Medikamente im Test

Trizyklische Antidepressiva

Wirkungsweise

Trizyklische Antidepressiva (TZA, oder auch Trizyklika) gelten als "klassische" Mittel bei Depressionen.

Angst- und Zwangsstörungen

Clomipramin und Doxepin, zwei Vertreter dieser Wirkstoffgruppe, werden aber auch bei Angst- und Zwangsstörungen eingesetzt. Sie mildern die Beschwerden bei diesen Störungen nachweislich.

Bettnässen

Die Trizyklika Clomipramin und Imipramin wirken aber auch bei Bettnässen, auf welchem Weg ist noch nicht geklärt. Sicher ist es nicht der antidepressive Effekt, sondern man nutzt wohl eher eine Nebenwirkung dieser Mittel: Sie führen vermutlich dazu, dass weniger Urin produziert wird und sie können über bestimmte Nervenbotenstoffe die Blasenmuskulatur beeinflussen. Die therapeutische Wirksamkeit dieser Medikamente ist jedoch nachgewiesen, für Imipramin noch besser als für Clomipramin. Bei der Behandlung mit einem der beiden Medikamente gelingt es etwa einem Fünftel der Kinder, trocken zu werden. Doch verliert sich der Effekt nach dem Ende der Therapie meist wieder. Da elektronische Alarmsysteme bessere und dauerhaftere Resultate erzielen und die Antidepressiva zudem mit einer Reihe unerwünschter Wirkungen belastet sind, werden sie als "mit Einschränkung geeignet" beurteilt. Wird dennoch eine Behandlung mit Medikamenten bevorzugt, sollten Clomipramin und Imipramin nur eingesetzt werden, wenn Desmopressin nicht angewendet werden kann.

Angst- und Zwangsstörungen und Depressionen

Ihren Namen verdanken die trizyklischen Antidepressiva ihrem chemischen Aufbau: Das Molekül besteht aus drei charakteristisch angeordneten Ringen. An diesem Grundgerüst hängen mehrere Seitenketten. So entstehen Substanzen, die etwas unterschiedlich wirken. Allerdings ist die chemische Struktur nicht maßgebend für die Wirkung der Substanzen. Bei anderen auf die Psyche wirkenden Mitteln wie den SSRI und den SNRI deutet der Gruppenname hingegen auf den Wirkmechanismus hin. Analog dazu wurde vorgeschlagen, die Gruppe der trizyklischen Antidepressiva umzubenennen in NSMRI. Diese Abkürzung steht für das Englische non selective monoaminoxidase re-uptake inhibitor, zu deutsch: nichtselektiver Monoaminoxidase-Wiederaufnahmehemmer.

Angst- und Zwangsstörungen

Die Wirksamkeit von Clomipramin ist sowohl bei Angst- als auch bei Zwangsstörungen durch Studien gut belegt. Es wird als "geeignet" angesehen, um sie zu behandeln.

Doxepin ist demgegenüber nur für die Behandlung von Angststörungen zugelassen und gilt dafür als "mit Einschränkung geeignet". Zum einen liegen im Vergleich zu Clomipramin deutlich weniger Belege vor, um den Stellenwert von Doxepin bei der Behandlung von Angststörungen zu beurteilen. Zum anderen dämpft der Wirkstoff manche Personen sehr stark in ihrer Aktivität und macht müde. Bei den Betroffenen jedoch, bei denen die Angststörung mit einer verstärkten Unruhe einhergeht und diese gebremst werden soll, kann Doxepin vorteilhaft sein.

Depressionen

Alle Trizyklika hellen die Stimmung auf und mildern Angst und Unruhe. Bis diese Wirkung spürbar wird, dauert es allerdings eine gewisse Zeit. Amitriptylin(oxid), Doxepin und Trimipramin dämpfen außerdem die Aktivität und machen müde. Diese Dämpfung tritt recht schnell ein und bremst so die Bereitschaft, aktiv zu werden. Das ist vor allem für suizidgefährdete Menschen wichtig, denn die Dämpfung verhindert, dass die Kranken, deren Stimmung immer noch depressiv ist, die Entschlusskraft entwickeln, sich das Leben zu nehmen. Die dämpfende Wirkung bessert zudem mit der Depression verbundene Schlafstörungen.

Clomipramin und Imipramin dämpfen weniger als Amitriptylin und Doxepin.

Alle trizyklischen Antidepressiva werden als "geeignet" bewertet, um mittelschwere bis sehr schwere Depressionen zu behandeln.

Wenn depressive Störungen von chronischen Schmerzen begleitet sind, können Amitriptylin, Amitriptylinoxid, Doxepin und Trimipramin bevorzugt werden, denn diese Wirkstoffe wirken auch schmerzlindernd.

Neuropathien

Schon lange werden chronische Schmerzen aber auch mit dem trizyklischen Antidepressivum Amitriptylin behandelt, ohne dass der Wirkmechanismus bisher geklärt werden konnte. Da es wahrscheinlich nicht nur selbst schmerzlindernd wirkt, sondern auch die Wirkung von Schmerzmitteln verstärkt, ist Amitriptylin ein bewährtes Zusatzmedikament in der Langzeitschmerzbehandlung.

Die therapeutische Wirksamkeit von Amitriptylin bei chronischen Schmerzen, wie sie bei diabetischer Polyneuropathie und nach einer Gürtelrose häufig auftreten, ist belegt. Das Mittel wird seit vielen Jahren bei diesen Beschwerden erfolgreich eingesetzt. Es wird als Mittel der ersten Wahl empfohlen, an dem sich andere Medikamente für neuropathische Schmerzen messen lassen müssen. Voraussetzung für die Behandlung mit Amitriptylin ist, dass es in ein therapeutisches Gesamtkonzept eingebunden ist. Bei Diabetes z. B. bedeutet das, dass unter anderem die Blutzuckereinstellung optimiert werden muss.

Anwendung

Depressionen

Die Behandlung mit Antidepressiva beginnt mit einer niedrigen Dosis, die im Abstand von Tagen oder Wochen langsam gesteigert wird. Auf diese Weise gewöhnt sich der Körper an das Medikament und die anfangs oft störenden unerwünschten Wirkungen sind weniger belastend.

Wenn Sie Schlafstörungen haben und ein müdemachendes Mittel verordnet bekommen haben, ist es sinnvoll, die gesamte Medikamentendosis am Abend einzunehmen.

Bereits nach einer Woche können Aktivität und Antriebskraft wiederkehren und der Schlaf kann sich bessern. Die stimmungsaufhellende Wirkung wird nach ein bis drei Wochen spürbar. Nach vier bis sechs Wochen sollten die depressiven Symptome deutlich gemildert sein. Die Behandlung dauert in der Regel ein halbes Jahr. Um sie zu beenden, wird die Medikamentendosis langsam reduziert. Um wie viel und über welchen Zeitraum hinweg, richtet sich danach, ob der depressionsfreie Zustand stabil bleibt. Werden die Wirkstoffe entgegen dieser Empfehlung abrupt abgesetzt, können sich typische Entzugserscheinungen entwickeln: Übelkeit, Erbrechen, Schmerzen, Schlaflosigkeit, Nervosität, Kopfschmerzen, Erregtheit, Angst.

Bei einer länger dauernden Therapie können die Wirkstoffe die Leberfunktion beeinträchtigen. Daher sollte der Arzt regelmäßig die Leberfunktion kontrollieren – insbesondere bei älteren Menschen.

Angst- und Zwangsstörungen

Die Dosierung des jeweiligen Medikaments und die Dauer der Behandlung richten sich nach Art und Ausprägung der Störung und werden vom Arzt angegeben.

Die Behandlung beginnt mit einer niedrigen Dosis, die im Abstand von Tagen oder Wochen langsam gesteigert wird. Auf diese Weise gewöhnt sich der Körper an das Medikament und die anfangs oft störenden unerwünschten Wirkungen sind weniger belastend. Ob die Therapie ausreichend wirkt, lässt sich erst nach etwa ein bis drei Wochen beurteilen.

Auch das Ende der Behandlung muss langsam eingeleitet werden. Werden die Wirkstoffe hingegen abrupt abgesetzt, können sich typische Absetzerscheinungen entwickeln: Übelkeit, Erbrechen, Schmerzen, Schlaflosigkeit, Nervosität, Kopfschmerzen, Erregtheit, Angst.

Wenn Sie Schlafstörungen haben und ein müdemachendes Mittel wie Doxepin zur Behandlung der Angststörungen verordnet bekommen haben, ist es sinnvoll, die gesamte Medikamentendosis am Abend einzunehmen.

Bei einer länger dauernden Therapie können die Wirkstoffe die Leberfunktion beeinträchtigen. Daher sollte der Arzt regelmäßig die Leberfunktion kontrollieren – insbesondere bei älteren Menschen.

Clomipramin: Wenn sich die Zwangsstörungen nach zehn bis zwölf Wochen Behandlung nicht gebessert haben, sollte die Therapie überdacht werden.

Bettnässen

Die Wirkstoffe werden nach Maßgabe des Arztes dosiert. Ist das Kind mehrere Nächte trocken geblieben, wird die Dosierung so weit abgesenkt, wie es eben möglich ist.

Die Tabletten sollen in der Regel am Abend eingenommen werden. Nässt das Kind früh in der Nacht ein, werden die Mittel am Nachmittag verabreicht.

Spätestens nach drei Monaten sollte das Medikament für eine Woche abgesetzt werden, um festzustellen, ob seine Anwendung noch notwendig ist. Dabei sollte die Wirkstoffmenge von Tag zu Tag verringert werden. Bei abruptem Absetzen muss mit Unruhe, Schweißausbrüchen, Übelkeit, Erbrechen und Schlafstörungen gerechnet werden.

Neuropathien

Die Dosierung von Amitriptylin bei Neuropathien richtet sich nach den Angaben des Arztes. Sie ist in der Regel geringer als bei der Behandlung von Depressionen. Daher müssen die Tabletten unter Umständen geteilt werden.

Achtung

Es gibt Hinweise, dass Depressionsmittel die Bereitschaft, sich Schaden zuzufügen oder sich das Leben zu nehmen, verstärken können. Näheres hierzu lesen Sie unter Antidepressiva und Selbsttötung.

Einige flüssige Präparate enthalten Alkohol (siehe Tabelle). Personen mit Alkoholproblemen dürfen sie nicht einnehmen. Auch Leberkranke und Menschen mit Anfallleiden sollten den Alkoholgehalt berücksichtigen. Darüber hinaus kann Alkohol die Wirkung vieler Arzneimittel (z. B. Schlaf- und Beruhigungsmittel, Psychopharmaka, starke Schmerzmittel, einige Mittel bei hohem Blutdruck) verstärken.

Angst- und Zwangsstörungen und Depressionen und Neuropathien

Einige Präparate enthalten Parabene (siehe Tabelle). Diese Konservierungsmittel können Allergien auslösen. Wenn Sie auf Parastoffe allergisch reagieren, dürfen Sie diese Mittel nicht anwenden.

Gegenanzeigen

Angst- und Zwangsstörungen und Depressionen und Neuropathien

Unter folgenden Bedingungen dürfen Sie trizyklische Antidepressiva nicht anwenden oder nur, wenn der Arzt Nutzen und Risiken besonders sorgfältig abgewogen hat:

  • Die Entleerung Ihrer Blase ist gestört, bei Männern beispielsweise, weil ihre Prostata erheblich vergrößert ist.
  • Sie haben ein unbehandeltes Engwinkelglaukom (grüner Star).
  • Der Übergang vom Magen zum Darm ist verengt (Pylorusstenose).
  • Bei Ihnen liegen Bedingungen vor, die einen Darmverschluss begünstigen.
  • Die Erregungsleitung Ihres Herzens ist erheblich gestört.
  • Sie haben eine schwere Leberfunktionsstörung.
  • Bei Ihnen besteht eine erhöhte Krampfbereitschaft, beispielsweise bei Epilepsie.
  • Die Blutbildung ist gestört.
  • Ihr Kreislauf oder die Atmung sind geschwächt oder Sie haben zu niedrigen Blutdruck.
  • Ihr Blut enthält zu wenig Kalium oder Sie nehmen Arzneimittel ein, die den Kaliumgehalt des Blutes verringern können. Dazu gehören bestimmte entwässernde Mittel (bei hohem Blutdruck, Nierenerkrankungen).
  • Es bestehen psychische Veränderungen, die auf einer Schädigung des Gehirns beruhen.
  • Clomipramin und Imipramin dürfen Sie gar nicht, die anderen trizyklischen Antidepressiva nur mit Vorsicht gleichzeitig mit MAO-Hemmern (z. B. Tranylcypromin bei Depressionen) einnehmen. Eine solche Kombination kann das lebensbedrohliche Serotonin-Syndrom auslösen mit Erregungszuständen, Bewusstseinstrübung, Muskelzittern und -zucken sowie Blutdruckabfall.
Bettnässen

Unter folgenden Bedingungen darf bei Bettnässen das Kind mit diesen Medikamenten nicht behandelt werden oder nur, wenn der Arzt Nutzen und Risiken sorgfältig abgewogen hat:

  • Die Erregungsleitung des Herzens ist erheblich gestört oder die Herzleistung ist vermindert (Herzinsuffizienz).
  • Das Kind hat eine schwere Leber- oder Nierenfunktionsstörung.
  • Beim Kind besteht eine erhöhte Krampfbereitschaft, beispielsweise bei Epilepsie.

Folgende Bedingungen gelten für Kinder zwar auch, werden aber bei ihnen nur selten vorliegen: Blasenentleerungsstörungen, unbehandeltes Engwinkelglaukom (grüner Star), verengter Übergang vom Magen zum Darm (Pylorusstenose), Blutbildungsstörung und die gleichzeitige Behandlung mit MAO-Hemmern wie Tranylcypromin (bei Depressionen). Die Kombination dieser Medikamente kann das lebensbedrohliche Serotonin-Syndrom auslösen mit Erregungszuständen, Bewusstseinstrübung, Muskelzittern und -zucken sowie Blutdruckabfall.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Angst- und Zwangsstörungen und Depressionen und Neuropathien

Wenn Sie noch andere Medikamente nehmen, ist zu beachten:

  • Bei der gemeinsamen Anwendung von trizyklischen Antidepressiva und Clonidin (bei hohem Blutdruck, grünem Star) ist die blutdrucksenkende Wirkung von Clonidin beeinträchtigt. Dann kann der Blutdruck gefährlich ansteigen. Müssen die beiden Medikamente gemeinsam angewendet werden, muss der Blutdruck sorgfältig kontrolliert werden.
  • Trizyklische Antidepressiva und andere zentral dämpfende Medikamente (z. B. Beruhigungs- und Schlafmittel, starke Schmerzmittel) verstärken sich gegenseitig in ihrer dämpfenden Wirkung.
  • Durch SSRI wie Fluoxetin und Fluvoxamin (bei Depressionen, Angst- und Zwangsstörungen) und Bupropion (bei Depressionen, zur Tabakentwöhnung) können sich die unerwünschten Wirkungen von trizyklischen Antidepressiva verstärken. Bei der gleichzeitigen Anwendung von TZA mit einem der anderen Medikamente sollte das TZA geringer dosiert werden.
  • Wenn Sie noch andere Medikamente einnehmen, die die Botenstoffe im Nervensystem beeinflussen, z. B. Anticholinergika (bei Parkinsonkrankheit), verstärken sich die unerwünschten Wirkungen beider Substanzgruppen. Das kann zu Verwirrtheitszuständen (Delir) führen.
Bettnässen

Wenn bei der Behandlung des Bettnässens das Kind noch andere Medikamente bekommt, ist zu beachten:

  • Diese Medikamente bei Bettnässen und andere zentral dämpfende Medikamente, wie Beruhigungs- und Schlafmittel, starke Schmerzmittel und Barbiturate (bei Epilepsien), verstärken gegenseitig ihre dämpfende Wirkung.
  • Clomipramin und Imipramin schwächen die Wirkung von Clonidin (bei hohem Blutdruck). Dann kann der Blutdruck gefährlich ansteigen. Müssen die beiden Medikamente gemeinsam angewendet werden, muss der Blutdruck sorgfältig kontrolliert werden.
  • Durch Methylphenidat (bei ADHS) können die Medikamente bei Bettnässen stärker wirken. Eventuell müssen sie dann geringer dosiert werden.
  • Durch SSRI wie Fluoxetin und Fluvoxamin (bei Depressionen, Angst- und Zwangsstörungen) und Bupropion (bei Depressionen) können sich die unerwünschten Wirkungen von Clomipramin und Imipramin verstärken. Bei der gleichzeitigen Anwendung von Clomipramin oder Imipramin mit einem der anderen Medikamente sollten die Ersteren geringer dosiert werden.

Unbedingt beachten

Die gleichzeitige Anwendung von trizyklischen Antidepressiva und MAO-Hemmern birgt das Risiko eines lebensbedrohlichen Serotonin-Syndroms mit Erregungszuständen, Bewusstseinstrübung, Muskelzittern und -zucken sowie Blutdruckabfall. Soll nach einer Behandlung mit dem MAO-Hemmer Tranylcypromin (bei Depressionen) auf ein trizyklisches Antidepressivum umgestellt werden, muss der MAO-Hemmer abgesetzt und ein Abstand von mindestens 14 Tagen eingehalten werden. Nach der Behandlung mit Moclobemid (bei Depressionen) genügt ein Abstand von einem Tag. Bei Depressionen, die sich anders nicht beeinflussen lassen, können MAO-Hemmer gegebenenfalls zusätzlich zu trizyklischen Antidepressiva eingenommen werden. Dann darf die Dosierung der Arzneimittel nur langsam gesteigert werden und der Arzt muss die Behandlung häufig kontrollieren.

Auch die gleichzeitige Anwendung von Tramadol oder Fentanyl (bei Schmerzen) und TZA kann ein Serotonin-Syndrom auslösen.

Trizyklische Antidepressiva sollten nicht gemeinsam mit folgenden Arzneimitteln eingenommen werden: Antiarrhythmika wie Chinidin und Amiodaron (bei Herzrhythmusstörungen), Neuroleptika wie Thioridazin und Pimozid (bei Schizophrenien und anderen Psychosen), Citalopram und Escitalopram (SSRI bei Depressionen, Angst- und Zwangsstörungen), Antibiotika aus der Gruppe der Makrolide (z. B. Erythromycin) oder der Chinolone (z. B. Ciprofloxacin) sowie Cotrimoxazol (alle bei bakteriellen Infektionen), Antihistaminika wie Terbinafin (bei Allergien) sowie Malariamitteln. Die Wirkstoffe können die Wirkung dieser Medikamente verstärken und dadurch bedrohliche Herzrhythmusstörungen auslösen. Näheres hierzu finden Sie unter Mittel bei Herzrhythmusstörungen: verstärkte Wirkung.

Wechselwirkungen mit Speisen und Getränken

Bei einer Behandlung mit trizyklischen Antidepressiva sollten Sie keinen Alkohol trinken. Die beiden Substanzen verstärken gegenseitig ihre dämpfende Wirkung.

Nebenwirkungen

Bettnässen

Die Häufigkeit für die im Folgenden genannten unerwünschten Wirkungen sind bei der Anwendung bei Erwachsenen beobachtet worden. Bei der Behandlung von Bettnässen bei Kindern treten sie möglicherweise seltener auf.

Angst- und Zwangsstörungen und Depressionen und Neuropathien

Die anfangs oft als störend empfundenen Nebenwirkungen lassen sich vermeiden oder zumindest abmildern, indem die Behandlung mit einer niedrigen Dosis begonnen und diese langsam gesteigert wird.

Mittel dieser Wirkstoffgruppe können Haarausfall auslösen. Dieser lässt meist wieder nach, sobald das Medikament abgesetzt wird.

Darüber hinaus gibt es Hinweise, dass trizyklische Antidepressiva bei Menschen, die älter sind als 50 Jahre, das Risiko für Knochenbrüche erhöhen können.

Die Mittel können – insbesondere bei Daueranwendung – die geistige Leistungsfähigkeit beeinträchtigen. Wenn Sie langsamer reagieren als früher und Ihre Aufmerksamkeit sowie Ihr Gedächtnis nachlassen, sollten Sie mit dem Arzt sprechen. Wenn Sie das Mittel absetzen, verschwinden diese Störungen.

Es können bei der Therapie mit Amitriptylin Abbauprodukte entstehen, die den Urin grün bis blau verfärben. Dies ist harmlos.

Keine Maßnahmen erforderlich

Die folgenden Beschwerden verschwinden meist wieder, wenn sich der Körper an die Medikamente gewöhnt hat.

1 bis 10 von 100 Behandelten empfinden sich als "ausgedörrt". Sie haben einen trockenen Mund. Das ist für Träger von Zahnprothesen problematisch. Die Nase fühlt sich verstopft an, sie sind ständig durstig.

Es können Geschmacksstörungen auftreten.

Manche Behandelte sehen in der Nähe schlechter, weil sich die Augen nicht mehr so gut den unterschiedlichen Sehabständen anpassen, und sie reagieren empfindlich auf Licht.

Verstopfung kann sich einstellen.

Steigender Appetit und Gewichtszunahme können problematisch werden.

Bei Clomipramin trifft das zu Beginn der Behandlung für mehr als eine von zehn Personen zu. Im Verlauf der Behandlung ist es nur noch etwa 1 von 100.

Es kann Hautausschlag auftreten.

Vor allem zu Beginn der Behandlung kann innere Unruhe mehr als einen von zehn mit Clomipramin Behandelten beeinträchtigen. Später ist es nur noch 1 von 100.

Muss beobachtet werden

Angst- und Zwangsstörungen und Depressionen und Neuropathien

Das Wasserlassen bereitet Schwierigkeiten. Für Männer ist das besonders unangenehm, wenn ihre Prostata vergrößert ist. Wenn die Beschwerden anhalten oder sich verschlimmern, sollten Sie einen Arzt kontaktieren.

Der Blutdruck kann sich unter Umständen gefährlich verändern. Er kann absinken. Allerdings geschieht das nur selten. Dann treten Schwindel, Benommenheit und Müdigkeit auf. Wenn Sie zu schnell aufstehen, kann Ihnen schwarz vor Augen werden.

Angst- und Zwangsstörungen und Depressionen und Neuropathien

Der Blutdruck kann aber auch ansteigen. Händezittern, Herzrasen und Schwitzen kommen ebenfalls selten vor. Derartige Nebenwirkungen betreffen vornehmlich ältere Personen. Von diesen Beschwerden sollten Sie dem Arzt beim nächsten Besuch berichten; eventuell macht er dann ein EKG.

Wenn Sie grippeartige Beschwerden haben, sich längere Zeit abgeschlagen und müde fühlen und Halsschmerzen sowie Fieber auftreten, kann es sich um eine Blutbildungsstörung handeln, die bedrohlich werden kann. Sie müssen dann umgehend den Arzt aufsuchen und das Blutbild kontrollieren lassen.

Die Leberfunktion kann so gestört sein, dass sich die Gallenflüssigkeit staut (cholestatische Hepatose). Treten Übelkeit, Erbrechen und/oder dunkel gefärbter Urin auf und ist der Stuhl auffallend hell, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Sofort zum Arzt

Bei 1 bis 10 von 10 000 Behandelten können sich einige der genannten unerwünschten Wirkungen bedrohlich verschlimmern. Es sollte rasch ein Arzt verständigt werden, wenn ein Krampfanfall auftritt, der Behandelte ohnmächtig geworden ist, weil der Blutdruck zu sehr abgesunken ist, und er oder sie kein Wasser mehr lassen kann.

In Einzelfällen kann sich der Augeninnendruck so erhöhen, dass es zu einem Glaukomanfall kommt. Symptome dafür sind gerötete, schmerzende Augen, geweitete Pupillen, die sich bei Lichteinfall nicht mehr verengen, sowie sich hart anfühlende Augäpfel. Dann müssen Sie unverzüglich einen Augenarzt oder die nächste Notfallambulanz aufsuchen. Wird ein solcher akuter Glaukomanfall nicht sofort behandelt, können Sie erblinden.

Auch bei einem Darmverschluss (paralytischer Ileus) infolge einer Darmlähmung ist sofort ärztliche Hilfe notwendig.

Besondere Hinweise

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Depressionen

Zur Behandlung von Depressionen haben trizyklische Antidepressiva bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren keinen therapeutischen Nutzen und sollten deshalb nicht eingesetzt werden. Bei ihnen sind in erster Linie psychotherapeutische Verfahren die Therapie der Wahl.

Bettnässen

Es gibt keine Erfahrungen mit der Anwendung bei Kindern unter fünf Jahren. Sie sollten mit diesen Medikamenten nicht behandelt werden.

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Depressionen

Wenn Sie schwanger sind und eine Depression medikamentös behandelt werden muss, sind unter den trizyklischen Antidepressiva Amitriptylin, Desipramin und Imipramin die Mittel der Wahl. Mit ihnen liegen die meisten Erfahrungen vor. Haben Sie vor der Schwangerschaft eines dieser Medikamente eingenommen, können Sie dabei bleiben. Frauen, die mit einem anderen TZA behandelt wurden, sollten wenn möglich zu Amitriptylin, Desipramin oder Imipramin wechseln. Haben Sie das Antidepressivum bis zur Geburt eingenommen, sollten Sie in einer Klinik entbinden, in der man auf eventuelle Störungen beim Neugeborenen reagieren kann.

Bei einer Depressionsbehandlung während der Stillzeit mit einem der drei genannten Medikamente können Sie stillen. Bei den anderen Substanzen – außer Doxepin – ist Stillen akzeptabel, wenn das Kind aufmerksam beobachtet wird. Nehmen Sie jedoch Doxepin ein, dürfen Sie nicht stillen.

Angst- und Zwangsstörungen

Während der Schwangerschaft sollten Sie diese beiden Medikamente nur einnehmen, wenn der Arzt es für erforderlich hält. Eltern, die sich über die Entwicklung ihres Kindes vor der Geburt möglichst genau informieren wollen, können dazu spezielle Ultraschalluntersuchungen machen lassen. Haben Sie die Mittel bis zur Geburt eingenommen, sollten Sie in einer Klinik entbinden, in der man auf eventuelle Störungen beim Neugeborenen reagieren kann.

Bei der Behandlung mit Clomipramin können Sie stillen. Bei einer Behandlung mit Doxepin sollten Sie hingegen abstillen.

Neuropathien

Wenn Sie schwanger sind und wegen einer Neuropathie ein Trizyklium einnehmen müssen, ist Amitriptylin das Mittel der Wahl. Haben Sie das Mittel bis zur Geburt eingenommen, sollten Sie in einer Klinik entbinden, in der man auf eventuelle Störungen beim Neugeborenen reagieren kann. Amitriptylin kann auch während der Stillzeit eingesetzt werden.

Für ältere Menschen

Angst- und Zwangsstörungen und Depressionen

Trizyklische Antidepressiva können auch bei älteren Menschen eingesetzt werden. Bei ihnen müssen aber die möglichen Nebenwirkungen besonders beachtet werden. Näheres hierzu lesen Sie in der Einleitung unter Hinweise für ältere Menschen.

Ältere Menschen bauen trizyklische Antidepressiva langsamer ab als jüngere. Darum müssen die Mittel niedriger dosiert werden, zwischen den Einnahmen müssen größere Abstände liegen und zu Beginn der Behandlung darf die Dosierung nur in kleinen Schritten gesteigert werden. Trotz dieser Vorsichtsmaßnahmen können unerwünschte Wirkungen, vor allem am Herzen, vorkommen. Darum sollte der Arzt vor der Therapie ein EKG machen und das nach etwa sechs Wochen wiederholen. Wenn bei der Behandlung mit trizyklischen Antidepressiva Zeichen einer Herzschwäche auftreten, muss die Behandlung überdacht werden.

Dass die Mittel den Blutdruck absinken lassen können, stellt für ältere Menschen eine besondere Gefahr dar. Wird ihnen dadurch schwindlig, können sie stürzen. Die Folge ist häufig ein Hüftbruch, der bei älteren Menschen sehr oft zu einer lebenslangen Beeinträchtigung führt. Amitriptylin(oxid) und Doxepin verursachen bei älteren Menschen besonders häufig Halluzinationen, Verwirrtheit und Desorientierung. Das kann ebenfalls zu Stürzen führen.

Bei bettlägerigen Personen sollte die Verdauung im Auge behalten werden. Hatte der Kranke trotz ausreichender Zufuhr von Ballaststoffen und Flüssigkeit länger als vier Tage keinen Stuhlgang, sollte der Arzt informiert werden, damit sich nicht unbemerkt ein Darmverschluss entwickelt.

Neben Herz-, Leber- und Nierenfunktion sollte bei älteren Patienten auch das Blutbild regelmäßig kontrolliert werden.

Neuropathien

Für einige unerwünschte Wirkungen von Amitriptylin sind ältere Menschen besonders empfindlich. Sie können bei der Behandlung Verwirrtheit, Gedächtnislücken und Halluzinationen entwickeln. In deren Folge steigt das Risiko für Stürze und Knochenbrüche. Bei bettlägerigen Personen muss zudem gezielt für eine regelmäßige Verdauung gesorgt werden, da sonst die Gefahr eines Darmverschlusses besteht.

Bei älteren Menschen sollte – insbesondere wenn die Nierenfunktion gestört ist – Amitriptylin geringer dosiert werden. Näheres hierzu lesen Sie in der Einleitung unter Hinweise für ältere Menschen.

Beim Tragen von Kontaktlinsen

Diese Wirkstoffe können die Produktion von Tränenflüssigkeit in den Augen verringern. Dann werden Kontaktlinsen schlechter vertragen. Wird der Mangel an Tränenflüssigkeit nicht ausgeglichen und die Linsen werden trotzdem getragen, kann die Hornhaut Schaden nehmen.

Zur Verkehrstüchtigkeit

Trizyklische Antidepressiva, vor allem solche mit dämpfenden Eigenschaften (z. B. Amitriptylin, Doxepin), können die Reaktionsfähigkeit beeinträchtigen. Sie sollten deshalb zu Beginn der Behandlung, bei Dosiserhöhungen und Kombinationen mit anderen dämpfenden Substanzen nicht aktiv am Verkehr teilnehmen, keine Maschinen bedienen und keine Arbeiten ohne sicheren Halt verrichten.

Sie sehen nun nur noch Informationen zu: ${filtereditemslist}.