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Valproinsäure

Wirkungsweise

Depressionen

Valproinsäure greift in die Aktivität eines Botenstoffs ein, der bei der Übertragung von Nervensignalen eine Rolle spielt. Die Substanz ist schon lange zur Behandlung von Epilepsien in Gebrauch. Zur Behandlung der akuten Manie bei manisch-depressiven Erkrankungen dient sie erst seit Kürzerem.

Die Studien zeigen für Valproinsäure, dass ihre therapeutische Wirksamkeit bei akuten manischen Phasen in etwa der von Lithium entspricht. Eine antidepressive Wirksamkeit lässt sich dagegen nicht nachweisen. Depressive Rückfälle werden durch Lithium sicherer verhütet. Hinsichtlich der Vorbeugung einer Selbsttötung kann Valproinsäure die günstigen Effekte von Lithium nicht aufweisen. Daher wird Valproinsäure zur Behandlung von akuten Manien nur unter der Voraussetzung als "geeignet" bewertet, dass Lithium aufgrund von Gegenanzeigen nicht eingenommen werden darf oder nicht vertragen wird.

Epilepsien

Valproinsäure wirkt bei Epilepsien, indem es dafür sorgt, dass die Nervenimpulse nicht so schnell weitergeleitet werden. Dadurch wird verhindert, dass sich viele Nervenzellen gleichzeitig entladen.

Der Wirkstoff wird bei generalisierten und fokalen Epilepsieformen als "geeignet" angesehen. Als eines der bestuntersuchten Mitteln bei Epilepsien ist Valproinsäure ein Standardmedikament.

Allerdings besitzt dieses Mittel im Vergleich zu allen anderen Antiepileptika, das größte Risiko für Fehlbildungen während einer Schwangerschaft. Aus diesem Grund darf Valproinsäure von Mädchen und Frauen im gebärfähigen Alter nur angewendet werden, wenn in dieser Zeit alle erforderlichen Maßnahmen getroffen werden, um während der Behandlung eine Empfängnis zu vermeiden. Ist die Frau bereits schwanger darf Valproinsäure bei einigen Erkrankungen gar nicht mehr angewendet werden, bei anderen nur, wenn keine ausreichend wirksamen Alternativen zur Verfügung stehen und sein Nutzen für die Mutter höher gewertet wird als das Risiko für das Ungeborene.

Anwendung

Bei eingeschränkter Nierenfunktion muss Valproinsäure geringer dosiert werden.

Valproinsäure kann die Leber schädigen. Daher sollten vor Beginn der Behandlung und vier Wochen danach die Leberwerte und die Blutgerinnung bestimmt werden. Gegebenenfalls muss das alle zwei bis vier Wochen wiederholt werden. Nach einem Jahr sind diese Kontrollen nur noch im Abstand von vier bis sechs Monaten erforderlich.

Während der Behandlung sollte der Arzt regelmäßig das Gewicht kontrollieren.

Das Mittel wird auch in Form von magensaftresistenten Tabletten angeboten. Diese sollten möglichst eine Stunde vor der Mahlzeit eingenommen werden.

Depressionen

Üblicherweise beginnt eine Depressionsbehandlung mit 750 Milligramm Valproinsäure am Tag. Abhängig vom Ansprechen auf das Medikament wird die Dosierung so schnell wie möglich bis zu der Menge gesteigert, bei der noch eine Wirksamkeit festzustellen ist. Meistens werden pro Tag 1 000 bis 2 000 Milligramm Valproinsäure eingenommen.

Epilepsien

Allgemeine Angaben zur Anwendung finden Sie zudem unter Epilepsiemittel gemeinsam betrachtet.

Nach vier bis sieben Tagen hat sich ein gleichmäßiger Wirkstoffspiegel eingestellt. Erst dann lässt sich die Wirksamkeit beurteilen. Die individuell erforderliche Dosis wird vom Arzt je nach Ansprechen festgelegt. In einigen Fällen lässt sich die Wirksamkeit aber erst nach 4 bis 6 Wochen beurteilen. Es wird daher empfohlen, die Dosis nicht zu früh über die übliche Menge hinaus zu erhöhen.

Beim Absetzen muss die Dosis langsam und in kleinen Schritten verringert werden. Geschieht das nicht, ist die Gefahr sehr groß, dass erneut Krampfanfälle auftreten.

Achtung

Vor einem geplanten operativen Eingriff und wenn spontan, ohne nennenswerte Verletzung, Blutungen auftreten, muss die Gerinnungsfähigkeit des Blutes überprüft werden.

Einige Präparate (siehe Übersicht) enthalten als Konservierungsmittel Parabene. Wenn Sie auf Parastoffe allergisch reagieren, dürfen Sie diese Mittel nicht anwenden.

Gegenanzeigen

Unter folgenden Bedingungen dürfen Sie nicht mit Valproinsäure behandelt werden:

  • Sie selbst oder nahe Verwandte haben eine Funktionsstörung der Leber oder der Bauchspeicheldrüse oder hatten früher einmal eine dieser Erkrankungen.
  • Wenn Geschwister, die mit Valproinsäure behandelt wurden, eine Leberfunktionsstörung mit tödlichem Ausgang entwickelten.
  • Ihre Blutgerinnung ist gestört.
  • Sie werden zusätzlich mit einem Carbapenem behandelt. Carbapeneme sind eine Gruppe von Antibiotika, die bei ungewöhnlichen bakteriellen Infektionen als Reservemedikament dienen. In Kombination mit Valproinsäure kann deren Blutspiegel innerhalb von zwei Tagen um mehr als die Hälfte oder sogar ganz bis auf Null absinken. Diese Wechselwirkung ist nicht kontrollierbar und muss daher unbedingt vermieden werden.
  • Wenn der Verdacht besteht, dass eine Mutation des Enzyms POLG vorliegt oder bereits eine durch diese Mutation bedingte Erkrankung besteht.

Unter folgenden Bedingungen muss der Arzt Nutzen und Risiken besonders sorgfältig abwägen:

  • Sie leiden an Lupus erythematodes. Da Valproinsäure selbst zu Reaktionen des Immunsystems führen kann, kann sie einen bestehenden Lupus erythematodes verschlimmern.
  • Sie leiden an einem angeborenen Enzymmangel. Besteht der Verdacht auf eine solche Störung, sollte diese vor der Behandlung durch ärztliche Untersuchungen abgeklärt werden.
  • Sie haben eine Knochenmarkschädigung.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Im Folgenden werden die wichtigsten Wechselwirkungen von Valproinsäure aufgeführt. Die Substanz beeinflusst aber die Wirkung noch zahlreicher anderer Arzneimittel, insbesondere die anderer Epilepsiemittel. Bevor Sie während einer Valproinsäurebehandlung noch weitere Medikamente anwenden, sollten Sie mit Ihrem Arzt oder Apotheker besprechen, ob die gemeinsame Anwendung zu Problemen führen kann.

Wenn Sie noch andere Medikamente nehmen, ist zu beachten:

  • Valproinsäure verstärkt die Wirkung von Lamotrigin (bei Epilepsien). Bei gleichzeitiger Anwendung sollten die Blutspiegel der beiden Epilepsiemittel überprüft und die Dosierungen gegebenenfalls angepasst werden.
  • Durch Felbamat (bei Epilepsien) kann sich die Wirkung von Valproinsäure verstärken. Auch hier sind Kontrollen des Blutspiegels und gegebenenfalls eine Anpassung der Dosierung notwendig.
  • Valproinsäure verstärkt die müdemachende Wirkung von Phenobarbital oder Primidon (bei Epilepsien) erheblich. Dann muss der Arzt die Dosierung von Phenobarbital oder Primidon verringern.
  • Das Mittel kann die unerwünschten Wirkungen von Carbamazepin und Lamotrigin (bei Epilepsien) verstärken.
  • Wird eine Valproinsäurebehandlung mit Phenytoin (bei Epilepsien) ergänzt, können sich die vom Gehirn ausgehenden oder das Gehirn betreffenden unerwünschten Wirkungen von Phenytoin verstärken.
  • Die gemeinsame Anwendung von Valproinsäure und Topiramat (bei Epilepsien) kann zu einer Gehirnentzündung führen. Bei dieser Kombination sollte der Ammoniakgehalt des Blutes kontrolliert werden.
  • Valproinsäure und andere müdemachende Mittel, wie opioide Schmerzmittel, Schlaf- und Beruhigungsmittel sowie bestimmte Antidepressiva (z. B. Amitriptylin), verstärken sich gegenseitig in ihrer dämpfenden Wirkung. Daraus kann eine lebensbedrohliche Atemlähmung resultieren, bei der Ersticken droht.

Unbedingt beachten

Durch Carbamazepin, Phenobarbital und Primidon wirkt Valproinsäure schwächer. Wenn zur Behandlung mit Valproinsäure einer der anderen Wirkstoffe hinzukommt, muss die Dosierung jeweils angepasst werden. Näheres hierzu finden Sie unter Mittel bei Epilepsien: verringerte Wirkung.

Valproinsäure verstärkt die Wirkung der gerinnungshemmenden Mittel Phenprocoumon und Warfarin, die bei erhöhter Thrombosegefahr als Tabletten eingenommen werden. Näheres hierzu finden Sie unter Mittel zur Blutverdünnung: verstärkte Wirkung.

Nebenwirkungen

Bei der Behandlung mit Valproinsäure können sich vermehrt Selbsttötungsgedanken einstellen. Wenn Sie Schlafstörungen, Lustlosigkeit, Antriebsmangel, das Empfinden einer inneren Leere, Interesselosigkeit und Schuldgefühle bemerken oder wenn Angehörige solche Gemütsveränderungen registrieren, sollten Sie das umgehend einem Arzt mitteilen, damit er über das weitere Vorgehen entscheiden kann.

Das Mittel kann Ihre Leberwerte beeinflussen, was Zeichen einer beginnenden Leberschädigung sein kann. Sie selbst bemerken in der Regel davon nichts, sondern es fällt nur bei Laborkontrollen durch den Arzt auf. Ob und welche Konsequenzen dies für Ihre Therapie hat, hängt sehr vom individuellen Fall ab. Bei einem lebensnotwendigen Medikament ohne Alternative wird man es oft tolerieren und die Leberwerte häufiger kontrollieren, in den meisten anderen Fällen wird Ihr Arzt das Medikament absetzen oder wechseln.

Eine deutliche Störung der Leberfunktion kann bei 1 bis 10 von 1 000 Personen auftreten. Besonders gefährdet sind Menschen, deren Leber bereits angegriffen ist, und Kinder unter drei Jahren mit Stoffwechselstörungen und/oder Hirnschäden. Die Störungen stellen sich in der Regel während der ersten sechs Behandlungsmonate ein.

Keine Maßnahmen erforderlich

Bei mehr als 1 von 100 Behandelten verstärkt sich der Speichelfluss, sie bekommen Durchfall und leiden unter Übelkeit und Magenschmerzen. In der Regel vergeht das nach wenigen Tagen wieder.

Bei mehr als 1 von 1 000 tritt Schläfrigkeit auf. Diese ist dosisabhängig und bessert sich üblicherweise während der Behandlung.

Über stärkeren Haarausfall bei höherer Dosierung, der nach dem Ende der Behandlung wieder aufhört, Zittern und Missempfindungen wie Taubheit und Kribbeln wird ebenfalls berichtet.

Auch vorübergehende Kopfschmerzen und eine gestörte Koordination von Bewegungen kommen vor.

Bei Frauen treten Zyklusstörungen auf.

1 bis 10 von 1 000 Behandelten sind – insbesondere zu Behandlungsbeginn – reizbar und verwirrt. Bei Kindern kann sich dies in Form von Aggression, Überaktivität und Aufmerksamkeitsstörung äußern.

Muss beobachtet werden

Viele Kranke nehmen durch die Therapie mit Valproinsäure an Gewicht zu.

Teilnahmslosigkeit, Schläfrigkeit, Erbrechen, niedriger Blutdruck und häufigere Krampfanfälle deuten auf eine Stoffwechselstörung hin, bei der der Ammoniakgehalt im Blut ansteigt. Mit dieser Störung ist bei mehr als 1 von 100 Behandelten zu rechnen. Halten diese Symptome an, sollten Sie den Arzt informieren, damit er entsprechende Untersuchungen veranlassen kann.

Valproinsäure kann Zahl und Funktion der Blutplättchen beeinträchtigen, die für die Blutgerinnung wichtig sind. Dann können sogar geringfügige Verletzungen auffällig lange bluten.

Wenn die Haut sich verstärkt rötet und juckt, reagieren Sie möglicherweise allergisch auf das Mittel. Bei solchen Hauterscheinungen sollten Sie einen Arzt aufsuchen, um zu klären, ob es sich tatsächlich um eine allergische Hautreaktion handelt, Sie das Mittel ersatzlos absetzen können oder ein Alternativmedikament benötigen.

Sofort zum Arzt

Wenn Sie grippeartige Beschwerden haben, sich längere Zeit abgeschlagen und müde fühlen und Halsschmerzen und Fieber auftreten, Sie Blutergüsse und blaue Flecke bemerken, kann es sich um eine Blutbildungsstörung handeln. Sie tritt nur vereinzelt auf, kann aber bedrohlich werden. Sie müssen dann umgehend den Arzt aufsuchen und das Blutbild kontrollieren lassen.

Akute starke Schmerzen im oberen Bauchbereich, Übelkeit und Erbrechen können Warnsymptome für eine Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis) sein. Sie kommt bei 1 bis 10 von 10 000 Anwendern von Valproinsäure vor. Suchen Sie bei solchen Beschwerden sofort einen Arzt auf.

Das Mittel kann die Leber schwer schädigen. Typische Anzeichen dafür sind: eine dunkle Verfärbung des Urins, eine helle Verfärbung des Stuhlgangs oder es entwickelt sich eine Gelbsucht (erkennbar an einer gelb verfärbten Augenbindehaut), oft begleitet von starkem Juckreiz am ganzen Körper. Tritt eines dieser für einen Leberschaden charakteristischen Krankheitszeichen auf, müssen Sie sofort zum Arzt gehen.

Die oben beschriebenen Hauterscheinungen können in sehr seltenen Fällen auch erste Anzeichen für andere sehr schwerwiegende Reaktionen auf das Arzneimittel sein. Meist entwickeln diese sich während der Anwendung des Mittels nach Tagen bis Wochen. Typischerweise dehnen sich die Hautrötungen aus, und es bilden sich Blasen ("Syndrom der verbrühten Haut"). Auch die Schleimhäute des gesamten Körpers können betroffen und das Allgemeinbefinden wie bei einer fiebrigen Grippe beeinträchtigt sein. Bereits in diesem Stadium sollten Sie sich sofort an einen Arzt wenden, denn diese Hautreaktionen können sich rasch lebensbedrohlich verschlimmern.

Besondere Hinweise

Zur Empfängnisverhütung

Setzt bei einem Mädchen die erste Regelblutung sein, sollte der Wirkstoff möglichst nicht mehr eingesetzt werden. Ist wegen fehlender Alternativen eine Behandlung mit Valproinsäure aber unabdingbar, muss der Arzt aufgrund der möglichen Risiken die Notwendigkeit von Valproinsäure jährlich prüfen.

Gebärfähige Frauen, die Valproinsäure anwenden sollen, müssen bereits vor der ersten Anwendung ausschließen, dass sie schwanger sind. Ein Frauenarzt sollte dafür einen Schwangerschaftstest machen oder Eierstöcke und Gebärmutter mit Ultraschall untersuchen.

Frauen, die schwanger werden können, dürfen Valproinsäure nur dann anwenden, wenn sie eine Schwangerschaft sicher verhüten. Sicherheitshalber sollten Sie zwei sich ergänzende Verhütungsmethoden anwenden, z. B. Pille plus Kondom oder Diaphragma, und an dem für Valproinsäure entworfenen Schwangerschaftsverhütungsprogramm teilnehmen. Das Programm soll eine ausreichende Information über die möglichen Schäden im Falle einer Schwangerschaft sicherstellen und informiert über die erforderlichen Maßnahmen zur sicheren Verhütung einer Schwangerschaft.

Der Arzt wird Sie darüber aufklären, dass das Mittel dem werdenden Kind schaden kann, falls Sie während der Einnahme von Valproinsäure schwanger werden. Sie müssen ein Bestätigungsformular ausfüllen, dass Sie über die Risiken aufgeklärt wurden. Auch auf der Verpackung steht seit Sommer 2018 ein umrandeter Warnhinweis, der auf das Risiko einer Anwendung während der Schwangerschaft hinweist. Sie erhalten außerdem bei der Abgabe eine Informationsbroschüre und eine Erinnerungskarte mit den wichtigsten zu beachtenden Punkten. Mindestens einmal jährlich sollte ein auf Ihre Erkrankung spezialisierter Arzt mit Ihnen gemeinsam entscheiden, ob Sie Valproinsäure weiter einnehmen sollen.

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Durch Valproinsäure kann sich ein Mangel an Folsäure entwickeln. Bei einer ungenügenden Versorgung mit diesem Vitamin treten beim Ungeborenen bestimmte Fehlbildungen häufiger auf. Frauen, die schwanger werden wollen, aber noch mit Valproinsäure behandelt werden, sollten möglichst schon drei Monate vor Eintritt einer Schwangerschaft täglich fünf Milligramm Folsäure einnehmen. Wenn Sie schwanger sind, dürfen Sie das Mittel nicht mehr einnehmen. Außerdem muss die Medikation mit Folsäure mindestens bis zur zwölften Schwangerschaftswoche fortgesetzt werden. Damit wird diesen Fehlbildungen vorgebeugt, sofern sie auf einem Folsäuremangel beruhen.

Depressionen

Valproinsäure darf nicht zur Behandlung einer manisch-depressiven Erkrankung in der Schwangerschaft eingesetzt werden. Mit der Substanz verbindet sich ein erhebliches Risiko für Fehlbildungen beim Kind. Diese strenge Empfehlung wurde von der europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) im Juli 2018 aufgrund des hohen Risikos durch das Mittel ausgesprochen.

Epilepsien

Von allen Medikamenten bei Epilepsie scheint Valproinsäure das mit dem größten Risikopotenzial für das Kind zu sein, wenn die Frau den Wirkstoff während der Schwangerschaft einnimmt. Bis zu 30 bis 40 von 100 Kindern, die während der Schwangerschaft Valproinsäure ausgesetzt waren, weisen schwerwiegende Entwicklungsstörungen auf. Etwa 10 von 100 kommen mit Fehlbildungen zur Welt, z. B. einem "offenen Rücken" (Spina bifida).

Wenn irgend möglich, sollte daher – schon vor der Schwangerschaft – auf ein anderes Medikament umgestellt werden, z. B. auf Lamotrigin. Ist die Behandlung mit Valproinsäure unabdingbar, kann die Behandlung unter Aufsicht eines spezialisierten Arztes während der Schwangerschaft fortgeführt werden. Die Dosis sollte dabei so gering wie möglich sein und gleichmäßig über den Tag verteilt eingenommen werden. Das Mittel sollte möglichst während der Schwangerschaft nicht mit anderen Antiepileptika kombiniert werden. Eltern, die sich über die Entwicklung ihres Kindes vor der Geburt möglichst genau informieren wollen, können dazu spezielle Ultraschalluntersuchungen machen lassen.

Allgemeine Hinweise für die Behandlung einer Epilepsie in der Schwangerschaft finden Sie unter Epilepsiemittel gemeinsam betrachtet.

Depressionen und Epilepsien

Obwohl Valproinsäure wegen seines hohen Nebenwirkungsrisikos für das Ungeborene in der Schwangerschaft möglichst nicht eingenommen werden soll, sieht die Einschätzung in der Stillzeit positiver aus. Bislang konnten keine ungünstigen Einflüsse auf die geistige Entwicklung des Neugeborenen durch das Medikament nachgewiesen werden. Daher gibt es keine Einwände gegen das Stillen, wenn Valproinsäure allein eingesetzt wird.

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Depressionen

Für die Behandlung von Manien bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren ist Valproinsäure nicht untersucht.

Epilepsien

Valproinsäure kann bereits bei Kindern ab drei Monate angewendet werden. Bei Kindern unter 4 Jahren soll es dennoch erst zum Einsatz kommen, wenn verträglichere Epilepsiemittel nicht ausreichend wirksam waren. Bei Kleinkindern ist das Risiko für schwere unerwünschte Wirkungen etwa an der Leber besonders hoch, vor allem wenn das Mittel in Kombination mit anderen Antiepileptika eingesetzt werden muss.

Wie hoch das Mittel dosiert wird, ist abhängig von dem Alter und dem Körpergewicht des Kindes.

Bei Kindern unter zehn Jahren muss der Arzt besonders häufig das Blut untersuchen, um einen Leber- oder Bauchspeicheldrüsenschaden rechtzeitig zu bemerken. Ein solches, manchmal sogar tödliches Ereignis tritt bei ihnen öfter auf als bei älteren Kranken. Das Risiko ist im ersten Behandlungshalbjahr besonders groß sowie bei Kindern, die in ihrer geistigen Entwicklung zurückgeblieben sind, eine Hirnschädigung oder eine Stoffwechselerkrankung haben.

Zur Verkehrstüchtigkeit

Valproinsäure macht müde, benommen und schwindlig. Vor allem zu Beginn der Behandlung und bei Dosiserhöhungen kann das Medikament die Aufmerksamkeit und Reaktionsfähigkeit beeinträchtigen. Dann dürfen Sie nicht aktiv am Verkehr teilnehmen, keine Maschinen bedienen und keine Arbeiten ohne sicheren Halt verrichten.

Epilepsien

Weitere Hinweise zur Verkehrstüchtigkeit finden Sie unter Epilepsiemittel gemeinsam betrachtet.

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Anwendungsgebiete dieses Wirkstoffs