test warnt Meldung

Es klang so schön: Garantiert 19 Prozent Zinsen, nicht mit halsbrecherischen Aktien, sondern mit Anleihen der grundsoliden BHF-Bank. Da schien das Restrisiko minimal: Das Angebot war eine Aktienanleihe. Dabei darf die Bank am Laufzeitende wählen, ob sie dem Kunden sein Geld zurückgibt oder stattdessen Aktien. Hier waren es Papiere von EM.TV, damals ein Star am Neuen Markt. Zwar hatte sich der Kurs bereits auf rund 60 Euro halbiert, doch Analysten sahen Potenzial bis 115 Euro.

Es kam anders: Der Wert stürzte auf rund 2 Euro. Wer 10 000 Euro angelegt hatte, bekam 180 Aktien zurück, die rund 360 Euro wert waren. Trotz der 2 850 Euro Zinsen ergab das 6 790 Euro Verlust.

Trotz solcher Katastrophen scheinen Aktienanleihen angesichts des angeblich bevorstehenden Börsenaufschwungs wieder attraktiv. Zumal die Banken für Papiere mit „Protect“-Schutz werben: Da soll es bei einer Siemens-Anleihe mit 13 Prozent Zins (WKN 635 216) garantiert den Anlagebetrag zurückgeben, wenn das Papier während der Laufzeit nicht unter 58,67 Euro fällt.

Doch auch Aktienanleihen auf Werte aus dem Dax bergen ein enormes Verlustrisiko. Außerdem sind Kursgewinne bei Aktienanleihen zu versteuern – auch nach der einjährigen Spekulationsfrist (BMF-Schreiben, Az. IV C1–S 2252–56/01).

Und wer einmal hereingefallen ist, hat kaum Chancen, Geld zurückzuholen. So ließ der Bundesgerichtshof einen Sparer abblitzen, der mit Anleihen auf VW-Aktien 12 000 Mark verloren hatte und sich von seiner Bank ungenügend beraten fühlte (Az. XI ZR 258/01). Das Risiko sei nicht größer als beim Direkterwerb von Aktien. Nur wer seiner Bank schuldhafte Falschberatung nachweisen kann, hat Aussicht auf Schadenersatz.

Bleibt der Rat, sich nicht von den garantierten Zinsen blenden zu lassen.

Dieser Artikel ist hilfreich. 310 Nutzer finden das hilfreich.