Diskretion beim Arzt Geheimnisse sind oft nicht sicher aufgehoben

Obwohl es an Regeln zur Geheimhaltung von Patientengeheimnissen nicht mangelt, stellte die Stiftung Warentest bei einer Stichprobe in 15 von 30 Arztpraxen Lücken im Datenschutz fest – teils leichte, teils sogar gravierende. Bei Anrufen gaben Mitarbeiter medizinische Daten von anderen Patienten preis, Praxismitarbeiter sprachen vor Dritten über Patienten und deren Krankheiten und Arztpraxen versandten sensible Daten per E-Mail. Veröffentlicht sind die Ergebnisse in der März-Ausgabe der Zeitschrift test.

Ärzte erfahren intime Details über ihre Patienten. Um deren Privatsphäre zu schützen und neugierige Dritte, etwa Versicherungen, Arbeitgeber oder Angehörige, auf Abstand zu halten, unterliegen Mediziner der Schweigepflicht. In der Praxis bewähren sich diese Regeln aber nicht immer. Die Stiftung Warentest nahm zu 30 Hausärzten Kontakt auf: Zehn besuchten die Tester persönlich, zehn riefen sie an und zehn schrieben sie E-Mails. In der Hälfte der Fälle stießen sie dabei auf Datenlecks.

In drei von zehn besuchten Praxen konnten die Wartenden Intimes mithören. Einmal ging es zum Beispiel um eine Schuppenflechte inklusive Behandlung, einmal um eine Frau, die schnell einen Platz im Pflegeheim brauchte. Am Telefon gaben acht der zehn Praxen Anrufern, die sich vorgeblich im Auftrag von Patienten meldeten, freimütig Auskunft, zum Beispiel über Laborwerte oder verordnete Arzneien. Nach E-Mail-Anfragen verschickten vier von zehn Praxen sensible Daten unverschlüsselt per E-Mail, zum Beispiel ein komplettes Laborblatt als Screenshot.

Der ausführliche Test Diskretion beim Arzt erscheint in der März-Ausgabe der Zeitschrift test (ab 26.02.2016 am Kiosk) und ist bereits kostenfrei unter www.test.de/arztbesuch abrufbar.

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