test.de warnt vor Flexstrom und Teldafax Meldung

Strom wird immer teurer. Der Wechsel zu einem günstigeren Anbieter kann die Kosten abfedern. Doch oft sind die billigsten Anbieter auch die verbraucher­unfreundlichsten (Test 10/2009). Viele Leser fallen auf Lock­angebote von Firmen wie Flexstrom und Teldafax herein. Hier eine Auswahl ihrer Beschwerde­briefe.

Keine Empfehlung

Britta G.: "Wir haben den von Ihnen mit "sehr gut" ausgezeichneten Internet-Stromvergleichsdienst Verivox konsultiert. Dank dieses Vergleichs sind wir Kunde von Flexstrom geworden. Es ärgert mich, dass Stiftung Warentest und Verbraucher­zentralen den Wechsel von Stromanbietern sowie Internetseiten für Strom­kosten­vergleiche empfehlen, obwohl es sich hierbei offenbar nur um Lockangebote handelt, um die Kunden mit einem niedrigen ersten Vertragsjahr zu ködern und danach mit überhöhten Preise zu überziehen."
test.de: Das Testergebnis für den Stromtarifrechner Verivox bedeutet nicht, dass die Stiftung Warentest den billigsten dort angezeigten Anbieter empfiehlt. Der Test hat nur überprüft, ob die Stromtarifrechner die billigsten Tarife anzeigen. Über Seriosität und Kundenfreundlichkeit der Stromversorger sagt das Urteil jedoch nichts aus. Unabhängig davon hat die Stiftung Warentest stets vor Tarifen mit Vorkasse gewarnt. Tipp: Filtern Sie in den Stromtarifrechnern nach Tarifen ohne Kaution und Vorkasse.

Preiserhöhung nach drei Monaten

Werner Floetgen: "Wir haben nach ausgiebigen Recherchen Flexstrom gewählt, mit Preisgarantie für das gekaufte Paket. Jetzt, drei Monate nach Abschluss des Vertrages, kommt bereits eine Preiserhöhung. Allein die Grundgebühr steigt von 1,99 Euro / Monat auf 7,50 Euro / Monat. Das ist doch echte Abzocke. Wir haben bereits für das ganze Jahr bezahlt. Was können wir tun?"
test.de:
Flexstrom garantiert Neukunden nur für die ersten drei Monate gleich­bleibende Preise. Danach unterlägen die Preise der Entwicklung an den internationalen Energiemärkten. Doch die Preiserhöhung nach drei Monaten hat scheinbar System. Zahlreiche Leser berichten über Preiserhöhungen nach genau drei Monaten. Einzige Alternative: Für einen Aufschlag von 3 Cent je Kilowattstunde verlängert das Unternehmen die Preisgarantie auf 12 Monate. Bei 4 000 Kilowatt­stunden im Jahr sinkt die Ersparnis damit um 90 Euro.

Benachrichtigung fehlt

Fabian Faust: "Ich möchte Sie hiermit über die unverschämten Geschäftspraktiken des Stromanbieters Teldafax informieren. Teldafax Vertragsmodelle für Stromkunden verlängern sich automatisch nach 12 Monaten für weitere 12 Monate. Und dabei erhöhen Sie den Strompreis aktuell um circa 12 Prozent, ohne den Kunden darüber vorher zu informieren! Der Kunde ist der willkürlichen Strompreiserhöhung chancenlos ausgesetzt! Wenn Teldafax diese versteckten Preiserhöhungen nicht stoppt, kann ich nur sagen: "Finger weg von Teldafax!"
test.de:
Stromanbieter müssen ihre Kunden spätestens sechs Wochen vor der Erhöhung schriftlich informieren. So schreibt es das Gesetz vor. Kommt es zum Prozess, muss der Anbieter nachweisen, dass er die Preiserhöhung angekündigt hat. Nach Zugang der Preisänderung haben Stromkunden vier Wochen Zeit, um schriftlich zu widersprechen. Dann gilt der bisherige Preis. Achtung: Manchmal gestalten Stromversorger die Benachrichtigung über höhere Preise wie eine Werbebroschüre. Wer sie ungelesen wegwirft, verpasst sein Widerspruchsrecht.

Bonus unterschlagen

H. Täuber: "Mit dem Anbieter Flexstrom habe ich schlechte Erfahrungen gemacht. Ich hatte letztes Jahr einen 12 Monate Stromvertrag abge­schlossen. Dabei wurde mir ein Bonus von 125 Euro nach Ablauf des ersten Belieferungs­jahres versprochen. Da aber die Stromgebühren für Bestandskunden erheblich erhöht wurden, wollte ich keine Vertrags­verlängerung von einen weiteren Jahr. Ich habe also zum Ende der 12 Monate Vertrags­bindung gekündigt. Das ging problemlos. Allerdings wurde mir der versprochene Bonus nicht gezahlt."
test.de:
Neukunden verspricht Flexstrom einen einmaligen Bonus. Maximal 160 Euro. Der Bonus soll mit der ersten Jahresabrechnung verrechnet werden. Wer jedoch während des ersten Jahres kündigt, verliert den Bonus. So interpretiert zumindest Flexstrom die eigenen AGB. Andererseits: Wer nicht acht Wochen vor Ablauf der Vertragslaufzeit schriftlich kündigt, bleibt ein weiteres Jahr Flexstrom-Kunde. Fazit: Den Bonus zahlt Flexstrom in der Regel erst ab zwei Jahren Kundentreue. Wer nach einem Jahr kündigt, sollte trotzdem um den versprochenen Bonus kämpfen: per Brief an die Geschäftsleitung, Beschwerde beim Stromrechner-Portal oder per Anwalt. Oft zahlt Flexstrom den Bonus dann doch noch.
[Update: 20.12.2010]: Inzwischen hat Herr Täuber den Bonus erhalten. Er hatte sich an das Stromrechner-Portal gewandt, über das er sich bei Flexstrom angemeldet hatte. Die Kommentare unter dieser Meldung bestätigen: In Einzelfällen konnten die Strom-Portale – mit denen Flexstrom ja auch wirtschaftliche Beziehungen unterhält – oder Anwälte Flexstrom zur Zahlung des Bonus bewegen. Einen Anspruch hat aber niemand, da die AGB die Bonuszahlung bei Kündigung im ersten Vertragsjahr ausschließt.

Warten auf den Bonus

Janto Just: "Drei Monate nach Ende meines einjährigen Stromliefervertrages mit Teldafax habe ich immer noch keine Abrechnung und somit auch den Bonus nicht erhalten. Bisher hat Teldafax sich nicht einmal bemüht, eine Erklärung für die Verzögerungen zu geben, was mir recht dickfellig erscheint. Ich vermute daher, dass ich wie viele andere Kunden bewusst und künstlich hingehalten werde, damit Teldafax die Auszahlung des Bonus und eines eventuellen Guthabens hinauszögern kann und möglichst ganz vermeidet – nämlich wenn der Kunde schließlich resigniert und aufgibt."
test.de:
Wenn Anrufe und Briefe an den Kundenservice nichts bewirken, können Verbraucherzentralen Druck ausüben. Manchmal führen jedoch auch unkonventionelle Wege ans Ziel, zum Beispiel ein Brief an Bayer Leverkusen, dessen Hauptsponsor Teldafax ist.

Treue Kunden zahlen mehr

Helmut Jehle: "Vor zwei Jahren bin ich zu Flexstrom gewechselt und pro Jahr circa 300 Euro gespart. Bei Vertragsverlängerung bekommen die Bestandskunden weitaus schlechtere Tarife und ein Vorteil ergibt sich kaum mehr."
test.de:
Die Preise auf der Internetseite von Flexstrom und in den Stromtarifrechnern gelten nur für Neukunden. Die Preise für Bestandskunden erfahren diese erst zum Ende der Preisgarantie. Wer dann kündigt, verliert seinen Bonus.

Knappe Kündigungsfrist

Josef Uttenthaler: "Hiermit möchte ich meine tiefe Enttäuschung zu Teldafax zum Ausdruck bringen. Vor circa einem Jahr bin ich zu Teldafax gewechselt. Bereits nach einem Jahr wurde der Preis für die kWh um 17,57 Prozent erhöht. Die Mitteilung hierzu erhielt ich erst am 15.12.2009, so dass zur Einhaltung der Kündigungsfrist (31.1.2010) von sechs Wochen nur noch einige Tage blieben. Über ein Vergleichs­portal habe ich zwar sofort einen Wechsel zu einem anderen Stromlieferanten beantragt, was aber natürlich nicht mehr fristgerecht zum 31.1.2010 möglich war. Somit muss ich nun den überhöhten neuen Preis 12 Monate lang bezahlen."
test.de: Bei Preiserhöhungen gewährt der Anbieter meist ein Sonder­kündigungs­recht. Gibt der Stromversorger die Preiserhöhung erst kurz vorher bekannt, ist es für einen Wechsel zu einem anderen günstigen Versorger meist zu spät. Der neue Stromversorger braucht in der Regel sechs bis acht Wochen, um die Stromlieferung einzuleiten. In einem solchen Fall empfiehlt es sich trotzdem, das Sonder­kündigungs­recht in Anspruch zu nehmen. Die Stromversorgung übernimmt dann automatisch der lokale Netzbetreiber zum sogenannten Grundversorgungstarif. Dieser lässt sich jederzeit mit einer Frist von vier Wochen zum Monatsende wieder kündigen.

Wechsel gescheitert

Peter Koch: "Am 23. Juli 2010 habe ich einen Stromanbieterwechsel von Flexstrom zu Teldafax beantragt. Anschließend zog Teldafax 1 080 Euro von meinem Konto ein. Diese Summen entspricht den Vertragsbedingungen. Der Vertrag mit meinem alten Anbieter Flexstrom läuft bis Ende Oktober 2010. Am 5. Oktober 2010 erhielt ich eine Mahnung von Flexstrom über 1 793 Euro. Den Hinweis auf meinen Anbieterwechsel beantwortete Flexstrom mit dem Hinweis, Teldafax habe den Vertrag nicht fristgerecht gekündigt. So musste ich den Betrag von 1 793 Euro überweisen. Am 9. Oktober bestätigte mir Teldafax, dass sie vom Vorversorger eine Ablehnung der Kündigung erhalten hat. Bis heute habe ich von Teldafax noch keinen Cent meines Geldes zurück erhalten."
test.de:
Die Flexstrom-Kündigungsfrist beträgt acht Wochen. Beim Wechsel des Stromanbieters erledigt normalerweise der neue Anbieter die Kündigung. Auf die Kündigungsfrist des alten Anbieters achtet er jedoch nicht. Wer einen erneuten Jahresvertrag mit Flexstrom vermeiden möchte, sollte daher selbst schriftlich kündigen. Grundsätzlich gilt: Tarife mit Vorkasse für ein ganzes Jahr sind zwar oft günstig. Aber bei Problemen laufen die Kunden dem Geld lange hinterher.

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