Jodtabletten als Schutz vor Radio­aktivität Nicht in Eigen­regie einnehmen

Angesichts der Atom­katastrophe in Japan fragen sich viele Menschen in Europa, ob sie vorsorglich Jodtabletten schlu­cken sollen. Nein, sagt das Bundes­ministerium für Umwelt, Natur­schutz und Reaktorsicherheit. Denn die Einnahme birgt ihrer­seits Gesund­heits­risiken. Daher soll sie nur auf behördliche Anordnung erfolgen.

Hoch­dosiertes Kaliumjodid kann die Schild­drüse vor Schäden durch radio­aktives Jod schützen, das bei Atom­unfällen entweicht. Dazu reicht eine einmalige Gabe, deren Dosis sich nach dem Alter richtet. Das hilft aber nicht gegen andere Strahlenschäden. Das Bundes­umwelt­ministerium warnt davor, diese Tabletten auf eigene Faust prophylaktisch einzunehmen. „Erstens wirken die Mittel nur wenige Stunden vor bis wenige Stunden nach einer radio­aktiven Belastung vorbeugend, und zweitens können sie schwere Schild­drüsen­erkrankungen verursachen“, erklärt Prof. Dr. Gerd Glaeske vom Zentrum für Sozial­politik der Universität Bremen und Leiter der Arznei­mittel­bewertungen der Stiftung Warentest. Besonders gefährdet sind demnach Menschen über 45 Jahre mit Jodal­lergien oder Schild­drüsen­über­funk­tion.

Die Einnahme von Jodtabletten soll nur auf behördliche Anordnung erfolgen. Bis jetzt gibt es keinen Grund zu handeln, so das Umwelt­ministerium, denn aufgrund der großen Entfernung sei eine Gefahr für Deutsch­land praktisch ausgeschlossen. Für den Fall der Fälle halten deutsche Behörden das Mittel vorrätig.

Es würde dann nicht reichen, einfach Tabletten gegen Jodmangel einzunehmen, schreibt die Website der Stiftung Warentest, test.de. Denn sie sind viel zu nied­rig dosiert. So müsste ein Erwachsener 1.300 Tabletten à 100 Mikrogramm schlu­cken. Theoretisch lassen sich hoch­dosierte Notfall­präparate in der Apotheke kaufen und zu Hause aufbewahren. Doch die Einnahme darf nur auf behördliche Anordnung erfolgen.

Mehr Informationen zum Thema unter unter www.test.de/japan.

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