Im Spät­herbst finden Haus­besitzer Werbung in der Post: „Thermo­grafie für 99 Euro“. Wer zahlt, erhält vier Außenfotos des Hauses. Bilder, die jeder Laie sofort versteht: Was gut gedämmt ist, bringt grüne und blaue Töne. Wo Wärme entweicht, sind sie gelb und rot. Auf einen Blick wird klar: Da muss was gemacht werden.

Was vielen nicht so deutlich auffällt: Die Billigan­gebote kommen oft von Fassadenfirmen, die Stadt für Stadt abgrasen und gleich die teure Dämmung mit verkaufen. „Die Masche ist darauf angelegt, Aufträge zu erhalten“, erklärt Eva Reinhold-Postina vom Verband privater Bauherren. Dass Thermo­grafie nicht bei jedem Wetter möglich ist, kümmert Abzo­cker nicht. Sie legen sofort los, auch wenn lange die Sonne auf der Fassade stand. Klar, dass dann selbst perfekt gedämmte Wände tiefrot leuchten. Oder die Kamera wird so verstellt, dass sie mehr Rot abbildet.

„Zu einer seriösen Thermo­grafie gehören neben Außen­aufnahmen auch Innen- und Detail­bilder“, erklärt Reinhold-Postina. „Und eine persönliche Beratung, in der die Ergeb­nisse erläutert werden.“ Solch eine umfassende Thermo­grafie kostet eher 500 bis 600 Euro. Sie fließt später in eine unabhängige Energieberatung ein. Deren Ergebnis ist mitunter keine teure Dämmung, sondern eine neue Heizung. Die ist billiger und spart am Ende mehr.

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