Zoomobjektive Weniger ist mehr

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Standardzooms, die im Set mit der Kamera verkauft werden, sind besser als ihr Ruf. Auch die Telezooms liefern überwiegend „gute“ Bilder. Doch die Superzooms zeigen Schwächen.

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Auch die beste Kamera macht nur so gute Bilder, wie es das Objektiv erlaubt. Die drei wichtigsten Objektivtypen sind Standard-, Tele- und Superzooms, die auch unser Test präsentiert. Die Standardzooms decken den Bereich vom Weitwinkel bis zum leichten Tele ab. Von der Landschafts- bis zur Porträtfotografie erfüllen sie die wichtigsten Anforderungen. Die Telezooms ergänzen die Standardob­jektive, besonders wenn es darum geht, weit entfernte Motive nah heranzuholen.

Wer sich ein zweites Objektiv sparen will, kann statt Standard- und Teleobjektiv gleich zum Superzoom greifen, das deren Brennweiten in einer Optik zusammenfasst. Unterwegs spart diese Lösung Gepäck, daher gelten diese Objektive auch als „Reisezooms“. Doch der Test zeigt einmal mehr: Der sehr große Zoombereich wird mit Schwächen beim Bild erkauft.

Set-Objektive mit „gutem" Bild

Die meisten Standardzooms im Test sind die gleichen, die die Anbieter auch im Set mit ihren Kameras der unteren bis mittleren Preisklasse verkaufen. Fotofreaks belächeln solche Set-Objektive oft als Dreingabe für Anfänger. Tatsächlich erlauben teurere, lichtstärkere Standardzooms wie das von Olympus im aktuellen Test oder die von Sigma, Tamron und Tokina aus dem Vortest einen kreativeren Umgang mit Tiefenschärfe als die Set-Objektive mit ihrer maximalen Blendenöffnung von nur 3,5. Doch was die Bildqualität angeht, müssen sich die meisten Einstiegsobjektive vor den Teureren nicht verstecken: Fast alle im Test sind hier „gut“.

Besonders beeindruckt die Optik, die Panasonic seinen neuen Micro-Four-Thirds-Kameras mitgibt. So zeigt das Objektiv auch im Telebereich noch eine hervorragende optische Auflö­sung. Auch beim Lichtabfall an den Bildrändern, oft auch als „Vignettierung“ bezeichnet, schlägt sich das Objektiv außergewöhnlich gut. Nur bei weit offener Blende sind im Weitwinkelbereich noch Abschattungen zu den Bildecken hin zu bemerken. Blendet man etwas ab, sind sie auch im Weitwinkel kaum noch zu sehen.

Günstiges Telezoom von Tamron

Bei den Standardzooms sind diesmal ausschließlich Objektive der Kamerahersteller vertreten, die es nur für deren eigene Bajonettan­schlüsse gibt. Anders bei den Telezooms von Tamron und Sigma: Sie sind für Kameras verschiedener Hersteller lieferbar. Das 108 Euro günstige Tamron bietet im Telebereich höher aufgelöste Bilder als die mehr als doppelt so teuren Teleoptiken von Canon, Nikon und Sony. Das Sigma dagegen krankt an störenden Reflexen bei Gegenlichtaufnahmen. Immerhin wird eine Streulichtblende mitgeliefert. Sie kann das Problem abmildern. Eigentlich sollte dieses nützliche Zubehörteil zur Grundausstattung gehören, doch fünf Objektive im Test werden ohne ausgeliefert. Es lohnt sich, eine solche Blende nachzukaufen. Bei schwierigen Lichtverhältnissen kann sie den Kontrast deutlich erhöhen.

Alleskönner sparen Gewicht

Superzooms setzt man vor allem dann ein, wenn man den ganzen Bereich vom Weitwinkel bis zum starken Tele braucht, aber keine Wechselobjektive mitschleppen will. Doch die Flexibilität des riesigen Zoombereichs muss man teuer bezahlen – in doppelter Hinsicht: Zum einen kosten diese Optiken ab 500 Euro. Zum anderen muss man im Weitwinkelbereich deutliche Verzeichnungen in Kauf nehmen. Wie sehr sie den Bildeindruck stören, hängt auch vom Motiv ab. Bei Natur- und Landschaftsaufnahmen werden sie weniger stören als bei Architekturbildern, auf denen gerade Linien erkennbar verbogen erscheinen.

Bildstabilisator gegen Verwacklung

Acht Objektive haben einen Bildstabilisator. Der kann helfen, freihändig auch bei längeren Belichtungszeiten oder Brennweiten noch unverwackelte Fotos zu machen. Das ist nützlich bei wenig Licht oder bei der Telefotografie. Allerdings kann er nur Bewegungen der Kamera ausgleichen, nicht die des Motivs. Bei bewegten Motiven verhindert er das Verwackeln nicht. Ein Bildstabilisator im Objektiv ist vor allem für Kameras von Canon, Nikon und Panasonic sinnvoll, da diese Anbieter ihn nicht in ihre Kameras einbauen. Die beiden Telezooms von Tamron und Sigma haben auch in den Versionen für diese Kameras keinen. Objektive für Olympus-, Pentax- und Sony-Kameras brauchen ihn nicht unbedingt, da er hier oft in die Kameras eingebaut ist.

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Profilbild Stiftung_Warentest am 01.10.2012 um 17:49 Uhr
Canon 60D, EF-S 18-200

@peter.cullmann: Heutzutage ist es ein Unterschied, ob ich ein Objektiv als isoliertes optisches Instrument oder in Verbindung mit einer aktuellen digitalen Systemkamera betrachte, weil letztere einige Abbildungsfehler – insbesondere die Vignettierung und die Verzeichnung – korrigieren kann. Da bei Canon die Abbildungsfehler nicht direkt vom Objektiv zum Spiegelreflexgehäuse übertragen werden können, wie zum Beispiel herstellerübergreifend beim Micro-Four-Thirds-System, muss die Canon-Spiegelreflexkamera-Firmware immer auf dem neuesten Stand gebracht werden, damit das Kameragehäuse Canon-Objektive vollständig identifizieren und die entsprechenden Abbildungsfehler korrigieren kann. Mit Objektiven mit Canon-Bajonett von Fremdanbietern funktioniert dies übrigens in der Regel nicht.

peter.cullmann am 29.03.2012 um 20:04 Uhr
Canon 60d mit EF-S 18-200

Ich kann nicht ganz nachvollziehen, dass in der Bewertung Heft März 2012 die Kombiation mit am besten abgeschnitten hat mit einer "guten" Bildqualität, wenn doch das Zoom-Objektiv im Objektiv-Test nur mit "befriedigend" bewertet worden ist mit starker Verzeichnung im Weitwinkelbereich und starkem Randabfall. Ist das nicht ein Widerspruch und empfiehlt sich die Kamera nicht besser mit einem anderen Zoom-Objektiv?