Medikamente im Test

Vitamin D3

Wirkungsweise

Vitamin D ist für den Knochenstoffwechsel unerlässlich. Vitamin D3 (Colecalciferol) ist die wichtigste Substanz dieser Gruppe fettlöslicher Verbindungen, die im Körper vergleichbar wirken und deshalb insgesamt als Vitamin D bezeichnet werden. Colecalciferol wird mit tierischen Lebensmitteln aufgenommen und außerdem vom Körper selbst in der Haut durch UVB-Strahlung gebildet.

Alle Vitamin-D-Formen müssen im Körper zunächst in mehreren Schritten in der Leber, den Nieren und anderen Geweben in eine biologisch aktive Substanz überführt werden, bevor sie im Knochenstoffwechsel wirken können. Daher fasst man alle Vitamin-D-Formen unter dem Sammelbegriff "Vitamin D" zusammen.

Vitamin D sorgt dafür, dass Calcium aus der Nahrung in den Körper aufgenommen werden kann und dass die Nieren nur wenig Calcium ausscheiden. Außerdem wird im Zusammenspiel mit Hormonen, die am Knochenstoffwechsel beteiligt sind, der Einbau von Calcium in die Knochensubstanz gefördert.

Grundsätzlich kann der Körper seine Vitamin-D-Versorgung selbst sicherstellen. Die Ernährung liefert zwar in der Regel nur wenig Vitamin D, weil nur fetter Fisch davon eine nennenswerte Menge enthält. Den weitaus größeren Teil produziert der Körper selbst, wenn die Haut regelmäßig ungeschützt dem Licht der Sonne ausgesetzt wird. Untersuchungen zeigen allerdings, dass deutlich mehr als die Hälfte der Menschen in Deutschland nicht den Vitamin-D-Blutspiegel erreicht, der für die Knochengesundheit als optimal angesehen wird. Die Gründe sind vielfältig. Die Lichtintensität in Deutschland ist vor allem von Oktober bis März zu gering, um eine ausreichende Vitamin-D-Eigenproduktion zu gewährleisten. Die vom Körper in den Sommermonaten gespeicherte Vitamin-D-Menge deckt das Defizit aber offenbar nicht immer. Anscheinend setzen sich viele Menschen dem Sonnenlicht nicht mehr genügend aus. Bei Personen über 65 Jahre kommt hinzu, dass die Vitamin-D-Eigenproduktion ihres Körpers nicht mehr in dem Maße gewährleistet ist wie bei jüngeren Menschen.

Wer nicht sicherstellen kann, durch Ernährung und Einwirkung von Sonnenlicht eine Tagesdosis von 20 Mikrogramm Vitamin D – das entspricht 800 Einheiten – zur Verfügung zu haben, kann Vitamin D als Medikament zuführen. Für diesen Zweck werden die Mittel als "geeignet" eingestuft.

Soll Knochenbrüchen vorgebeugt werden, müssen mindestens 800 I. E. Vitamin D pro Tag zugeführt werden. Dieses Vorgehen legen auch die Ergebnisse einer Studie nahe, in welcher Männer und Frauen über 65 Jahre fünf Jahre lang alle vier Monate 2,5 Milligramm (= 100 000 I.E.) Vitamin D eingenommen hatten. Diese Behandlung senkte das Risiko für einen ersten Bruch an Hüfte, Wirbeln und Unterarm.

Um eine Osteoporosebehandlung zu unterstützen, kann die gemeinsame Anwendung mit Calcium erforderlich sein, insbesondere dann, wenn mit der Nahrung nicht genügend von dem Mineral aufgenommen wird.

Anwendung

Je nach individueller Situation und Grund der Einnahme werden von Vitamin D 3 täglich zwischen 10 und 20 Mikrogramm (= 400 und 800 I.E.) eingenommen.

Bei einer langdauernden Vitamin-D-Behandlung sollten alle drei bis sechs Monate Blut und Urin untersucht werden, um zu prüfen, ob die Dosierung angemessen ist. Das gilt besonders dann, wenn Sie nach langer Bettlägerigkeit wieder nach draußen gehen können oder Ihre Ernährung grundlegend umstellen. Dann kann so viel eigenes Vitamin D vorhanden sein, dass sich das Medikament erübrigt.

Während der Behandlung mit einem dieser Präparate sollten Sie ohne ärztlichen Rat nichts zusätzlich zu sich nehmen, was mit Vitamin D angereichert ist. Das betrifft Lebensmittel wie zum Beispiel Fruchtsäfte ebenso wie Vitaminpräparate und ähnliche Ergänzungsmittel.

Gegenanzeigen

Sie dürfen kein Vitamin D einnehmen, wenn Ihr Blut zu viel Calcium enthält und/oder Sie mit dem Urin zu viel Calcium ausscheiden. Das ist beispielsweise der Fall, wenn die Nebenschilddrüsen zu viel Parathormon produzieren, und wenn sich in den Knochen und im Knochenmark Tumoren gebildet haben.

Unter folgenden Bedingungen sollten Sie die Mittel nur nach Rücksprache mit einem Arzt einsetzen, der zudem Nutzen und Risiken der Anwendung besonders sorgfältig abgewogen hat:

  • Sie haben eine Nierenfunktionsstörung, neigen zu Nierensteinen oder können sich kaum bewegen. Dann kann sich der steigende Calciumspiegel negativ auswirken.
  • Sie haben eine schwere Erkrankung des Lymphsystems (Sarkoidose), einen Mangel an Parathormon oder sind regelmäßig auf eine Dialyse angewiesen. Dann kann Vitamin D3 übermäßig wirken.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Wenn Sie noch andere Medikamente nehmen, ist zu beachten:

  • Vitamin D lässt den Calciumspiegel des Blutes ansteigen. Die gleiche Wirkung haben entwässernde Mittel wie Hydrochlorothiazid und Chlorthalidon (bei hohem Blutdruck), nicht jedoch Furosemid und Torasemid. Der Calciumgehalt des Blutes kann sich auch erhöhen, wenn Sie ein calciumhaltiges Mittel einnehmen, zum Beispiel um Magensäure zu binden oder eine Osteoporosebehandlung zu ergänzen. Bei fortlaufender Einnahme von Mitteln, die den Calciumgehalt im Blut erhöhen, sollte der Calciumspiegel regelmäßig kontrolliert werden. Unter Umständen können Sie nach Maßgabe des Arztes die Dosierung des Vitamin-D-Präparats verringern.
  • Orlistat (bei Übergewicht) und Colestyramin und Colestipol (bei Fettstoffwechselstörungen) können die Aufnahme von Vitamin D aus dem Darm ins Blut beeinträchtigen. Zwischen der Einnahme eines dieser Mittel und einem Vitamin-D-Präparat sollten mindestens zwei Stunden Abstand liegen.

Unbedingt beachten

Wenn der Calciumspiegel im Blut ansteigt und Sie gleichzeitig einen Digitaliswirkstoff (bei Herzschwäche) einnehmen, können Herzrhythmusstörungen auftreten.

Wechselwirkungen mit Speisen und Getränken

Um Überdosierungen zu vermeiden, sollten Sie darauf achten, nicht zusätzlich zu Vitamin-D-Präparaten noch andere Produkte anzuwenden, die Vitamin D enthalten oder damit angereichert sind, z. B. Multivitaminsäfte oder -brausetabletten.

Nebenwirkungen

Eine zu hohe Dosierung von Vitamin D kann unerwünschte Wirkungen verursachen. Allerdings hält die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) bis zu 100 Mikrogramm (= 4 000 I.E.) Vitamin D am Tag für unbedenklich.

Muss beobachtet werden

Es können Übelkeit und Erbrechen, Durchfall oder Verstopfung, Durst und vermehrter Harndrang, Schwitzen, Appetitlosigkeit sowie Mattigkeit, Kopf-, Muskel- und Gelenkschmerzen, Bluthochdruck und Schwindel auftreten. Dann sollte ein Arzt überprüfen, ob Ihr Blut zu viel Calcium enthält und gegebenenfalls die Dosis anpassen. Bei anhaltend unangemessen hoher Vitamin-D-Dosierung kann der Arzt im Röntgenbild außerhalb der Knochen Calciumablagerungen sehen.

Besondere Hinweise

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Bei der Einnahme von Vitamin D und verwandten Substanzen in der Schwangerschaft muss die Dosierung sehr sorgfältig beachtet werden. Ein Zuviel kann sich auf das Kind schädlich auswirken.

Vitamin D kann in die Muttermilch übergehen. Nach den bisherigen Erkenntnissen führt eine Vitamin-D-Behandlung der Mutter in den empfohlenen Dosierungen aber beim Säugling nicht zu unerwünschten Wirkungen, auch wenn das Baby die empfohlene Vitamin-D-Prophylaxe erhält.

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Anwendungsgebiete dieses Wirkstoffs