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Plättchenhemmer: Clopidogrel

Wirkungsweise

Clopidogrel behindert das Verkleben der Blutplättchen (Thrombozyten) und ist damit geeignet, einem zweiten Herzinfarkt oder Schlaganfall vorzubeugen sowie Bypässe und aufgedehnte Blutgefäße in Becken und Beinen (im Rahmen einer PAVK) offen zu halten. Der Wirkstoff wirkt auf andere Art und Weise als der bekannte Plättchenhemmer Acetylsalicylsäure (ASS). Im Vergleich zu diesem kann Clopidogrel bei Patienten mit einer sicher diagnostizierten PAVK einen zweiten Herzinfarkt oder Schlaganfall besser verhindern. Testergebnisse Clopidogrel

Die kombinierte Gabe von ASS und Clopidogrel ist angezeigt, wenn die Durchblutung in den Herzkranzgefäßen so gestört ist, dass schon in Ruhe Beschwerden auftreten (Engegefühl in der Brust, Atemnot, Schmerzen im Brustkorb). Bei einem solchen "akuten Koronarsyndrom" ist es nötig, die verengten Blutgefäße möglichst unverzüglich mit einem Ballonkatheter aufzudehnen und mit einem Stent durchgängig zu halten. Eine Kombinationsbehandlung mit den beiden Mitteln kann bis zu zwölf Monate nach einem akuten Koronarsyndrom sinnvoll sein, insbesondere wenn ein medikamentenbeschichteter Stent eingebracht wurde. Um in der Folgezeit einem Herzinfarkt oder Schlaganfall vorzubeugen, genügt dann die alleinige Gabe von ASS in niedriger Dosierung.

Um die Magenschleimhaut zu schützen, verordnen Ärzte zusätzlich zu ASS und/oder Clopidogrel häufig ein säureblockierendes Mittel (z. B. Omeprazol, Pantoprazol, auch Protonenpumpenhemmer genannt). Das kann aber auch problematisch sein. Zurzeit ist unklar, ob der Zusatz der säureblockierenden Mittel die Wirksamkeit von Clopidogrel abschwächt, sodass möglicherweise Herzinfarkte und Schlaganfälle häufiger auftreten können. Wenn Sie Clopidogrel einnehmen müssen, sollten Sie deshalb auch nicht eigenmächtig säureblockierende Mittel einnehmen. Sicherheitshalber kann der Arzt erwägen, statt eines säureblockierenden ein etwas schwächer wirkendes säurehemmendes Mittel zu verordnen (z. B. Famotidin). Ein solcher "Magenschutz" ist aber nicht bei jedem erforderlich, unter folgenden Bedingungen können Sie darauf verzichten:

  • Sie hatten bisher noch kein Magengeschwür und auch noch keine Magenblutung.
  • Sie haben keine Magenbeschwerden und auch kein Sodbrennen oder eine Refluxerkrankung.
  • Sie erhalten keine anderen blutgerinnungshemmenden Medikamente (z. B. Marcumar, Xarelto).
  • Sie bekommen nur Clopidogrel und nicht zusätzlich noch ASS.
  • Sie werden nicht mit cortisonhaltigen Mitteln behandelt.

Die zusätzliche Gabe von säureblockierenden Mitteln ist nur in folgenden Situationen sinnvoll:

  • Die Schleimhaut Ihrer Speiseröhre ist aufgrund von zurückfließendem Magensaft entzündet (Reflux-Krankheit).
  • Sie nehmen nichtsteroidale Antirheumatika ein (z. B. Diclofenac, Ibuprofen). Dann besteht ein höheres Risiko, dass sich ein Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwür entwickelt.
  • Sie haben einen Tumor in der Bauchspeicheldrüse oder im oberen Abschnitt des Dünndarmes, der zu einer erhöhten Magensäureproduktion führt (Zollinger-Ellison-Syndrom).
  • Sie haben eine Infektion mit Helicobacter pylori (Erreger von Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren) und erhalten deshalb als Bestandteil einer 10- bis 14-tägigen Therapie zur Beseitigung des Magenkeims auch ein säureblockierendes Mittel.

Anwendung

Von Clopidogrel nehmen Sie zur Dauerprophylaxe einmal täglich 75 Milligramm unabhängig von den Mahlzeiten ein. Es dauert etwa drei bis sieben Tage, bis das Mittel in dieser Dosierung seine volle Wirkung entfaltet hat.

Bei akutem Koronarsyndrom, wenn Clopidogrel vor einer Ballondilatation oder Bypass-Operation erstmals gegeben wird, ist deshalb eine sehr hohe Dosierung sinnvoll: Bei einer Dosis von 600 Milligramm Clopidogrel setzt die Wirkung nach etwa zwei bis vier Stunden ein, bei 300 Milligramm nach zirka 24 Stunden.

Achtung

Das Mittel hemmt die Blutgerinnung. Bei Verletzungen kann es daher länger dauern, bis sich die Wunde schließt. Wenn aus unklarer Ursache Blutungen auftreten, sollten Sie baldmöglichst einen Arzt aufsuchen.

Vor einer geplanten Operation oder einem zahnärztlichen Eingriff kann es notwendig sein, das Mittel etwa sieben Tage vorher abzusetzen. Besprechen Sie das mit dem Arzt. Wenn er es für zu riskant hält, die Blutgerinnung nicht mehr zu hemmen, kann es sinnvoll sein, den operativen Eingriff so lange zu verschieben, bis Sie das Mittel absetzen können, ohne dass die Gefahr für ein Blutgerinnsel steigt.

Gegenanzeigen

Clopidogrel dürfen Sie nicht anwenden, wenn Ihre Leberfunktion stark beeinträchtigt ist oder wenn Sie akute Blutungen haben, zum Beispiel im Gehirn oder aufgrund eines Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwürs. Wenn Ihre Leber- oder Nierenfunktion nur geringfügig beeinträchtigt sind, sollte der Arzt Nutzen und Risiken der Anwendung von Clopidogrel sorgfältig abwägen.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Wenn Sie noch andere Medikamente nehmen, ist zu beachten:

  • Wenn Sie Clopidogrel zusammen mit Acetylsalicylsäure einnehmen, verstärkt sich die Blutungsneigung.
  • Wenn Sie gleichzeitig nichtsteroidale Antirheumatika einnehmen (z. B. Naproxen), besteht ein höheres Risiko für Magen-Darm-Blutungen.
  • Wird Clopidogrel gemeinsam mit einer HIV-Behandlung verabreicht, die das Virusstatikum Ritonavir beinhaltet, kann dies die blutgerinnungshemmende Wirkung von Clopidogrel herabgesetzen. Die gleichzeitige Anwendung sollte daher vermieden werden.

Unbedingt beachten

In Kombination mit Mitteln zur Blutverdünnung wie Phenprocoumon und Warfarin (bei erhöhter Thrombosegefahr) verstärkt sich die gerinnungshemmende Wirkung. Dadurch erhöht sich das Risiko für innere Blutungen. Dies gilt auch, wenn die Mittel gemeinsam mit einem anderen gerinnungshemmenden Mittel wie Apixaban, Dabigatran und Rivaroxaban oder zusammen mit Heparinen (z. B. Enoxaparin), NSAR (z. B. Ibuprofen und Diclofenac, bei rheumatischen Erkrankungen, Schmerzen) angewendet werden. Näheres hierzu lesen Sie unter Mittel zur Blutverdünnung: verstärkte Wirkung.

Auch pflanzliche Mittel können die Blutgerinnung beeinflussen, vor allem Mittel mit Knoblauch und Ginkgo. Wenn Sie solche Mittel gleichzeitig einnehmen, sollte die Blutgerinnung kontrolliert werden.

Nebenwirkungen

Das Mittel kann Ihre Leberwerte beeinflussen, was Zeichen einer beginnenden Leberschädigung sein kann. Sie selbst bemerken in der Regel davon nichts, sondern es fällt nur bei Laborkontrollen durch den Arzt auf. Ob und welche Konsequenzen dies für Ihre Therapie hat, hängt sehr vom individuellen Fall ab. Bei einem lebensnotwendigen Medikament ohne Alternative wird man es oft tolerieren und die Leberwerte häufiger kontrollieren, in den meisten anderen Fällen wird Ihr Arzt das Medikament absetzen oder wechseln.

Keine Maßnahmen erforderlich

Bei 1 bis 10 von 100 Behandelten kann die verstärkte Blutungsneigung dazu führen, dass bei Stößen und Prellungen leicht blaue Flecken entstehen, dass es aus Einstichstellen (bei Injektionen), bei Verletzungen oder nach operativen Eingriffen länger blutet.

Mehr als 1 von 100 Behandelten klagt über Magen-Darm-Beschwerden wie Bauchschmerzen, Übelkeit oder Erbrechen.

Bei etwa 1 von 100 Behandelten können Kopfschmerzen und Schwindelgefühl auftreten.

Muss beobachtet werden

Wenn die Haut sich verstärkt rötet und juckt, reagieren Sie möglicherweise allergisch auf das Mittel. Bei solchen Hauterscheinungen sollten Sie einen Arzt aufsuchen, um zu klären, ob es sich tatsächlich um eine allergische Hautreaktion handelt und Sie ein Alternativmedikament benötigen. Solche Unverträglichkeitsreaktionen kommen bei 1 bis 10 von 1 000 Behandelten vor.

Unter Clopidogrel entwickelt sich bei 1 bis 10 von 1 000 Behandelten ein Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwür.

Aufgrund der erhöhten Blutungsneigung kann sich auch eine Blutarmut entwickeln, die sich durch Blässe und Müdigkeit bemerkbar macht. Fühlen Sie sich müde und erschöpft, ohne dass Sie dafür eine Ursache ausmachen können, sollten Sie sich an einen Arzt wenden.

Clopidogrel kann in seltenen Fällen eine "Bluterkrankheit" (Hämophilie) verursachen. Dann gerinnt das Blut deutlich langsamer als bei anderen Menschen. Wenn Sie an sich ausgedehnte Blutergüsse und Einblutungen bemerken und sich Wunden nur zögerlich schließen, sollten Sie das einem Arzt mitteilen. Wenn bei der Überprüfung Ihres Blutgerinnungsstatus festgestellt wird, dass sich Hemmkörper gegen einen Gerinnungsfaktor gebildet haben, muss das Mittel abgesetzt werden.

Sofort zum Arzt

Wenn plötzlich heftige Bauchschmerzen einsetzen, die bis in den Rücken ausstrahlen, oder wenn Sie gar Blut erbrechen müssen, ist davon auszugehen, dass es aus einem Magengeschwür stark blutet, möglicherweise hat es sogar schon die Magenwand durchbrochen. Dann müssen Sie sofort den Notruf (Telefon 112) wählen.

Besonders wenn Sie zwei Plättchenhemmer gleichzeitig einnehmen, in der Regel zusätzlich ASS, kann es zu Einblutungen in das Gehirn kommen. Anzeichen dafür sind unter anderem eine halbseitige Lähmung von Arm und Bein, ein einseitig herabhängender Mundwinkel, plötzlich auftretende Kopfschmerzen und/oder Schwindel, Sprachstörungen, Sehstörungen bis hin zu Bewusstseinstrübung oder gar Bewusstlosigkeit. Dann muss sofort ein Notarzt (Telefon 112) gerufen werden.

Wenn sich schwere Hauterscheinungen mit Rötung und Quaddeln an Haut und Schleimhäuten sehr rasch (meist innerhalb von Minuten) entwickeln und zusätzlich Luftnot oder eine Kreislaufschwäche mit Schwindel und Schwarzsehen oder Durchfälle und Erbrechen auftreten, kann es sich um eine lebensbedrohliche Allergie bzw. einen lebensbedrohlichen allergischen Schock (anaphylaktischer Schock) handeln. In diesem Fall müssen Sie die Behandlung mit dem Medikament sofort stoppen und den Notarzt (Telefon 112) verständigen.

Das Mittel kann in Einzelfällen zu vereinzelt auftretenden, schwerwiegenden, teilweise auch tödlichen Hautreaktionen führen. Meist entwickeln sie sich etwa drei bis fünf Wochen nach der Anwendung. Typischerweise dehnen sich die Hautrötungen aus und es bilden sich Blasen. Auch die Schleimhäute des gesamten Körpers können betroffen sein und das Allgemeinbefinden wie bei einer fiebrigen Grippe beeinträchtigt. Bereits in diesem Stadium sollten Sie sich unbedingt an einen Arzt wenden, denn diese Hautreaktionen können sich rasch verschlimmern.

Wenn Sie grippeartige Beschwerden haben, sich längere Zeit abgeschlagen und müde fühlen und Halsschmerzen und Fieber auftreten, kann es sich um eine Störung der Blutbildung handeln, die bedrohlich werden kann. Sie müssen dann umgehend den Arzt aufsuchen, damit er das Blutbild kontrollieren kann. Diese Blutbildungsstörungen treten am ehesten in den ersten drei Behandlungsmonaten auf, bei etwa 1 von 1 000 Behandelten. Anfangs muss der Arzt deshalb das Blutbild alle 14 Tage kontrollieren.

Das Mittel kann die Leber schwer schädigen. Typische Anzeichen dafür sind: eine dunkle Verfärbung des Urins, eine helle Verfärbung des Stuhlgangs oder es entwickelt sich eine Gelbsucht (erkennbar an einer gelb verfärbten Augenbindehaut), oft begleitet von starkem Juckreiz am ganzen Körper. Tritt eines dieser für einen Leberschaden charakteristischen Krankheitszeichen auf, müssen Sie sofort zum Arzt gehen.

Sehr selten kommt es zu Schäden an den Blutplättchen und Zerstörung der roten Blutkörperchen. Das zeigt sich typischerweise an punktförmigen Hauteinblutungen. Sie sollten diese rasch einem Arzt zeigen.

Besondere Hinweise

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Mangels Erfahrung sollten Sie dieses Mittel nur anwenden, wenn mit ASS in niedriger Dosierung keine ausreichende Gerinnungshemmung zu erreichen ist. Wurde Clopidogrel in der Frühschwangerschaft verabreicht, sollten Sie mit einem Arzt klären, ob mithilfe einer speziellen Ultraschalluntersuchung die Entwicklung des Kindes überprüft werden soll. Bislang wurden nur wenig Fälle dokumentiert, bei denen haben sich aber keine negativen Auswirkungen auf die Entwicklung des ungeborenen Kindes gezeigt.

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Clopidogrel ist nicht für Kinder zugelassen. Die therapeutische Wirksamkeit konnte für Kinder bislang nicht ausreichend belegt werden.

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