Künst­liche Befruchtung: Die Kinder­wunsch­behand­lung optimal finanzieren

Künst­liche Befruchtung - Die Kinder­wunsch­behand­lung optimal finanzieren

Viele Krankenkassen geben einen Extra-Zuschuss zur künst­lichen Befruchtung.

Kinder­wunsch­behand­lungen sind teuer. Doch viele Krankenkassen zahlen mehr als sie müssen. Zehn Bundes­länder bieten zusätzliche finanzielle Hilfe. test.de gibt einen Über­blick.

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Special Künst­liche Befruchtung 23.04.2021
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Kinder­wunsch­behand­lung – das Wichtigste in Kürze

Das sollten Sie wissen

Informationen der Stiftung Warentest. Wenn Sie diesen Artikel frei­schalten, erhalten Sie das PDF des Beitrags aus Finanztest 5/2020. Darin enthalten ist eine Tabelle mit den Details der Krankenkassen­leistungen in Sachen Kinder­wunsch­behand­lung (Stand Februar 2020). Laufend aktualisiert finden Sie diese und viele weitere Informationen für derzeit 73 Krankenkassen zudem im Krankenkassenvergleich der Stiftung Warentest.

Zuschuss von der Krankenkasse. Gesetzlich Versicherte erhalten unter bestimmten Voraus­setzungen bei jeder Krankenkasse etwa die Hälfte der genehmigten Behand­lungs­kosten. Dies ist gesetzlich fest­gelegt.

Extra­zuschuss vieler Krankenkassen. Der Krankenkassenvergleich der Stiftung Warentest zeigt: Aktuell zahlt mehr als die Hälfte der untersuchten Krankenkassen einen weiteren Zuschuss im Rahmen ihrer Extraan­gebote.

Unterstüt­zung von Bund und Ländern. Neben den Krankenkassen erhalten Paare auch in derzeit neun Bundes­ländern finanzielle Unterstüt­zung für eine künst­liche Befruchtung. Die Beteiligung kann unter Umständen noch mal bis zu 50 Prozent der genehmigten Behand­lungs­kosten ausmachen.

Finanz­amt beteiligen. Selbst­getragene Ausgaben für eine Kinder­wunsch­behand­lung lassen sich als außergewöhnliche Belastung von der Steuer absetzen. Voraus­gesetzt, es handelt sich um eine Behand­lung nach den Maßstäben des deutschen Embryonenschutzgesetzes. Je nach Einkünften, Familien­stand und Anzahl der Kinder muss allerdings ein Eigen­anteil selbst getragen werden.

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Künst­liche Befruchtung – die medizi­nischen Möglich­keiten

Insemination

Bei einer IUI (intrauterine Insemina­tion) wird aufbereiteter Samen mit ­einem dünnen Schlauch in die Gebärmutter injiziert. Dem kann eine hormonelle Stimulation der Frau voran­gehen, um die Eireifung zu fördern.

In-Vitro-Fertilisation (IVF)

Bei der IVF wird die Frau mit Spritzen und Tabletten hormonell stimuliert, was ihre Eier­stöcke anregt, mehrere Eizellen reifen zu lassen. Diese werden unter Voll­narkose vaginal abge­saugt und in einer Petrischale mit dem ­aufbereiteten Sperma des Mannes ­zusammen­gebracht. Sind aus den ­befruchteten Eizellen Embryonen ­heran­gewachsen, werden ein bis ­zwei in die Gebärmutter einge­setzt.

Spermieninjektion (ICSI)

Ist die Spermienqualität schlecht, wird die intrazytoplasmatische Spermien­injektion (ICSI) angewandt. Jeweils ein einzelnes Spermium wird direkt in ­eine gewonnene Eizelle injiziert. Ein bis zwei der daraus heran­gezüchteten Embryonen werden in die Gebärmutter einge­setzt.

TESE/MESA

Wenn sich in der Samen­flüssig­keit nicht genug bewegliche, intakte Spermien befinden, kann es nötig sein, Spermien bei einer Operation unter Voll­narkose aus den Hoden (TESE) oder Neben­hoden (MESA) zu gewinnen. Sie werden in den meisten Fällen tief­gefroren und später für einen ICSI-Versuch (siehe oben) verwendet.

Kryo­transfer

Beim Kryo­transfer wird eine – bei einem voran­gegangenen Behand­lungs­versuch übrig gebliebene – imprägnierte Eizelle aufgetaut und in die Gebärmutter einge­setzt.

Hinweis: Welche Leistungen alle Krankenkassen über­nehmen, legt der Gemein­same Bundes­ausschuss (g-BA) fest. Er informiert über Methoden und Kosten­über­nahme in einer speziellen Richtlinie zur Künstlichen Befruchtung.

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Kinder­wunsch­behand­lung – das zahlen die Kassen

Behand­lungs­plan von der Kasse

Bevor eine Kinder­wunsch­behand­lung beginnt, müssen die Versicherten bei ihrer Krankenkasse einen Behand­lungs- und Kostenplan einreichen. Erst wenn die Krankenkasse diesen genehmigt hat, können die Maßnahmen zur künst­lichen Befruchtung beginnen. Wer früher mit einer Behand­lung anfängt, riskiert die Kosten komplett selbst zu zahlen. Wichtig: Sind die Partner bei unterschiedlichen Krankenkassen, muss jeder bei seiner Kasse einen separaten Plan einreichen. Da die meisten Behand­lungen die Frau betreffen, liegt der Haupt­teil der Kosten auch bei ihrer Krankenkasse. Die Bewil­ligung dauert etwa zwei bis drei Wochen. Der Behand­lungs­plan ist dann für ein Jahr gültig.

Voraus­setzung für die Beteiligung der Krankenkassen

Die Unter­suchungen zur Ursache einer Frucht­barkeits­störung zahlen gesetzliche Krankenkassen und private Kranken­versicherer voll­ständig. Bei einer sich anschließenden Kinder­wunsch­behand­lung über­nehmen die Krankenkassen grund­sätzlich die Hälfte der Kosten des genehmigten Behand­lungs­plans unter folgenden Voraus­setzungen:

  • Das Paar ist hetero­sexuell und verheiratet,
  • die Frau ist älter als 25 Jahre und jünger als 40 Jahre,
  • der Mann ist älter als 25 Jahre und jünger als 50 Jahre.

Die Unfrucht­barkeit des Paares muss ärzt­lich fest­gestellt worden sein, die Behand­lung mit Samen und Eizelle des Paares Aussicht auf Erfolg haben.

Gesetzlich versicherte, hetero­sexuelle Eltern haben nach der Geburt eines Kindes erneut Anspruch auf Zuschüsse zur Kinder­wunsch­behand­lung. Das gilt auch, wenn es zu einer Fehl­geburt kommt. Trat bei einem Paar dann bei den ersten beiden IVF- oder ICSI-Versuchen keine Befruchtung ein, gibt es allerdings keinen Zuschuss mehr zum dritten Versuch.

Hinweis: Unver­heiratete bekommen keinen Zuschuss von der Krankenkasse. Sie können die Kosten für eine künst­liche Befruchtung immerhin als außer­ordentliche Belastung steuerlich geltend machen.

Für diese Behand­lungen zahlen die Krankenkassen dazu

Bei jeder Krankenkasse gibt es den gleichen gesetzlich geregelten Zuschuss für folgende Behand­lungen:

  • 8 Inseminationen ohne hormonelle Stimulation der Frau. Dabei wird der Frau der Samen ihres Mannes mit einer Kanüle in die Gebärmutter injiziert.
  • 3 Inseminationen mit hormoneller Stimulation der Frau.
  • 3 Versuche der In-Vitro-Fertilisation (IVF) oder
  • 3 Versuche der intrazytoplasmatischen Spermieninjektion (ICSI).

Eine Eizell­spende ist in Deutsch­land verboten. In anderen europäischen Ländern wie Spanien ist sie dagegen erlaubt.

Das kosten die Kinder­wunsch-Verfahren

  • Eine Insemination kostet etwa 200 Euro. Wird die Frau hormonell vorbehandelt, sind es rund 900 Euro. Hinzu kommen Medikamente (zirka 750 Euro). Das Paar zahlt jeweils die Hälfte aller Kosten.
  • Bei einer IVF beträgt der Eigen­anteil rund 1 500 Euro
  • Bei einer ICSI liegt der Eigen­anteil bei rund 1 800 Euro.

Hinweis: Für Privatversicherte und Selbst­zahler gibt es andere Preise. So kann eine IVF um die 3 700 Euro kosten, eine ICSI zwischen rund 5 000 bis 10 000 Euro.

  • Das Einfrieren von Eizellen, imprägnierten Eizellen oder Samen wird nicht von der Kasse bezahlt. Die Kosten dafür belaufen sich auf etwa 600 bis 800 Euro. Imprägnierte Eizellen sind Eizellen, in die das Spermium bereits einge­drungen ist, deren Zell­kern aber noch nicht mit dem des Spermiums verschmolzen ist.
  • Der Transfer einer aufgetauten, befruchteten Eizelle in die Gebärmutter kostet bis zu 800 Euro. Wird Samen aus Hoden oder Neben­hoden gewonnen und einge­froren, liegt der Eigen­anteil ebenfalls bei bis zu 800 Euro.
  • Zusatz­angebote: Viele Praxen bieten zusätzliche individuelle Gesund­heits­leistungen an, bei denen nicht eindeutig nachgewiesen ist, dass sie die Chancen für eine Schwangerschaft erhöhen, etwa Assisted Hatching, bei dem per Laser ein Loch in die Eihülle geschnitten wird. Das soll es dem Embryo erleichtern, sich aus der Hülle zu befreien. Die Kosten zahlen die Patienten.

Sonderfall: Kryo­konservierung von Eizellen

Die Behand­lung von Krebs­erkrankungen kann zu Unfrucht­barkeit führen. Daher sollten Patienten, die ihre Familien­planung noch nicht abge­schlossen haben, Eizellen, Ovar­gewebe oder Spermien für eine möglicher­weise später notwendige künst­liche Befruchtung einfrieren und lagern lassen.

Bedingungen. Der Gemein­same Bundes­ausschuss (G-BA) hat in einer Richtlinie fest­gelegt, unter welchen Voraus­setzungen die Krankenkassen die Kosten für die Kryo­konservierung über­nehmen. Das ist insbesondere der Fall nach einer Entfernung der Keimdrüsen, einer Strahlen­therapie mit zu erwartender Schädigung der Keimdrüsen oder bei potentiell fertilitäts­schädigender Medikation.

Anspruch. Die behandelnde Fach­ärztin entscheidet, ob eine Therapie keim­zell­schädigend sein kann und daher ein Anspruch auf die Kryo­konservierung besteht. Noch ist die Vergütung nicht abschließend geklärt. Dies soll bis zum Spätsommer aber geschehen. Dann zahlen die Krankenkassen für Versicherte die Kosten

Über­gangs­regelung. Für Patientinnen, die bereits eine Kryo­konservierung im Sinne der G-BA-Richt­linie durch­geführt haben, erstatten die Krankenkassen die Kosten ab dem Tag des Inkraft­tretens der Vergütungs­regelungen.

Viele Krankenkassen bieten höhere Zuschüsse für künst­liche Befruchtung

Mehr als die Hälfte der 71 Krankenkassen aus unserem Krankenkassenvergleich geben mehr Geld für eine künst­liche Befruchtung als so genannte Extra­leistung dazu. Teil­weise runden sie den Zuschuss bis zu 100 Prozent auf. Paare finden alle Kassen, die das Extra anbieten, wie hoch der zusätzliche Zuschuss zur Kinder­wunsch­behand­lung ist und welche Voraus­setzungen oder Bedingungen dafür notwendig sind. So ist es bei einigen Kassen erforderlich, dass beide Partner bei derselben Kasse versichert sind.

Wenn Sie die Krankenkasse wechseln wollen

Wenn Sie zu einer Krankenkasse wechseln möchten, die mehr für die Kinder­wunsch­behand­lung bietet, sollte Sie auch weitere Extraan­gebote berück­sichtigen und mithilfe des Krankenkassenvergleichs infrage kommende Kassen vergleichen. Zudem sollte der Beitrags­satz von potenziellen Krankenkassen berück­sichtigt werden. Ein Wechsel ist auch zwischen zwei Versuchen möglich. Es gibt dann einen neuen Behand­lungs­plan, auf dem angegeben werden muss, wie viele Versuche es bereits gab.
Tipp: Was Sie beim Kassen­wechsel beachten sollten, zeigt unser kostenloses Special zur Gesetzlichen Krankenversicherung.

BKK-Programm zur Kinder­wunsch­behand­lung

Viele Betriebs­krankenkassen bieten in Bayern ein besonderes Versorgungs­programm zur Kinder­wunsch­behand­lung an. Es soll laut BKK-Landes­verband Bayern nach und nach bundes­weit einge­führt werden. Fragen Sie Ihre BKK, ob sie schon teilnimmt und welche Ärzte beim Programm mitmachen.

Versicherte können bei den teilnehmenden Medizinern Extra­leistungen erhalten. Dazu zählen Zuschüsse für einen Kryo­transfer, einen vierten Behand­lungs­versuch, wenn beide Partner bei der BKK versichert sind, und die Erhöhung der Alters­grenze der Frau bis zum 42. Geburts­tag. Beim Berufsverband Reproduktionsmedizin Bayern finden Paare eine Ärzteliste.

Was private Versicherer zahlen

Private Versicherer über­nehmen häufig 100 Prozent der Kosten – wenn die Ursache des Problems bei der versicherten Person liegt. Paare müssen auch nicht verheiratet sein. In neueren Tarifen gibt es aber oft nur noch einen Zuschuss oder gar nichts mehr.

Tipp: Erfahren Sie mehr über die private Absicherung in unserem Vergleich Private Krankenversicherungen.

Behand­lungs­kosten von der Steuer absetzen

Wer sich einer Kinder­wunsch­behand­lung unterzieht, kann die Kosten in der Steuererklärung als außergewöhnliche Belastung angeben. Sie zählen zu den Krank­heits­kosten. Alle Ausgaben – für die Behand­lung selbst, für Medikamente und die Fahrten zum Frauen­arzt oder zum Kinder­wunsch­zentrum – können damit von der Steuer abge­setzt werden. Bislang gilt das allerdings nur für verheiratete oder in einer festen Beziehung lebende Frauen. Nun hat eine allein­stehende Frau vor dem Finanzge­richt Münster das Recht erstritten, die Kosten ihrer künst­lichen Befruchtung von der Steuer abzu­setzen (Az. 1 K 3722/18 E). Das Finanz­amt wollte ihr das mit Hinweis auf ihren Single-Status verweigern. Die Klägerin litt an krank­heits­bedingter Unfrucht­barkeit. Wegen der grund­sätz­lichen Bedeutung des Falls ließ das Finanzge­richt aber eine Revision zu.

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Kinder­wunsch – Zuschüsse der Länder

Um Paare mit unerfülltem Kinder­wunsch zu unterstützen, geben auch viele Bundes­länder Geld dazu. Derzeit sind es zehn Bundesländer, zwei könnten dazu­kommen: Rhein­land-Pfalz und Saar­land planen entsprechende Förderprogramme ab 2021. In den zehn Ländern, darunter Berlin, Brandenburg und Sachsen-Anhalt, gibt es finanzielle Hilfen für IVF und ICSI – auch für Paare ohne Trau­schein. Auch bei der Länder­förderung ist Voraus­setzung, dass Frau und Mann mindestens 25 und jünger als 40 beziehungs­weise 50 Jahre alt sind. Es dürfen nur Eizellen und Samen der Partner verwendet werden. Gut zu wissen: Über­nimmt ein Bundes­land weniger als die verbleibenden 50 Prozent der genehmigten Behand­lungs­kosten, springt meist der Bund ein. Er über­nimmt dann maximal den gleichen Kosten­anteil wie das entsprechende Bundes­land.

Länder­zuschüsse beantragen

Länder­zuschüsse müssen Paare für jeden Behand­lungs­zyklus separat bei der zuständigen Kinder­wunsch­stelle beantragen, oft geht das online. Die Stelle ist meist bei den Gesund­heits­ämtern angesiedelt. Nötig sind eine Melde­bescheinigung und/oder eine Kopie der Personal­ausweise des Paares, der Behandlungs­plan, eine Kosten­aufstellung, eine Bescheinigung des Arztes, dass die Behand­lung nötig ist und Aussicht auf Erfolg hat, und der Bescheid der Krankenkasse oder des privaten Kranken­versicherers oder – bei Beamten – der Beihilfe, welche Kosten erstattet werden. Zudem: die Heirats­urkunde oder bei Unver­heirateten eine Bestätigung des Arztes, dass das Paar in einer festen Part­nerschaft lebt.

Wichtig: Auch für staatliche Zuschüsse darf die eigentliche Behand­lung erst beginnen, wenn die schriftliche Bewil­ligung da ist. Erst dann darf etwa das erste Rezept einge­löst werden. Paare sollten nach­fragen, wie viel Zeit von der Bewil­ligung bis zum Beginn der Behand­lung verstreichen darf und wann im Anschluss der Antrag auf Auszahlung des zugesagten Betrages gestellt werden muss. Belege und Zahlungs­nach­weise müssen sie später vorlegen.

Das sind die Regeln

Berlin

  • Ehepaare und unver­heiratete Paare im 2. und 3. Versuch: 50 Prozent der Selbst­kosten, höchs­tens 800 Euro (IVF), 900 Euro (ICSI).

Brandenburg

  • Ehepaare im 1. bis 3. Versuch: 50 Prozent der Selbst­kosten, höchs­tens 800 Euro (IVF), 900 Euro (ICSI).
  • Unver­heiratete im 1. bis 3. Versuch: maximal 2 290 Euro (IVF) und 3 225 Euro (ICSI).
  • Eine Behand­lung ist auch in anderen Bundes­ländern möglich.

Hessen

  • Ehepaare und unver­heiratete Paare im 4. Versuch: 75 Prozent der Selbst­kosten, höchs­tens 3 000 Euro (IVF) und 3 300 Euro (ICSI).

Sachsen

  • Ehepaare im 1. bis 3. Versuch: 50 Prozent der Selbst­kosten, höchs­tens 750 Euro (IVF), 900 Euro (ICSI); für 4. Versuch: höchs­tens 1 600 Euro (IVF) und 1 800 Euro (ICSI).
  • Unver­heiratete im 1. bis 3. Versuch: 25 Prozent der Selbst­kosten, höchs­tens 750 Euro (IVF) und 900 Euro (ICSI), 4. Versuch: 50 Prozent der Selbst­kosten, höchs­tens 1 600 Euro (IVF) und 1 800 Euro (ICSI).
  • Paare können in begründeten Einzel­fällen älter als 39 (Frau) und 49 Jahre (Mann) sein.

Sachsen-Anhalt

  • Ehepaare und unver­heiratete Paare im 1. bis 3. Versuch: 50 Prozent der Selbst­kosten, höchs­tens 800 Euro (IVF), 900 Euro (ICSI).
  • Unver­heiratete Paare ohne Zuschuss vom Kranken­versicherer: Bis zu 62,5 Prozent der Selbst­kosten, höchs­tens 800 Euro (IVF), 900 Euro (ICSI).

Bayern, Meck­lenburg-Vorpommern, Nieder­sachsen, Nord­rhein-­West­falen, Thüringen

  • Ehepaare im 1. bis 4. Versuch: 50 Prozent der Selbst­kosten.
  • Unver­heiratete Paare im 1. bis 3. Versuch je 25 Prozent, 4. Versuch 50 Prozent der Selbst­kosten.
  • Es gilt ein maximaler Betrag im Zyklus 1-3 von 800 Euro (IVF) und 900 Euro (ICSI), im 4. Versuch maximal 1 600 Euro (IVF), 1 800 Euro (ICSI).
  • In NRW höchs­tens 1 040 Euro (IVF) und 1 170 Euro (ICSI) in Versuch 1 bis 3, wenn das Paar keinen Kassen­zuschuss bekommt.
  • In Nieder­sachsen und Thüringen ist auch eine Behand­lung in angrenzenden Bundes­ländern möglich.

Kosten von der Steuer absetzen

Das Finanz­amt beteiligt sich an den Ausgaben für eine Kinder­wunsch­behand­lung. Selbst getragene Ausgaben lassen sich als außergewöhnliche Belastung von der Steuer absetzen. Voraus­gesetzt, es handelt sich um eine Behand­lung nach den Maßstäben des deutschen Embryonen­schutz­gesetzes. Ob diese im ­­­In- oder Ausland durch­geführt wird, spielt keine Rolle. Allerdings gilt es, steuerlich noch eine Hürde zu ­nehmen: Je nach Einkünften, ­Familien­stand und Anzahl der Kinder müssen die Kosten der Beteiligten ­einen ­bestimmten Eigen­anteil über­schreiten (zumut­bare Belastung).

Beispiel. Ein Ehepaar zahlt 2021 für eine künst­liche Befruchtung 6 000 Euro. Durch das gemein­same Einkommen beträgt die zumut­bare ­Belastung des Paares 4 000 Euro. ­Andere außergewöhnliche Belas­tungen hatte das Paar nicht. Nur die über­steigenden Kosten von 2 000 Euro mindern die Steuerlast. Bei ­einem Steu­ersatz von etwa 30 ­Prozent spart das Paar 600 Euro Steuern.

Tipp: Mit unserem Rechner können Sie Ihren ­Eigenanteil selbst ermitteln.

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Die Kinder­wunsch-Praxis auswählen

In Deutsch­land gibt es mehr als 150 Kinder­wunsch­zentren. Viele Paare suchen die Kinder­wunsch­praxis auf, die ihnen von ihrem Gynäkologen oder Urologen empfohlen wird. Egal ob kleine Praxis oder großes Kinder­wunsch­zentrum: Alle arbeiteten nach demselben Qualitäts­stan­dard. Durch verbesserte Techniken ist die Erfolgs­rate in den vergangenen Jahren gestiegen. Jede dritte Frau wird beim ersten Behand­lungs­zyklus schwanger.

Viele Praxen und Zentren veranstalten Info­abende. Beim Erstgespräch mit dem behandelnden Arzt können Paare sich einen Eindruck verschaffen. Sie können die Praxis dann noch wechseln. Einige Zentren haben Psycho­therapeuten im Team, die Paare begleiten. Externe Berater müssen selbst gezahlt werden. Bei Familien­beratungs­zentren ist die Beratung kostenlos.

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Interview: „Ein Jahr Zeit nehmen“

Künst­liche Befruchtung - Die Kinder­wunsch­behand­lung optimal finanzieren

Repro­duktions­mediziner Dr. Andreas Tandler-Schneider, ärzt­licher Leiter beim MVZ Fertility Center in Berlin, über die Erfolgs­chancen einer Kinder­wunsch­behand­lung.

Spielt das Alter eine große Rolle?

Die Prognose hängt massiv vom Alter ab. Wer mit 38 Jahren entscheidet, eine Familie zu gründen, benötigt mit größerer Wahr­scheinlich­keit eine künst­liche Befruchtung als 30-Jährige. Zugleich werden die Paare, die sich behandeln lassen, immer älter. Das Durch­schnitts­alter der Frau liegt bei 35,7 Jahren, das des Mannes bei 38,8 Jahren.

Beginnen Sie eine ­Behand­lung mit nicht-invasiven Verfahren?

Je nach Alter. Wenn die Paare jünger und die ­Ursachen der Kinder­losig­keit unklar sind, versuchen wir zunächst eine Insemination, bei der die Spermien auf intakte und bewegliche Samen­zellen konzentriert werden. Die Frau erhält entweder keine oder eine Hormonbe­hand­lung, um die Eizellen­produktion zu fördern. Die Chancen einer Schwangerschaft liegen bei 10 Prozent.

Wie sind die Erfolgs­raten von IVF/ICSI?

Sie liegen bei uns bei 38 Prozent pro Embryonen­transfer. Auch diese Zahl ist alters­abhängig, ab 35 Jahren fällt die Schwanger­schafts­rate leicht ab, ab 38 Jahren deutlich.

Steigt die Erfolgs­rate mit jedem Versuch?

Nach einem zweiten Embryonen­transfer liegt die Schwanger­schafts­rate bei 49 Prozent, nach dem dritten bei 60,7 Prozent und nach dem vierten Versuch bei 67,7 Prozent.

Was passiert mit über­zähligen befruchteten Eizellen?

Die werden einge­froren und können bei einem nächsten Versuch wieder verwendet werden. Wir erzielen mit gefrorenen Eizellen sogar bessere Ergeb­nisse als mit frischen. Die Schwanger­schafts­rate liegt hier bei 43 Prozent.

Was raten Sie Paaren, die zu Ihnen kommen?

Das Wichtigste ist, sich ein Jahr Zeit für die Behand­lung zu nehmen. Wir sagen: Fokussieren Sie sich nicht auf den ersten Behand­lungs­zyklus. Wenn der erste Versuch fehl­geschlagen ist und dabei befruchtete Eizellen einge­froren wurden, empfehlen wir, diese gleich im nächsten natürlichen Zyklus einzusetzen. Den optimalen Zeit­punkt kann man durch Bluttests und Ultra­schall bestimmen. Wenn keine einge­frorenen Eizellen vorhanden sind, empfehlen wir, erst mal ein bis zwei Zyklen abzu­warten, bis die Frau wieder Hormone nimmt, um die Eizellen­produktion anzu­regen.

Lassen sich Zwillings­schwangerschaften vermeiden?

Mehr­lings­schwangerschaften haben ein um das Siebenfache erhöhtes Risiko für Früh­geburten. Wir setzen nur noch jeder zweiten Frau zwei Embryonen ein, unsere Zwillings­rate lag 2019 bei 10 Prozent.

Empfehlen Sie den Paaren eine psycho­soziale Beratung?

Unbe­dingt. Wir haben zwei Psycho­loginnen im Team.

Besteht ein erhöhtes Fehl­bildungs­risiko?

Ja, besonders bei ICSI. Dort ist die Fehl­bildungs­rate um 2 Prozent erhöht. Darüber klären wir die Paare auf.

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Dieses Special wird regel­mäßig aktualisiert: Jüngstes Update: 23. April 2021.

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Special Künst­liche Befruchtung 23.04.2021
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