test-Leser fragen Meldung

Ich wurde im Supermarkt vom Detektiv aufgefordert, meine Einkaufstasche zu öffnen – vor all den Leuten! Gestohlen hatte ich natürlich nichts, bekam aber als Entschädigung nur ein „Entschuldigung“ zu hören. Musste ich diese Peinlichkeit über mich ergehen lassen?

Nein. Kontrollen sind nur erlaubt, wenn ein konkreter Verdacht vorliegt. Was als ausreichender Verdacht gelten kann, hängt vom Einzelfall ab. Da könnte schon das Piepen der Sicherheitsschleuse am Ausgang reichen, obwohl diese Anlagen fehlerträchtig sind. Aber auch wenn ein Verdacht vorgelegen hätte, durften Sie das Öffnen der Tasche verweigern. Denn Detektive dürfen Kunden nicht mit Gewalt dazu zwingen, auch nicht zur Herausgabe der Personalien. Sie dürfen lediglich – so wie jeder Bürger im Rahmen von Notwehr oder Nothilfe – den Verdächtigen festhalten, bis die Polizei kommt. Nur die Beamten dürfen Taschen und Personen durchsuchen. Ohne konkreten Diebstahlverdacht wäre das Festhalten Freiheitsberaubung. Sie können dann Anzeige erstatten und Zivilklage einreichen. So verurteilte das Amtsgericht Osnabrück (Az. 40 C 269/88) einen Detektiv, der eine unschuldige Kundin eine Stunde festgehalten hatte, zu umgerechnet 125 Euro Schmerzensgeld. Das Landgericht Koblenz gestand einem Kunden sogar knapp 500 Euro zu (Az. 6 S 212/86).

Grundsätzlich hat der Kaufhausdetektiv keine weiter gehenden Rechte als jeder andere Bürger, hinzu kommt hier lediglich das Hausrecht. Dasselbe gilt für gewerbliches Wachpersonal, das sich durch Fantasieuniformen einen offiziellen Anstrich gibt.

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