Knapp 10 Euro für eine simple Telefonauskunft von der Stadtverwaltung? Das geht schnell: Wer unter „Stadt“, „Kfz-Zulassung“ oder „Führerschein“ ins Telefonbuch sieht und die Nummer wählt, hört eine freundliche Stimme: „Wegen des großen Andrangs wählen Sie bitte folgende 0190er Nummer ...“ Doch da läuft nur ein Tonband mit belanglosem Gerede. 1,86 Euro pro Minute. Viel Geld für wertlose Informationen.

Klar: Die Nummer ist gar nicht vom Amt, hier wird nur abkassiert. Die Masche, vor der test schon vor zwei Jahren warnte, weitet sich immer mehr aus. Auch hinter „Bahnhof“ oder „Flughafen“ verstecken sich Abzocker. Als „Tüv-Auskunft“ ließ sich die Firma itelkom aus Herne eintragen, musste das aber einstellen, weil die Wettbewerbszentrale einschritt.

Die Betreiber der Abzocknummern operieren unter vielen Namen: zum Beispiel Schulz eK, Stagro, intelfon und andere. Was auffällt: Der Wortlaut einiger Bandansagen ist derselbe wie bei itelkoms Tüv-Eintrag. Dass es in Wahrheit itelkom ist, die hinter vielen Neppfirmen steckt, bestreitet das Unternehmen – gab test gegenüber jedoch zu: „Die mieten ihre Nummern bei uns.“

Juristisch ist bisher kaum ein Kraut dagegen gewachsen. So konnte die Bahn zwar der Firma AMT das Handwerk legen. Doch jetzt firmiert „Schulz eK“ als Bahnhofsauskunft. Bleibt nur, davor zu warnen. Einige Städte, etwa Erfurt, stellen Listen der Neppnummern ins Internet. „Bei diesen 0190er Nummern handelt es sich nicht um städtische Anschlüsse“, erklärt Jens Metzger vom Deutschen Städtetag. „Städte erteilen Auskünfte kostenlos, Anrufer zahlen nur den Ortstarif.“

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