Medikamente im Test
  • Über 9 000 Medikamente
  • Geprüft durch unabhängige Experten
  • Ständig aktualisiert

Schlafstörungen

Allgemeines

Alle Menschen müssen schlafen, um sich psychisch und körperlich zu erholen. Erholsamer Schlaf ist wichtig, damit das Gehirn die tagsüber aufgenommenen Reize und Informationen verarbeiten und abspeichern kann. Wie viel Schlaf ein Mensch braucht, ist individuell sehr verschieden. Vier bis fünf Stunden sollten es bei Erwachsenen mindestens sein, aber auch acht oder neun Stunden täglich sind nicht ungewöhnlich. Für alle Menschen gilt, dass das Schlafbedürfnis in der Kindheit groß ist und im Alter allmählich abnimmt.

Schlaf besteht aus verschiedenen Abschnitten, die etwa 90 Minuten dauern und sich wiederholen. Dabei werden zwei Schlafarten unterschieden, der orthodoxe oder Non-REM-Schlaf und der paradoxe oder REM-Schlaf.

Ein Schlafzyklus beginnt mit dem orthodoxen Schlaf, der wiederum in verschiedene Phasen eingeteilt wird. Nach dem Übergang vom Wachen zum Schlafen ist der Schlaf noch leicht, man spricht von der Einschlaf- und der Leichtschlafphase. Dann folgen Tiefschlafphasen, in denen die eigentliche Erholung stattfindet. Zwischen zwei Tiefschlafphasen gibt es jeweils eine paradoxe oder Traum-Schlafphase und danach häufig eine kurze Wachphase. Dann beginnt der nächste Schlafzyklus. Für die körperliche und geistige Gesundheit ist ein normaler Ablauf der Schlafphasen, insbesondere des REM-Schlafes von großer Bedeutung.

Hierzulande gibt etwa jeder Fünfte an, Probleme mit dem Ein- oder Durchschlafen zu haben. Schlafstörungen sind eine naheliegende Folge von veränderten Alltagsbedingungen. Diese akuten Insomnien gehen vorüber, sobald sich der Betroffene an die veränderte Situation angepasst hat oder die alten Gewohnheiten wieder hergestellt sind. Anders ist das bei andauernden Schlafstörungen aus anderer Ursache. Sie können sich auf das Befinden negativ auswirken und körperliche Folgen haben.

Bei Kindern

Säuglinge schlafen etwa 14 Stunden am Tag, Kleinkinder zwischen 11 und 13 Stunden, Schulkinder 9 bis 10 Stunden. Bei manchen können es durchaus ein bis zwei Stunden mehr oder weniger sein. Wenn sich das Schlafverhalten plötzlich ändert, kann das auf den Beginn einer Erkrankung hinweisen.

Anzeichen und Beschwerden

Von Schlafstörung wird gesprochen, wenn jemand schlecht einschlafen kann, nachts immer wieder aufwacht oder morgens nicht erfrischt und erholt aufsteht. Viele Menschen stufen ihr Schlafverhalten allerdings zu Unrecht als gestört ein. Dass man einmal länger braucht, um einzuschlafen, ist ebenso normal, wie es die Wachzeiten sind, die sich zwischen den Schlafphasen einstellen können. Bei der Berechnung der Schlafzeit berücksichtigen viele weder den Mittagsschlaf noch das Einnicken vor dem Fernsehgerät.

In der Schlafforschung ist man dazu übergegangen, statt von einer Schlafstörung von "nicht erholsamem Schlaf" zu sprechen. Wie lange und wie gut man schläft, ist nicht so bedeutsam wie das Gefühl des Betroffenen, morgens erholt aufzuwachen. Bringt der Schlaf längere Zeit nicht die notwendige Erholung, können Müdigkeit, häufiger Sekundenschlaf, Erschöpfung, Unruhe, Reizbarkeit und Angst die Folge sein.

Eine akute Schlafstörung hat meist einen nachvollziehbaren Anlass und vergeht binnen Kurzem wieder. Von einer chronischen Schlafstörung spricht man, wenn der Schlaf einen Monat lang mindestens an drei Nächten pro Woche gestört ist und das Zusammenleben mit anderen Menschen im Beruf und in der Familie darunter leidet. Man geht davon aus, dass in den hoch industrialisierten Ländern etwa jeder zehnte Erwachsene eine solche Schlafstörung hat.

Ursachen

Viele Faktoren können zu Schlafstörungen führen:

  • Überlastung und Stress, Sorgen, Ärger und Anspannung rauben zeitweise den Schlaf. Auch der drängende Gedanke, unbedingt schlafen zu müssen, verhindert mitunter die zum Einschlafen notwendige Entspannung.
  • Bei zu wenig körperlicher Aktivität im Tagesverlauf kann zur Nacht der notwendige "Schlafdruck" für ein schnelles Einschlafen fehlen.
  • Äußere Bedingungen können das Einschlafen beeinträchtigen, beispielsweise Lärm, helles Licht, ein unbequemes Bett, unpassende Zudecken.
  • Mit kalten Händen und Füßen fällt das Einschlafen schwer.
  • Eine üppige Mahlzeit während der letzten vier Stunden vor dem Zubettgehen belastet den Körper mit Verdauungsarbeit und führt zu einem unruhigen Schlaf.
  • Das Coffein aus tagsüber getrunkenem Kaffee, Tee oder Softdrinks kann selbst abends noch so munter machen, dass es das Einschlafen verhindert.
  • Alkohol fördert zwar bei vielen Menschen das Einschlafen, senkt aber die Schlafqualität. Darüber hinaus verliert sich bei häufigem Genuss die schlafanstoßende Wirkung von Alkohol.
  • Der biologische Tag-Nacht-Rhythmus fordert sein Recht. Wer dagegen anlebt, z. B. durch wechselnde Arbeitszeiten, nächtliche Arbeit am Bildschirm oder Fernflüge über mehrere Zeitzonen hinweg, muss mit Schlafstörungen rechnen.
  • Körperliche Beschwerden und Krankheiten können einen erholsamen Schlaf verhindern. Dazu gehören viele verschiedene Krankheiten und Beschwerden von Schmerzen und Atembeschwerden über Übergewicht bis hin zu Herz- und Stoffwechselerkrankungen. Auch häufiger nächtlicher Harndrang und dementielle Erkrankungen wie die Alzheimerdemenz können die Nachtruhe stören.
  • Nächtliche Schwitzattacken, wie sie z. B. in den Wechseljahren häufig auftreten, können das Durchschlafen erschweren und bestehende Schlafschwierigkeiten verschlimmern.
  • Auch Zähneknirschen kann den Schlaf stören.
  • Eine spezielle Bewegungsstörung, die den Schlaf nachhaltig beeinträchtigen kann, sind unruhige Beine (engl. restless legs).
  • Zwar nicht der Schlaf, aber die nächtliche Erholung kann durch das Schlafapnoe-Syndrom ganz erheblich beeinträchtigt werden. Es tritt vornehmlich bei stark schnarchenden Menschen auf, die meist auch übergewichtig sind. Kennzeichen der Schlafapnoe sind pro Stunde mehr als fünf Atempausen, die länger als zehn Sekunden dauern.
  • Ein frühes morgendliches Aufwachen gegen vier, fünf Uhr kann auf eine beginnende Depression oder Angststörung hinweisen.
  • Schlafstörungen gehören zu den üblichen Entzugserscheinungen nach dem Absetzen von Beruhigungs- und Schlafmitteln, Alkohol, Zigaretten und Drogen.
  • Viele Medikamente weisen Schlafstörungen als unerwünschte Wirkung auf, so beispielsweise Mittel gegen Depressionen, blutdrucksenkende Mittel, einige Mittel bei Parkinsonkrankheit, bei Asthma und zur Entwässerung.

Bei Kindern

Plötzlich auftretenden Schlafstörungen bei Kindern liegen meist akute Krankheiten zugrunde wie Infektionen, Mittelohrentzündung, Wundsein im Windelbereich.

Besonders bei Säuglingen kann eine zu weiche Unterlage zur Unruhe beim Schlafen beitragen. Sensible Kinder wachen dann leichter auf.

Allgemeine Maßnahmen

Für einen gesunden Schlaf sollten Sie folgende Regeln beachten:

  • Schalten Sie Lärmquellen aus, verwenden Sie gegebenenfalls Ohrstöpsel. Ist der neben Ihnen liegende Partner der Störenfried, sichern womöglich nur getrennte Schlafzimmer die Nachtruhe. Das Schlafzimmer sollte der ruhigste Raum der Wohnung sein.
  • Arbeiten Sie unmittelbar vor dem Einschlafen nicht mehr am Bildschirm.
  • Sorgen Sie dafür, dass das Zimmer gut belüftet und nicht zu warm ist und Sie es abdunkeln können. Andernfalls hilft vielleicht eine Schlafmaske.
  • Schaffen Sie sich ein bequemes Bett mit wohligen Zudecken an.
  • Essen Sie so, dass zwischen der letzten größeren Mahlzeit und dem Zubettgehen einige Stunden liegen. Vermeiden Sie blähende Speisen.
  • Wenn Ihre Nachtruhe dadurch gestört wird, dass Sie mehrfach zur Toilette müssen, sollten Sie Ihre abendliche Flüssigkeitszufuhr beschränken und abends kein Medikament zur Entwässerung einnehmen.
  • Trinken Sie abends weder etwas Coffeinhaltiges noch eine größere Menge Alkohol.
  • Verzichten Sie auf das Rauchen – vor allem am Abend. Nikotin kann den Schlaf stören.
  • Stattdessen kann die Zubereitung eines Tees zum Schlafritual werden. Achten Sie bei der Wahl des Tees aber darauf, dass er keine anregenden Substanzen enthält.
  • Leeren Sie vor der Bettruhe Ihre Blase. Harndrang ist ein häufiger Grund für ungewolltes Aufwachen mitten in der Nacht.
  • Körperliche Aktivität im Tagesverlauf oder ein Abendspaziergang verbessert die Schlafbereitschaft. Kurz vor dem Schlafengehen sollten Sie jedoch keinen anstrengenden Sport treiben.
  • Nutzen Sie alles, was Sie entspannt: eine Ganzkörper-, Rücken- oder Kopfmassage (vielleicht haben Sie jemanden mit etwas Massagefertigkeiten, einen Massagestuhl oder ähnliches), ein lauwarmes Bad, ein Fußbad mit von lauwarm nach heiß ansteigender Temperatur. Auch Entspannungstechniken wie progressive Muskelrelaxation, autogenes Training oder Musikhören können einen Versuch wert sein.
  • Gehen Sie möglichst immer zur gleichen Zeit schlafen, stehen Sie morgens zur gleichen Zeit auf – auch am Wochenende und vermeiden Sie es, tagsüber zu schlafen.
  • Wenn Sie nachts aufwachen und länger als 20 Minuten wachliegen, sollten Sie aufstehen und sich mit etwas Entspannendem beschäftigen. Gehen Sie erst wieder ins Bett, wenn Sie Müdigkeit spüren.
  • Verbannen Sie die Uhr und andere Geräte auf Standby aus Ihrem Blickfeld.
  • Falls Sie an stärkeren Schlafstörungen leiden und eventuell ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen möchten, führen Sie ein Schlaftagebuch. In dieses tragen Sie ein, wann Sie ins Bett gegangen und wann Sie aufgestanden sind, was Sie tagsüber getan, welche Medikamente Sie eingenommen und womit Sie sich vor dem Zubettgehen beschäftigt haben. Die Auswertung dieser Aufzeichnungen kann Hinweise geben, welche Tagesereignisse sich negativ auf Ihren Schlaf auswirken. Auch kann man so herausfinden, wie lange man tatsächlich schläft. Wer z. B. normalerweise acht Stunden im Bett liegt, aber nur sechs Stunden schläft, kann die Zeit im Bett begrenzen.
  • Bei anhaltenden Schlafstörungen ist ein kompetent geleitetes "Schlaftraining" geeignet, die Schlafqualität zu verbessern. Dabei lernen Sie zu verstehen, warum Ihr Schlaf beeinträchtigt ist. Sie erfahren, wie Sie Ihre Schlafsituation verbessern und durch welches Verhalten Sie zu einer besseren Nachtruhe beitragen können. Auch werden Ihnen Techniken vermittelt, Gedankengänge, die Sie vom Schlafen abhalten, zu erkennen und zu verändern (kognitives Verhaltenstraining).
  • Menschen mit einer Schlafapnoe kann mit einem speziellen Atemluftgerät geholfen werden (CPAP-Gerät, engl. continuous positive airway pressure). Dann schlafen sie mit einer Nasenmaske, über die sie kontinuierlich Raumluft mit einem gewissen Überdruck einatmen, der die Atemwege offen hält.

Bei Kindern

  • Sorgen Sie dafür, dass das Schlafzimmer Ihres Kindes gut belüftet und nicht zu warm ist und Sie es abdunkeln können. Reduzieren Sie Lärmquellen.
  • Das Kind sollte vor dem Zubettgehen zur Ruhe kommen können. Das bedeutet, dass es nach dem Abendessen nicht mehr tobt, telefoniert, fernsieht oder sich mit elektronischen Medien beschäftigt.
  • Kleinen Kindern hilft es, wenn das Zubettgehen immer nach dem gleichen Schema und mit kleinen Ritualen abläuft, die das Kind beruhigen und ihm Sicherheit und Vertrauen vermitteln. Sie können dem Kind z. B. etwas erzählen, eine Geschichte vorlesen, mit ihm ein Gebet sprechen.
  • Vertraute Gegenstände wie Schmusedecke oder -tier, ein spezielles Kissen oder Spielzeug überbrücken das Gefühl des Kindes, von den Eltern getrennt zu sein.
  • Bei kleinen Kindern können Daumen oder Schnuller als Einschlafhilfe dienen. Eine Nuckelflasche sollten Sie dem Kind dagegen nicht mit ins Bett geben, damit die Zähne nicht durch Karies gefährdet werden und das Kind nicht lernt, sich durch Nahrungsaufnahme zu beruhigen.

Wann zum Arzt?

Mit vielen allgemeinen Maßnahmen und eventuell der Unterstützung durch ein selbstgekauftes Schlafmittel kann man zunächst alleine versuchen, eine kurze Phase schlechten Schlafes zu überstehen. Hält die Störung jedoch länger an, ist nach zwei bis vier Wochen – je nachdem, wie stark die Schlafstörungen den Alltag beeinträchtigen, – ärztliche Beratung angebracht.

Ärztliche Hilfe ist auch angeraten bei erheblichem Übergewicht, wenn die Schlafstörung auf eine Erkrankung oder auf die Wirkung von Arzneimitteln zurückgeführt werden kann oder wenn es sich um eine Entzugserscheinung handelt. Schwangere Frauen sollten bei Schlafstörungen ebenfalls ärztliche Hilfe suchen.

Bei Kindern

Schläft Ihr Kind schlecht, sollten Sie in jedem Fall zunächst Rat beim Kinderarzt suchen. Unter folgenden Bedingungen empfiehlt sich eine spezielle Schlafberatung für Kinder:

  • Das Kind signalisiert längere Zeit, dass es sich morgens noch sehr müde fühlt.
  • Einem Schulkind fällt es schwer, im Unterricht wach zu bleiben.
  • Es schläft bei Fahrten in Bus, Bahn oder Auto, die weniger als eine halbe Stunde dauern, regelmäßig ein.
  • Das Kind schnarcht während des Schlafens oft und laut. Das kann ein Zeichen dafür sein, dass die großen Rachenmandeln die Nasenatmung behindern.

Behandlung mit Medikamenten

Wenn Sie kurzzeitig Schlafstörungen mit Medikamenten behandeln, sollten Sie bedenken, dass diese, insbesondere aber die rezeptpflichtigen Benzodiazepine, Auswirkungen auf den natürlichen Ablauf des Schlafes haben.

Schlafmittel, insbesondere die rezeptpflichtigen Benzodiazepine, haben aber Auswirkungen auf den natürlichen Ablauf des Schlafes. Sie verkürzen zwar die Einschlafdauer und verlängern auch die Gesamtschlafzeit. Dabei nimmt vor allem die Dauer des Leichtschlafstadiums zu, während das Einschlafstadium und Teile des Tiefschlafstadiums abnehmen. Zudem werden die REM-Phasen verkürzt. Welche geistigen Auswirkungen diese Veränderungen bei Langzeitanwendung haben können, ist nicht hinreichend untersucht. Insbesondere nach länger andauernder Anwendung ist aber beim Absetzen der Mittel mit einer Rebound-Schlaflosigkeit zu rechnen. Deswegen und wegen der Gefahr einer Abhängigkeit dürfen die Mittel bei Schlafstörungen nur kurzzeitig angewendet werden.

Auch bei anhaltenden Schlafstörungen kommen Arzneimittel allenfalls kurzfristig in Frage und nur dann, wenn eine kognitive Verhaltenstherapie nicht zur Verfügung steht, abgelehnt wird oder auch zur Überbrückung der Zeit, bis sich die schlaffördernden Verhaltensweisen eingespielt haben.

Rezeptfreie Mittel

Bei Schlafstörungen im Erwachsenenalter, die wenige Nächte dauern (etwa auf Reisen) und den Tag danach ernsthaft beeinträchtigen, werden Schlafmittel mit Doxylamin oder Diphenhydramin zur Selbstbehandlung als "geeignet" beurteilt. Beide Wirkstoffe werden schon seit langer Zeit eingesetzt, ihre schlafanstoßende Wirkung ist gut bekannt. Allerdings dürfen diese Schlafmittel höchstens einige Tage lang eingenommen werden, weil sich der Körper an die Substanzen gewöhnt. Danach wirken sie nicht mehr ausreichend oder es müsste eine so hohe Dosis eingenommen werden, dass vermehrt unerwünschte Wirkungen zu befürchten sind. Da Kinder und Menschen über 65 Jahre besonders empfindlich auf diese Mittel reagieren können, wird bei ihnen zu erhöhter Vorsicht geraten. Für Kinder ist Doxylamin rezeptpflichtig.

Wer sich darauf einstellen kann, dass sich die Schlafqualität erst nach einer Weile verbessert, kann ein Mittel mit Baldrian wählen. Allerdings gilt diese Empfehlung nicht für alle Baldrianextrakte, sondern nur für bestimmte wässrig-alkoholische Extrakte der Baldrianwurzel. Für diese finden sich einige Studien, die eine schlaffördernde Wirksamkeit nahelegen. Daher werden Mittel mit solchen Extrakten bei Schlafstörungen als "mit Einschränkung geeignet" beurteilt. Es werden allerdings noch weitere Untersuchungen benötigt, um die therapeutische Wirksamkeit besser zu belegen.

Die schlaffördernde Wirkung von Baldrian – vorausgesetzt er wird ausreichend hoch dosiert – setzt erst nach einigen Tagen ein; dann verbessern sich die Beschwerden schrittweise innerhalb von zwei bis vier Wochen. Das Pflanzenmittel über diesen Zeitraum hinaus einzunehmen, ist zwar unschädlich, dennoch sollte eine Dauerbehandlung nur auf ärztlichen Rat erfolgen.

Für andere Extrakte der Baldrianwurzel als die oben genannten, für Tinkturen und für Pulverzubereitungen fehlen wissenschaftliche Studien, die die therapeutische Wirksamkeit ausreichend nachweisen. Diese Mittel sind daher zur Behandlung von Schlafstörungen wenig geeignet.

Johanniskrauttee ist ebenfalls wenig geeignet, um eine Behandlung von Schlafstörungen zu unterstützen, denn seine therapeutische Wirksamkeit ist dafür nicht ausreichend nachgewiesen. Auch mit niedrig dosiertem Johanniskrautextrakt, der als Dragees oder Tabletten im Handel ist, lassen sich Schlafstörungen nicht beheben. Handelt es sich um Schlafstörungen im Zusammenhang mit einer andauernden depressiven Verstimmung, muss die Behandlung der Depression im Vordergrund stehen. Diese gehört jedoch in die Hand eines Arztes oder klinischen Psychologen.

Mittel mit Baldrianwurzel und Hopfenzapfen zum Einnehmen können bei Schlafstörungen eingesetzt werden. Für bestimmte Extrakte dieser Pflanzen wurden Studien durchgeführt, die eine therapeutische Wirksamkeit nahelegen. Allerdings ist die Bedeutung der Hopfenzapfen für den gefundenen schlaffördernden Effekt noch nicht ausreichend einzuschätzen. Zudem wurden insgesamt nur wenige Studien an einer kleinen Anzahl von Patienten durchgeführt. Die Mittel gelten als "mit Einschränkung geeignet". Weitere Studien sollten die therapeutische Wirksamkeit noch besser belegen. Für andere Extraktformen von Hopfen und Baldrian liegen hingegen keine aussagekräftigen Studien vor, die die therapeutische Wirksamkeit bei Nervosität, Unruhe und Schlafstörungen belegen. Sie sind daher wenig geeignet.

Auch Mischungen aus

Baldrian + Hopfen + Melisse

Baldrian + Hopfen + Passionsblume

Baldrian + Johanniskraut

Baldrian + Melisse

Baldrian + Melisse + Passionsblume

eignen sich bei Schlafstörungen nur wenig, da die jeweiligen Kombinationspartner die beruhigende Wirkung von Baldrian nicht nachweislich ergänzen können. Damit sind diese Kombinationen nicht sinnvoll. Produkte, die nur Baldrian enthalten – und zwar ausreichend hoch dosiert – sind zur Selbstbehandlung vorzuziehen.

Wenig geeignet bei Schlafstörungen ist auch der Tee aus einer Kombination von drei Pflanzenbestandteilen. Bei ihm ist für keinen der Bestandteile Hopfenzapfen, Lavendelblüten und Melissenblättern die therapeutische Wirksamkeit noch die der Mischung ausreichend nachgewiesen.

Bei Kindern

Einige Medikamente zur Schlafförderung bei Kindern sind auch rezeptfrei erhältlich. Keinesfalls sollten Sie diese aber ohne Rücksprache mit einem Arzt bei Ihrem Kind einsetzen. Wenn Ihr Kind Schlafprobleme hat, sollten Sie diese mit dem Kinderarzt besprechen.

Rezeptpflichtige Mittel

Hält die Schlafstörung über längere Zeit an, ist nach zwei bis vier Wochen – je nachdem, wie stark die Schlafstörungen den Alltag beeinträchtigen, – ärztliche Beratung angebracht. Bei anhaltenden Schlafstörungen muss der Arzt zunächst klären, ob es Beschwerden oder Krankheiten gibt, die als Ursache für den gestörten Schlaf infrage kommen. Erst wenn eine angemessene Behandlung dieser Erkrankungen die Schlafstörung nicht behoben hat und alle anderen Bemühungen, sich in der Nacht zu erholen, wie das Erlernen von Entspannungstechniken sowie psychotherapeutische Maßnahmen, nicht gefruchtet haben, kann die Verordnung eines Schlafmittels in Betracht gezogen werden.

Schlafmittel können helfen, wieder ausreichend zu schlafen. Sie dürfen aber nur eine kurze Zeit überbrücken, bis erfolgreich andere Möglichkeiten gefunden wurden, zur Ruhe zu kommen. Bei der täglichen Einnahme über mehrere Wochen ist das Risiko groß, von diesen Substanzen abhängig zu werden. Darüber hinaus büßen die Mittel im Laufe der Zeit häufig an Wirkung ein.

Zwei Wochen lang ist es vertretbar – parallel zu den oben angeführten allgemeinen Maßnahmen zur Verbesserung der Schlafhygiene –, Schlafstörungen mit einem geeigneten Mittel zu behandeln. Nach dieser Zeit sollte das Mittel abgesetzt und versucht werden, ohne medikamentöse Hilfe zu schlafen. Gelingt das nicht, kann das Medikament weitere zwei Wochen eingenommen werden. Es kann dabei versucht werden, die Anzahl der Nächte, in denen das Mittel eingenommen wird, zu begrenzen und beispielweise das Wochenende ohne Schlafmittel zu verbringen. Haben sich nach dem erneuten Absetzen die Schlafprobleme noch immer nicht hinreichend verbessert, sollte ein Arzt mit schlafmedizinischer Erfahrung eingeschaltet werden. Bei der weiteren Behandlung stehen dann nicht-medikamentöse Maßnahmen im Vordergrund. Wurde ein Schlafmittel über mehrere Wochen eingenommen, empfiehlt es sich, dieses nicht abrupt abzusetzen. Entweder man senkt die Dosis und nimmt z. B. nur die Hälfte der bisherigen Dosis ein oder man beschränkt die Einnahme des Mittels auf maximal drei Tage in der Woche.

Ist die Schlaflosigkeit auch so nicht zu beheben, kann unter fachmedizinischer Begleitung weiterhin ein geeignetes Medikament eingenommen werden – vorausgesetzt, es besteht keine Abhängigkeit, die Schlaflosigkeit ist nicht die Folge des Absetzens des Medikaments (Rebound-Schlaflosigkeit) und sie beruht nicht auf einer Erkrankung wie einer Depression, die als solche behandelt werden kann. Immer wieder sollte die Schlafmitteleinnahme von Pausen unterbrochen werden, z. B. indem man das Mittel am Wochenende weglässt.

Nach drei Monaten Schlafmitteleinnahme sollte das Schlafgeschehen in einem Schlaflabor analysiert werden. Nach längstens einem halben Jahr muss die medikamentöse Behandlung beendet werden.

Die Einnahme von Schlafmitteln über längere Zeit führt nahezu unweigerlich zur Abhängigkeit. Der Entzug ist langwierig und erfordert eine fachkundige Begleitung. Allerdings muss er nicht wie bei anderen Abhängigkeiten in der Klinik durchgeführt werden, sondern kann ambulant erfolgen.

Als "geeignet" bei Schlafstörungen werden für den kurzzeitigen Einsatz das kurzwirkende Benzodiazepin Brotizolam und die mittellangwirkenden Lormetazepam und Temazepam beurteilt. Während die erste Substanz vor allem angebracht ist, wenn das Einschlafen schwerfällt, eignen sich die beiden anderen auch bei Durchschlafstörungen. Gleichfalls geeignet sind die benzodiazepinähnlichen Substanzen Zolpidem und Zopiclon. Ihre muskelentspannende und angstlösende Wirkung ist geringer ausgeprägt als bei den Benzodiazepinen. Das Risiko einer Abhängigkeitsentwicklung wird ebenfalls etwas geringer eingeschätzt. Allerdings liegen auch für diese Substanzen mittlerweile Beobachtungen vor, die eine Entwicklung von Abhängigkeit zeigen. Diese zwei Substanzen wirken recht kurz; darum kommen sie vor allem bei Einschlafstörungen infrage. Trotz ihrer relativ kurzen Wirksamkeit muss damit gerechnet werden, dass die Fahrtüchtigkeit am Folgetag eingeschränkt ist. Dies gilt insbesondere für Frauen. Sie verstoffwechseln diese Mittel langsamer und sollten daher ohnehin geringere Dosen einnehmen.

Das Benzodiazepin Triazolam wird als "mit Einschränkung geeignet" bewertet. Seiner positiven Eigenschaft, nur zwei bis vier Stunden zu wirken, steht eine Reihe unerwünschter Wirkungen gegenüber.

Chloralhydrat wird bei leichten Schlafstörungen für Erwachsene als "mit Einschränkung geeignet" angesehen. Der Wirkstoff wird kaum noch verwendet. Die Wirkung dieses sehr alten Medikaments setzt zwar schnell ein und es beeinflusst – im Gegensatz etwa zu den Benzodiazepinen – nicht die Traumphasen. Dafür verliert es aber bereits nach mehrmaligem Gebrauch an Wirkung. Außerdem ist der Abstand zwischen wirksamer und schädlicher Dosis sehr gering.

Als "wenig geeignet" gelten die langwirkenden Benzodiazepine Flunitrazepam, Flurazepam und Nitrazepam. Ihre Wirkdauer liegt zwischen 10 und 100 Stunden und reicht damit weit in den nächsten Tag beziehungsweise in die nächsten Tage hinein. Infolge der verringerten Aufmerksamkeit und Koordinationsfähigkeit besteht ein erhöhtes Risiko, zu stürzen oder einen anderen Unfall zu erleiden.

Ein relativ neues Medikament zur Behandlung von Schlafstörungen ist Melatonin. Dieses körpereigene Hormon ist an der Steuerung des Tag-Nacht-Rhythmus beteiligt. Als Medikament eingenommen, ist die schlafanstoßende Wirkung von Melatonin allenfalls gering. Zudem ist noch nicht untersucht, wie sich eine längere Anwendung auswirkt. Anhand der bisher vorliegenden Daten können seltene, möglicherweise schwerwiegende unerwünschte Wirkungen nicht ausgeschlossen werden. Ein Abhängigkeitspotenzial hat das Mittel nach derzeitigem Kenntnisstand aber nicht – im Gegensatz zu den anderen hier genannten Schlafmitteln. Bei Schlafstörungen wird Melatonin, dessen Anwendung auf Menschen über 55 Jahre begrenzt ist, als "wenig geeignet" bewertet.

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Doxylamin ist für Kinder und Jugendliche verschreibungspflichtig. Es wird als "wenig geeignet" bei Schlafstörungen von ansonsten gesunden Kindern bewertet. Weiteres unter Doxylamin bei Hinweise für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren.