Restless Legs Special

Entspannt die Beine hoch­legen? Mit RSL unmöglich. Im Liegen und Sitzen sind die Symptome am schlimmsten.

Etwa jeden zehnten Erwachsenen quälen unangenehme Reize in den Beinen, die ihnen Schlaf und Nerven rauben. Heilung gibt es nicht, doch einige Mittel können die Beschwerden lindern. test.de sagt, woran Sie das Restless Legs Syndrom (RLS) erkennen können, und was Betroffene tun können.

Wenn der Theaterbesuch zur Qual wird

Eine ganze Ameisen­armee, die über die Beine krabbelt, stetiges Kribbeln und Ziehen in Unter- und Oberschenkel. Immer dann, wenn Betroffene auf dem Sofa zur Ruhe kommen wollen, gehts los: der Drang, die Beine zu massieren, sich zu bewegen, ist über­mächtig. Der Fach­begriff für dieses Leiden heißt Restless-Legs-Syndrom (RLS), zu deutsch „unruhige Beine“. Die meisten erleben die unangenehmen Reize in den Gliedern nur alle paar Tage oder Wochen. Bei einem Drittel der Betroffenen kribbeln die Beine aber beinahe jeden Tag. Den Theaterbesuch, längere Fahrten oder Flüge macht die Krankheit zur Qual.

Nachts ist es am schlimmsten

Die Symptome sind besonders ausgeprägt, wenn die Betroffenen zu Bett gehen: Die wenigsten schlafen gut ein. Sie kneten ihre Beine, stehen immer wieder auf und kommen erst mitten in der Nacht zur Ruhe. Am nächsten Tag sind sie zermürbt und müde, auf Dauer zutiefst erschöpft. „RLS macht richtige Löcher ins Nerven­kostüm“, beschreibt es eine Betroffene in einem Internetforum für RLS-Patienten. Viele berichten, sie seien fix und fertig, die Krankheit mache sie wahn­sinnig.

Eine Heilung gibt es nicht

Das Syndrom lässt sich bislang nicht heilen. Noch ist nicht einmal geklärt, wodurch es verursacht wird. „Mediziner sind sich zumindest einig, dass es sich um eine Erkrankung des zentralen Nerven­systems handelt“, sagt Neurologin Juliane Winkelmann, die am Helmholtz Zentrum München zu RLS forscht. Das Syndrom basiere auf einer Fehl­schaltung der Nerven­zellen im Gehirn. Sie würden anders als regulär stimuliert. „Das löst die Über­erregung, also das Kribbeln und Ziehen, aus.“ Eine wichtige Rolle scheint der Boten­stoff Dopamin zu spielen. Welche genau, ist noch unklar.

Schuld können Arznei­mittel oder fehlende Nähr­stoffe sein

Mehr als die Hälfte der Betroffenen trägt die Erkrankung in den Genen. Oftmals hat ein Eltern­teil die gleichen Beschwerden. Bei vielen RLS-Patienten entdecken Mediziner einen Nähr­stoff- oder Vitamin­mangel, der Fehl­schaltung und Miss­empfindungen befördert. Häufig betroffen sind Menschen mit einem Nierenschaden, auch Schwangere, deren Nähr­stoff- und Hormon­haushalt durch­einander­geraten ist. Auch manche Medikamente lösen RLS-Symptome aus. Dazu gehören zum Beispiel Antide­pressiva, Mittel gegen Übel­keit oder auch Cholesterinsenker.

Was manchmal hilft: Eisen und Magnesium

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Nähr­stoffe zuführen. Löst ein Nähr­stoff­mangel die Miss­empfindungen aus, können Magnesium­tabletten helfen.

Sind Arznei­mittel der Auslöser, lassen sich die Beschwerden lindern, wenn die Mittel in Absprache mit dem Arzt abge­setzt oder umge­stellt werden. Stellt er einen Nähr­stoff­mangel fest, kann er dem Patienten fehlende Nähr­stoffe verabreichen. Neben Eisen kann mitunter Magnesium die Situation verbessern.Wichtig dabei ist, mit dem Arzt abzu­sprechen, ob Nähr­stoffe sinn­voll sind, wenn ja, welche und in welcher Dosis.

Wirkung von Aku­punktur nicht belegt

Um Symptome zu mildern, werden darüber hinaus viele, teils kost­spielige Maßnahmen angepriesen, von Heilkräutern bis Aku­punktur. Keine davon über­zeugt durch ausreichende wissenschaftliche Belege für ihre positive Wirkung gegen RLS.

Eiswi­ckel, Wärm­flasche, Bürsten: Einfach ausprobieren

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Wärme nutzen. Eine Wärm­flasche auf den Beinen vertreibt bei manchen Betroffenen das lästige Kribbeln.

Kein Wunder, dass Betroffene kreativ werden. Viele schwören auf Wärme und Kälte: Die einen berichten, dass ihnen Eiswi­ckel helfen, andere schlafen nur mit Wärm­flasche an den Beinen, nach Wechselduschen oder Massagen ein. Wieder andere empfehlen Massa­gebälle mit Noppen und dick­bors­tige Bürsten. Wissenschaftliche Befunde, was davon wirk­lich wirkt, gibt es nicht. Die Kassen­ärzt­liche Vereinigung Berlin und die Deutsche Gesell­schaft für Schlaf­forschung und Schlafmedizin raten dennoch, sie auszupro­bieren. Viele Patienten hätten gute Erfahrungen damit gemacht.

Auf Koffein verzichten und auf Schlafhygiene achten

Mediziner empfehlen zudem, auf koffeinhaltige Getränke zu verzichten. Außerdem sollten sich RLS-Patienten regel­mäßig bewegen oder Sport treiben. Das kann die Symptome lindern und erleichtert generell abends das Einschlafen. Ingo Fietze, Leiter des Inter­disziplinären Schlafmedizi­nischen Zentrums der Universitäts­medizin in Berlin, rät: „Wer wegen RLS zu Schlaf­problemen neigt, sollte zudem auf gute Schlafhygiene achten.“ Das bedeutet: immer zur gleichen Zeit ins Bett gehen, Schlaf­zimmer und Bett zu einem Wohl­fühl­ort machen, abends vor allem ruhigen Aktivitäten nachgehen. Mehr im Special Besser schlafen: Was gegen nächtliches Wachliegen hilft.

Parkinson­mittel helfen gegen RLS

Nutzen all diese Maßnahmen nicht und belastet RLS stark, können Medikamente helfen. Für die Behand­lung zugelassen sind Mittel, die vorwiegend gegen Parkinson einge­setzt werden. In nied­riger Dosis schwächen sie auch RLS-Symptome. Die Arznei­mittel­experten der Stiftung Warentest beur­teilen die Wirk­stoffe Pramipexol, Ropinirol und Levodopa als geeignet (ausführ­liche Informationen dazu finden Sie in unserer Daten­bank Medikamente im Test). „Bei sieben von zehn Patienten wirkt die Behand­lung damit, schon ab der ersten Tablette“, sagt Mediziner Fietze. In den ersten vier Wochen klagen allerdings manche über Neben­wirkungen wie Kreis­lauf­probleme und Übel­keit. Bei einigen kommen die Symptome trotz Medikamenten nach einiger Zeit wieder, tags­über oder stärker als zuvor. In Absprache mit ihrem Arzt sollten sie dann auf einen anderen Wirk­stoff umsteigen. Bei leichteren Beschwerden könnten Patienten die Medikamente zu bestimmten Anlässen nutzen, etwa wenn sie eine Flugreise machen. Viele stark Betroffene nehmen sie täglich ein, ein Leben lang. Für sie ist das ein geringes Übel – wenn nur die Ameisen­armee endlich stoppt.

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