test April 2003 Beratung zu Bahnpreisen: Bei jedem zweiten Ticket nicht die preisgünstigste Variante angeboten

Bei jeder zweiten Auskunft zu Bahnpreisen nannten die Berater am Schalter oder der Telefon-Hotline nicht die preisgünstigste Möglichkeit, in jedem vierten Fall hatte auch das gezielte Nachfragen keinen Erfolg. Den Kunden drohten dadurch unnötige Mehrkosten in deutlicher Höhe, teilweise bis zu 107 Prozent gegenüber der günstigsten Variante. Das Gesamturteil für die Beratung zu Bahnpreisen lautet deshalb nur „ausreichend“.

Zu diesem Ergebnis kommt die Stiftung Warentest in der April-Ausgabe ihrer Zeitschrift test, nachdem sie in 120 Testgesprächen die Preise für eine einfache Fahrt ohne Bahncard für Verbindungen zwischen großen deutschen Städten und nach Wien erfragt hat. Oft empfahlen die Berater schnelle aber teure Umwegfahrten, viele nannten auf Anhieb nur ICE-Verbindungen. Verschwiegen wurde häufig, dass preiswertere IC- und Regionalzüge oft nicht viel länger benötigen, um die Reiseziele zu erreichen. Besonders billige Länder-Tickets scheint der Computer nicht zu berücksichtigen. Auch die besonders komplizierten Tarifbestimmungen bei Auslandsreisen führten zu verwirrenden Auskünften.

Fazit: Wer gehofft hat, das neue Preissystem würde preisgünstige Angebote garantieren, muss nach diesem Test enttäuscht sein. Schuld daran sind nicht allein die Mitarbeiter der Deutschen Bahn, bei denen die Tester den Eindruck hatten, dass viele mit Engagement versuchen, Schwachstellen im System zu überbrücken. Das Preissystem und seine technische Umsetzung erweisen sich als zu kompliziert und unübersichtlich. Mittlerweile hat auch die Bahn zusätzlichen Schulungsbedarf eingeräumt. Um allerdings das Ziel zu erreichen, mehr Menschen zum Bahnfahren zu bewegen, hält die Stiftung Warentest darüber hinaus kundenfreundliche Nachbesserungen am Preissystem für erforderlich. Ausführliche Informationen zu der Kundenberatung der Bahn finden sich in der April-Ausgabe von test.

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