Steuer­progression Einfach erklärt

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Steuer­progression - Einfach erklärt
Steuer­progression. Nicht jeder verdiente Euro wird gleich besteuert – das macht das Steuer­system kompliziert. © picture alliance / Westend61 / Erwin Wodicka

Spitzen­steu­ersatz, Reichen­steuer, Durch­schnitts­steu­ersatz, Steuer­progression – wer zahlt wie viel? Sie verstehen nur Bahnhof? Wir verschaffen Ihnen den Durch­blick.

Das sollten Sie wissen

  • Wer wenig verdient, zahlt nied­rigere Steuern. Wer mehr verdient, zahlt mehr. Wer richtig viel verdient, zahlt einen noch höheren Anteil.
  • Bis zum Grund­frei­betrag – auch einkommensteuerliches Existenz­minimum genannt – muss niemand Steuern zahlen. 2021 beträgt dieser Frei­betrag 9 744 Euro für Ledige, 19 488 Euro für Verheiratete. Für das Jahr 2022 steigt er auf 10 347 Euro für Singles und auf 20 694 Euro für Ehepaare.
  • Die Besteuerung verläuft schritt­weise: Für verschiedene Teile Ihres Einkommens wird jeweils eine eigene Einkommensteuer berechnet.
  • Insgesamt gibt es fünf Tarifzonen.
Tipp:
Ihre persönliche Steuerlast können Sie mit unserem Gehaltsrechner berechnen. Wie Sie in Corona-Zeiten abrechnen, steht in unseren Specials zur Steuererklärung 2020 und zur Steuererklärung 2021.

Wer mehr verdient, zahlt auch mehr

Steuer­progression - Einfach erklärt

Der Grund­gedanke ist einfach: Jeder soll zum Gemeinwesen so viel beitragen, wie er kann. Wer mehr verdient, muss deshalb mehr abgeben. Das Einkommen wird aber nicht als Ganzes versteuert. Statt­dessen staffelt das Finanz­amt das Einkommen. Für die verschiedenen Teile des Einkommens setzt es einen anderen Steu­ersatz an. Die so einzeln ermittelten Steuer­beträge ergeben summiert Ihre konkrete Steuerlast. Die Summe, die Sie zahlen müssen, wächst kontinuierlich (siehe Grafik).

Steuer­progression - Einfach erklärt
© Stiftung Warentest

So rechnet das Finanz­amt

Von Ihrem Jahres­brutto zieht das Amt etwa Frei­beträge, Verluste und absetz­bare Ausgaben ab. Übrig bleibt das zu versteuernde Einkommen. Davon sind 2021 die ersten 9 744 Euro steuerfrei. Dieser Grund­frei­betrag gilt für alle – auch für Millionäre. Er wird jähr­lich angepasst. Über 9 744 Euro zahlen Sie in der nächsten Tarifzone bis 14 753 Euro den Einstiegs­steu­ersatz. Er liegt zwischen 14 Prozent bis 24 Prozent und steigt mit dem Einkommen in kleinen Schritten an. In der darauf­folgenden Tarifzone bis 57 918 Euro wächst der Steu­ersatz von 24 auf bis zu 42 Prozent an. Er steigt aber nicht unendlich. Ab 57 919 Euro gilt der Spitzen­steu­ersatz von 42 Prozent. Höher ist mit 45 Prozent ab 274 613 Euro nur noch die Reichen­steuer.

Wichtige Begriffe

Durch­schnitts­steu­ersatz.
Das ist Ihr persönlicher Steu­ersatz. Er zeigt an, wie viel Prozent Ihres Jahres­einkommens Sie ans Finanz­amt abtreten müssen. Um ihn zu berechnen, nehmen Sie die von Ihnen gezahlte Einkommensteuer mal Hundert und teilen das Ergebnis durch Ihr zu versteuerndes Einkommen.
Spitzen­steu­ersatz.
Besserverdiener zahlen derzeit 42 Prozent für den Teil ihres Einkommens, der über 57 918 Euro liegt.
Grenz­steu­ersatz.
Das ist Ihr individueller Spitzen­steu­ersatz. Der Grenz­steu­ersatz gibt an, zu wie viel Prozent der letzte Euro Ihres zu versteuernden Einkommens belastet wird. Mit diesem Satz wird zum Beispiel eine Lohn­erhöhung besteuert.

Spitzen­steu­ersatz nicht für alles

Für die Tarifzone, in die Ihr Einkommen fällt, gibt es eine eigene Rechenformel, die den Anstieg des Steu­ersatzes berück­sichtigt. Selbst wenn Ihr Einkommen Tarifzone 3 über­schreitet, zahlen Sie also nicht auf alles den Spitzen­steu­ersatz von 42 Prozent. Liegt Ihr Einkommen etwa bei 61 000 Euro, beträgt Ihre durch­schnitt­liche Belastung nur 27 Prozent. Das ist Ihr persönlicher Steu­ersatz oder auch Durch­schnitts­steu­ersatz (siehe Wichtige Begriffe oben).

Wo die Steuer­progression eine Rolle spielt

Die Steuer­progression kommt unter anderem auch bei der Berechnung von Eltern­geld und Kurz­arbeitergeld zum Tragen. Mehr dazu in unseren Specials Elterngeld: Anspruch, Dauer, Höhe, Berechnung und So berechnen Sie das Kurzarbeitergeld.

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Frank0604 am 17.04.2022 um 12:23 Uhr
Auch die Politik will es nicht einfacher

Mit einem Diagramm Brutto-Netto würde auch auffallen, wie gering die Auswirkung eines linear verlaufenden Grenzsteuersatzes (in den Tarifzonen 2 und 3) gegenüber eines konstanten Grenzsteuersatzes (wie in den Tarifzonen 1, 4 und 5) auf den Brutto-Netto-Verlauf ist. Es macht den Verlauf ohne Rechtfertigung nur komplizierter und erschwert es, den eigenen Steuerbetrag nachzurechnen. Es ist damit nicht sehr bürgernah. Aus gutem Grund hat kaum ein anderes Land Tarifzonen mit einem linearen Grenzsteuersatzverlauf. Die Stiftung Warentest hätte hierzu - im Interesse der Verbraucher - gerne eine kritische Bemerkung schreiben können.

Frank0604 am 17.04.2022 um 11:56 Uhr
Doch nicht so einfach erklärt

Doch nicht so einfach erklärt
Den Verlauf der Einkommenssteuer zu erklären anhand des Grenzsteuersatzes halte ich für wenig helfreich. So ist es kein wunder, dass etwas das im Grunde einfach ist, als kompliziert empfunden wird.
Besser wäre es gewesen, diesen Verlauf zunächst anhand eines simplen Diagramms von Bruttoeinkommen (horizontal) versus Nettoeinkommen (vertikal) zu erklären. Das gäbe ein viel besseres Bild des tatsächlichen Verlaufs der Einkommenssteuer. Eine Verwechslung von Durchschnittssteuersatz und Grenzsteuersatz würde gar nicht aufkommen. Im zweiten Schritt könnte man dan erklären, wie der Unterschied Brutto-Netto berechnet wird.
Gut an dem Artikel finde ich die Erklärung der Begriffe. Insgesamt wird der Artikel dem Titel "einfach erklärt" aber nicht gerecht.