test-Analysen: Die Fahnder

test-Umweltanalysen Meldung

Das Umwelt­analy­sen-Team der Stiftung Warentest.
Vorn (von links nach rechts): Simone Lindemann, Michaela Vogliano, Britta Barlage.
Hinten: Annegret Jende, Hans-Peter Brix, Michael Koswig.

Blei im Trinkwasser, gefährliches PCP in Holzspänen, Schimmel im Bad, Käfer in der Küche oder Asbest im Bodenbelag: Bisher haben rund 50 000 Leser den test-Analyseservice genutzt. Hinweis: Der Service wurde eingestellt.

Monika S. aus Hardegsen in Niedersachsen besitzt einen schönen Samowar. Doch sie beschlich ein mulmiges Gefühl: Ob sie den Tee daraus wohl trinken könnte? Anlass der Sorge war die unklare Herkunft des Samowars. Sie hatte ihn geschenkt bekommen. Gekauft wurde er ursprünglich in der Türkei, Freunde hatten ihn im Internet ersteigert.

Kurzentschlossen schickte Monika S. eine Wasserprobe aus dem Samowar an den test-Analyseservice. Das Ergebnis: Das Wasser war mit Blei belastet, der Grenzwert der Trinkwasserverordnung wur­de gleich um ein Vielfaches überschritten. Aufgeschreckt rief sie die Experten der Stiftung Warentest an. Die forschten nach: Durch weitere Messungen schlossen sie aus, dass die Trinkwasserrohre im Haus die hohe Konzentration verursacht haben könnten. Tatsächlich trat das Blei aus dem Samowar aus – und zwar sowohl aus dem Wasserkessel als auch aus der Teekanne.

Annegret Jende und Michaela Vogliano vom Analysen-Team der Stiftung Warentest können von vielen test-Lesern berichten, die sich wie Monika S. wegen gefährlicher Substanzen in ihrem Wohnumfeld Sorgen machen.

Heißer Draht: Jeden Donnerstag

Die beiden Expertinnen haben jeden Donnerstag einen „heißen Draht“ zu den Betroffenen. Zusammen mit weiteren Kollegen klären sie am Telefon, ob bei dem Anrufer eine Analyse Sinn macht. „Kürzlich rief mich eine Frau an, die ein altes Haus kaufen wollte. Viele Indizien sprachen dafür, dass der Dachboden mit Holzschutzmitteln belastet sein könnte“, erzählt Annegret Jende. Bei dieser Teilnehmerin stellte sich durch die Analyse aber heraus, dass keine gefährlichen Substanzen verstrichen worden waren.

In vielen anderen Fällen werden die Experten jedoch fündig. Etwa bei Reinhard K.: Die Analyse ergab, dass in seinem ausgebauten Dachgeschoss früher tragende Balken mit dem Holzschutzmittel PCP behandelt worden waren, das außerdem mit Dioxinen verunreinigt war. Michaela Vogliano informierte ihn über Möglichkeiten der Sanierung. Zur Auswahl stehen Folien zum Einkapseln oder Lackierungssysteme, die verhindern sollen, dass die Schadstoffe austreten.

Analyse-Hitliste: Wasser auf Platz 1

Nahezu 50 000 Analysen hat die Stiftung Warentest bereits erstellt, im vergangenen Jahr allein 5 000. Meist sollen Schwermetalle im Trinkwasser bestimmt werden: bisher über 25 000 Analysen. Die Leser schicken das Wasser aus ihrer Trinkwasserleitung oft ein, weil sie befürchten, dass es aus Bleirohren kommt. Mit rund 9 000 Auswertungen ist auch die Analyse auf Schimmelpilze sehr gefragt. Ebenfalls häufig: die Holzschutzmittel-Analyse (zirka 3 000 Auswertungen) und das „Entlarven“ von Schädlingen (etwa 2 000). Über die Ergebnisse berichtet test regelmäßig – wie jetzt über die Schimmelanalyse. So decken wir Gefahren auf und geben einen Überblick über Belastungen in deutschen Haushalten.

Alle Analysen beruhen auf diesem Prinzip: Die Leser nehmen die Proben nach genauer Anleitung selbst – oft mit Geräten oder Gefäßen, die von uns zugesandt werden – und schicken sie dann zur Messung ein. Die Preise sind eng kalkuliert: Sie sollen unsere Selbstkosten decken und für die Leser kostengünstig sein. Die Analy­sen helfen, das Ausmaß der Gefahr einzuschätzen, und klären, ob saniert werden sollte. Deshalb erhält jeder Teilnehmer mit den Messwerten eine Einschätzung und Tipps zur Sanierung. Manchmal ist das aufwendig, wie beim Dachbalken von Reinhard K., manchmal aber auch leicht. So bereitet Monika S. in ihrem Samowar eben einfach keinen Tee mehr.

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