test.de warnt vor Ethanol-Kaminen Meldung

In Baumärkten stehen reihenweise Ethanol-Kamine. Sie suggerieren gemütliches Kaminfeuer ohne Schornstein. Ebenfalls im Angebot: Deko-Artikel, die mit flüssigem Ethanol befüllt werden. Doch wie gefährlich die Dekofeuer sind, zeigte vor wenigen Tagen der tragische Tod einer Frau in Schleswig-Holstein. test.de warnt.

Verpuffung beim Nachfüllen

Nach aktuellem Ermittlungsstand wollte die 40-jährige Frau aus Glinde ihren Wandkamin mit einer entflammbaren Substanz befüllen. Dabei kam es zu einer größeren Verpuffung oder Explosion. Die Frau erlitt schwere Verbrennungen an Gesicht und Oberkörper. Rettungskräfte brachten sie ins Krankenhaus, wo sie ihren Verletzungen erlag.

Feuer brennt weiter

Unfälle mit Ethanol-Feuern häufen sich. Auch test.de-Leserin Christine Moll aus Biberach erlebte die Unberechenbarkeit eines Dekofeuers: "Wir bekamen ein Twistfire von Auerhahn geschenkt. Am Samstag betrieben wir dieses Feuerlicht wie fast jeden Abend. Leider schlug dieses trotz ordnungsgemäßen Betriebs plötzlich Flammen und ließ sich nicht mehr löschen. Wir versuchten, das Feuer mit einer Löschdecke zu löschen. Dies funktionierte für kurze Zeit, jedoch brannte das Feuer unter der Löschdecke weiter, das Glas zerbarst, die Löschdecke brannte irgendwann mit und auch das Parkett darunter."

Gefährlicher Brennstoff

Ethanol ist ein Brennstoff, der offen stehend verdampft. Bei Temperaturen über 21 Grad Celsius bildet er zusammen mit Luft ein leicht entzündliches, sogar explosionsfähiges Gemisch. Wenn der Dekokamin nach dem Befüllen einige Zeit offen steht, kann ein Funke ausreichen und die Dämpfe entzünden sich. Aufgrund seiner leichten Entzündbarkeit wird Ethanol auch gezielt als Brandbeschleuniger eingesetzt. Läuft Ethanol zum Beispiel beim Befüllen aus und entzündet sich, brennt schnell der ganze Raum lichterloh. Deshalb dürfen Nutzer ihren Ethanol-Kamin auch nicht nachfüllen, während er noch brennt. Achtung: In der Brennkammer können noch lange Zeit kleine Flammen lodern, die von außen nicht sichtbar sind. Selbst wenn das Feuer komplett erloschen ist, kann die noch heiße Brennschale nachgefülltes Ethanol entzünden. Fazit: Das Lagern und Umfüllen von Ethanol in privaten Räumen stellt immer ein erhöhtes Brandrisiko dar.

Keine Sicherheit

Auch die Kamine geben keine Sicherheit. Überwachte Sicherheitsregeln für diese Geräte gibt es nicht. Somit existiert auch kein Zeichen für geprüfte Sicherheit (GS-Zeichen) für Ethanol-Kamine. Bei vielen anderen Produkten ist das eine Selbstverständlichkeit. Auch die DIN-Norm 4734 zur Überprüfung von Ethanol-Kaminen liegt noch auf Halde. Pflicht ist die Prüfung ohnehin nicht. Mehrere Hersteller bewerben schon jetzt ihre Deko-Kamine mit TÜV-Siegeln. Eine Übersicht der geprüften Geräte veröffentlicht der TÜV jedoch nicht. Tipp: Lassen Sie sich nicht von einem Prüfzeichen täuschen. Es gilt nur für das Gerät, nicht für die Bedienung. Das hohe Risiko im Falle eines möglichen Fehlgebrauchs trägt stets der Nutzer.

[Update: 24. Januar 2011]

Inzwischen wurde die Norm 4734 "Dekorative Feuerstellen für flüssige Brennstoffe" veröffentlicht. Nun können unabhängige Prüfinstitute ein Zertifikat vergeben. Dieses bestätigt den Anbietern von Ethanol-Dekokaminen, dass sie die Norm einhalten. Pflicht ist die Prüfung nicht. Die Norm gilt nur für Geräte, in die maximal drei Liter Brennstoff passen. Dekokamine, die mehr als einen halben Liter Ethanol pro Stunde verbrennen können oder Geräte, für die eine Heizleistung angegeben ist, benötigen laut Norm einen gesonderten bauaufsichtlichen Zulassungsbescheid. Laut Norm muss die Gebrauchsanleitung 5 Warnhinweise und etwa zwanzig Hinweise und Anleitungen zum Gebrauch enthalten. Außerdem muss schon vor dem Kauf erkennbar sein, dass die Geräte nicht als Heizgerät und nur in belüfteten Räumen verwendet werden dürfen.

Mehr Informationen über Ethanol-Kamine und Vorsichtsmaßnahmen: Brandgefährliche Deko

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