Objektiv Voigtländer Super Nokton Ideal für Aufnahmen im Dunklen

06.05.2021
Objektiv Voigtländer Super Nokton - Ideal für Aufnahmen im Dunklen
Voigtländer Super Nokton. Es ist das derzeit licht­stärkste serien­mäßig hergestellte Objektiv der Welt. © Stiftung Warentest / Markus Bautsch

„Bezwinger der Nacht“ nennt Voigtländer sein neues Objektiv. Der Test der Stiftung Warentest zeigt: Super Nokton kann mit einer Legende der Fotografie-Geschichte mithalten.

Eine kleine Fotosensation

Der nächt­liche Sternenhimmel, das Porträt bei Kerzen­schein, ein Konzert im Schummerlicht – diese Aufnahmen gelingen nur mit einem licht­starken Objektiv. Optik­experte Voigtländer liefert nun mit dem 1800 Euro teuren Super Nokton 29 mm F0,8 ein Modell mit extrem hoher Licht­stärke bei einer sehr nied­rigen Blendenzahl von 0,8. Damit stellt es alle serien­mäßig produzierten Objektive in den Schatten (Objektive im Test). Ob die Bild­qualität stimmt und den hohen Preis recht­fertigt, hat die Stiftung Warentest im Schnell­test geprüft.

Nur für Kameras mit speziellem Sensor

Der Begriff „Nokton“ stammt aus dem Altgrie­chischen und bedeutet „in der Nacht“. Die Fest­brenn­weite eignet sich ausschließ­lich für Systemkameras mit Micro-Four-Thirds-Bild­sensor, etwa von Olympus oder Panasonic (Digitalkameras im Test). Heran­zoomen lassen sich weiter entfernte Motive damit nicht. Für seine extreme Licht­stärke ist das Objektiv recht hand­lich, aber mit rund 700 Gramm ziemlich schwer, denn es beher­bergt elf dicke Linsen in einem metallischen Tubus. Das Super Nokton ist nicht wetter­geschützt.

Nutzer müssen ohne Hilfs­funk­tionen auskommen

Es ist ein Objektiv für erfahrene Fotografen, die auch ohne Auto­matik und digitale Helferlein blendend auskommen. Denn das Super Nokton lässt sich nur manuell bedienen, es hat keine elektrischen Kontakte am Bajonett­anschluss. Das Objektiv verzichtet auf elektronische oder digitale Hilfs­funk­tionen, wie Auto­fokus, Blenden­automatik oder Bild­stabilisierung (ABC der Fachbegriffe). Auch Meta­daten kann es nicht ans Kamera­gehäuse über­tragen, so dass die Fotodateien keine Informationen über die verwendete Blendenzahl oder die einge­stellte Entfernung enthalten. Abbildungs­fehler wie Vignettierung, Verzeichnung oder Farbquer­fehler werden nicht auto­matisch ausgeglichen.

Kleine Heraus­forderung beim Bedienen

Eine Bedienungs­anleitung spart sich der Anbieter. Das ist ärgerlich. Nutzer müssen sich alles selbst erschließen, was zum Beispiel beim Umstellen des Blendenrings für Video­aufnahmen eine Heraus­forderung ist, weil der danach bei den Stan­dard­werten nicht mehr einrastet. Insgesamt über­zeugt die Hand­habung jedoch. Der Fokusring lässt sich von der Naheinstell­grenze von 37 Zenti­metern bis Unendlich um 180 Grad drehen und ist angenehm schwergängig, so dass der Fotograf die einge­stellte Entfernung präzise wählen und sie nicht versehentlich verstellen kann.

Heraus­ragende Bilder – selbst im Dunklen

Objektiv Voigtländer Super Nokton - Ideal für Aufnahmen im Dunklen
Im Dämmerlicht. Die ersten Sterne waren beim Fotografieren der Osterglocken schon zu sehen, dennoch hat das Bild einen guten Kontrast und zeigt viele Farbfacetten. © Stiftung Warentest

Die Bild­qualität ist top. Im Test lieferte das Objektiv sogar bei fort­geschrittener Dämmerung noch Bilder mit allen Farbdetails und Kontrasten. Die sehr hohe Auflösung und hervorragende Kontrast­über­tragung in der Bild­mitte nimmt zu den Bild­ecken hin ab – aber auch dort ist die Auflösung erstaunlich gut, Verzeichnung ist kaum ein Thema. Selbst anspruchs­volle Aufnahmen von Stern­bildern gelangen im Test.

Objektiv Voigtländer Super Nokton - Ideal für Aufnahmen im Dunklen
Stern­stunde. Selbst hoch aufgelöste Aufnahmen vom Stern­bild Orion gelingen – mit Stern­schnuppe. © Stiftung Warentest

Ein paar übliche Mankos zeigen sich

An sehr kontrast­reichen Bild­bestand­teilen zeigen sich Farbränder (Farbquer­fehler), die zu den Bild­ecken hin zunehmen. Den natürlichen Randlicht­abfall in den Bild­ecken verstärkt das Objektiv aufgrund seiner Konstruktion noch ein wenig (Vignettierung) – besonders bei Offenblende. Für Makro-Aufnahmen ist das Super Nokton wegen der relativ schwachen Vergrößerung bei Nahaufnahmen nicht sonderlich gut geeignet.

Fotos mit Schärfentiefe über­zeugen

Objektiv Voigtländer Super Nokton - Ideal für Aufnahmen im Dunklen
Hinten verschwommen, vorn scharf. Selbst einzelne Haare bildet das Objektiv klar und deutlich ab. © Stiftung Warentest

Beliebt sind licht­starke Objektive wie das Super Nokton auch, weil sie einen großen Spielraum für die Einstellung der Schärfentiefe lassen. Der Bild­hintergrund ist unscharf, vorn werden dagegen sogar Kleinig­keiten wie einzelne Haare knack­scharf abge­bildet. Auch hier punktete das Super Nokton im Test und lieferte in den unscharfen Bild­bereichen einen ausgesprochen gleich­mäßigen und harmo­nisch wirkenden Bokeh-Effekt. Die hoch­wertige Vergütung der Linsen­oberflächen sorgt für geringe Streulicht­effekte und Geister­bilder.

Auch für Video­grafen attraktiv

Das Objektiv ist auch für Video­grafen interes­sant, die bei schlechten Licht­verhält­nissen filmen wollen. Wir haben einige Videos beim Schein einer einzigen Kerze gedreht und mithilfe der sehr nied­rigen Blendenzahl 0,8 über­zeugende Ergeb­nisse erzielt. Eine weitere Option für hellere Bewegt­bilder ist, den ISO-Wert hoch­zusetzen. Der Preis dafür ist meist starkes Bild­rauschen („Grießeln“). Nicht so beim Super Nokton. Bei der Aufnahme einer Stern­schnuppe am Nacht­himmel war das Bild­rauschen kein Ärgernis, weil sich selbst bei ISO 200 genug Licht sammeln ließ, um das licht­schwache Motiv klar und deutlich einzufangen.

Unser Video zeigt die Stärken des Super Nokton. Im Schein einer Kerze haben wir bei ISO 3 200 ein Kinder-Mobile aufgenommen: Die Auflösung ist hoch, der Bewegungs­ablauf bei 50 Bildern pro Sekunde flüssig und auch die Schärfentiefe kommt gut zur Geltung.

Film ab. Das Video zeigt die Stärken des Super Nokton.

Super Nokton hält mit einer Legende mit

Das Super Nokton ähnelt dem legendären Carl-Zeiss-Objektiv Planar 50 mm f/0.7 aus dem Jahr 1966, das für das Apollo-Programm der Nasa entwickelt wurde, um die Nachts­eite des Mondes zu fotografieren. Einige der wenigen Planar-Exemplare verwendete Star-Regisseur Stanley Kubrick Anfang der 1970er Jahre für Kerzenlicht­aufnahmen im Film „Barry Lyndon“. Für Otto Normal war das Objektiv uner­schwing­lich. Abbildungs­qualität und Licht­leistung des Super Nokton halten mit denen des Carl Zeiss Planar mit.

Objektiv Voigtländer Super Nokton - Ideal für Aufnahmen im Dunklen
Prominentes Vorbild. Das Super Nokton kann sich mit dem Carl-Zeiss-Objektiv Planar 50 mm f/0.7 messen, das in den 60ern für die Nasa entwickelt wurde. © https://commons.wikimedia.org / Gbentinck

Fazit: Das Objektiv ist seinen Preis wert

Der hohe Preis von 1800 Euro ist gerecht­fertigt. Das Voigtländer Super Nokton ist durch­dacht, sehr hoch­wertig verarbeitet und beein­druckt mit einer erstaunlich guten Bild­qualität, die trotz der extremen Licht­stärke selbst in den Bild­ecken stimmt. Wermuts­tropfen: Im Test­zeitraum gab es keine Bedienungs­anleitung, das Objektiv ist nicht wetter­geschützt und bietet keine elektronischen oder digitalen Hilfs­funk­tionen.

06.05.2021
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