test warnt Meldung

Ahnenforschung ist spannend – und mühsam. Doch halt: Wer blaublütige Vorfahren entdecken will, braucht nur 49,95 Euro. Dafür liefert Wilhelm von der Aa eine Chronik Ihres Geschlechts. Bei jahrzehntelangen Forschungen stieß der angebliche Genealoge immer wieder ausgerechnet auf Ihren Namen. Jedenfalls behauptet er das in Briefen, die er bundesweit verschickt. Merkwürdig nur, dass diese Briefe – immer mit demselben Inhalt – an Verbraucher mit ganz unterschiedlichen Namen gingen.

Wer die „Chronik“ bestellt, erlebt eine üble Enttäuschung. Kern ist ein nichts sagender Adressteil mit Menschen gleichen Namens. Dazu Allgemeines über Geschichte, Wappen und Vornamen. Das Ganze ähnelt „Halberts Familien-Weltbuch“ – einer Bauernfängerei, vor der wir schon 1994 warnten. Die neue Chronik wird vom selben Anbieter vertrieben: Fulfillment Directmarketing aus Bretten. Die Staatsanwaltschaft Karlsruhe stellte Strafbefehl wegen Betrugs – die Hauptverhandlung steht noch aus.

„Die bloße Aufzählung von Namensvorkommen hat mit Ahnenforschung nichts zu tun“, erklärt der Genealoge Lothar Müller-Westphal. Namen allein bringen nicht viel: „Unsere Nachnamen entstanden meist im 16. und 17. Jahrhundert.“ Bis dahin konnten selbst Brüder verschieden heißen: „Voss“ (Fuchs) der Rothaarige, „Schneider“ wegen des Berufs, „Urberger“ für den im gleichnamigen Dorf. Es hilft nichts: Wer Ahnen sucht, muss Generation für Generation rückwärts gehen, Kirchenbücher sowie Archive durchstöbern – und meist im 17. Jahrhundert aufgeben: Im 30-jährigen Krieg sind fast alle Papiere verbrannt.

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