www.lebensmittelklarheit.de Meldung

Das Internetportal www.lebensmittelklarheit.de, ein Projekt der Verbraucherzentralen, ist gestartet. Auf der vom Verbraucher­ministerium geförderten Informations- und Austausch­plattform kann jeder Lebensmittel melden, von denen er sich durch Aufmachung oder Kennzeichnung getäuscht fühlt. Zum Start stehen bereits 20 Produkte online, bei manchen haben die Hersteller die Kenn­zeichnung bereits nach­gebessert. test.de informiert.

Start mit Hindernissen

Das Internetportal www.lebensmittelklarheit.de ist an den Start gegangen. Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) hatte es ursprünglich zum Frühjahr angekündigt, aus technischen Gründen verzögerte sich der Start aber. Und nachdem das Portal online war, scheiterten mehrfache Versuche, die Website aufzurufen.

Vorab waren bereits rund 200 Verbrauchermeldungen für das vom Verbraucherzentrale Bundesverband und der Verbraucherzentrale Hessen durchgeführte Projekt eingegangen.

[Update: 20.07.2011; 17:00 Uhr]: Neue Website bricht wegen Besucheransturm zusammen. Wegen Überlastungsproblemen, so eine Sprecherin der Verbraucher­zentrale Hessen gegenüber AFP, sei der Server mit der neuen Webseite derzeit nicht erreichbar. Es habe am Mittwoch bis zu 20 000 Zugriffe pro Sekunde auf die Seite gegeben. Man arbeite an der Behebung des Problems. Bis dahin erscheine unter der Internetadresse statt der eigentlichen Webseite wieder eine Kurzbeschreibung des Portals, wie sie vor der Freischaltung erschienen war. [Ende Update]

So können Verbraucher Etikettenschwindel melden

www.lebensmittelklarheit.de Meldung

Auf der Internetseite können Verbraucher, die sich von der Kennzeichnung und Aufmachung eines konkreten Lebensmittels getäuscht fühlen, dieses über ein Online-Formular melden. Die Redaktion des Portals – zuständig ist die Verbraucherzentrale Hessen – prüft jede Beschwerde. Betroffene Anbieter bittet sie um eine schriftliche Stellungnahme. Diese soll gemeinsam mit der Einschätzung der Verbraucherschützer und der Verbraucherbeschwerde online gestellt werden. Nicht veröffentlicht werden dagegen Mängel aus dem Bereich Lebensmittelhygiene und andere Vorwürfe, die durch Prüflabore untersucht werden müssten. In solchen Fällen informiert die Redaktion die Lebensmittelüberwachung.

3 Kategorien: Getäuscht, geändert und erlaubt

Das Portal will den Graubereich von offensichtlichen Verstößen gegen Kennzeichnungsvorschriften, die den Landesbehörden gemeldet werden, bis hin zu legalen, aber subjektiv täuschenden Beispielen beleuchten. Dazu sind drei Kategorien eingerichtet:

  • Getäuscht. Unter dieser Kategorie stehen Produkte wie zum Beispiel „Country Chicken“ der Firma Iglo: Vorne steht mit „100% marinierter Hähnchenbrust“ drauf, auf der Rückseite ist aber erkenntlich, dass es sich um ein Formfleisch-Produkt mit nur 76 Prozent Hähnchenfleisch handelt. Aus der Stellungnahme von Iglo geht hervor, dass die Firma das Produkt vom Markt nehmen will.
  • Geändert. Hier werden Produkte veröffentlicht, bei denen der Anbieter die Kennzeichnung bereits geändert hat. So besteht der Onko Kaffee klassisch, der bis vor kurzem noch als „Melange“ mit Maltodextrin und Karamell gestreckt war, nun wieder zu 100 Prozent aus Kaffee.
  • Erlaubt. In dieser dritten Kategorie finden Verbraucher nur anonymisierte Produkte in Form von Dummys ohne Anbieternamen: Hier steht das Beispiel von der Kalbswiener, die zu nur 15 Prozent aus Kalbfleisch besteht. Nach den Leitsätzen der Deutschen Lebensmittelbuchkommission ist eine solche Zusammensetzung rechtens. Wie viel Kalbfleisch Verbraucher in einer Kalbswiener erwarten, darüber können sie auf www.lebensmittelklarheit.de abstimmen.

Portal soll auch Handlungsbedarf ermitteln

Ministerin Aigner und der Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbands Gerd Billen erhoffen sich einen Dialog zwischen Verbrauchern und Wirtschaft. Außerdem soll das Portal helfen, herauszufinden, ob und wo die bestehenden Kennzeichnungsregeln verbessert werden können. Wenn nötig, werde sie Verbesserungen durchsetzen, so Aigner. Neben dem produktbezogenen Bereich gibt es auf dem Portal einen Bereich mit allgemeinen Informationen zur Lebensmittelkennzeichnung sowie einen Diskussionsbereich mit moderierten Chats und Expertenforen. Online-Befragungen der Verbraucher sollen Hinweise geben, welche Erwartungen bestimmte Kennzeichnungen hervorrufen, und ob dies für die Mehrheit der Verbraucher gilt.

Ernährungsindustrie läuft Sturm

Die Lebensmittelwirtschaft kritisiert das Interportal: Sie lehnt produktbezogene Angaben mit Nennung von Marke, Hersteller- sowie Händlernamen ab und fürchtet, dass Produkte an den Pranger gestellt werden, die rechtlich in Ordnung sind. Die Ernährungsindustrie drohte vorab mit gerichtlichen Klagen, denen Ministerin Aigner aber gelassen entgegen sieht: Die Rechtslage sei gründlich geprüft worden. Und die meisten Anbieter hätten die Anregungen aus dem Portal aufgenommen.

Auch die Stiftung Warentest deckt Täuschungen auf

Nach einer aktuellen Umfrage im Auftrag des Bundesverbraucherministeriums ärgern sich 36 Prozent der Befragten häufig darüber, dass Verpackungen nicht halten, was sie versprechen. Auch die Stiftung Warentest entlarvt in fast jedem Lebensmitteltest Produkte, bei denen die Kennzeichnung Verbraucher über die wahre Qualität täuscht:

  • Eine Auswertung aller Tests der Jahre 2008 bis 2010 ergab: Jedes vierte Etikett erntete deutliche Kritik der Tester. Die Beispiele umfassen Basmatireis ohne Basmati, Rahmspinat ohne Rahm und Vanilleeis, bei dem synthetischem Vanillin nachgeholfen wurde.
  • Jüngstes Beispiel: Im Test Erdbeerjogurt war der Weihenstephan Rahmjoghurt Erdbeere irreführend gekennzeichnet und schnitt deswegen insgesamt mangelhaft ab. Für ein „natürliches Erdbeeraroma“, wie es im Zutatenverzeichnis steht, waren zu viele erdbeerfremde Aromastoffe enthalten.
  • Beim Marktcheck von 207 Produkten Geflügelwurst stellte sich heraus: Bei etwa jeder vierten Wurst stand groß „Geflügel“, „Pute“ oder „Truthahn“ drauf, doch es war auch Fleisch vom Schwein oder Rind verarbeitet – überwiegend fast genauso viel, manchmal sogar mehr als Geflügelfleisch. Der Erwartung des Verbrauchers entspricht das nicht.

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