden Bedingungen empfiehlt sich eine spezielle Schlafberatung für Kinder:

  • Das Kind signalisiert längere Zeit, dass es sich morgens noch sehr müde fühlt.
  • Einem Schulkind fällt es schwer, im Unterricht wach zu bleiben.
  • Es schläft bei Fahrten in Bus, Bahn oder Auto, die weniger als eine halbe Stunde dauern, regelmäßig ein.
  • Das Kind schnarcht während des Schlafens oft und laut.

Wann zum Arzt?

Mit vielen allgemeinen Maßnahmen und eventuell der Unterstützung durch ein selbstgekauftes Schlafmittel kann man zunächst alleine versuchen, eine kurze Phase schlechten Schlafes zu überstehen. Hält die Störung jedoch länger an, ist nach zwei bis vier Wochen – je nachdem, wie stark die Schlafstörungen den Alltag beeinträchtigen, – ärztliche Beratung angebracht.

Ärztliche Hilfe ist auch angeraten bei erheblichem Übergewicht, wenn die Schlafstörung auf eine Erkrankung oder auf die Wirkung von Arzneimitteln zurückgeführt werden kann oder wenn es sich um eine Entzugserscheinung handelt. Schwangere Frauen sollten bei Schlafstörungen ebenfalls ärztliche Hilfe suchen.

Behandlung mit Medikamenten

Mit allgemeinen Maßnahmen und eventuell der Unterstützung durch ein selbstgekauftes Schlafmittel kann man versuchen, eine kurze Phase schlechten Schlafes zu überstehen.

Auch bei anhaltenden Schlafstörungen kommen Arzneimittel allenfalls kurzfristig in Frage und nur dann, wenn eine kognitive Verhaltenstherapie nicht zur Verfügung steht, abgelehnt wird oder auch zur Überbrückung der Zeit, bis sich die schlaffördernden Verhaltensweisen eingespielt haben.

Rezeptfreie Mittel

Bei Schlafstörungen, die wenige Nächte dauern (etwa auf Reisen) und den Tag danach ernsthaft beeinträchtigen, werden Schlafmittel mit Doxylamin oder Diphenhydramin als "geeignet" beurteilt. Beide Wirkstoffe werden schon seit langer Zeit eingesetzt, ihre schlafanstoßende Wirkung ist gut bekannt. Allerdings dürfen diese Schlafmittel höchstens einige Tage lang eingenommen werden, weil sich der Körper an die Substanzen gewöhnt. Danach wirken sie nicht mehr ausreichend oder es müsste eine so hohe Dosis eingenommen werden, dass vermehrt unerwünschte Wirkungen zu befürchten sind.

Wer sich darauf einstellen kann, dass sich die Schlafqualität erst nach einer Weile verbessert, kann ein Mittel mit Baldrian wählen. Allerdings gilt diese Empfehlung nicht für alle Baldrianextrakte, sondern nur für bestimmte wässrig-alkoholische Extrakte der Baldrianwurzel. Für diese finden sich Studien, die eine schlaffördernde Wirksamkeit nahelegen. Daher werden Mittel mit solchen Baldrianextrakten bei Schlafstörungen als "mit Einschränkung geeignet" beurteilt. Dennoch werden weitere Untersuchungen benötigt, um die therapeutische Wirksamkeit besser zu belegen. Die schlaffördernde Wirkung von Baldrian – vorausgesetzt er wird ausreichend hoch dosiert – setzt erst nach einigen Tagen ein; dann verbessern sich die Beschwerden schrittweise innerhalb von zwei bis vier Wochen. Das Pflanzenmittel über diesen Zeitraum hinaus einzunehmen, ist zwar unschädlich, dennoch sollte eine Dauerbehandlung nur auf ärztlichen Rat erfolgen.

Für andere Extrakte der Baldrianwurzel als die oben genannten, für Tinkturen und für Pulverzubereitungen fehlen wissenschaftliche Studien, die die therapeutische Wirksamkeit ausreichend nachweisen. Diese Mittel sind daher zur Behandlung von Schlafstörungen wenig geeignet.

Johanniskrauttee ist wenig geeignet, um eine Behandlung von Schlafstörungen zu unterstützen, denn seine therapeutische Wirksamkeit ist dafür nicht ausreichend nachgewiesen. Auch mit niedrig dosiertem Johanniskrautextrakt, der als Dragees oder Tabletten im Handel ist, lassen sich Schlafstörungen nicht beheben. Handelt es sich um Schlafstörungen im Zusammenhang mit depressiven Verstimmungen, muss die Behandlung der Depression im Vordergrund stehen. Diese gehört jedoch in die Hand eines Arztes oder klinischen Psychologen.

Mittel mit Baldrianwurzel und Hopfenzapfen zum Einnehmen können bei Schlafstörungen eingesetzt werden. Für bestimmte Extrakte wurden Studien durchgeführt, die eine therapeutische Wirksamkeit nahelegen. Allerdings ist die Bedeutung der Hopfenzapfen für den gefundenen schlaffördernden Effekt noch nicht ausreichend einzuschätzen. Zudem wurden insgesamt nur wenige Studien an einer kleinen Anzahl von Patienten durchgeführt. Die Mittel gelten als "mit Einschränkung geeignet". Weitere Studien sollten die therapeutische Wirksamkeit noch besser belegen. Für andere Extraktformen von Hopfen und Baldrian liegen hingegen keine aussagekräftigen Studien vor, die die therapeutische Wirksamkeit bei Nervosität, Unruhe und Schlafstörungen belegen. Sie sind daher wenig geeignet.

Auch Mischungen aus

eignen sich bei Schlafstörungen nur wenig, da die jeweiligen Kombinationspartner die beruhigende Wirkung von Baldrian nicht nachweislich ergänzen können. Damit sind diese Kombinationen nicht sinnvoll. Produkte, die nur Baldrian enthalten – und zwar ausreichend hoch dosiert – sind zur Selbstbehandlung vorzuziehen.

Wenig geeignet bei Schlafstörungen ist auch der Tee aus einer Kombination von drei Pflanzenbestandteilen. Bei ihm ist für keinen der Bestandteile Hopfenzapfen, Lavendelblüten und Melissenblättern die therapeutische Wirksamkeit noch die der Mischung ausreichend nachgewiesen.

Rezeptpflichtige Mittel

Hält die Schlafstörung jedoch länger an, dann ist nach zwei bis vier Wochen – je nachdem, wie stark die Schlafstörungen den Alltag beeinträchtigen, – ärztliche Beratung angebracht. Bei anhaltenden Schlafstörungen muss der Arzt zunächst klären, ob es Beschwerden oder Krankheiten gibt, die als Ursache für den gestörten Schlaf infrage kommen. Erst wenn ihre angemessene Behandlung die Schlafstörung nicht behoben hat und alle anderen Bemühungen, sich in der Nacht zu erholen, wie das Erlernen von Entspannungstechniken sowie psychotherapeutische Maßnahmen, nicht gefruchtet haben, kann die Verordnung eines Schlafmittels in Betracht gezogen werden.

Schlafmittel können helfen, wieder ausreichend zu schlafen. Sie dürfen aber nur eine kurze Zeit überbrücken, bis erfolgreich andere Möglichkeiten gefunden wurden, zur Ruhe zu kommen. Bei der täglichen Einnahme über mehrere Wochen ist das Risiko groß, von diesen Substanzen abhängig zu werden. Darüber hinaus büßen die Mittel im Laufe der Zeit häufig an Wirkung ein.

Zwei Wochen lang ist es vertretbar, Schlafstörungen mit einem geeigneten Mittel zu behandeln. Nach dieser Zeit sollte das Mittel abgesetzt und versucht werden, ohne medikamentöse Hilfe zu schlafen. Die oben aufgeführten allgemeinen Maßnahmen können dann helfen, ohne Arzneimittel auszukommen. Gelingt das nicht, kann das Medikament weitere zwei Wochen eingenommen werden. Hat sich auch dann nichts geändert, sollte ein Arzt mit schlafmedizinischer Erfahrung eingeschaltet werden. Bei der weiteren Behandlung stehen dann nicht medikamentöse Maßnahmen im Vordergrund.

Ist die Schlaflosigkeit damit nicht zu beheben, kann unter fachmedizinischer Begleitung weiterhin ein geeignetes Medikament eingenommen werden – vorausgesetzt, es besteht keine Abhängigkeit, die Schlaflosigkeit ist nicht die Folge des Absetzens des Medikaments und sie beruht nicht auf einer Erkrankung wie einer Depression, die als solche behandelt werden kann. Immer wieder sollte die Schlafmitteleinnahme von Pausen unterbrochen werden, z. B. indem man das Mittel am Wochenende weglässt.

Nach drei Monaten Schlafmitteleinnahme sollte das Schlafgeschehen in einem Schlaflabor analysiert werden. Nach längstens einem halben Jahr muss die medikamentöse Behandlung beendet werden.

Die Einnahme von Schlafmitteln über längere Zeit führt unweigerlich zur Abhängigkeit. Der Entzug ist langwierig und erfordert eine fachkundige Begleitung. Allerdings muss er nicht wie bei anderen Abhängigkeiten in der Klinik durchgeführt werden, sondern kann ambulant erfolgen.

Als "geeignet" bei Schlafstörungen werden für den kurzzeitigen Einsatz das kurzwirkende Benzodiazepin Brotizolam und die mittellangwirkenden Lormetazepam und Temazepam beurteilt. Während die erste Substanz vor allem angebracht ist, wenn das Einschlafen schwerfällt, eignen sich die beiden anderen auch bei Durchschlafstörungen. Gleichfalls geeignet sind die benzodiazepinähnlichen Substanzen Zolpidem und Zopiclon. Diese zwei benzodiazepinähnlichen Substanzen wirken sehr kurz; darum kommen sie vor allem bei Einschlafstörungen infrage.

Das Benzodiazepin Triazolam wird als "mit Einschränkung geeignet" bewertet. Seiner positiven Eigenschaft, nur zwei bis vier Stunden zu wirken, steht eine Reihe unerwünschter Wirkungen gegenüber.

Chloralhydrat wird bei leichten Schlafstörungen als "mit Einschränkung geeignet" angesehen. Die Wirkung dieses sehr alten Medikaments setzt zwar schnell ein und es beeinflusst nicht die Traumphasen. Dafür verliert es aber bereits nach mehrmaligem Gebrauch an Wirkung. Außerdem ist der Abstand zwischen wirksamer und schädlicher Dosis sehr gering.

Als "wenig geeignet" gelten die langwirkenden Benzodiazepine Flunitrazepam, Flurazepam und Nitrazepam. Ihre Wirkdauer liegt zwischen 10 und 100 Stunden und reicht damit weit in den nächsten Tag beziehungsweise in die nächsten Tage hinein. Infolge der verringerten Aufmerksamkeit und Koordinationsfähigkeit besteht ein erhöhtes Risiko, zu stürzen oder einen anderen Unfall zu erleiden.

Ein relativ neues Medikament zur Behandlung von Schlafstörungen ist Melatonin. Dieses körpereigene Hormon ist an der Steuerung des Tag-Nacht-Rhythmus beteiligt. Als Medikament eingenommen, ist die schlafanstoßende Wirkung von Melatonin allenfalls gering. Zudem ist noch nicht untersucht, wie sich eine längere Anwendung auswirkt. Anhand der bisher vorliegenden Daten können seltene, möglicherweise schwerwiegende unerwünschte Wirkungen nicht ausgeschlossen werden. Ein Abhängigkeitspotenzial hat das Mittel nach derzeitigem Kenntnisstand aber nicht – im Gegensatz zu den anderen hier genannten Schlafmitteln. Bei Schlafstörungen wird Melatonin, dessen Anwendung auf Menschen über 55 Jahre begrenzt ist, als "wenig geeignet" bewertet.