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Interleukin-Hemmstoff: Ustekinumab

Wirkungsweise

Ustekinumab ist ein gentechnisch hergestellter Antikörper, der das menschliche Immunsystem beeinflusst. Daher wird der Stoff bei Krankheiten wie Morbus Crohn und Schuppenflechte eingesetzt, bei denen Entzündungsprozesse durch das körpereigene Immunsystem ausgelöst werden.

Ustekinumab verringert die Aktivität von zwei Immunbotenstoffen (Interleukin-12 und Interleukin-23). Diese Eiweißstoffe spielen im Immunsystem eine wichtige Rolle. Durch Ustekinumab werden so bestimmte Abläufe im Immunsystem unterbrochen und die Entzündung nicht weiter befördert.

Die Endsilbe "mab" beim Wirkstoffnamen macht deutlich, dass die Substanz zur Gruppe der gentechnisch hergestellten monoklonalen Antikörper gehört. "Mab" steht für "monoclonal antibody".

Morbus Crohn

Ustekinumab wird bei Morbus Crohn eingesetzt, da es die Entzündung im Darm bremst.

In einer Studie, bei der die Patienten mit einem TNF-alpha-Hemmer vorbehandelt waren, verbesserten sich die Beschwerden nach sechs Wochen Behandlung mit Ustekinumab bei rund 34 von 100 im Vergleich zu 22 von 100 Personen, die ein Scheinmedikament erhalten hatten.

In einer weiteren Studie mit Patienten, die zuvor noch keinen TNF-alpha-Hemmer erhalten hatten, zeigte sich bei rund 56 von 100 mit Ustekinumab Verbesserungen und bei 29 von 100 der Patienten, die eine Scheinbehandlung erhalten hatten. Bei fortgesetzter Behandlung mit Ustekinumab ist nach einem Jahr noch etwa die Hälfte der Behandelten beschwerdefrei.

Insgesamt ist es noch unklar, welchen Stellenwert das Mittel im Vergleich zu schon länger eingesetzten Mitteln bei Morbus Crohn einnehmen kann. Zudem ist erst unzureichend erforscht, wie der Körper auf eine Langzeitbehandlung mit dem Wirkstoff reagiert. Ustekinumab wird daher als "mit Einschränkung geeignet" zur Behandlung von Morbus Crohn bewertet.

Schuppenflechte

Ustekinumab wird bei Schuppenflechte eingesetzt, da es die Entzündung in der Haut bremst. In Studien konnte nachgewiesen werden, dass Ustekinumab im Vergleich zu einem Scheinmedikament und auch gegenüber dem TNF-alfa-Hemmer Etanercept besser wirkt. Nach zwölf Wochen verbesserte sich durch die Behandlung mit Ustekinumab bei 67 von 100 Personen mit mittelschwerer bis schwerer Schuppenflechte der Hautzustand deutlich im Vergleich zu 4 von 100 Patienten, die mit einem Scheinmedikament behandelt wurden, und 57 von 100, die zweimal wöchentlich mit Etanercept behandelt wurden.

Die Wirksamkeit von Ustekinumab kann dadurch begrenzt werden, dass der Organismus nach wiederholter Anwendung selbst Antikörper gegen das Mittel bildet und es damit unwirksam macht. Da es sich um ein vergleichsweise neues Wirkprinzip handelt, ist erst unzureichend erforscht, welche unerwünschten Wirkungen das Mittel bei Anwendung über längere Zeit hat. Es gibt allerdings Hinweise, dass Ustekinumab im Vergleich zu anderen innerlich angewendeten Psoriasismitteln gut verträglich ist. Über einen Zeitraum von fünf Jahren wird das Mittel seltener wegen nachlassender Wirksamkeit oder unerwünschter Effekte abgesetzt als TNF-alfa-Hemmer wie beispielsweise Etanercept oder Infliximab. Ustekinumab wird als "auch geeignet" bewertet.

Anwendung

Morbus Crohn

Die erste Dosis Ustekinumab wird vom Arzt in die Vene geleitet, die nächste Dosis wird dann acht Wochen später unter die Haut gespritzt.

Sie können sich das Mittel im Laufe der Behandlung auch selbst unter die Haut spritzen, wenn Ihnen ein Arzt die Anwendung gezeigt hat. Für die Erhaltungstherapie wird das Mittel normalerweise alle zwölf Wochen unter die Haut gespritzt. Wenn Sie auf die Behandlung unzureichend ansprechen, kann das Mittel auch alle acht Wochen verabreicht werden. Stellt sich nach 16 Behandlungswochen keine Verbesserung der Beschwerden ein, sollte die Behandlung abgebrochen werden.

Während der Behandlung sollten Sie Ihre Haut regelmäßig selbst auf Veränderungen (Wucherungen, Farb- oder Größenveränderung von Muttermalen etc.) untersuchen. Einmal pro Jahr sollte diese Kontrolle durch einen Hautarzt erfolgen.

Schuppenflechte

Ustekinumab wird unter die Haut gespritzt (subcutan). Die zweite Dosis wird einen Monat nach der ersten gespritzt, dann wird nur noch alle drei Monate eine Dosis gegeben.

Wenn Sie mehr als 100 Kilogramm wiegen, muss die Dosis verdoppelt werden.

Sie können sich das Mittel auch selbst unter die Haut spritzen, wenn Ihnen ein Arzt die Anwendung gezeigt hat. Meiden Sie dabei Hautstellen, die von Psoriasis betroffen sind. Hat sich nach einem guten halben Jahr (28 Behandlungswochen) Ihr Hautbild nicht deutlich verbessert, sollte die Behandlung abgebrochen werden. Während der Behandlung sollten Sie Ihre Haut regelmäßig selbst auf Wucherungen, Farb- oder Größenveränderung von Muttermalen etc. untersuchen. Es kann nicht sicher ausgeschlossen werden, dass das Mittel langfristig die Entstehung von Hautkrebs begünstigt.

Achtung

Vor der Behandlung mit Ustekinumab muss sicher geklärt sein, dass Sie keine Tuberkulose haben. Diese Krankheit kann man sich heute vor allem in den Regionen der Welt zuziehen, in denen Tuberkulose noch häufig vorkommt und unzureichend behandelt wird. Zudem kann man sich bei Menschen, die aus solchen Regionen kommen, anstecken.

Eine Tuberkulose kann aktiv sein oder latent, also unbemerkt vorliegen, weil die Erreger abgekapselt worden sind. Für die Diagnose von Tuberkulose erfragt der Arzt die medizinische Vorgeschichte und macht einen Tuberkulin-Hauttest oder einen Bluttest sowie eine Röntgenaufnahme des Brustkorbs. Wird eine inaktive Tuberkulose festgestellt, müssen Sie vor und zu Beginn einer Therapie mit Ustekinumab zunächst eine Zeit lang ein Tuberkulosemedikament einnehmen.

Eine Impfung mit einem Lebendimpfstoff (z. B. gegen Masern, Röteln, Mumps, Windpocken) wird nicht empfohlen, wenn Sie mit diesem Mittel behandelt werden. Bei dem durch Ustekinumab geschwächten Abwehrsystem kann der Lebendimpfstoff zu der Infektion führen, gegen die geimpft werden soll. Außerdem wird der Impfschutz ungewiss.

Gegenanzeigen

Unter folgenden Bedingungen dürfen Sie nicht mit Ustekinumab behandelt werden:

  • Sie haben eine Blutvergiftung (Sepsis) oder einen Abszess.
  • Sie haben Tuberkulose oder eine andere schwere Infektion, z. B. Hepatitis B oder eine Pilzinfektion im Körperinneren.

Wenn Sie eine wiederkehrende oder chronische Infektionen haben oder hatten oder bei Ihnen eine erhöhte Gefahr für Infektionen besteht, muss der Arzt Nutzen und Risiken der Anwendung von Ustekinumab besonders sorgfältig abwägen. Ein erhöhtes Infektionsrisiko besteht beispielsweise bei einem schlecht eingestellten Diabetes oder einer Lungenfunktionsstörung.

Wechselwirkungen

Ustekinumab ist ein relativ neuer Wirkstoff, für den es bislang keine Informationen über Wechselwirkungen gibt.

Nebenwirkungen

Bei Ustekinumab handelt es sich um einen relativ neuen Wirkstoff mit einem bisher noch nicht genutzten Wirkmechanismus. Daher ist unklar, ob bereits alle unerwünschten Wirkungen bekannt sind, wie bedeutsam sie sind und welche Folgen sie haben können.

Keine Maßnahmen erforderlich

1 bis 10 von 100 Behandelten haben vorübergehend Schmerzen im Mund oder Rachen. Ebenso viele klagen über Kopfschmerzen und Schwindel.

Die Injektionsstelle kann sich röten und schmerzen.

Muss beobachtet werden

Ustekinumab vermindert die Abwehrkraft. Besonders die Zahl der weißen Blutkörperchen, die bei der Abwehr von Krankheitserregern eine wichtige Rolle spielen, nimmt ab. Dadurch werden Sie anfälliger für Infektionen. Bei 1 bis 10 von 100 Behandelten treten Infektionen der oberen Atemwege oder eine Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis) auf. Auch sehr schwerwiegende Infektionen wie Tuberkulose und Blutvergiftung können vorkommen. Dann muss die Behandlung abgebrochen werden. Wenn Sie den Verdacht haben, dass Sie an einem Infekt leiden – z. B. durch plötzlich auftretendes Fieber –, sollten Sie umgehend, spätestens am nächsten Tag, den Arzt aufsuchen. Anzeichen für Tuberkulose sind anhaltender Husten, leichtes Fieber, Gewichtsverlust und Kräfteverfall. Auch bei Atembeschwerden sollten Sie unbedingt den Arzt aufsuchen. Es könnte sich um eine Lungenentzündung handeln.

Nach der Markteinführung sind bei Patienten Entzündungsreaktionen in den Lungenbläschen aufgetreten. Wenn Sie bereits in Ruhe Atemnot haben sowie Reizhusten und ein allgemeines Krankheitsgefühl, sollten Sie sich an einen Arzt wenden. Sie dürfen dann nicht mehr mit dem Mittel behandelt werden.

Wenn die Haut sich verstärkt rötet und juckt, reagieren Sie möglicherweise allergisch auf das Mittel. Bei solchen Hauterscheinungen sollten Sie einen Arzt aufsuchen, um zu klären, ob es sich tatsächlich um eine allergische Hautreaktion handelt, Sie das Mittel ersatzlos absetzen können oder ein Alternativmedikament benötigen.

Morbus Crohn

Auch wenn sich die Haut verändert, sich schuppt, wuchert oder Muttermale sich in Farbe oder Größe verändern, sollten Sie sich an einen Arzt wenden.

Schuppenflechte

Wenn die Haut sich während der Behandlung vermehrt schuppt, Wucherungen oder Farb- oder Größenveränderung von Muttermalen auftreten, statt das sich das Hautbild verbessert, sollten Sie sich an einen Arzt wenden.

Es gibt Hinweise, dass schwerwiegende Infektionen bei Ustekinumab seltener auftreten als bei anderen innerlich angewendeten Psoriasismitteln.

Sofort zum Arzt

Wenn sich schwere Hauterscheinungen mit Rötung, Schwellung und Quaddeln an Haut und Schleimhäuten sehr rasch (meist innerhalb von Minuten nach der Verabreichung) entwickeln und zusätzlich Luftnot, oder eine Kreislaufschwäche mit Schwindel und Schwarzsehen, oder Durchfälle und Erbrechen auftreten, kann es sich um eine lebensbedrohliche Allergie bzw. einen lebensbedrohlichen allergischen Schock (anaphylaktischer Schock) handeln. In diesem Fall muss die Behandlung mit dem Medikament sofort gestoppt und Sie notärztlich versorgt werden.

Schuppenflechte

Wenn sich während der Behandlung das Hautbild deutlich verschlechtert (starke Rötung, Schälen der Haut über eine größere Fläche des Körpers), kann es sich um eine schwerwiegende Reaktion auf das Arzneimittel handeln, die als exfoliative Dermatitis bezeichnet wird. Wenden Sie dann Ustekinumab nicht mehr an und zeigen die Hautreaktionen sofort einem Arzt.

Besondere Hinweise

Zur Empfängnisverhütung

Frauen, die schwanger werden können, sollten während der Behandlung mit Ustekinumab und noch bis vier Monate nach ihrem Ende eine Empfängnis sicher verhüten.

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Ustekinumab sollte während der Schwangerschaft sicherheitshalber nicht angewendet werden. Es ist nur vertretbar, wenn der Arzt es für unbedingt erforderlich hält und andere Medikamente nicht infrage kommen.

Wegen unzureichender Erfahrungen empfiehlt der Hersteller, während der Behandlung mit Ustekinumab nicht zu stillen, da geringe Mengen des Wirkstoffs in die Muttermilch übergehen können. Es wird aber angenommen, dass diese geringen Mengen bereits im Magen-Darm-Trakt des Kindes inaktiviert werden und somit keine Wirkung im Körper des Kindes entfalten. Daher kann Experten zufolge das Stillen auch akzeptabel sein, wenn die Behandlung der Mutter unbedingt erforderlich ist.

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Morbus Crohn

Kinder und Jugendliche sollten nicht mit Ustekinumab behandelt werden. Die Wirksamkeit und Verträglichkeit ist in dieser Altersgruppe nicht nachgewiesen.

Schuppenflechte

Kinder und Jugendliche ab sechs Jahren mit Schuppenflechte können mit dem Mittel behandelt werden. Die Dosis wird bei Kindern und Jugendlichen, die weniger als 60 kg wiegen, nach dem Körpergewicht festgelegt.

Für ältere Menschen

Personen über 65 Jahre sind besonders gefährdet, Hautkrebs zu entwickeln. Dies könnte durch die Therapie mit Ustekinumab begünstigt werden. Daher sollten Sie Ihre Haut regelmäßig auf Veränderungen (Wucherungen, Farb- oder Größenveränderungen von Muttermalen) untersuchen. Lassen Sie verdächtige Stellen von einem Hautarzt untersuchen.

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Anwendungsgebiete dieses Wirkstoffs