Beratungs­protokoll Banken stellen sich dumm

Seit Jahres­beginn sind die Banken verpflichtet, für Gespräche mit Kunden, in denen Wert­papiere wie Fonds, Anleihen oder Zertifikate empfohlen werden, ein Beratungs­protokoll zu erstellen und dem Kunden auszuhändigen. Doch einige Berater erstellen erst gar kein Protokoll, unter­schreiben es – gesetzes­widrig – nicht oder nötigen Kunden zu einer Unter­schrift, die nicht vorgesehen ist. Zu diesem Ergebnis kommt die Zeit­schrift Finanztest in ihrer April-Ausgabe nach einer Stich­probe von 16 Beratungs­gesprächen in acht verschiedenen Kredit­instituten in vier Bundes­ländern.

Die Tester erhielten zehn Protokolle, sechs Mal gingen sie leer aus. Ein Test­anleger fragte in der BBBank Karls­ruhe ausdrück­lich nach einem Protokoll, doch der Berater wies ihn ab. Ein anderer Anleger bekam bei der Commerz­bank in Karls­ruhe ebenfalls kein Protokoll. „Wir wissen ja nicht, ob Sie wieder­kommen, sonst haben wir uns die Mühe ja umsonst gemacht“, beschied ihm der Berater. Produkte empfohlen hat er trotzdem – ein klarer Verstoß gegen die Absicht des Gesetz­gebers.

Mitunter strotzen die Beratungs­protokolle auch von Fachwörtern, die kaum jemand versteht. „Anlage von Liquiditäts­über­schüssen“, steht da, „Ansparen von Eigen­mitteln für Investitionen“ oder „Ansparen von Tilgungs­mitteln“. Ausgehändigt bekommen die Kunden „Onepager“ oder „Terms­heets“. Einige Berater verlangen von ihren Kunden, das Protokoll zu unter­schreiben. Der Kunde muss aber nichts unterzeichen und sollte es auch nicht tun, weil es ihm im Streitfall als Zustimmung ausgelegt werden könnte.

Wie ein Beratungs­protokoll genau aussehen soll und Tipps für Kunden finden sich in der April-Ausgabe der Zeit­schrift Finanztest und unter www.test.de/beratungsprotokolle

Kontakt

Wenn Sie über die Stiftung Warentest berichten oder Expertinnen und Experten interviewen möchten, kontaktieren Sie das Kommunikations-Team.